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III. Jahrgang, XIX. Stück, den 12. May 1773.

I. Allerhöchste Verordnungen.

Regulament, welches bey der Rekrutirung, als ein beständiges Gesätz für das Königreich Böheim, das Erzherzogthum Oesterreich ob - und unter der Enns, die Herzogthümer Steyer, Kärnten Krain und Schlesien, das Marggrafthum Mähren und die Grafschaft Görz und Gradiska, allergnädigst erkläret worden.

Den 10. Merz 1773.

Erster Abschnitt.

Von den Werbberzirken überhaupt.

Zur Erleichterung der Stellung sowohl, als wegen bequemlicher Uebernehmung der Rekruten werden in den Ländern beständige Werbebezirke eingeführet, in diese die Regimenter eingetheilet, und jeder Bezirk nach dem Inhalt des unterm 12ten Merz 1771. ergangenen Patents wiederum in 16. Compagien oder Divisionen untertheilet. Diese Ein- und Untertheilungen haben die Generalcommandi zu veranlassen; jedoch mit den Länder-Stellen sich darüber einzuvernehmen, und zwischen Regimentern und Kompagnien eine so viel thunliche Gleichheit zu beobachten. Es muß daher

1.)Von nun an die Untertheilung der Regimenter, in jedem Lande kreisweise, wie sie die Militärbücher dermalen führen, geschehen. Es haben aber nur die Infanterieregimenter die Werbbezirke zu besorgen, und die Kavallerieregimenter werden in jene von der Infanterie eingetheilet.

2) Wo die Regimenter im Lande selbst anwesend sind: besorgen sie ihre Werbbezirke durch sich selbst: wo aber nicht einmal das Garnisonsbataillon zugegen ist, da müssen Commandirte zurückgelassen werden. Denen zu diesem Ende commandirten Ober- und

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Unterofficieren wie auch Gemeinen, gebühret das unentgeltliche Quartier, bei dem Landmanne, nebst dem gemeinschaftlichen Holz und Licht, gegen Bezahlung. des Schlafkreuzers: die Oberofficiers haben sich den Service selbst anzuschaffen.

3.) Lassen sich zwar die Werbbezirke dermalen nur so eintheilen, wie die Regimenter die Militärbücher in Händen haben; weil noch nicht alle Regimenter bestimmet sind, die an der Erbländischen Rekrutirung, Theil nehmen sollen: indessen muß gleichwohlen ein jedes derselben, soabald die Eintheilung getroffen worden, und die von den Regimentern verfertigten den Generalcommandi übergebenen, und von diesen den Landesstellen mitgetheilten Ortslisten, den Kreisämtern zugekommen sind, den Orts- oder zusammengezogenen Gegendvorsteher, oder wem sonst die Collectirung der Meldungszettel nach der Landesverfassung übertragen wird, überhaupt den Grundobrigkeiten, nicht nur sein des Regiments - unter dessen Werbbezirk, sondern auch das Numero der Kompagnie unter deren Division die Untertheilung, das Ort oder die zusammengezogene Gegend gehörig, eröffnen, damit solches sofort jedem Hauseigenthümer oder Familenvater bekannt werde. Die allerhöchsten Befehle wegen der Eintheilung der Werbbezirke, welche eigentlich dem Militari zustehet, werden durch den hochlöbl. Hofkriegsrath den Generalcommandi durch besondere Orders: den Länderstellen oder durch die hochlöbl. böheimisch- und österreichische Kanzley bekannt gemacht.

Die allergnädigste Gesinnung gehet übrigens vorzüglich dahin, daß das Militare in den Werbbezirken, nicht nur mit Jurisdicenten, Obrigkeiten, Beamten und Vorstehern, sondern auch mit dem Landvolke selbst, auf eine gefällige und freundschaftliche Art umgehen: diese aber hinwieder dem Militari, auf gleiche Art begegnen, und die Werbbezirksangelegenheit in besserer Einverständniß auszugleichen trachten sollen.

II. Wissenschaften.

Nützliche Bücher.

Sammlungen nützlicher und angenehmer Gegenstände aus allen Theilen der Naturgeschichte, Arzneywissenschaft und Haushaltungskunst, herausgegeben von F. K. von Wasserburg, verschiedener Gelehrten Gesellschaften korrespondirendem Mitgliede. 1ter Theil. Omnibus. Leipzig 1773.

Wir haben zwar in dieser Sammlung, von Erbländischen Gegenständen nichts Eigenes gefunden: indessen verdienet sie unsere Aufmerksamkeit; weil sie von einem unserer Gelehrten und sein Feld fleißig bearbeitenden Mitbürger, vorgenommen, und weil bereits in diesem 1ten Theile eine sol-

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che Wahl getroffen worden,die sehr vielen gefallen, und nützen wird.

Im Vorberichte legt der Hr. Verfasser den Plan, nach welchem er seine Sammlung fortsetzen will, in Folgendem seinen Lesern vor.

Unter den übrigen Theilen der Arzneywissenschaft wird die Scheidekunst einen vorzüglichen Platz einnehmen. Die geringste Arzneymittellehre wird eine besondere Achtung verdienen. In der Naturgeschichte wünschet er neue, oder aufs neue bestättigte merkwürdige Anmerkungen zu erhalten, über die besondere Geschichte, theils bekannter, theils unbekannter Thiere, über ihre, Eigenschaften, Lebensart, Fortpflanzung. Die übrigen Zweige der Naturgeschichte, und unter diesen hauptsächlich das Mineralreich, sind auch sein Gegenstand. Auch die Künste und Handwerke sollen nicht übergangen werden.

Wir wollen nun aus dem Inhalte eins und das andere anführen, damit unsere Leser von dem Werthe und der Nützlichekeit dieser Sammlung selbst urtheilen können.

1. Von der Rinde des Tabbachbaumes, einem neuen Mittel wider den Durchfall, welches Hr. Sparke, Wundarzt des Bezirks am Sambiastrome in Afrika von einem Neger erlernet, und bekannt gemacht hat.

2. Anweisung, ein höchst reines destillirtes Wasser zu bereiten, von Hr. D. Christ. Ehrenfr. Weigel.

3. Verfertigung eines Schießpulvers, welches viel mächtiger, als das gewöhnliche wirket, und weiter träget, aus dem Stralsund Magazin.

8. Wirkungen des Mohns in verschiedenen Thieren, aus der Gazette Salutaire. Bey Kühen, die davon gefressen hatten, entzündeten sich in kurzer Zeit die Augen, und sie wurden wühtend. Kleine Vögel aber, die davon assen, starben noch am nämlichen Tage.

10. Wie Stumme reden lernen können? aus der großen Physiologie des Hrn. von Haller.

12. Mittel, wilde ungezähmte Pferde zahm zu machen, aus des Hrn. Garsault nouveau parfait Marechal, übersetzt vom Hrn. Krünitz, Berlin 1770. Wenn man das unbändige Pferd mit dem hintern Theile nach der Krippe stellet, und einen Menschen Tag und vor seiner Kopf stehen, und ihm von Zeit zu Zeit eine Hand voll Heu vorhalten läßt, ohne zu gestatten, daß es sich niederlege, so wird man verwundernd sehen, wie geschwind ein solches Pferd von seiner Unbändigkeit abläßt. Doch wird angemerkt, daß es Pferde gäbe, welche diesen harten Versuch, wohl 8 Tage lang aushalten, ehe sie sich bequemen.

13. Herabbringung des Goldes von vergoldeten Arbeiten, aus Herrn Wilh. Lewis Geschichte des Goldes.

14. Vom grauen Amber.

15.Anzeige der hauptsächlisten Rettungsmittel derer, die auf plötzliche Unglücksfälle leblos gewor-

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den sind, oder in Lebensgefahr schweben. Von D. Philipp Gabriel Hensler, königl. Dänischen Physikus zu Altona. Der Hr. Verfasser hat einen besondern Dank verdienet, daß er dieses, wie in der Anmerkung davon mit Grund gesagt wird, zum Vortheil des ganzen menschlichen Geschlechts geschriebene Werkchen, durch seine Sammlung bey uns bekannt zu machen, gesucht hat. Da wir wegen seiner Gemeinnützigkeit wünschen, daß es auch in andere Erbländische Sprachen übersetzt werden möchte; so wollen wir zur Rechtfertigung dieses Wunsches, nur den Inhalt desselben kürzlich hersetzen.

Es kommen darin vor, die Rettungsmittel 1. bey Ertrunkenen, 2. bey Erwürgten, (siehe den IIten Jahrg. XX. St) 3. todtscheinenden Neugebohrnen. 4. Erdrückten Kindern. 5. Durch Dämpfe und Dünste Betäubten 6. Durch Gift plötzlich Ergriffenen. 7. An eingeschluckten Sachen Stickenden. 8. Erfrornen 9. Verschiedenen anderen Leblosen oder in Lebensgefahr Gebrachten.

16. Des Hrn. Herausgebers eigene Anmerkungen über die Pörnerische Recension einer Abhandlung vom Thon, die Hrn. Baume zum Verfasser hat.

17. Schreiben des Hrn. Franz Schimack geschwornen Leibwundarztes bey dem Fürsten von Paar, worinn merkwürdige Beobachtungen aus der Arzneywissenschaft enthalten sind. Dieser geschickte Wundarzt, des Hrn. Herausgebers guter Freund, heilte eine ledige Weibsperson von 19. Jahren, am Steine in der Harnblase. Er schreibt: „Ich bediente mich keines Schnittes sondern nahm, nachdem der Harngang gehörig erweitert worden, mit freyer Hand einen Stein hinweg, welcher als er noch frisch war, gegen 12. Unzen, nachdem er aber trocken worden, 5 Unzen am Gewicht hatte. ec.“

„Uebrigens sah ich einen armen Mann vor Hunger das gekochte Blut fressen, welches ich kurz vorher aus dem Arm eines an der regierenden Epidemie darnieder liegenden Menschen herusgelassen, und er mir heimlich entfremdet hat.“

18. Beobachtungen über den Biß giftiger Schlangen, vom Hrn. Hacquet, einem Manne, der nach dem Zeugnisse des Hrn. Herausgebers in der Naturgeschichte und der Scheidekunst aufs beste erfahren ist.

19. Bauart verschiedener Gattungen von Reis in Cochinchina.

20. Vom Zuckerrohre daselbst.

21. Betrachtungen über den Ackerbau in China u. s. w.

Wir wünschen, daß es dem Hrn. Verfasser an Aufmunterung nicht gebrechen möchte, bey diesem löblichen Vorhaben zu beharren, und darinn eifrig fortzufahren.

v. M.

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III. Naturgeschichte.

Von ungarischen Perlen.

Die Perlen gehören eigentlich nicht unter die Anzahl der Edelsteine. Es ist uns auch nicht unbekannt, daß sie von einigen in das vegetabilische Reicht gesetzt werden; weil sie wachsen und zu gesetzter Zeit reif und vollkommen werden. Andere geben ihnen eine Stell unter den Thiersteinen (Calculi animalium); weil sie, in, oder neben einem Thier, erzeugt oder gefunden werden. Dieses ist keinesweges zu tadeln, wenn man von dergleichen Sachen in einer systematischen Ordnung handeln will; wir berufen uns aber auf unsre, gleich Anfangs gemachte Erklärung: nämlich, daß wir hier nicht willens sind, von Edelsteinen ein Lehrbuch; sondern nur lediglich einen historischen Bericht zu ertheilen. Und da man die Perlen ohnehin unter die Schätze und Reichthümer der Welt zählet, zum Schmuck und zum Pracht anwendet, auch sonsten mit andern Juwelen und Edelsteinen in gleichen Rang setzet: da der Jubelierer mit Perlen eben so vortheilhaft seinen Handel und sein Gewerbe treibet, als mit Diamanten, Rubinen, und andern Edelsteinen; so kann auch die Nachricht von Ungarischen Perlen, mit allem Recht, allhier ihren Platz behaupten.

Um aber auf die Sache selbst zu kommen; so können wir von ungarischen Perlen vor dießmal so viel sagen: daß dieselben in der Gegend bey Debreczin, nicht weit von einem gewissen Dorf Derecske, in einem See oder Teich gefunden worden. Sie liegen daselbst in kleinen und großen Muscheln, und man kann sie zu einer gewissen Zeit sammeln. Einige sind kugelrund; einige etwas platt, einige ganz unförmlich und ohne einer bestimmten Figur. Es finden sich auch dergleichen Stücke darunter, wo etliche Perlen, entweder in einer geraden Linie 4. bis 5. oder nur in einem Haufen 6. bis 8. ohne Ordnung gleichsam an einander geschmolzen sind. Die erstern stellen beynah einen kleinen Cylinder vor, die letzten aber, sehen von der einen Seite, wie eine einzige unförmliche platte Perle aus; an der andern aber kann man es deutlich beobachten, daß etliche Stücke fest neben einander sitzen, und zusammen gewachsen sind.

In der Farbe sind diese Perlen recht schön, weiß, blaulicht, einige etwas gelb und glänzend, dergestalten, daß sie in diesem Stücke den orientalischen wenig oder nichts nachgeben: nur etliche wenige darunter, haben eine todte Kalkfarbe gleich den Eyerschalen oder Krebssteinen. Es ist aber sehr leicht die Ursache davon zu errathen: weil dergleichen Perlen, noch nicht zu der gehörigen und vollkommenen Reife gelanget sind. Wären sie so lange wie die vollkommenen, in ihren Muscheln verblieben,

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so hätten sie auch eben denselben Glanz und Schönheit mit denen übrigen erreichet.

Was die Größe derselben betrift, als diejenige Eigenschaft einer Perle, worauf man am meisten siehet, und wornach auch zugleich mit, ihr Werth bestimmet wird; so sind sie zwar nicht von der kleinen Sorte, doch aber sind die einzelnen, die nicht mit andern zusammen gewachsen sind, auch nicht sehr groß, und übertreffen nicht viel in ihrer Größe ein Saamenkörnlein von Rüben und dergleichen Gewächsen. Sie haben keine fertige Löcher; daher man auch bis dato davon, außer den Apotheken, noch keinen andern Gebrauch gemacht hat.

Hier hätte die erste Abtheilung von Ungarischen Edelsteinen schon in so weit ihr Ziel erreichet, wenn nicht etwas weniges von solchen Steinen, zu erinnern wäre, die zwar zu dieser Klasse nicht eigentlich gehören, davon man aber nur zweifelhafte Muthmassungen und keine zuverlässige Berichte oder gewisse Erfahrung bis auf diese Zeit, in Ungarn hat. Es geschieht dieses; theils die Liebhaber und Sammler von Ungarischen Naturalien, wenn etwas von dergleichen Edelsteinen vorkommt, aufmerksam zu machen; theils aber diejenigen, die vielleicht bessere Berichte oder einige Erfahrung davon haben, aufzumuntern, dieselben öffentlich bekannt zu machen. wachen. Wir setzen hier

1) Den Smaragd, welcher wie bekannt, ein grüner durchsichtiger Stein ist, nicht sehr hart, aber in der Farbe so standhaft, daß er dieselbe auch im Feuer behält. Von diesem Edelsteine kann man noch mit keiner Gewißheit sagen, daß derselbe in Ungarn erzeugt werde. Weder ausländische noch einheimische Schriftsteller machen die geringste Meldung davon. Der Turocius sagt nur so viel: daß in der nämlichen Höhle auf dem Berg Swidowo, allwo man, nach seinem Berichte, Rubinen finbet, auch Splitter von Steinen anzutreffen wären, die auf eine gewisse Art einen Smaragd vorstellen. Seine Worte sind S. 314. Lapidum fragmenta reperiuntur Smaragdum quodammodo referentta. Vor einigen Jahren bekam man eine Versteinerung, die eben in Ungarn gefunden wurde, zu sehen, welche der Erfinder und Besitzer, vor einen versteinerten Menschenfinger ausgab. Die Oberfläche von dieser Versteinerung, welche den Knochen dieses versteinerten Fingers vostellen sollte, war weiß und undurchsichtig; das Innere aber der Röhre oder des Marks war durchsichtig, und in der Farbe einem hellgrünem Smaragd ähnlich. Außer dem hat man, so viel uns bewußt ist, von dem Smaragd, noch keine gewisse Spuren in Ungarn entdeckt.

2.) Den Saphir: von diesem läßt sich eben so wenig, als von dem Smaragd, mit einiger Gewißheit sagen; man müßte dan zuvor sich überreden können, daß alle Fabeln und Erzählungen von dem karpatischen Gebirge ihre Richtigkeit hätten. Denn daselbst sollen, wie man sagt, auch blaue durchsichtige Steine anzutreffen seyn,

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wenn man sie zu suchen weiß. Möglich ist, daß etwas dergleichen, in den Gegenden dieses Gebirges, mag gefunden worden seyn, und ist entweder aus Mangel der Erkänntniß davon, und Unachtsamkeit verworfen worden, oder auch sonsten in unrechte Hände gerathen; weil man davon nichts mehr zu sehen bekömmt. Es giebt zwar in Ungarn eine Art Steine, die man Luxsaphire zu nennen pfleget; sie gehören aber nicht in diese, sondern in folgende Klasse.

3.) Den Türkis, der sonsten grün oder blau ist. Man hält ihn fast durchgehends für einen versteinerten Zahn eines Thieres. Kundmann berichtet, in Prompt Rer. Natural. daß zu Breßlau in der Bibliothek bey St. Elisabeth ien Ungarischer Türkis zu sehen ist. Aus welcher Gegend dieses Landes aber, dieser Stein sey, sagt Kundmann nicht, und wir können es auch nicht sagen; weil, so viel man bisher erfahren können, keiner gefunden wird. Ev. Brown bestimmt den Ort ihrer Erzeugung bey Neusohl, indem er von dieser Bergstadt S. 188. folgender Gestalt schreibet: ,,Auch werden Steine daselbst gefunden von einer schönen grünen und blauen Farbe, und giebt es deren eine gewisse Art, darauf sie Türkisse gefunden haben, welche sie auch deshalb die Türkismutter nennen." Allein als D. Bruckmann im Jahr im 1724 diese Gegend besuchte, und sich wegen diesen Steinen besonders erkundigte, auch mit allem Fleiß darnach forschte; wollte niemand in dieser ganzen Gegend etwas wissen, daß dergleichen jemals daselbst angetroffen worden wären, wie Bruckmann solches selbst berichtet in seiner unterirdischen Schatzkammer S 253. Herr P. Fridwalszky muthmasset daher nicht uneben, wenn er in seiner Mineral. M. Princ. Transilv. dafür hält; daß diese Steine, die man für Ungarische Türkise ansiehet, und ausgiebt, auch Malachiten, oder dichtes Kupfergrün seyn könnten, dergleichen man im Herrengrund, und in den Banatischen Kupfergruben, in eben einer solchen Figur und Gestalt, wie ein Türkis zu seyn pfleget, nicht selten findet. Es gehöret also dieser Stein auch mit unter die Anzahl derjenigen, davon man nichts gewisses und zuverlässiges sagen kann.

Und hiemit machen wir den Beschluß von der ersten Abtheilung, darinnen die Edelsteine vom ersten Rang oder die ungarischen Ganzedelsteine beschrieben worden sind. In der Fortsetzung wollen wir noch das Rückständige von den gemeinern oder Halbedelsteinen kurz anführen.

ab H.

IV. Vermischte Nachrichten.

Nicht bloß der ungefähre Zufall; auch nicht allein die Nothwendigkeit ist es, denen man die Erfindung nützlicher Dinge zuzuschreiben hat. Eine eifrige Bemühung, ein genaues und

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scharfes Nachsinnen, um das Unbekannte, das in der Natur verborgen liegende zu erforschen, auszuspähen, und zum Nutzen des Nebenmenschen tauglich zu machen, bringet nicht weniger sowohl in dem Reiche der Gelehrsamkeit, als zum gemeinen Leben, gute, nützliche und brauchbare Sachen ans Licht. Folgendes aus dem Römischen Reiche, an die Gesellschaft erlassene Schreiben, | beweiset uns die Wahrheit dieses Satzes; wir theilen es unsern Lesern mit ganz besonderem Vergnügen mit.

Meine Herren!

Ich lese ihr Anzeigen: ich finde, daß Ihre Bemühungen hauptsächlich dahin gehen, ihrem Nebenmenschen nützlich zu seyn. Eben dieses ist auch meine Bestrebung. so will ich dann keinen Augenblick verweilen, Ihnen meine seit wenigen Tagen, zur Gewißheit gebrachte Entdeckung vorzulegen.

Ich muß Ihnen aber zuvor melden: in meinem hohen Alter ergötze ich mich an allen mir vorkommenden Vorwürfen. Ein Kraut, ein Blatt, ein Gras, und andere, vielen eben so gering scheinende Dinge, die ich im Spazierengehen erblicke, können mich ganze Stunden unterhalten; ich stelle verschiedene Betrachtungen darüber an. Und wollen Sie glauben, daß ich durch solche Betrachtungen, schon manches Gute, manches Nützliche herfürgebracht habe?

Um Sie hiervon zu überzeugen; will ich Ihnen Folgendes zur Untersuchung überlassen:

Es ist ein Naturprodukt, zum Genuß und Speise der Menschen dienlich, daraus ein Mehl verfertiget, und dieses Mehl zu den feinen und delikatesten Backereyen gebrauchet; ja so gar der Abgang davon, (die Kleyen) zur Nahrung des Viehes verwendet werden kann.

Dasselbe wächst auf keinen Acker, auf keiner Wiese auf keiner Haide: auch nicht im Wald, noch in Weinbergen oder Garten: und dennoch wächst es unter dreyen Elementen, eben so, wie die Früchte auf den Feldern, und enthält dessen Daseyn ein sehr großes Reichthum, wenn es bekannt gemacht würde.

Hier ist kein Stein der Weisen, obgleich die Beschreibung etwas dunkel ist. Eine Frucht ist es. Die Probe vom Mehl, will ich Ihnen überschicken. Versichern Sie Ihre Leser, daß sie solche, auf Verlangen sie zu sehen, ganz gewiß überkommen sollen.

Diese Gedanken eines alten Greises überlassen wir der Prüfung unserer Leser. Wir merken nur dieses dabey an, wie es uns nicht wenig bedenklich vorkomme, daß seit ohngefähr 10 Jahren, so viele Vorschläge bekannt werden, die alle auf die Vervielfältigung des Hauptnahrungsmaterialis abzielen.

v. R.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r4 - 06 Apr 2011, AgostonBernad
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