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II. Jahrgang, XVI. Stück, den 15. April 1772.

Nützliche Bücher.

Wien.

Hier ist in der Grefferischen Buchhandlung verlegt worden:

Köremons, Ehrenmitgliedes der Akademie von St. Lukas in Rom, auch verschiedener anderer Akademien in Italien und Deutschland, Natur und Kunst in Gemählden, Bildhauereyen, Gebäuden, und Kupferstichen, zum Unterrichte der Schüler and Vergnügen der Kenner. Zwey Bände in Großoktav.

Ein Mann von gründlicher Einsicht und wirklichen Verdiensten theilet gerne andern, denen er aus Liebe zu seinem Vaterlande nützlich seyn will, in der Stille seine Erfahrung mit.

Der Urheber dieses Werks, dem Wien schon so manche gute und sehr kostbare Schriften zu danken hat, verbirget sich, hier unter dem Namen Köremon, und saget uns blos: daß er ein Freund des berühmten Maytens sey, welchem er auch diese Arbeit zugeeignet hat. Allein man kennet den Herrn Verfasser, welcher schon in seiner Jugend den Grund zu dieser Art der Kenntniß in solchen Ländern geleget hat, wo diese seinem Künste gleichsam ihren eigenen Wohnsitz aufgerichtet haben. Er hatte daselbst Gelegenheit, Meisterstücke zu betrachten, und sich an die Vollkommenheit der Kunst zeitlich zu gewöhnen.

Wohin kann nicht dießfalls ein munterer Jüngling, welcher mit einer gesunden Weltweisheit den Umgang großer Künstler verbindet, durch seine anhaltende Aufmerksamkeit, endlich gelangen? Hiezu, kam noch ein seltenes Glück, nämlich ein genauer Umgang mit hohen Standespersonen, die nebst einem guten Geschmacke, eine langwierige Kenntniß von diesen Künsten befassen; welche derselbe fleißig zu nutzen wußte.

Eben von daher, nämlich von Rom, wo unser H. V sechs Jahre hindurch, nicht minder eine vertraute Freundschaft mit einigen in diesem Fache erfahrnen Männern stiftete, und sie durch

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Briefwechsel unterhielt, sind die zwey Schreiben veranlasset worden, welche hier die Stelle einer Vorrede vertreten. Wofern jemand diese Schreiben recht verstehen will, der muß vorher den patriotischen Eifer kennen lernen, welchen dieser Schriftsteller für den wahren Geschmack, und für die Vollkommenheit dieser Künste heget. Mit diesem hat er sich seit so vielen Jahren hier in Wien, bey aller Gelegenheit beeifert, seine erlangten Einsichten allen Freunden und Liebhabern dieser Künste, so wie den Schülern, Meistern und Lehrern derselben beyzubringen, um sie gemeinnütziger zu machen. Mit gleichem Eifer hat er sich bemühet, alles, was nur immer dem Fortgange und der Aufnahme dieser Künste hier im Wege gestanden, oder nur sonst zuwider geschienen, z« verdringen und zu vereiteln. Wen daher rührete die ausnehmende Hochschätzung, welche Maytens für diese patriotische Gesinnung überall zu erkennen gab. Aus gleichem Bewegungsgrunde untersuchet der Herr V. in der Antwort an den Gelehrten Hr. von Cr. ob die Mahler- und Bildhauerkunst m Deutschland, oben so wie in Rom, im Flor, Ansehen und Hochachtung stehe? Er meldet ihm, dass es bey uns fast eben so zugehe, wie in Rom; indem der Unterschied zwischen Künstlern und Künstlern deutlich in die Augen falle. Er siehet sich gezwungen, hier einer zimlich kleinen Anzahl die gebührende Ehre widerfahren zu lassen, welche in ihren Werken, Kunst, Nachsinnen, und sogar die Neigung zum Antiken verrathen. Er muß von dieser kleinen Anzahl und Lieblingen der Kunst ferner gestehen, daß sie zwar emsig, aber nicht ungestöhrt; stille, aber nicht ohne Sorgen; voller Genie und Kunst; aber fast ohne Ansehen und unbekannt, ihrer Arbeit obliegen. Er achtet diese kleine Anzahl der hiesigen Künstler eines besondern Ruhmes würdig, und verabscheuet es, daß sie von dem großen Haufen, welcher sich mit hohen Verdiensten und Vorzügen, mit äußerlichem Ansehen und Range brüstet, und nur von Vortrefiichkeit träumet, und anderer spottet, allzu sehr eingeschränket werde. Er zeiget, wie es, wegen unzähligen Umständen niemals möglich gewesen, hier einem geschickten Manne, wenn er in seinem Fleiße auch noch, so unermüdet wäre, die Pallete eines Titians, die Reißfeder eines Raphaels, und einem der fleißigsten Bildhauer das Eisen eines Flamengo oder Bernini in die Hand zu spielen.

Der Herr V. preiset diejenigen Zeiten glücklich, da man in Italien den Mahlern, Bildhauern und andern Künstlern den freyen Eingang in die Bildersäle verstattet, und ihnen ihre Arbeit belohnet hat; weil sich dadurch Anfänger und Schüler bald als große Meister empor geschwungen haben. Man wird, setzet er hinzu, nicht leicht einen solchen Wettstreit sehen, mit welchem einer vom andern lernte, als Bonarotti und Raphael vom Leonardo da Vinci, und Raphael vom Michel-Agnolo. Er giebt vielen

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deutschen Künstlern das Lob, daß sie weit geschickter und listiger seyn; weil sie ihre Zuflucht zu der Kamera obskura, zu den Kupferstichen oder zu gefärbten Leinwanden nehmen, welche sie hie und da an den Wänden gewahr werden, ohne, nach dcm Bey-spiele des Leonardo da Vinci auf die Schönheit und Verschiedenheit der Natur zu sehen.

Du würdest, schreibet er weiter an Hrn. v. C. die Flucht nehmen, wenn du keine Mahler, keine Bildhauer, und dennoch eine ungeheure Menge von Gemählden, Statuen und Brustbildern antreffen solltest. Dergleichen Schätze prangen vor uns überall reihen - und schaarenweiß, so daß, wenn Phidias, Apelles, Leucippus und Scopas wieder aufstehen, und ihre Gottheiten in so viel steinerne Gespenster verwandelt sehen sollten; sie vor Erstaunen und Schrecken wider zu ihren Vätern eilen würden. Dieß ist fürwahr ein betrübter Zustand für die meisten lehrbegierigen Anfänger! alles, was ihnen vor die Augen und unter die Hände kömmt, muß gut genug seyn, zu ihrer Nachahmung zu dienen. Dennoch gehen die Werke sehr gut von der Hand, da sie bey ihrer Knnst die Hand allein brauchen, und das Kopfbrechen ersparen können.

Woher kömmt aber der so große Verfall dieser Künste in Deutschland? Unser Schriftsteller saget uns diese Ursache: weil man sie meistens nur um der Nahrung, und nicht um der Ehre willen treibet. Ueber dieses sind die Reichen, welche Denkmale stiften müssen, nur besorgt, einen Menschen zu finden, der sich demüthig erbiethet, solche gleich, und nach ihren Begriffen, um den wohlfeilsten Lohn fertig hinzustellen. Diesem nun muß oft wegen einiger Münzen ein Apelles, ein Phidias weichen.

Es ist demnach kein Wunder, wenn man hören muß, wie diese Handkünstler von ihren Gesellen, ihren Lehrlingen, und Zunftladen, wie andere Handwerksgenossen reden. Auf diesen Gedanken sind weder die Griechen noch die Römer, viel weniger die Italiäner verfallen.

Gesetzt, daß einer die Künste anderwärts in voller Pracht gesehen, gelernet und ausgeübet hätte, und den deutschen Unterricht darinne geben wollte: so wird doch wegen der Ueberstimmung des eingewurzelten Schlendrians die größere Zunft ihre Oberhirrschaft behalten müssen. Es ist schwer diejenigen zu bekehren, die einmal zum bösen Geschmacke gewöhnet sind. Denn der gute Geschmack muß zeitlich in die annoch jungen Gemüther gepflanzet werden; ehe der schlechte Wurzel fasset. Die Regeln aller Künste sind leicht und einfach; sie sind aus der Natur, und der Vernunft geschöpft. Die Hauptsache ist nicht, sie zu kennen, sondern sie anzuwenden. Der Geschmack ist eine lebhafte und genaue Beurtheilung der Schönheiten, die in ein Werk kommen sollen. Er entstehet aus der Richtigkeit und Scharfsinnigkeit des Geistes: doch wird er

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durch Nachdenken und durch die Uebung vollkommener gemacht. Er mangelt gemeiniglich allen denen, die nicht gut erzogen sind, und die keine guten Muster mit Aufmerksamkeit betrachtet haben. Gesetzt, ein Jüngling hätte keine andere Gcmählde als von großen Meistern, vom Raphael und Titian gesehen, würde derselbe wohl mit einem mittelmäßigen Gemählde zufrieden seyn können? Hieraus erhellet, wie schwer es sey, in gewissen Gegenden, den italiänischen Geschmack auszubreiten.

Der Hr. Verfasser versichert, daß die Italiäner den Künstlern nach dem Maaße ihrer Verdienste Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er hat auch bemerket, daß man daselbst Anfängern hilfreiche Hand leiste, sie aufmuntere, tüchtige und geschickte, den ungeschickten vorziehe, und die untüchtigen gänzlich abweise; ja daß beynahe so viele Schulen der Kunst, als Meister da sind, und so viele Beschützer und Gönner als Gallerien und Kabinette angetroffen werden.

In Deutschland, saget er, sind unschätzbare Kunst- und Bildersäle. Es giebt erlauchte Liebhaber, welche den guten Geschmack auszubreiten wünschen. Dennoch bleibet die oben erwähnte kleine Anzahl in einer Verachtung. Nach seiner Meynung macht solches der Modegeschmack des größern Haufens, der sich ohne Mühe fortpflanzet, und der damit verknüpfte Hochmuth, seinen eigenen Witz zu verbreiten und alles dagegen zu verachten. Ueberbieß werden Liebhaber und Kenner von großer Einsicht immer hinter das Licht geführet. Kaum erblicken sie den Schein einer Hoffnung, daß die Künste besser zu blühen anfangen; so verschwindet dieser Trost schon wieder. Ohnerachtet die Deutschen ihre Geschicklichkeit eben so vorzüglich zeigen, als andere aus fremden Ländern; so zeigen sie doch solche selten in ihrem eigenen Vaterlande. Rom selbst bekennet, daß allda die Deutschen öfters ihre innländischen Künstler übertreffen; und Schade, daß man hernach für vieles Geld die Meisterstücke der deutschen Künstler aus Rom nach Deutschland kommen, lassen muß.

Um nun dieses Geld in Deutschland zu behalten, macht der Hr. Verfasser einen Vorschlag, den bereits der verunglückte Abbe Winkelmann vor einigen Jahren auszuführen im Sinne hatte. Was, saget er, von antiken Marmorn in Rom noch übrig ist, das können wir uns in Deutschland eben so leicht zu Nutze machen, als andere in Rom. Man hätte daher nicht nöthig, antike Marmor allda um große Schätze zu erhandeln. Abgeformte Köpfe, Bruststücke und Statuen von Gips wären uns zum Studiren vorteilhafter und nützlicher, deutlicher und geschickter, als die Urbilder selbst. Diese sind mehrentheils beschmutzt, und mit einem verehrungswürdigen Rost des Alterthums überzogen; jene aber prangen mit einer weißen, hellen und gleichen Farbe, durch welche auch so gar die feinsten Züge, Muskeln, Sennen, Adern und

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kleinsten Theile sich vor Augen stellen. Zu Rom, Florenz und Venedig sind die Modelle fast von allen solchen antiken Kostbarkeiten vorhanden. Ein freundschaftliches Wort an Fürsten, Minister und Künstler, würde Abgüsse und Formen von so schätzbaren Denkmalen der Griechen und Römer, ohne großen Kosten und in kurzer Zeit, nach Deutschland verschaffen. Das bereits vorhandene Genie, die Lust etwas Gutes an das Tagelicht zu bringen, sehnet sich nach solchen Hülfsmitteln. Bis dahin hält sich noch die kleine Anzahl der Künstler in ihren Gränzen und beschäftiget sich in der Stille, wo inzwischen die große Schaar zu keiner Besserung angereitzet wird.

Zuletzt scheinet der Hr. Verfasser noch von einer dritten Art Künstler zu reden, die in Deutschland, er saget nicht, wo? eine besondere Sekte ausmachen. „Wie fremde, spricht er, würde es in Rom, sowohl den römischen, als deutschen großen Künstlern, deinem Pompejo Battoni, deinem deutschen Maron, Menges und Pichler vorkommen, wenn sie den neuen Modeton unter uns höreten? Die größten Künstler reden eine neue Sprache, und ihr Kunstgeräthe soll neue Werke hervorbringen, welche das ganze Jahrhundert eines Leo X. und Julius verdunkeln müssen; weil man damals vom Helldunkeln, von Nüancen, von Verflössungen und andern Modewörtern weder in Italien noch in Deutschland etwas wußte. Am Ende bekömmt es fast das Ansehen, als ob sie unter uns wären; denn er : be schließt seinen Brief also: „ Hier unter uns giebt es Orakulsäulen, welche, weil man ihnen aus rühmlichen Absichten häufig zu opfern angefangen hat, sich muthig empor heben, und von der Hitze einer gewissen Mode entbrannt, alles vernichten, was man ihnen von Italien, von Rom, und von dem sogenannten Antiken zeigt. Alles, was ihrem manerirten Geschmacke nicht gemäß ist, verwerfen und verpachten sie; folglich setzten sie alle Raphäele, Titiane, Guido, Maratten ec. weit unter den gothischen und barbarischen Horizont. Weil aber solche Vorlesungen vor einer Schaar junger Leute geschehen; so stelle dir vor, mein Freund, ob die Ketzerey in den Künsten sich nicht weiter ausbreiten werde, als die Zaubermacht neuer, nach der Mode manierirten Meisterstücke."

Der Hr. V. zeiget im zweyten Theile im 5ten Anhange die Verdienste alter italienischer und deutscher Maler. Man findet daselbst zwey Wege, auf welchen man zur Vollkommenheit der Kunst gelangen kann. Der schwerste ist, aus der Natur selbst das Erhabenste und Schönste auszusuchen; der andere und leichtere ist aus den Werken, wo die Wahl schon geschehen, dasselbe zu erlernen. Die vollkommene Schönheit findet sich in der Natur selten. Doch soll man nicht glauben, daß sie sich nicht wenigstens den alten Künstlern offenbaret habe. Und eben daher sind die

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Alten sehr hoch zu schätzen: weil die vollkommnere Natur, oder eine gute Nachahmung derselben allein den Künstler leiten, und seine Begriffe bilden kann.

Der Maler, schreibet der Hr. V. von der alten deutschen Schule, ward nur von der Natur geleitet. Nach ihr bildete er sich seine Ideen oder Begriffe. Er ahmete keine Antiken nach. Er selbst ward der Schöpfer seiner Kunst gleichsam in seiner Einsamkeit. Er zeichnete nach der Natur so, wie er sie antraf, ganz richtig und genau fort, bis ihm eine schönere Natur höhere Begriffe in den Kopf setzte.

Ist dieser Deutsche deswegen nicht eben so achtungswürdig, nicht eben so weit gekommen, als der römische Maler, sein Zeitverwandter? nur die auserwählte Natur mußte er entbehren. Die zusammengesetzten Schönheiten der griechischen antiken Werke waren ihm unbekannt; er hatte sie niemals gesehen; und eben diese dienten dem römischen Zeichner zum Leitfaden, Muster und Modelle. Hätte der Deutsche in gleichen Umständen gelebt, so würde sein Genie, sein Witz und Verstand ihn eben dahin geführet haben, wo sich der Römer befand, vielleicht hätte er ihn übertroffen. Holbein wird allerdings dem Raphael in vielen Stücken verglichen.

Der römische Maler war, wie man weis, mit so vielen Vorteilen versehen, daß er es in dem Erhabenen der Zeichnung dem Deutschen zuvorthat. Hingegen übertraf der Deutsche nicht selten den Römer im Colorit. Dieses konnte man vom antiken Marmor zu Rom nicht lernen. Griechische Gemählde aber hatte die Zeit dermassen weggeraumet, daß keine oder nur einige übrig geblieben sind, die sehr mißgehandelt werden. Der Römer mußte also, wie der Deutsche nur die vor Augen stehende Natur nachahmen, damit er seinen griechischen Marmor nach ihrem Colorit mahlen könnte, welchen er allerdings nur wegen der vortreflichen Umrisse studiret hatte. Diese Beobachtung aber hat nur Statt, wenn man einen, oder den andern von römischen und deutschen Mahlern in Vergleichung setzet. Albrecht Dürer hat Raphaelen im wahren Colorit nicht übertreffen, außer vielleicht in seiner peruginischen Manier, die Raphael endlich ganz verlassen hatte.

Man weis es indessen, daß gewisse Deutsche und andere Mahlerschulen keine Mühe spahren, die italienischen alten und neuen Künstler in allen Theilen anzupacken und zu verachten. Dieses hilft aber der Kunst nicht empor. Genug, wenn man den Deutschen darinne Gerechtigkeit widerfahren läßt, worinne man sie ihnen nicht absprechen kann. Es würde ihnen zu keiner Ehre gereichen, wenn ihr Ruhm nur auf der Verachtung der Italiener gegründet wäre.

Fürstliche Palläste, Gallerien, Bibliotheken und Akademien in Deutschland würden, saget er, für mich das Wort reden, wenn ich behaupten wollte, daß, so bald ein deutscher Künstler sich mit dem Antiken und

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Raphaels Geschmacke in Rom beschäftiget hat,er vor dem Ansehen eines italienischen Meisters sich keineswegs mehr zu scheuen habe. Deutsche große Männer zu Rom, und Italiäner von Verdiensten in Deutschland, lassen uns über ihren Vorzug ganz unentschlossen. Rom beneidet uns einen Meytens und einen Messerschmid, einen Ant.Raphäel. Menges und einen Ant. Maron, und erfreuet sich mit uns über einen Pater Norbert, den Kapuciner, welche alle sowohl in Italien, als in Deutschland studiret haben.

Unterdessen giebt es viele deutsche Künstler, welche das Glück noch nicht nach Italien geführet hat, die im größern Ruhme, als viele Italiäner und Ausländer sind. Auch in diesem Falle wird meine Meynung durch einen berühmten Dietrich, durch unsern über alle seine Vorältern, nämlich Gärtano,- Girolamo, Arrigo, Salvator, und andere siegenden unvergleichlichen Joseph Kosa, durch einen Oefer und viele andere bestättiget.

II. Naturgeschichte.

Fortsetzung des im XI. Stücke abgebrochenen Verzeichnisses der verschiedenen Gattungen der Erde.

Wir kommen nun zum zweyten Theil unsrer Abhandlung. Hier wollen wir den von der Natur bestimmten Gebrauch der Sand- und Kießerde anzeigen. Diese Erde ist die Mutter aller Stein- und Marmorarten. Ein jeder Stein oder Marmor überkömmt im Frühling eine schmierigte klebrichte Materie, besonders da, wo er erzeuget wird. Diese Materie entstehet aus der beständigen Bewegung in der Erde, wodurch sie als ein Dampf oder Rauch gegen ihre Oberfläche getrieben wird. Wo ihr nun im Aufsteigen etwas im Wege stehet, da setzt sie sich hin. Dieses geschiehet sowohl an Erzen, als Marmor und allen Arten von Steinen. Durch diese klebrichte Materie werden Theile zusammengebracht, und verbunden. Der durch sie vereinigte Sand wird zu Stein, und wächst auf solche Art immer größer, weil ein jedes Ding auch sein Gleiches liebet und anziehet.

Man bedenke nun, welchen Nutzen uns der Sand verschaffet! welche ungeheure Menge von Steinen werden zum Bauen und Strassenpftastern gebrauchet! und in wie vielerley Klassen besteht dieses Steinbauen. Noch über das wird der Sand auch sehr häufig zum Bauen verwendet. Keine Mauer, Brücke oder Gewölbe kann ohne seinen Beitritt einigen Bestand haben. Werden Steine und Sand auch nicht zu Dämmen gegen das Wasser genutzet? Die Natur hat die allermeisten Länder so reichlich damit versehen, daß nicht leicht ein Mangel davon entstehen könne. Besonders gehet ihre Absicht dahin, daß die gemeinen Steine in weit größerer Anzahl, als der Marmor, wachsen sol-

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len; weil dieser nur zum Zierrath dienet, jene hingegen zur Nothdurft angewendet werden.

Der Sand muß auch dem Menschen zu vielerley Gebrauch nützen. Er dienet, viele Sachen darinn aufzuheben. Die Töpfer, Stückgieser, Silberarbeiter, und noch andere Profeßionisten gebrauchen ihn mit Nutzen. Endlich die so herrliche Glaßkunst! diese gründet sich auf den Sand! auf diese so unansehnliche, von den meisten Menschen verworfene und verachtete Erde! das Meisterstück im unterirdischen Reiche kann mit Recht der Cristall genennet werden: und dieses Kunststück hat der forschende Witz ausgespäet, es ist im Sande angetroffen, und der Natur abgelernet! Was ist der Klarheit und Feine des Glases zu vergleichen? Wie groß und stark ist sein verschiedener Gebrauch! nur die Erfindung der Spiegel: wobey das Glaß das vornehmste Werkzeug ist, kann nicht genugsam gelobet werden. Das ist gewiß, der Reinlichkeit, Schönheit und Kostbarkeit des Glases ist nichts zu vergleichen. Sein Werth wird nur durch die große Menge seiner Verfertigung verringert. Die Untersuchung der Ursache: warum der Sand sich ohne Beyhülfe eines andern Minerals schmelzen, und endlich in Glaß verwandeln läßt, möchte Liebhabern der Naturgeheimnissen eine angenehme Unterhaltung abgeben; vielleicht auch einigen Nutzen gewähren können.

Daß auch der Sand dem Thierreiche diene, ist durch die Erfahrung bestättiget worden. Wie viele Vögelarten legen ihre Eyer in Sand! selbst Schildkröten, Krokodille und andere Meerthiere legen auch ihre Eyer hinein, um sie daselbst durch die Sonne ausbrüten zu lassen. Noch der Insekten zu geschweigen, von denen wohl Millionen ihre Wohnung und Nahrung darinne finden.

Alle Creaturen sind doch von der Natur zu etwas bestimmet, und diese sorget für die Erhaltung einer jeden Art. Welchen Nutzen der Sand im Meere wirke, ist noch nicht ganz bekannt. Die viele Pflanzen von Blumen, Gesträuchern und Bäumchen, welche in dem Boden der Meere wachsen, müssen auch Erde haben: diese ist mehrentheils der Sand. Und endlich heißt es: es mangelt uns an der Kenntniß der Natur noch vieles. Die sämmtlichen Wege der Fürsorge sind unerforschlich. Wie viel fehlet uns noch, auch nur die Fußstapfen davon genau zu kennen.

v. K.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r3 - 08 Nov 2010, AgostonBernad
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