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IV. Jahrgang, XVIII. Stück, den 4. May 1774.

I. Wissenschaften

Fortgesetzter Auszug, von der Beschreibung der Höhle bey Funacza.

§. 9.

In dieser dritten Höhle, sagt der Herr Verfasser, verweilte ich etwas länger; die Umstände erinnerten mich an die Versammlungen der ersten Christen, welche unter den harten Verfolgungen, entlegene unterirdische Oerter suchten, um ihre Andacht vereinigen zu können.

Mit Unmuth verlässet er diese Höhle; doch da er sich fürgenommen hatte, in das Innere des Berges so weit hineinzudringen, als es nur thunlich seyn würde, sahe er sich nach einer neuen Oeffnung um. Er fand sie, nach einer genauen Untersuchung, jedoch so enge, daß kaum zween neben einander gehen konnten. Durch diese enge Pssage aber gelangte er zur vierten Höhle welche die vorigen drey an Weite und Höhe um vieles übertroffen hat. Das Licht der vier brennenden Fackeln war nicht hinlänglich, sie also aufzuhellen, daß man den obern Theil derselben hätte ersehen können. Auch ist der Versuch, welchen der Herr v. Nedeczky mit einem in die Höhe geworfenen Steine gemacht hat, um die Höhe zu entnehmen, furchtlos gewesen. Er konnte daher hiervon nichts bestimmen. Die Höhle schien dem Augenmaß nach, rund zu seyn, und nur auf einer Seite schrenkte sie sich in die Gestalt eines Winkels. Die Wände waren hohl, und hatten das Ansehn, als ob sie sich hinaufwärts in einer Wölbung zusammen schlössen.

Unser Höhlenforscher wollte noch weiter kommen. Nach langem und vielem Suchen wurde endlich, in einem Winkel, der kaum 3. Klafter hoch war, eine neue Oefnung zu welcher man hinauf klettern mußte, wahrgenommen. Hier stellte sich wieder ein neuer Raum dar, welcher aber durch das Licht einer einzigen Fackel genugsam beleuchtet werden konnte, und an verschiedenen Orten, besonders auf

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die Wände zu, so niedrig war, daß man nicht aufrecht gehen konnte. Diese kleine Höhle mag kaum vier Klafter in der Länge, und etwa drey in der Breite halten. Das ganz besondere, was der Herr Verfasser, von dieser kleinen Höhle berichtet, bestehet darinne, daß er in dem feuchten Boden, Eindrücke von Frauenzimmerschuhen gesehen, welche bis an die eine Wand der Höhle fortgesetzt, auch der Lezte, davon kaum einen Fußlang entfernet war.

Hier nun fand sich das: non plus ultra.

Auf der Ruckkehr wandte der Herr Verfasser, welchen seine brennende Begierde die Weitläufigkeit der Höhle zu erforschen, nicht lange an einem Orte ließ, sondern in das innerste hineintrieb, einige Zeit an, die gesehenen merkwürdigen Gegenstände zu untersuchen. Er merket an, daß diese Höhlen überhaupt, aus den härtesten Felsen bestehen, die jedoch nicht aller Orten gleich sind.

In der dritten Höhle, die er durch die beygelegte Benennung Karakumbä bekannter machen will, sahe er, da er bey dem Lichte der Fackeln alles sehr gut wahrnehmen konnte, wie der Tropfstein, theils schon erhärtet war, theils zu erhärten begonnte. Es gefiel ihm besonders, da er fand, daß diese Materie, welche aus den Wänden der Höhle herfürdrang, so weiß, als der Schnee, und im Befühlen, hier etwas feucht, dort ganz trocken war. Die Tropfsteinzapfen, welche von der Gewölbung, in der Gestalt und Verschiedenheit der Eiszapfen, herabhiengen, hatten das Besondere an sich, daß die dicken zu Stein verhärtet befunden, die dünnen hingegen, durch die Wärme der Hand, wie Eiß, zum zergehen gebracht worden sind. Diese waren in der Dicke eines Federkiels, inwendig hohl, in der Länge hielten sie ohngefähr drey Zolle; an den Spitzen der meisten waren Wassertropfen, wie das reinste Brunnenwasser klar und durchsichtig, die größten Zapfen, hatten einen Schuh in der Länge: noch sahe man an dem höchsten Gewölbe einige, welche in der Länge eine halbe Klafter halten mögen.

Ein Theil der hier befindlichen Feuchtigkeit, woraus diese Zapfen entstehen, fället auf den Boden, von dem er, an einem Orte verschluckt wird und ihn anfeuchtet, an einem andern aber zum Stein erwächset. So mögen die Säulen oder Pallisaden, wovon vorhin gemeldet worden, ihr Daseyn erhalten haben; indem sie mit dem größern Zapfen gleiche Bestandtheile erhalten, nur daß sie an sich selbst glänzender und weißer als jene sind.

In der zwoten Höhle stunden einige kegelförmige Säulen, die kaum eine halbe Klafter hoch, und bald dicker bald dünner waren. Am Anbruch eines davon abgeschlagenen Stückes zeigte es sich, daß sie wie die Voriger, äußerlich aus einer Materie entstanden zu seyn schienen; daß aber gleichwolen die Bestandtheile von

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zwo besondern Gattungen gewesen sind, wovon die eine glänzte, und dem Frauenglese änlich war; die andere ist nicht so weis, dennoch aber glänzend, und von der ersten durch einen schwarzen Streif gleichsam abgesondert; welches besonders gut in die Augen fället. man findet auch in dieser Höhle, die oben beschriebene Art von Tropfstein der sehr weiß, und vom Zucker, wenn er wie dieser, in kleine Stücke zerschlagen, und damit vermischt wird, sehr schwer zu unterscheiden ist.

Noch fand sich nach dem 6. §. in dieser Höhle ein Stein, der die Länge einer Klafter, und die Breite von 6. Schuhen hatte, auch über den Boden etwa 2. Schuhe erhaben war. Dieser zog die Aufmerksamkeit unsers Höhlenforschers auf sich; indem er auf der Oberfläche desselben eine von der natur gebildete Verzierung von Stein antraf, die mit einer Gattung Backwerks, welches in Ungarn, seinem Vaterlande, gewöhnlich ist, alle nur immer mögliche Aehnlichkeit hatte; er zweifelt daran: daß der geschickteste Steinmez dieses Stück besser nachzubilden im Stande sey. Es war dasselbe, nach dem Maaße der Augen, genau |zirkelförmig; und hatte im Duchschnitt 15. bis 16. Zolle; seine Dicke enthielte ihrer zween. Der obere Theil schien nach der genauesten Symmetrie, so wie dieses Backwerk in besondere Felder abgesondert, und eben so, wie bey diesem, durch Erhäbungen und Vertiefungen unterschieden zu seyn. Der Herr Verfasser bedauert sehr, daß er mit dem nöthigen Werkzeuge nicht versehen gewesen, um ein so seltenes Spiel der Natur loszubrechen, und aus dieser unterirdischen unbekannten finstern Gegend heraus, an das Tageslicht zu bringen.

Neben diesem sahe er auf der Oberfläche des Steines noch eine Vertiefung, ie einen Halbzirkel vorstellte; und die eben so flach, als breit war. In dieser war eine Menge kleiner Steine, in der Größe, theils von Wälschen- und Haselnüssen, theils von Erbsen und Bohnen. Einige darunter waren so glatt, daß der Herr Verfasser durch ihre Befühlung gereizet, mehr den 100. Stücke mit weggetragen hat.

In der etsten Höhle, wo diese Gesellschaft, wieder zusammen kam, wurde eine Leiter wahrgenommen, die man beym hineingehen nicht sahe; sie war ohngfefähr 3. Klafter lang. Dieses bewog den Herrn Verfasser sich genauer umzusehen, und er fand deutliche Merkmale, wo man in der Höhle mit Brechung der Felsen Versuche gemacht hatte. Er dachte hierbey an die Gruben, welche er auch in den andern Höhlen hin und her gesehen hatte, und die 2. bis 3. Schuh tief waren. Ueber diese Umstände macht er auf der 19ten Seite folgende Anmerkungen: Ich zweifele nicht, daß diese Unternehmungen von gewissen Leuten herrühren, die mit Tanzbären, Affen, Murmelthieren, Maußefallen, oder Barometern und an-

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dern Glaßwaren, die man alle mit sehr wenigem Gelde ablösen könnte, die Gegenden Ungarns in großer Anzahl durchstreichen; die Kostbarkeiten, womit die Natur unsere Gebirge beschenket hat; aufsuchen, mit außer Landes in fremde Länder tragen; zu ihrem Vortheil verwenden, und sich hierdurch, eine gnügliche Entschädigung, bey ihrem gewinnlosen Gewerbe; und eine Belohnung für ihre mühvolle halbjährige Wanderschaft zu erwerben wissen.*)

(Die Fortsetzung folget)

II. Geschichte.

Fortsetzung, der genauen und ausführlichen Nachricht, (S. 136.) vom Gräflich Thökölischen Hause.

Die einhemischen Nachrichten vom Gräflich Thökölischen Hause (denn bey diesen müssen wir doch stehen bleiben) besonders aber die Nachrichten von seinem Herkommen und Wachsthum, waren bisher sehr unzulänglich, und eben so widersprechend. Einige machten den Sebastian Thököly, um das Jahr 1556. oder noch etwas später, zum Stammvater dieses in so großem Ansehen gestandenen Geschlechtes, und verwandelten ihn auf einmal, aus einem nichtsbedeutenden gemeinen Privatmannn, Pferd - und Viehhändler, in einen Ungarischen Edelmann, Baron, Herrn von Käßmark, u. s. w. andere hingehen giengen weiter hinauf; sie behaupteten das Alterthum dieses Adelichen, und sodann gräflichen Hauses, und unterstützten diese ihre Behauptung mit guten, und jene Meynung weit überwiegenden Gründen; worüber, wenn wir sie angeführt und unsre eigene Gründe, noch dazu werden gesetzt haben, dem geehrten Leser, das unpartheyische Urtheil frey bleiben soll. Die erste Meynung und Behauptung kommet in der oben gemeldten Geschichte der Stadt Käßmark, und besonders im IX. St. §. 16. p 71. dieser Änzeigen vor; welche auch Ladislaus Thuroczius in seiner Hungaria suis cum Regibus L. I. p. 239. und f. edet Tyrnav. a. 1768 annimmt, und aus einer mündlichen Relation eine zipserischen Edelmanns, der dieselbe wieder, von einem beynahe 90. jährigen vornehmen Mann von Adel, der viele Jahre an dem Hofe des ältern Stephan Thököly gelebet, und von diesem Hause sehr genaue

*) Es giebt sehr viele, die diese Meynung des Herrn Verfassers auch in Ansehung des Karpathischen Gebirges behaupten; und man sollte glauben, daß der kleine Gewinn, den die hier angeführten Leute, bey ihren verschiedenen Gewerben, hoffen können; sie bloß allein an große Städte binden sollte, wo sie viel leichter, durch ihre Vorspiegelungen etwas erwerben: allein so siehet man sie auch auf den Dorfschaften herum wandern. Welcher Umstand allerdings für diese Meynung streitet. Es wäre sehr gut, wenn die in den benachbarten Gegenden wohnenden aufgeklärten Männer sich Mühe gäben, entweder den Ungrund dieser gemeinen Sage aufzudecken: oder mit solchen Absichten dahinkommende Landstreicher ausfindig zu machen, und sie nach ihren Verdiensten zu behandeln.

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Känntniß gehabt haben soll, erhalten, weitläufig und mit vielen Affekte, erzählet:daß es mit dem Aufkommen, und dem schnellen großen Anwachs des Reichthums und des Ansehens dieses Hauses folgende Beschaffenheit gehabt habe: „Sebastian Thököly, ein Mensch von niedriger und geringer Geburt, aber ein durchtriebener, und der kühnsten Unternehmungen fähiger Kopf, habe sich erstlich durch den Pferdhandel, den er in Siebenbürgen mit gutem Glücke getrieben, beträchtliche Vortheile verschaft, und sodann, durch die, mit größter Ungerechtigkeit und Gewissenlosigkeit an sich gezogenen großen Schätze, und Reichthümer eines gewissen türkischen Bascha, sich völlig in das Ansehen gesetzet, in welchem man ihn, und seine Nachkommen, nach der Zeit gesehen. Es habe nämlich Thököly, bey gedachtem starken Pferdehandel, ind der damaligen Ungarischen Türkey, elegenheit gehabt, mit einem sehr reichen >und begüterten Türkischen Kriegsobristen oder Bascha, in vertraute Bekanntschaft zu gerathen, welcher ihm, nachdem er durch die scheinbare Redlichkeit des Thököly sehr eingenommen worden, seine Gesinnungen in Ansehung seines Uebergangs zu den Christen; weil er bey seiner Mahometanischen Religion große Skrupel gefunden, entdeckt, und ihn zur Mittelspersohn gewählt, sein Vermögen und Baarschaften die in sehr großen Summen befunden, nach und nach in den christlichen Theil von Ungarn zu transportieren, bis er selbst mit seiner ganzen Familie sicher nachfolgen, und dieses sein großes Vorhaben völlig glücklich werde ausführen können. Thököly habe diese, sich ihm anbiethende Gelegenheit, durch fremdes Gut reich und angesehen werden zu können, mit beyden Händen, und unter den stärksten Betheurungen, von seiner Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit, ergriffen; so bald er sich aber mit diesem großen Gut in Sicherheit sahe, habe er treulos und meyneidig den ehrlichen Türken selbst verrathen, und ins Verderben gestürzet, und auf diesen Grund des wider alle Treu und Glauben geraubten Vermögens, seines Hauses Macht und Ansehen erbauet.“ Dieses ist der Inhalt der Nachricht und Erzählung des des Ladislaus Thuroczius an dem angezeigten Orte.

Der vortrefliche vaterländische Geschichtschreiber Mathias Bel hatte in seinem Prodromo, bey der Beschreibung der Stadt Käßmark und ihres Schlosses, wo er von der Thökölischen Familie handelt; indem er, wie es der Augenschein ausweiset, damals noch nichts, als die in eben diesen Blättern auszugsweise eingerückte Nachrichten von der Stadt Käßmark vor sich gehabt, diese Meynung, doch gleich mit Weglassung der aus dem Thuroczi angeführten, und ihm nicht glaubwürdig vorge-

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kommenen Umstände, ebenfalls angenommen, und dieses Haus, als ganz neu, bloß von dem Sebastian Thököly hergeleitet, so so daß er l. c. p. 93. wo er von den Bemühungen dieses Thököly, das dominium arcis Kesmark, erblich an sich und seine Nachkommen zu bringen, handelt, unter andern ausdrücklich schreibet: „Thököly tamquam homo novus, atque opibus, ad multorum invidiam, adluens, summorum praeterea virorum affinitatibus, puta, Nadasdiourum, Bottyaniorum, & connubio Susannae Doczy, innexus, spiritus sibi sumere, deque universa hac ditione, ad heredes, firmo jure transmittenda, cogitare Coepit.“ — Allein, nachdem er bey der Ausarbeitung seines großen historischen Werkes, nämlich seiner Notitiae Hung. Novae Historico -Geographicae zu beßern Nachrichten, in Absicht auf diese Familie, gekommen, änderte er seine vorige Meinung, und erkanntne aus guten Gründen, das höhere Alterthum ihres Adels und ihres Ansehens; wie in der Fortsetzung gezeiget werden soll.

III. Naturgeschichte..

Von der Palingenesie, oder Pflanzen Vegetation, aus ihren Salien.

Folgender Aufsatz ist uns von einem Freunde zugeschickt worde, um ihn in unsere Blätter einzurücken, vielleicht finden sich Liebhaber, die hierdurch veranlaßt werden, diese Sache genau zu untersuchen, und uns Gewißheiten mitzutheilen:

In der Natur sind viele Geheimniße verborgen, welche nur von Liebhabern, von fleißigen Suchern und Nachforschern gefunden, und erkennet werden. Die Zahl aber dieser ist noch sehr geringe, weil viele durch die Kunst verleitet, auf Abwege gerathen. Und wie groß ist die Menge derer, die das Verfahren der Natur sehen, und dennoch vorüber gehen, ohne darauf Acht zu haben? Eine jede Jahrszeit bietet uns das Bewunderungswürdige, das Nachforschungswerthe an. Allein, wen rühret es? Was für ein Beyspiel geben uns die Seidenwürme, der Käfer, der Hornschröder ec. in Ansehung ihrer Verwandlung. . . Wir wollen itzo unsre Leser von dieser Betrachtung weg, un zu einer noch merkwürdigern hinführen.

Wir unterstehen uns hier, von einer Materie zu schreiben, die manchem, kaum dem Namen nach, bekannt ist, und deren Wirklichkeit auch von vielen in Zweifel gezogen wird. Die Palingenesie der Pflanzen aus ihrer Asche ist es, welche wir bekannter zu machen wünschen. Die Möglichkeit dieser Sache wird von wahren Naturkündigern erkennet; diese wissen, was für eine Kraft in der Asche verborgen lieget; nur sie sehen das Liecht, das hier im dunkeln leuchtet,

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und keinem Verschwinden, Verderben, noch der Verwesung unterworfen ist. Scheidekünstlern ists bekannt, daß aus jeder Asche noch ein Salz heruageläutert werden könne, welches mit dem allgemeinen Nahmen, Alkali oder Laugensalz benennet wird. In diesem Laugensalze, wenn es noch nicht gereiniget ist, befindet sich nebst andern Mittelsalien, auch noch ein gewisses Salz, daß die Kraft Tugend und Eigenschaft der Pflanze enthält. Allein so gewiß es ist, daß kein Geschöpf dem andern vollkommen ähnlich siehet: eben so wenig hat auch ein aus derAsche eines Krauts, Holzes ec. herausgezuogenes Salz, eine vollkommene Aenlichkeit mit dem aus einem andern Kraute, oder Holze ec. herausgelaugten Salze. Die einem jeden Geschöpf vom Schöpfer zugetheilte eigenthümliche, und seine Gestalt oder Wesen beförderende Kraft bleibet auch nach dem Tode in der Asche noch bestehen. Hat dieses alles seine Richtigkeit, ob es gleich der Naturunkündige nicht begreifen kann; so fället es nicht so schwer, die Möglichkeit der Palingenesie der Pflanzen aus ihrer Asche einzusehen. Wir wollen denen Liebhabern der Naturgeheimniße einige Anleitung hierzu geben.

Die von weyland Ihrer Römisch kayserlichen Majestät Ferdinand dem III. dem P. Kircher zugeschnickte Beschreibung, vpn dergleichen Pflanzenerneuerung, verdienet hier zuerst angemerket zu werden.

Man nimmt vier Pfunde von einem wohlzeitigen Saamen einer selbst beliebigen Pflanze, und zerstoßet ihn im Mörser: hierauf wird er in einem reinen Glase aufs beste verschlossen, und zum fernern Gebrauch aufgehoben. Wenn die Luft des Abends klar ist, so wird der zerstoßene Saame wieder aus dem Glaß genommen, auf einer gläsernen Tafel ausgebreitet, und unter freyem Himmel hingesezet, damit der Thau die Nacht hindurch darauf fallen könne. Auch ist es gut, weil doch diese Handlung im May geschehen muß, noch Thau besonders zu sammeln. Dieses geschiehet, wenn ein feines Leinentuch auf vier Stöcke gespannet oder aufs Gras ausgebreitet, und Morgens frühe in eine Schüssel ausgedrücket wirhd. Dieses ausgedrückte Wasser wird filtrirt, etlichemale destillirte, und auch aufgehoben. Bleibt eine Erde oder Hefe zurück; so wird diese calcinirt, und das Salz herausgelauget, welches unter das distillirte Wasser gethan wird. Hierauf wird der im Glaß verwahrte Saame mit diesem Wasser drey Finger hoch übergossen, sodann hermetisch wieder verschlossen, und an einen warmfeuchten Ort, oder in Roßmist einen Monath lang hingesetzet. Nach diesem wird der Saame, wie eine Sulz, und ein Geist wie ein Häutlein, von vielerley Farben, darüber schwimmend gesehen werden. Dieses versiegelte Salz wird den ganzen Sommer auf einen von der Sonne und Mond beleuchteten Platz hingestellet,

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und nur bey trüben oder regnerischen Wetter auf eine andere warme und trockene Stelle gebracht. In zween Monathen, zuweilen bälder, oder später ist dieses Werk vollendet. Die Zeichen der Vollkommenheit sind: die leimichte Materie schwillet auf in die Höhe; Der Geist und das Häutlein nehmen täglich ab; die Materie wird dicker; im Glase siehet man Ausdünstungen, und gleichsam einige Nebel, als den ersten Abriß der herauswachsenden Pflanze. Endlich entstehet eine weißlichtblaue Asche, aus welcher Stängel, Blätter, und Blumen herfür kommen: welches alles sich bey vorhandener Wärme sehen lässet, und wenn diese hinweg auch wieder verschwindet, und in die Asche zurückkehret.

Nur muß das Glas recht wohl zugemacht bleiben. Dieses Naturspiel kann so oft wiederholet werden, so oft man das Glas auf eine warme Asche setzet, deren Abwesenheit weiter nichts, als oben besagte weißblaulichte Asche sehen lässet.

Sollen wir unsere Gedanken über diesen Proceß sagen: so halten wir dafür, daß es eben nicht nöthig wäre, den zerquetschten Saamen über Nacht unter freyem Himmel zu lassen, um ihn miot dem Thau zu vereinigen. Es ist genug, wenn ein reiner Thau gesammelt wird, und zwar in den ersten heitern Tagen im May. Weil nun auch ein Jahr fruchtbarer, mithin der Thau auch besser, als das andere ist; so kan die Güte und die Tauglichkeit zu diesem Werk daran erkennet werden, wenn ein solcher Thauz, in einem verschlossenen Glase, bey einer gelinden Wärme viele Grüne in einer Zeit von acht Tägen blicken lässet. Von einem dergleichen Thaue möchte bloß der gestossene Saamen drey Finger hoch angefüllet, und wohl zugemacht an die Sonne, und in ihrer Abwesenheit, an die Wärme gesetzt werden; so würde nach erfolgter Eintrocknung der Feuchtigkeit ober besagte Wirkung auch erfolgen können.

Eine andere Art wird nächstens mitgetheilet werden.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r5 - 01 Jul 2011, AgostonBernad
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