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IV. Jahrgang, V. St\xFCck >
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IV. Jahrgang, IV. St\xFCck, den 26. Jenner 1774.
I. Wissenschaften.
Fortsetzung der Recension, des, zu Prag herausgekommenen Werkes vom Herrn Adauctus Voigt a St. Germano: Beschreibung der bisher bekannten b\xF6hmischen M\xFCnzen. Siehe S. 17. St. III.
Der zweyte Band dieses vortreflichen Werkes, hat die n\xE4mliche Einrichtung, einige kleine Ab\xE4nderungen, in Nebensachen ausgenommen, als der erstere; und ist mit eben dem Flei\xDFe und Belesenheit, als jener, geschrieben worden. „Einigen Freunden, sagt Herr Voigt, in der Vorrede S. 2. kam die Lebensbeschreibung der M\xFCnzf\xFCrsten zu weitl\xE4uftig, und zu umst\xE4ndlich vor: sie hielten daf\xFCr, da\xDF, da die Historie bey meiner Arbeit, nicht das Hauptwerk w\xE4re, ich ohne Nachtheil meines Gegenstandes, mich hierinn k\xFCrzer fassen k\xF6nnte.“
Der verdienstvolle Verfasser, gab den Vorstellungen seiner Freunde in soweit nach, als er es mit gutem Grunde thun konnte. Die Lebensbeschreibungen der Herzoge erscheinen in diesem Theile viel k\xFCrzer, als in dem ersten, und enthalten nur die Hauptz\xFCge von Charakter eines jeden F\xFCrsten, nebst dem, was zur Erl\xE4uterung der M\xFCnzen desselben nothwendig war. „Au\xDFer diesen, fanden sich noch andere, f\xE4hrt der Hr. Verfasser, an bemeldtem Orte, fort, denen die h\xE4ufigen Anmerkungen, die darinn angebrachte lateinische Stellen, und die Anf\xFChrung mehrerer Schriftsteller nicht gefielen. — In Ansehung dieser, sagt Herr Voigt, konnte ich mich nicht so willf\xE4hrig erweisen. So sehr ich auch allem unn\xF6thigen Gepr\xE4nge, oder — aller schulm\xE4\xDFigen Pedanterey feind bin: so wenig kann ich mich \xFCberreden, da\xDF die fl\xFCchtige und gar zu vorsichtliche Art — die Historie zu behandeln, ohne eine einzige Quelle, oder die geringste Be-
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w\xE4hrung der Erz\xE4hlungen anzuzeigen, — die \xE4chte sey.“ Wir stimmen dem gelehrten Verfasser vollkommen bey, wenn er zum Bewei\xDF dessen S. 3. schreibet: „Die Aussagen glaubw\xFCrdiger Zeugen, sind nicht allein der einzige Entstehungsgrund aller historischen Wahrheit; sondern auch der einzige Ueberzeugungsgrund, f\xFCr unsern Verstand: kann man es wohl als \xFCberfl\xFC\xDFig ansehen, eine jeder merkw\xFCrdige Begebenheit, mit dergleichen Zeugni\xDFen zu belegen, um den Leser ihrentwegen, so viel als m\xF6glich ist, in Sicherheit zu stellen? — Ich werde demnach fortfahren, die Gew\xE4hrung meiner Erz\xE4hlungen zu leisten, jedoch mit Wahl und Maa\xDF.“
Dieser zweyte Band ist also auch voll von Bemerkungen, die sich so wohl — durch ihre innere G\xFCte, als durch ihre Wahl empfehlen. Sie sind mit vielem Flei\xDFe, aus den besten Schriftstellern zusammengetragen; sie sind sehr unterhaltend, und zur Kenntni\xDF der Numismatik, besonders der B\xF6hmischen, gut zu brauchen.
Ueber dieses hat sich der gelehrte Herr Voigt, da er als Geschichtschreiber, die Geschichte mit aller nur m\xF6glichen Genauigkeit behandeln will, bey dem zweyten Bande folgende Regel noch gesetzt: „Ich werde weder dem Dubrav, noch dem Haget, noch dem Balbin, noch sonst Jemanden in der Geschichte der b\xF6hmischen Regenten folgen; sondern dieselbe, gleich als wenn sie noch von Niemanden w\xE4re beschrieben worden, in den Urkunden dieser F\xFCrsten selbst, und in den Schriften der Zeitgenossen derselben aufsuchen.“ Wie m\xE4nnlich, und wie w\xFCrdig des Geistes eines Geschichtschreibers, der sich vorgesetzt, ja der es schon gezeiget hat, da\xDF er die Geschichte nicht blo\xDF andern nachb\xE4te sondern selbst studire. Ein einziger Blick in den gegenw\xE4rtigen Band, kann den Leser \xFCberzeugen, mit welchem Flei\xDF der Hr. V. dieser Vorschrift nachgekommen. Und er konnte es auch thun, da ihm manche sch\xF6ne Handschriften, Urkunden, und andere dergleichen H\xFClfsmittel in die H\xE4nde gerathen sind.
Diesem zweyten Bande, hat der Hr. Voigt, eine allgemeine Einleitung, in das b\xF6hmische M\xFCnzwesen bis aufs Jahr 1300. vorgesetzt; welche er gleich beym Anfange seiner M\xFCnzarbeit, \xFCberzeugt von der Nothwendigkeit derselben, dem Publikum versprach. Er erkl\xE4ret sich dar\xFCber \xA7 1. also: „Ich habe die Nothwendigkeit einer einer allgemeinen Einleitung in die M\xFCnzgeschichte meines Vaterlandes, gleich beym Anfange dieser Arbeit erkannt; wichtige Ursachen hielten mich damals zur\xFCck, an die Ausarbeitung derselben die Hand zu legen; und erst jetzt wage ich es, einen Entwurf davon, der jedoch nur den ersten Hauptabschnitt enthalten soll, meinen Lesern vorzulegen.“ Herr Voigt theilt die M\xFCnzgeschichte von B\xF6hmen in drey Hauptabschnitte. Der erste f\xE4nget von den
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\xE4ltesten Zeiten an, und endiget sich mit dem Ausgange des 13ten Jahrhunderts, als K\xF6nig Wenzel der IIte, eine ganz neue Einrichtung des b\xF6hmischen M\xFCnzwesens einf\xFChrte. Dieser erste Abschnitt, wird hier in 13. Paragraphen, mit einem Flei\xDF und Belesenheit abgehandelt, welche dem Verfasser Ehre macht. Liebhaber der M\xFCnzwissenschaft werden darinnen, viele gr\xFCndliche und wohl \xFCberdachte Bemerkungen antreffen, auch an vielen Stellen bescheidene Muthmassungen, welche ihnen gefallen m\xFCssen; welche aber auch ein vortreflicher Beweis, von dem Beobachtungsgeiste des H. V. sind, womit er dem Gange des M\xFCnzwesens, den dasselbe, in seinem Vaterlande, von einer Zeit zur andern, genommen hat, nachpr\xFCfet. Wir sehen der Fortsetzung dieser gr\xFCndlichen Einleitung, mit Vergn\xFCgen, und mit einer recht ungeduldigen Erwartung entgegen.
Auf die angefangene Einleitung, folgen nun die Beschreibungen b\xF6hmischer M\xFCnzen, oder die Fortsetzung derselben, in der n\xE4mlichen Ordnung, als wir bey dem ersten Bande, angemerkt haben. Der gegenw\xE4rtige Band, bestehet aus XIV. St\xFCcken, und einem St\xFCck Zus\xE4tze und Verbesserungen. Im ersten St\xFCck, werden f\xFCnf M\xFCnzen K. Wenzeslai des Iten, oder Ein\xE4ugigen, welcher vom Jahr 1230. bis 1253 regiert hat, beschrieben. Hier wird besonders \xA7 4. 5. und 6. von dem b\xF6hmischen Wappen ausf\xFChrlich gehandelt; und mit Hinwegr\xE4umung alles Fabelhaften, das Zuverl\xE4\xDFigste, mit viel Bescheidenheit und Wahrheitsliebe bestimmet. Das 2te St\xFCck erl\xE4utert die M\xFCnzen K. Ottokar des IIten. Unter der Regierung dieses K\xF6niges, war das M\xFCnzwesen, noch immer in dem vorigen Zustande; doch scheinen die Bracteaten, mehr im Laufe gewesen zu seyn, als die auf beyden Seiten gepr\xE4gten Denarii. \xA7. 5. dieses St\xFCcks, wird das \xF6streichische Wappenschild, welches auf den meisten Hohlpfennigen Ottokars vorkommet, erkl\xE4ret. Das 3te St\xFCck beschreibet die M\xFCnzen K\xF6nig Wenzeslai des IIten, vom Jahre 1278. bis 1305., unter welchem das b\xF6hmische M\xFCnzwesen auf eine vorz\xFCgliche Art verbessert worden ist. Sonderlich sind unter seiner Regierung die ersten so genannten b\xF6hmischen Groschen (grossi denarii) im Jahr 1300. Zu Kuttenberg gepr\xE4get worden; von welchen der Hr. V. \xA7. 3. ausf\xFChrlich handelt. Das 4te St\xFCck erl\xE4utert die M\xFCnzen K. Wenzeslai des IIIten, vom Jahre 1305 bis 1306. Das 5te die M\xFCnzen K. Johann, aus dem Hause Luxemburg vom Jahre 1310. bis 1346. In der b\xF6hmischen M\xFCnzgeschichte, sagt der Hr. V. \xA7 4. hat sich K. Johann, ein unsterbliches Denkmal gestiftet. Er ist der erste, der eine f\xF6rmliche goldene M\xFCnze, in diesem K\xF6nigreiche, eingef\xFChret hat. Diese wird \xA7. 6 richtig beschrieben. Das 6. St\xFCck handelt von den M\xFCnzen Karls des IVten R\xF6mischdeutschen Kaisers und K\xF6nigs in B\xF6hmen, vom Jahre 1346 bis 1378. Von
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diesem Regenten sind zweyerley M\xFCnzverordnungen aufbehalten, deren erstere das Reich, die andere aber B\xF6hmen angehet. Beyde sind hier, mit vielen sch\xF6nen Erl\xE4uterungen abgedruckt. Das 7te St\xFCck beschreibet die M\xFCnzen Kaiser Wenzels mit dem Beynamen des Faulen, K. in B\xF6hmen, vom Jahre 1378. bis 1419. dessen merkw\xFCrdige und vielen Widerspr\xFCchen ausgesetzte Geschichte, der wahrheitsliebende Verfasser, ganz unpartheyisch erz\xE4hlet. Das 8te die M\xFCnzen Kaiser Sigismunds, K\xF6nigs in Ungarn und B\xF6hmen, vom Jahre 1419. bis 1437. unter welchem, bey so lange anhaltenden hu\xDFitischen Verheerungen, der Bergbau, und das M\xFCnzwesen, noch in einen gr\xF6\xDFern Verfall, als unter Wenzel dem Faulen, gerathen. Das 9te St\xFCck, die M\xFCnzen Kaiser Albrechts des IIten, K. in Ungarn und B\xF6hmen, vom Jahre 1438. bis 1439. Die kurze und unruhige Regierung K. Albrechts in B\xF6hmen, hat ihn verhindert einige M\xFCnz- und Bergwesens, auszustellen. Man hat sogar noch keine b\xF6hmische M\xFCnze vorzeigen k\xF6nnen, welche von ihm unstreitig w\xE4re gepr\xE4get worden. Um die Gleichf\xF6rmigkeit des Werkes beyzubehalten, hat der Hr. V. gegenw\xE4rtigem St\xFCcke einige Medaillon und M\xFCnzen vorsetzen lassen, die theils nicht gleichzeitig, theils ausw\xE4rtig sind, theils ihn gewi\xDF nicht angehen, aber doch um sein Zeitalter geschlagen worden sind. Das 10te St\xFCck, erl\xE4utert die M\xFCnzen des K. Ladislav, mit dem lateinischen Beynamen Posthumus, vom Jahre 1439. bis 1457. Niemand wird von einem Regenten, hei\xDFt es \xA7 10., der so kurze Zeit B\xF6hmen, und zwar meistens nur durch Statthalter, beherrschet hat, viele Verordnungen des Berg- und M\xFCnzwesens erwarten. So viel ist gewi\xDF, das beydes in sehr schlechtem Zustande war. Nro. III. bey Erkl\xE4rung der M\xFCnzen dieses K\xF6niges, ist der 38ten Anmerkung, aus dem 2ten Supplemente des Groschenkabinets, ein schriftlicher Aufsatz von Hanns Riedm\xFCller, ehemaligem M\xFCnzmeister zu Hermannstadt, einverleibet worden, welcher zur Erl\xE4uterung der ungarischen Dukaten, vieles beytr\xE4get. Das 11te St\xFCck handelt von den M\xFCnzen des K. Georg von Podiebrad, vom Jahre 1457 bis 1471. Podiebrad unternahm im Jahre 1460. eine Verbesserung der einheimischen M\xFCnze, setzte zu Prag ein Wechselamt ein, und gab eine ganz neue M\xFCnzordnung im Jahre 1467, und eine andere im Jahre 1470., welche beyde sowohl b\xF6hmisch (in welcher Sprache die Urschriften verfasset sind) als auch deutsch 6. und 7. mit n\xF6thigen Anmerkungen, abgedruckt sind. Das 12te St\xFCck stellet vor, einige M\xFCnzen des K. Mathiias Corvinus von Ungarn, Titlark\xF6niges von B\xF6hmen. Die M\xFCnzanstalten dieses K\xF6niges, die er in Schlesien und in der Lau\xDFitz verf\xFCget hat, sind zugleich f\xFCr die b\xF6hmische M\xFCnzkunde nicht wenig erheblich. Seine M\xFCnzverordnung f\xFCr die Stadt Bre\xDFlau vom Jahre
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1471. kommet \xA7. 4. vor. DAs 13te St\xFCck erl\xE4utert die M\xFCnzen des K. Wladislavs des IIten, K\xF6niges in Ungarn und B\xF6hmen, vom Jahre 1471 bis 1516. In der b\xF6hmischen M\xFCnzgeschichte hat sich Wladislav, hei\xDFt es \xA7. 4. ein unsterbliches Andenken gestiftet. Er unternahm eine allgemeine Verbesserung der M\xFCnze, und verf\xFCgte sich zu dem Ende im Jahre 1473. pers\xF6nlich nach Kuttenberg, wo damals die vornehmste M\xFCnzst\xE4tte war, und pr\xE4gte mit eigener Hand Groschen, Pfennige und Heller, von gutem Gehalte. Das 14te St\xFCck endlich beschreibet die M\xFCnzen des K\xF6nigs Ludewig in Ungarn und B\xF6hmen, vom Jahre 1516. bis 1526., in dessen M\xFCnz- und Bergwerksgeschichte die Erhebung des Joachimthaler Bergwerks, und die daselbst h\xE4ufig angestellte Auspr\xE4gung der zwey Loth schweren Silberm\xFCnzen, welche eben daher den Namen, Thaler, erhalten, von der gr\xF6\xDFten Wichtigkeit ist.
Noch k\xF6nnen wir nicht unbemerkt lassen, da\xDF dieser zweyte Band seiner hochgr\xE4fl. Excellenz, dem hoch- und wohlgebornen Herrn, Franz Joseph, des h. K. K. Grafen von Pachta, obersten M\xFCnz- und Bergmeister im K\xF6nigreiche B\xF6hmen, einem gro\xDFen Bef\xF6rderer dieser M\xFCnzarbeit zugeeignet worden sey. Der Zueignung ist die, Seiner hochgr\xE4fl. Excellenz zu Ehren gepr\xE4gte, unvergleichliche Medaille vorgesetzet.
Im \xFCbrigen sind bey diesem sowohl, als dem ersten Bande, Druck, Papier und Kupfer, vorz\xFCglich sch\xF6n, und gereichen dem an sich vortreflichen Worte, zu besonderer Zierde und Versch\xF6nerung. Der gelehrte Verfasser, verspricht dem Publiko auf k\xFCnftige Ostern, den dritten Theil seiner M\xFCnzschrift. Wir freuen uns schon im voraus auf diesen Theil, und w\xFCnschen, da\xDF es dem Hrn. V. Zeit und Kr\xE4fte verstatten, dies Versprechen zu erf\xFCllen.
v. Cz.
II. Naturgeschichte.
Fortsetzung des I. Nachtrages zu Beschreibung des karpatischen Gebirges.
„Im Aufsteigen sind wir f\xFCnf oder sechsmal in die Wolken gerathen, da\xDF es um uns ganz finster war, und wir keine Sonne sahen, sobald wir aber durch waren, hatten wir die sch\xF6nste Heiterkeit, besonders auf der Spitze — Die vor uns liegenden Marktflecken und D\xF6rfer sahen, wie Heuhaufen, aus. — Die Schlagendorfer beynahe runde Spitze, auf der wir uns bis in die zwey Stunden aufgehalten, hat zu oberst ein so gro\xDFes Spatium, wie eine mittelm\xE4\xDFige Stube — Auf der Seite gegen die Kahlbach ist es ganz
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steil, und wie von etlich hundert Th\xFCrmen,gerade in den Grund hinunter zu sehen, das ganz erschrecklich ist, und einem das Gesicht dar\xFCber vergehet; gegen Orawa, Pohlen und Schlesien aber, kann man gut fortgehen; und erblicket man hinter diesem Gebirge, fast noch h\xF6here Berge und Felsen, als man von dieser Zipser Seite siehet — welches ich nachher im Jahre 1680., da ich von Danzig durch Pohlen nach Ungarn zur\xFCckgereiset, noch mehr erfahren, da man mir sechs Meilen hinter Warschau, von einem Teiche, bey klarem Sonnenschein, das Schneegebirge gewiesen, davon ich eine Spitze, als einen Heuhaufen auch deutlich genug gewahr werden k\xF6nnen. —
Aber wieder auf meine vorige Erz\xE4hlung zu kommen, von dem, was wir bey der Besteigung dieses Gebirges gesehen — n\xE4mlich an vielen Orten wilde Ziegen oder Gemsen mit ihren Steinb\xF6cken, welche haufenweise zu 6. bis 20. und mehr beysammen sich sehen lassen — bey jedem Haufen war ein Bock, so auf der Wacht gestanden, und wenn derselbe eines Menschen ansichtig worden, als ein Sch\xE4fer zu pfeiffen angefangen, da dann die andern Gemsen solches h\xF6rend, schnell davon gelaufen, etliche Th\xFCrne hoch, von einem Felsen auf den andern herunter gesprungen, und sodann in dem Grund, wo die Kahlbach herausflie\xDFet, wieder zum Vorschein gekommen sind. Hier war ein gefrorner, und nur in der Mitte offener See, auf welchem sich die Gemsen und B\xF6cke, um und um in Ordnung gestellet, und aus dem See gesoffen, denen wir eine Weile mit Luft zugesehen. — Man findet auch in diesem Gebirge, unterschiedliche Apothekerkr\xE4uter und Wurzeln, besonders die Rhabarbara, die so viel, wie die ausl\xE4ndische wirket — wie auch das ungemeine Limbaumholz, welches so dick, als ein gro\xDFer Scheffel und zimlich hoch w\xE4chset, wovon man Breter schneidet, und davon Tische und K\xE4sten machet, in welchen man die Kleider f\xFCr den W\xFCrmern und Motten bewahren kann. — Das Holz giebet auch einen lieblichen Geruch von sich, und kann lange Zeit aufbehalten werden — Der Baum tr\xE4get dicke Z\xE4pfel, wie die Tannen und Kinnb\xE4ume, darinnen kleine N\xFCssel, mit sehr lieblichen, wohlriechenden s\xFCssen und gesunden K\xF6rnern wachsen, so wider den Stein und Sand dienlich sind. — Es wird auch von den Limbaum ein sehr n\xFCtzlich, allerhand innerliche Sch\xE4den heilendes Oel zubereitet, welches vor 32. Jahren, von der Zeit an gerechnet, da ich dieses schreibe, n\xE4mlich im Jahre 1676. zuerst eingef\xFChret worden, auf folgende Weise, wie k\xFCnftig soll gemeldet werden.“
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III.
Von Versteinerungen in Ungarn.
Versteinerungen oder Petrificationes, sind keine gro\xDFe Seltenheiten, wenn man solche nur \xFCberhaupt und allgemein nennet oder betrachtet; sehen wir aber auf gewissen und besondere Arten oder St\xFCcke davon, so finden wir einige darunter, die Kennern und Liebhabern eben so sehr werth sind, oder auch in geweisser Absicht noch viel sch\xE4tzbarer, als Edelsteine. Ein und eben dieselbe Art der Versteinerung, die ein Land reichlich besitzet, kann in einem andern, als eine besondere Seltenheit gelten. Endlich kommet es auch nicht wenig auf die Materie und auf das \xE4u\xDFerliche Ansehen und die Gestalt einer Versteinerung an; wenn sie gleich in ihrer Art betrachtet, nichts seltsames und au\xDFerordentliches w\xE4re? So ist es z. B. versteinert Holz zu sehen, in seiner Art keine Seltenheit; weil man beynahe in allen L\xE4ndern einiges findet: allein, ein versteinert Holz von au\xDFerordentlicher Gr\xF6\xDFe, besonderer Farbe, ausnehmendem Glanze, das \xFCber dieses durchsichtig, und seinem Urbilde vollkommen \xE4hnlich ist, und es in seiner Natur deutlich vorstellet; ein solches versteinertes Holz, welches auch nur eine von diesen Eigenschaften besitzet, verdienet schon den Namen einer Seltenheit.
Hieraus ist nun leicht zu ersehen, in wie weit es n\xFCtzlich und nothwendig zu einer vollkommenen Kenntni\xDF von dergleichen Dingen sey, nicht blo\xDF zu wissen, da\xDF unsre Erdkugel Versteinerungen in sich enthalte; sondern auch die Versteinerungen nach ihrrem Erzeugungsorte, kennen zu lernen, zu unterscheiden, und zu beurtheilen, was diese kder jene Landschaft, besonders und vorz\xFCgliches in dergleichen St\xFCcken vor einer andern besitze? In soferne nun hoffe ich auch, einigen Lesern nicht zu misfallen, wenn ich in einem kurzen Berichte darzulegen trachte, was Ungarn unser gl\xFCckliches Vaterland, vor andern zu voraus, oder auch mit ihnen gemeinschaftliches habe? Ich vermuthe, wir werden hier Versteinerungen entdecken, die man anderer Orten vergeblich suchet; Versteinerungen von besonderem Ansehen und Eigenschaften, und einige davon in grossem Ueberflu\xDF, die anderw\xE4rtig nur sehr selten vorkommen.
Nichts desto weniger aber, will ich mich bey dieser Beschreibung, in eine Er\xF6rterung solcher Aufgaben gar nicht einlassen, die das Allgemeine in dieser Wissenschaft betreffen, und von welchem die Aufl\xF6sungen in allen B\xFCchern dieses Inhalts zu finden sind. Es soll folglich hier nicht untersuchet werden: ob wahrhafte Versteinerungen in der Welt vorhanden seind, oder ob alles dieses ein blo\xDFes Naturspiel sey? Noch weniger werden wir uns darum bek\xFCmmern, auf was Art und Weise die Fische, Conchilien und allerhand Muschelwerk, aus
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dem Wasser und Meer, auf die Gipfel der Berge, in die festen Steinkl\xFCfte und in die Tiefe des Erdbodens gerathen, und daselbst in einen Stein oder in eine harte Erde verwandelt worden seyn m\xF6gen? Von allen diesem ist bereits so vieles und so gr\xFCndlich und deutlich geschrieben worden, da\xDF Niemand mehr an einer Sache, die in die Augen f\xE4llet, und die sich aus ganz nat\xFCrlichen Ursachen begreifen l\xE4\xDFet, zweifeln darf. Endlich bin ich auch entschlossen, um nicht unangenehm oder gar einigen unverst\xE4ndlich zu werden, die aus fremden Sprachen entlehnte, und in dieser Wissenschaft sonst gew\xF6hnliche und eingef\xFChrte Kunstw\xF6rter, auf das m\xF6glichste zu vermeiden; und dagegen vielmehr die hier vorkommenden Sachen, bey ihren eigenen und in dem allgemeinen Sprachgebrauche bekannten Namen zu nennen.
Im eigentlichen und scharfen Verstande, bestehen die Versteinerungen nur lediglich aus thierischen und vegetabilischen K\xF6rpern, die unter der Erde, auf solche Art zu Stein werden, da\xDF sie ihre Figur und nat\xFCrliche Bildung beybehalten: oder wenigstens dieselbe den Erden und Steinen mittheilen, oder eindr\xFCcken. Allein nach der einmal angenommenen Redensart z\xE4hlet man in diese Klasse noch verschiedene andere K\xF6rper, die ebenfalls von Stein, oder einer andern harten Materie sind, und in der Natur entweder selten vorkommen, oder auf eine besondere Art entstanden sind. . Man rechnet hierzu mineralisirte und unter der Erdc konservirte thierische und vegetabilische K\xF6rper. Ferner allerhand Steinspiele oder au\xDFerordentlich gebildete, geformte und gemalte Steine; insbesondere aber, solche steinigte K\xF6rper, die aus Wasser in au\xDFerordentlicher Gestalt zu entstehen pflegen.
Der Plan der ganzen Abhandlung soll dieser seyn: Zuerst soll von Versteinerungen aus dem Thierreiche gehandelt werden; die Versteinerungen aus dem Gew\xE4chsreiche, und was dazu geh\xF6ret, sollen den zweyten Platz einnehmen; die Steinverh\xE4rtungen im Wasser den dritten, und den Beschlu\xDF sollen einige Anmerkungen von dem Nutzen und Gebrauch der Versteinerungen machen.
Wir wollen unsern Lesern unangezeigt nicht lassen, da\xDF der letzthin beschriebene alte Codex bereits abgenommen und von seinem Besitzer verkaufet worden.
In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.