INHALTSVERZEICHNIS PRIVILEGIRTE ANZEIGEN
Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, VIII. St\xFCck -
IV. Jahrgang, X. St\xFCck >
(65)
IV. Jahrgang, IX. St\xFCck, den 2. M\xE4rz 1774.
I. Wissenschaften.
Numismatik.
Goldm\xFCnze des Siebenb\xFCrgischen F\xFCrsten Christoph Bathori,vom Jahre 1576. bis 1581.
I. Beschreibung der M\xFCnze.
Die Hauptseite stellet vor, das Bathorische Geschlechtswappen, in einem unten zugespitzten und mit einer Lilienkrone bedeckten Schilde, welches von zweyen Engeln gehalten wird. Die Umschrift: * CHR * BATH * DE * SOM * VAIVODA * TRANSILVA * ET * SIC * COMES * Z * d. i. Chriftophorus Bathori de Somlyo , Vaivoda Transilvaniae, Et Siculorum Comes. &c. Auf der Reversseite lieset man in drey Zeilen: * VIRTUS * UNITA * VALET * Oben und unten sind zierliche Blumenzweige Die Umschrift: * ANNO * DOMINI * MI-
(66)
LESIMO * QUINGENTESIMO * SEPTUAG * SEPTIMO *.
II. Historische Erkl\xE4rung.
Christoph Bathori von Somlyo ward zum F\xFCrsten von Siebenb\xFCrgen gew\xE4hlt, im Jahre 1576., nachdem die Pohlen seinen leiblichen Bruder, Stephan Bathori, zum Throne dieses Reichs berufen hatten. Der verdienstvolle Schmeizel, sagt bey Erl\xE4uterung dieser M\xFCnze S. 26. \xA7 69.*) „Als nun Stephanus — das F\xFCrstenthum Siebenb\xFCrgen verlassen mu\xDFte; so \xFCbergab er zwar die Regentschaft desselben diesem seinem Bruder; nur die Oberherrschaft behielt er sich frey.“ Keines von beyden. Der ehemalige Siebenb\xFCrgische Hofkanzler Graf von Bethlen, sagt gerade das Gegentheil, in seinem vortreflichen historischen Werke, darinnen die damaligen Zeitbegebenheiten, umst\xE4ndlich und nach der Wahrheit, beschrieben werden. Aus der Erz\xE4hlung dieses gro\xDFen Geschichtschreibers erhellet: da\xDF unser Christoph Bathori, weder eigenm\xE4chtig, von dem K\xF6nige seinem Bruder, in diese W\xFCrde eingesetzt worden; noch weniger aber, da\xDF er nur einen Statthalter desselben, in dem F\xFCrstenthum Siebenb\xFCrgen abgegeben habe.**) Denn w\xFCrde nicht das erste, den Siebenb\xFCrgischen St\xE4nden \xE4u\xDFerst nachtheilig; das letzter aber ein offenbarer Eingriff, in die Rechte der K\xF6nige von Ungarn gewesen seyn? Bathori war w\xFCrklicher und mit aller landesherrlichen Hoheit versehener F\xFCrst, oder nach der damals \xFCblichen Titulatur, Wajwode von Siebenb\xFCrgen.*) Der K\xF6nig, sein Bruder, behielt, zwar auch den F\xFCrstlichen Titel, und nannte sich auf M\xFCnzen und Urkunden, Principem Transilvaniae nahm aber an der Siebenb\xFCrgischen Regierung keinen weitern Antheil; als da\xDF er aus wichtigen Staatsabsichten, die Besorgung derjenigen Landesangelegenheiten sich vorbehielt, welche von dem gr\xF6\xDFten Gewicht waren, und zugleich einen Einflu\xDF hatten, auf da\xDF ganze
*) S. Martin Schmeizels Erl\xE4uterung Gold- und Silberm\xFCnzen von Siebenb\xFCrgen ec., womit zu vergleichen ist, des gelehrten D. Gottfr. Schwarz, Recensio Critica Schmeizeliani de numis Transilvanicis Commentarii S. 27. \xA7 7.
**) Hier sind des Grafen von Bethlen eigene Worte: Interea Stephanus Bathoreus, Comitia Megyesini ad diem 28. mensis Januarii indicit, in quibus regnicolis proponit, se per legatos - & ne illo absente sine Capite remanerent, ad regnum dirigendum recommendat iis, pro Vaivoda da, Christophorum Bathoreum, fratrem suum germanum - und weiters unten: Quibus regnicolae auditis - ad electionem Vaivodae accedunt - & unanimi consensu, illum Tranfilvaniae Vaivodam cligunt, &c. Vid. de Betblen Historiarum lib. VI. pag. 351.
*) Insuper, hei\xDFet es davon bey dem Bethlen, quod eadem provinciae habeat auctoritatem, in vaivodatum, in expediendis litteris donationalibus, ac privilegiis, & in omnibus rebus ad regimen regni spectantibus, prout ipse Stephanus Batbori habuit. loc. cit. p. 351.
(67)
Staatssystem von Pohlen, Siebenb\xFCrgen, und die Pforte**)
Sobald Christoph Bathori, als F\xFCrst von Siebenb\xFCrgen, feyerlich erkl\xE4rt und best\xE4ttiget worden ist: so hat er nach dem Beyspiel seiner Vorg\xE4nger, das hohe M\xFCnzregal ausge\xFCbet, und verschiedene Gold- und Silberm\xFCnzen pr\xE4gen lassen. Das vorliegende gro\xDFe Goldst\xFCck kann aber auch, als eine Courantm\xFCnze angesehen werden. Denn es war den Siebenb\xFCrgischen F\xFCrsten, was gew\xF6hnliches, bey dem Antritt ihrer Regierung, bey ihrem Absterben, oder auch andern wichtigen Begebenheiten, dergleichen gro\xDFe Goldst\xFCcke pr\xE4gen zu lassen, und solche unter die Vornehmsten im Lande, besonders bey Leichenbeg\xE4ngnissen auszutheilen.***) Von den meisten F\xFCrsten in Siebenb\xFCrgen sind goldene Medaillen dieser Art vorhanden, und werden in
vornehmen M\xFCnzkabineten flei\xDFig aufbewahret. Und weil die Siebenb\xFCrgischen Goldbergwerke, damals sehr gesegnet waren: so lie\xDFen die F\xFCrsten, dergleichen zehenfache Dukatenst\xFCcke, auch zum ordentlichen Gebrauche im Handel und Wandel sehr h\xE4ufig auspr\xE4gen; nur aber einige derselben, als Botschkai, Bethlen Georg Rakozy Bartschai ec. mit dem Unterschied, da\xDF auf die gemeinen Goldst\xFCck, statt des Wahlspruchs, auf der Reversseite, des Landes, und ihre eschlechtswappen zugleich gepr\xE4get wurden. Ein einziger Blick, in des K\xF6lescheri Aurariam Romano-Dacicam; und Johann Tob. K\xF6hlers vollst\xE4ndigen Dukatenkabinets zweyten Theil, wird |eben davon \xFCberzeugen k\xF6nnen. Auf unser Goldst\xFCck zur\xFCckzukommen, zeigt dasselbe auf der Hauptseite, das Bathorische Familienwappen, n\xE4mlich drey Drachenz\xE4hne. K\xF6lescheri und Schmeizel erz\xE4hlen uns, die Entstehung dieses Wappens, aus einer alten Sage. Die Liebe zum Sonderbaren, bey solchen Dingen, verleitet die Menschen gemeiniglich, auf allerley Erfindungen. Mit dem Bathorischen Wappen, soll es nach dieser gemeinen Sage, die Verwandtni\xDF haben. Ein abscheulicher Drache, der sich in der sumpfigen See bey Etsched aufgehalten, machte den dortigen Einwohnern, viele Jahre, grossen Schaden. Endlich wagte es einer, Namens Vidus, das sch\xE4dliche Thier, aus dem Weg zu r\xE4umen. Es gl\xFCckte ihm auch, dasselbe nach Wunsch zu erlegen, und die ganze Ge-
**) Stephanus Bathoreus, sagt Bethlen l.c. pag. 352. ne omni potestate, & regiminis Transilvaniae jure, exutus videretur, relicto fratri suo Cbristophoro, titulo Vaivodae, ipfe titulum pricipis Transilvanae penes eos, quos cum regno Poloniae consecutus est, quoad vixit, usurpavit. Hoc autem ideo fecit, ut hares tanto majorem potestatem, tum res Transilvanas, tum in porta ottomanica tum alibi - tuendi ac promovendi &c.
***) Auch in den neuen Zeiten wird solches in Siebenb\xFCrgen noch beobachtet. Wir selbsten besitzen noch zwo silberne Medaillen, davon die eine bey einem Banfischen, die andere bey einem Gr\xE4flich Weschelinischen Leichnebeg\xE4ngni\xDFe, unter die vornehmen Anwesenden ausgetheilet worden ist.
(68)
gend von einem so gef\xE4hrlichen Nachbarn zu befreyen. Die Einwohner erfreuet dar\xFCber, legten einhellig, ihrem mutigen Befreyer, den Namen Bator bey; das ist, der Tapfere, beherzte. Er aber und seine Nachkommen, behielten nicht nur den Namen Bator; sondern er w\xE4hlte auch die drey Drachenz\xE4hne, zu seinem adelichen Wappen.*) Wir \xFCberlassen das Urtheil dar\xFCber den Lesern, und wenden uns zur Reversseite unserer Medaille.
Die Aufschrift, welche den Revers f\xFCllet: Virtus unita valet, zielet keinesweges, wie der gelehrte Schmeizel, in seinen Siebenb\xFCrgischen M\xFCnzbeschreibungen S. 27. \xA7 71. behauptet, auf das gemeinschaftliche Regiment der beyden Br\xFCder, Stephan und Christoph Bathory; welches wir oben schon widerlegt haben: sondern es sind diese ausgesuchten Worte, der Wahlspruch des F\xFCrsten gewesen; wie der verdienstvolle Herr D. Gottfried Schwarz, in seinem kritischen Commentar, \xFCber das Schmeizelische Werk, gr\xFCndlich angemerket hat, S. 22. \xA7 7. Der Graf von Bethlen, hat uns, in der oft angef\xFChrten Siebenb\xFCrgischen Geschichte, die Nachricht davon aufbewahrt, und zugleich die Ursache angezeigt, warum Bathori diese Worte zum Wahlspruch angenommen. Der F\xFCrst, sagt Bethlen, wollte damit, seine noch immer entzweyten Mitb\xFCrger erinnern, wie ihm, da er nun die F\xFCrstenw\xFCrde angetreten, nichts sosehr am Herzen l\xE4ge, als die Wurzel der Uneinigkeit und des Neides, aus aller seiner Unterthanen Herzen auszurotten; die geheimen Quellen des Aufruhrs zu verstopfen, und das sch\xF6ne Land endlich in die Ruhe zu bringen.**) Welch ein vortreflicher Beweis von den edlen und uneigenn\xFCtzigen Gesinnungen, eines F\xFCrsten, bey dem Antritt der Regierung!
Die Titulatur auf unserer M\xFCnze, die auch auf andern Siebenb\xFCrgischen M\xFCnzen, wie wohl ver\xE4ndert vorkommen wird, mu\xDF noch erl\xE4utert werden. Der M\xFCnzf\xFCrst nennt sich auf derselben: Vaivoda Transilvaniae & Sicolorum Comes. Der Titel eines Wajwoden von Siebenb\xFCrgen ist eben so neu nicht. Er war schon seit einigen Jahrhunderten, als eine besondere Reichsw\xFCrde in Ungarn \xFCblich.***) Nur ist seine Bedeutung, bey dieser Staatsver\xE4nderung in Siebenb\xFCrgen, von gr\xF6\xDFerm Gewichte und Umfang. In den \xE4ltesten Zeiten waren die Wajwoden von Siebenb\xFCrgen nur k\xF6nigli-
*) K\xF6leseri I. c. pag. 135. Schmeizel a. a. O. S. 23. \xA7 62. und S. 24. \xA7. 64. 65. wo diejenigen widerleget werden, welche aus Unwissenheit, die drey Drachenz\xE4hne f\xFCr das Siebenb\xFCrgische Landeswappen ausgeben., und allerhand Abentheuer davon getr\xE4umet haben. S. auch des F\xFCrsten R\xE1k\xF3czi, Memoires Tom. V. p. 280 folg.
**) Historiarum libro VI. pag. 355. imgleichen D. Schwarz loc. cit.
***) Hr. Karl Andr. Bel, Prof in Leipzig, hat in einer mit vieler Belesenheit geschriebenen gelehrten Abhandlung: de Archiofficiis regni Hungariae, von dieser W\xFCrde, \xA7 19. und 21. umst\xE4ndlich gehandelt.
(69)
che Statthalter und Beamte, nun aber wurden sie Oberherren und Regenten, die alle landelherrliche Vorrechte besa\xDFen und aus\xFCbten. Stephan Bathori, ward von den Landesst\xE4nden zum Nachfolger von Johann von Zapolya des II. gew\xE4hlt, behielt aber nur den Titel eines Wajwoden; zufrieden, da\xDF er bey diesem Titel, dennoch als F\xFCrst, das Land beherrschte. Hernach, als K\xF6nig von Pohlen, nahm er, wie wir oben bemerkten, eigenm\xE4chtig den Titel Princeps Transil. an. Christoph Bathori, sein Burder, \xE4nderte den Wajwodentitel lebenslang nicht; wohl aber sein Sohn Sigmund Bathori, wie wir in der Folge, bey Beschreibung seiner M\xFCnze, zeigen werden.*)
Was Comes Siculorum bedeute, wollen wir im Auszuge aus dem Schmeizel sagen. Die Zekler (Siculi) machen eine ganz eigene Nation, in Siebenb\xFCrgen aus, und wohnen in einer sehr bergigten Gegend, an den Gr\xE4nzen von Pohlen und der Moldau. Die Nation hatte von Alters her, unter den ungarischen K\xF6nigen, ihre eigene Vorsteher; und ein solcher hie\xDF: Comes Siculorum.**) Stephan Bathori nahm als Waiwode von ganz Siebenb\xFCrgen diese Titulatur auch an; und nach ihm hernach, alle seine Nachfolger, wie ihre M\xFCnzen ausweisen.
Es ist im \xFCbrigen dieses ansehnliche Goldst\xFCck, allen Umst\xE4nden nach, damals gepr\xE4get worden, als Christoph Bathori, die ihm von den Landesst\xE4nden \xFCbertragene F\xFCrstenw\xFCrde, feyerlich angetreten. Denn es l\xE4\xDFet sich so etwas aus der, auf dem Revers befindlichen Jahrzahl 1577 sehr wahrscheinlich schlie\xDFen. Und Bethlen sagt es, da\xDF der im Jahre 1576. gew\xE4hlte F\xFCrst, erst das folgende Jahr darauf, als der F\xFCrst von Siebenb\xFCrgen \xF6ffentlich erkl\xE4ret und best\xE4ttiget worden sey.*) Auf diese Feyerlichkeit
*) Beynahe 400 Jahre wurde das k\xF6nigliche Siebenb\xFCrgen, von Statthaltern, die man Vaivodas Transilvaniae nannte, regirt. Qui summum magistratum, sagt Timon, in provincia gerebat, Vajavoda, vel Vaivoda, quae vox, ducem belli valet, nuncupabatur &c. Imag. Hung. novae. S. 48. nach der neuen Ausgabe in 4. Den Anfang dieser W\xFCrde in Siebenb\xFCrgen setzet der gelehrte Belius, in die letzten Regierungsjahre Colomani a.a.O. Quantum in his tenebris palpare licet, ita existimo, ad senescentem Colomani aetatem, Vaivodatum Transilvaniae referri; &c. Als hernach im Jahre 1527. der Graf von Zips, Johann Zapolya, Siebenb\xFCrgen von der ungarischen Krone ungl\xFCcklicher Weise abgerissen, h\xF6rte diese W\xFCrde auf, und Siebenb\xFCrgen bekam F\xFCrsten. Belius l.c. pag. 28. Timon, l.c. pag. 48. Schmeizel a.a.O. S. 23. und Gottfr. Schwarz, l.c. pag. 18. \xA7 6.
**) Samuel Timon, l. c. pag. 49. Praeter Praesidem provinciae istius - Siculi suum peculiarem habebant praefectum, qui Comes appellabatur - quem Rex dabat.
*) Historiarum libro VI. p. 355. ad annum 1577. Stephano Bathoreo, ad regni Poloniae; fastigium evecto, Christophorus fratcr ejus - hactenus praefectura Varadiensi - pcrfunctus, in locum suum substituit Joannem Geczium - ipse vero Concordibus Regnicolarum suffragiis, Vaivoda Transilvaniae declaratus &c.
(70)
nun, sind dergleichen Goldst\xFCcke, zur Verewigung derselben gepr\xE4get worden. Doch vielleicht nicht auf diese Feyerlichkeit allein; sondern auch w\xE4hrend seiner ganzen Regierung; wiewohlen uns von andern Jahren keine, weder in M\xFCnzb\xFCchern und Catalogis, noch auch M\xFCnzsammlungen, bey aller angewandten Aufmerksamkeit, zu Gesichte gekommen sind; das einzige ausgenommen, mit der Jahrzahl 1583. bezeichnet, welches K\xF6lescheri und der gelehrte Schwarz, angezeigt und beschrieben haben.**)
**) K\xF6leseri Auraria Romano - Dacica pag. 136. Godofr. Schwarz loc. cit. \xA7 7. Wenn ich eine Vermuthung wagen darf; so halte ich daf\xFCr: Da bis jetzt noch dergleichen Bathorische Goldst\xFCcke mit keiner andern Jahrzahl, als der oben benannten, zum Vorschein gekommen sind; man habe solche auch nur nut in den beyden Jahren, n\xE4mlich 1577. und 1583 zu eben so vielen Hauptbegebenheiten gepr\xE4gt. Ich meyne im Jahr 1577 zum Andenken der angetrettenen Regierung, und 1583 bey seiner solemnen Beerdigung; wobey der K\xF6nig, sein Bruder, alles recht f\xFCrstlich veranstalten lie\xDF. Dazu kommet noch, da\xDF viele Goldst\xFCcke, selbst in Siebenb\xFCrgen sehr rar sind, und in vornehmen Kabineten fehlen; wie wir davon sichere und eigene Erfahrungen anf\xFChren k\xF6nnen. F\xFCr einen hohen M\xFCnzsammler mu\xDFten wir einstens, das sehr m\xFChsam aufgesuchte und hart gefundene St\xFCck, mit 12. Dukaten bezahlen. Es ist aber auch, so viele, seiner Seltenheit wegen, werth.
II. Ungarische Geschichte.
Fortsetzung der merkw\xFCrdigen Begebenheiten der k\xF6nigl. freyen Stadt K\xE4smark.
\xA7 15.
Unter dem Hieronymo La\xDFky ist der hundertj\xE4hrige Hatterstreit, zwischen der Stadt K\xE4smark, Bela und Ror im Jahre 1543. durch einen sub vincolo von 1000 Dukaten errichtetem Contrackts geendiget worden, kraft dessen von der Schwarzbach, am Windschendorfer Wege, bis zu dem Kalchgrund, Gr\xE4nzhaufen aufgerichtet worden sind. Das zur Linken im Grunde geh\xF6ret der Stadt K\xE4smark alleine zu: zur Rechten aber geh\xF6ret die Waide den Belern, das Holz und Steine hingegen den Roxern. Auf den Bergh\xF6hen geh\xF6ret die Waide den K\xE4\xDFmarkern, doch kann Bela und Rox gemeinschaftlich davon genie\xDFen. Dieses letztere hat vom Jahre 1715 bis 1731. zwischen der Stadt K\xE4smark und Bela neuen Streit verursachet, so da\xDF es gar zu einem Proce\xDF gekommen ist.
\xA7 16.
Im Jahre 1573. erhielt des Hioronymus Nachfolger, Albertus La\xDFky vom K\xF6nige Maximilian dem II. \xFCber alle diese G\xFCter eine Donation, und besa\xDFen diese beyde La\xDFky bis 50. Jahre die G\xFCter ohne alle Wieder-
(71)
keit Die Stadt K\xE4smark erkannte beyde f\xFCr ihre Schutzherren. Im Jahre 1575. versetzte Albertus La\xDFky das Dominium K\xE4smark und Schawnik, dem Johann Ruber einem kaiserlichen General, welcher die Stadt sehr gelinde hielt, und sich mit dem gew\xF6hnlichen Zins von 600. fl. begn\xFCgen lie\xDF. Nach etlichen Jahren verpf\xE4ndete er beyde Dominia einem ungarischen Herrn Sebastian T\xF6k\xF6ly, dem er auch die Stadt cum ecactione census \xFCbergab; doch mit dem Vorbehalt, damit die Stadt K\xE4smark in ihren Freyheiteten ferner erhalten w\xFCrde. Wider diese Verpf\xE4ndung legten die Ruberischen Nachfolger eine Protestaktion ein.
\xA7 17.
Sebastian T\xF6k\xF6ly war aus dem Temeschwarer Banat geb\xFCrtig, und handelte daselbst mti Vieh. Nachdem aber eines T\xFCrkischen Bascha seine Gelder in des T\xF6k\xF6lky H\xE4nde gekommen, und darinnen geblieben sind, verlie\xDF er seine Wohnung, und begab sich mit seinem Haab und Gut nach Tyrnau. Er kaufte daselbt ein Haus, verschaffte sich armales, und nachdem er den Adel erhielt, heurathete er Catharinam Doczy, aus einem vornehmen Geschlecht, welche mit gro\xDFen Familien dieses K\xF6nigreichs in naher Verwandschaft stunde. Hierdurch bekam er Gelegenheit, mit seinen Kapitalien gro\xDFe Acquisitiones zu machen; nach der Zeit wurde er Baron.
\xA7 18.
Als Herr Sebastian T\xF6k\xF6ly sich in l Wien aufhielt, sammt dem Alberto La\xDFky, welcher in Wien mit einer Itali\xE4nischen Dame Verl\xF6bni\xDF und Hochzeit hielte, f\xFCgte es sich, da\xDF T\xF6k\xF6ly das K\xE4smarker und Schawniker dominium cum omni jure, wie es La\xDFky besessen, erblich f\xFCr 60000 fl. erkaufte. Das Dunawetzer dominium hingegen hat La\xDFky an eien Pohlnische Familie verkauft. Anfangs hielt zwar Sebastian T\xF6k\xF6li die K\xE4smarker sehr gelinde, nach seinem Tode aber, asl sein Sohn Stephanus die Herrschaft erlangte, fieng man an, die B\xFCrger sch\xE4rfer anzugreifen, ja so gar mit Schl\xE4gen und Gef\xE4ngnissen zu belegen. Selbst Magistratspersonen wurden nicht verschonet. Stephanus T\xF6k\xF6ly unterhielt eine gro\xDFe Hofstaat, es kamen t\xE4glich viel fremde Herrschaften, welchen die Stadt freye Wohnung geben mu\xDFte. Die Bedienten thaten auf den Feldern und in den Scheuern gro\xDFen Schaden, in deb Mayerh\xF6fen nahmen sie die K\xE4lber mit Gewalt weg, ohne einiges Entgeld daf\xFCr zu geben. Nach der Zeit kamen unter der Regierung Rudolphi, Mathiae II. und Ferdinand II. an T\xF6k\xF6ly verschiedene allerh\xF6chste Rescripta , in welchen er von diesen seinen ungerechten Verfahren abgemahnet wurde: allein T\xF6k\xF6ly achtete sie wenig, und blieb mit festem Vorsatz dabey, da\xDF er die Stadt sich unterw\xFCrfig machen wolle.
\xA7 19.
Im Jahre 1654 gieng T\xF6k\xF6ly so weit, da\xDF er die s\xE4mmtliche B\xFCrgerschaft ad sedem dominalem vorfordern lie\xDF. Die K\xE4smarker schickten da-
(72)
her einige Abgeordenete nach Wien, welchen aber T\xF6k\xF6ly nachschickte, sie auf freyer Stra\xDFe greifen lie\xDF, und mit Gef\xE4ngni\xDF belegte. Endlich lie\xDF er bey Nacht 800 Orawer heimlich in die Stadt einr\xFCcken, die b\xFCrgerlichen H\xE4user und Mayerh\xF6fe besetzen, und gro\xDFen Schaden aus\xFCben. Der Schaden belief sich auf 200000 fl. Zuletzt wurden sie doch gezwungen einen vorgelegten Revers zu unterschreiben. In diesen Drangsalen erhielt die bedr\xE4ngte Stadt den 27. May im Jahre 1647. durch durch den damaligen Palatin Franz Vescheliny protectionales Regias, welche aber von keiner W\xFCrkung waren; obgleich T\xF6k\xF6ly von wegen seinem ungerechten Verfahren, nicht nur im Landtage zu Pre\xDFburg, durch den Directorem ausarum regalium Petrum Alvinczy; sondern auch selbst von der Pre\xDFburger Kammer, so zu verfahren, abgemahnet wurde. Die Deputirten von Seiten der Stadt, bey diesem Landtage waren: Johann Weigmann, Franz Willhelm Fink, und Sigmund M\xF6\xDF.
\xA7 20.
Die Sache der K\xE4smarker wurde im Jahre 1649. in dem Pre\xDFburger Landtage abermals vorgenommen. Die Stadt zeigte alle ihre Freyheitsbriefe, und T\xF6k\xF6ly mu\xDFte sein Jus praetensivum darthun. Sein damaliger Praefectus Ambrosius Kerzer wandte alle M\xFChe und Flei\xDF an, die Sache seines Herrn gl\xFCcklich zu gewinnen. Hierauf wurde eine k\xF6nigliche Commission ernannt, welche aus Ungarischen und Deutschen Herren bestunde; und dann fand sichs, da\xDF T\xF6k\xF6ly auf die Stadt, nur ein Jus censuale habe, welches Se. kaiserl. k\xF6nigl. Majest\xE4t ihm auszahlen wollte. Endlich kam die Sache doch zum Ende: dem T\xF6k\xF6ly wurde das Jus censuale mit 50000 Rfl. ausgezahlt, die Stadt bezahlte den r\xFCckst\xE4ndigen Zins mit 1000 Dukaten; auch entschlo\xDF sie sich, f\xFCr die Befreyung von dem T\xF6k\xF6lischen Joche, und Wiederaufnahme in die Anzahl der k\xF6nigl. freyen St\xE4dte 140000. fl. zu erlegen. Diese letztere Summe ist nach der Zeit auf 70000 fl. relaxirt worden. Noch bekam T\xF6k\xF6ly au\xDFer der obigen Summe 46 H\xE4user, in der Schlo\xDFgasse, einen Mayerhof, verschiedene G\xE4rten in der Vorstadt, das Niederthor, die Niederm\xFChle, Kleinschlagendorf die Mauth, den Langenwald, den Thiergarten im Goldsberg, das wei\xDFe Wasser, die Waldung, wie auch die Rohrwiese. Als die Auszahlung vor sich gehen sollte, hat die Stadt ihre Dorfschaften, als Forberg und Rakusch an Johann Mariaschi f\xFCr 7000 Thaler versetzt.
In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.