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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, L. St\xFCck - IV. Jahrgang, LII. St\xFCck >



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IV. Jahrgang, LI. St\xFCck, den 21. December 1774.

I. Wissenschaften.

N\xFCtzliche B\xFCcher.

Wien.

Bey Herrn Joseph Kurzb\xF6ck, kaiserl. k\xF6nigl. Illyrisch -und orientalischen Hofbuchdrucker ist vor kurzem zum Vorschein gekommen: Buda Sacra sub priscis Regibus, Authore P. Xysto Schier, Eremita Augustiniano, opus, posthumum: in klein Quart 118. Seiten stark, nebst zwoen Kupfertafeln, deren eine den Grundri\xDF von der k\xF6nigl. freyen Stadt Ofen, wie sie in den lezteren Jahren, unter den T\xFCrken, zu sehen gewesen; die andere die Ueberbleibsel der ehemaligen Kirche U. L. F. in der St. Margaretheninsul vorstellet.

Der Herr P. Xystus Schier ist, zu nicht geringem Leidwesen alljener, die seinen unerm\xFCdeten Flei\xDF in Bearbeitung der Geschichte, mit Wohlgefallen sahen, noch am 21. M\xE4rz 1772. in seinem bl\xFChendsten Jahre, n\xE4mlich im 45. seines Alters, uns durch den Tod entrissen worden.

Er sammelte und arbeitete, besonders f\xFCr die ungarische Geschichte, und unter seinen hinterlassenen Werken, fand man gegenw\xE4rtige fast vollendete und zum Druck fertig liegende Abhandlung.

Wir wollen einen kurzen Auszug daraus liefern, und unsern Lesern, von dem Werthe derselben, das Urtheil \xFCberlassen.

S. 3. Wird von dem Alter und Wachsthum der Stadt Ofen gehandelt. Der ber\xFChmte Bel hat nebst dem Timon zum Entstehungsjahre dieser Stadt, das Jahr Christei 1267 gew\xE4hlet; und zwar darum, weil der Kirchenbau, zum H. Johannes, im Jahre 1269. angefangen worden. Andere sind um etwas weiter gegangen, und haben das Jahr 1255 angegeben;

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indeme sie sich, auf ein vom K\xF6nige Bela IV. ertheiltes Diploma, dessen Abschrift dieser Abhandlung beygedrucket ist, gr\xFCndeten.

Zur Entscheidung dieser Ungewi\xDFheit dienete dem Herrn Verfasser eine von dem m\xFChsamen und gelehrten Herrn Kapriani, aufgesuchte und bekannt gemachte Urkunde, vom Jahre 1244. nach welcher vom K\xF6nige Bela IV. die der Stadt Pest, vorhin schon verliehene Freyheiten best\xE4ttiget worden; unter welcher Benennung solche der itzigen k\xF6nigl. freyen Stadt Ofen ertheilet wurden. Die heutige ebenfalls k\xF6nigliche freye Stadt Pest, war damals schon, und zwar zum Unterschied, der gleichen Benennung, unter den Namen klein Pest bekannt. Dieser entwickelte Umstand nun leitete den seeligen Herrn Verfasser, das Alter der heutigen Stadt Ofen, in die Zeiten Ladislaus des H. hinauszusetzen; und weiter unten, werden von ihm Muthma\xDFungen vorgetragen, nach welchen dieselbe noch viel \xE4lter seyn m\xFC\xDFte. Bela der IV. legte auf dem sogenannten Pesterberge eine Festung an, und es scheinet, da\xDF den Namen Neuofen, anf\xE4nglich, ein kleiner Theil jener Vorstadt, die an Altofen stie\xDF, gef\xFChret habe; wodurch nach der Zeit nicht alleine der Name Pest verdrenget; sondern auch Altofen darunter vergessen worden. K\xF6nig Matthias Corvinus hat der Stadt, weil sie au\xDFer ihren Ringmauern wenig besa\xDF, das Vorwerk Saschad im Jahre 1470. geschenket.

Von der geistlichen Gerichtsbarkeit in Ofen.

Ohngeachtet Ofen in dem Kirchensprengel des Bi\xDFthums Vesprim lieget; so wird gleichwolen die geistliche Gerichtsbarkeit von den Erzbisch\xF6fen zu Gran daselbst ausge\xFCbt. Hievon wird folgende Ursache angegeben: Nachdem die betr\xFCbte tartarische Verheerung im Jahre 1243. ein Ende genommen, hatte das Capitel zu Vesprim, nach dem Beyspiel anderer durch einstimmige Wahl den Magister Zelandum (Zlandum) einen Grafen von Tariska zum Bischof gew\xE4hlet: den Gew\xE4hlten aber dem K\xF6nige vorzustellen unterlassen. Weswegen derselbe die Wahl f\xFCr nichtig, und das Bi\xDFthum f\xFCr erledigt erkl\xE4ret, demselben auch verschiedene Gerechtsame und G\xFCter benommen hat, unter welchen sich dann die geistliche Gerichtsbarkeit und der Zehend von Ofen befunden, und bey dieser Gelegenheit dem Erzbi\xDFthum von Gran unterworfen worden, da\xDF solchergestalten die Pfarre zu Ofen unter die Exemten zu z\xE4hlen ist.

Von den Kirchen \xFCberhaupt wird gemeldet, da\xDF sie ohnfehlbar sehr pr\xE4chtig gewesen seyn m\xFCssen; ehe die Stadt von den T\xFCrken erobert und verw\xFCstet worden. Man hat noch heut zu Tage alle Ursachen \xFCber die wenigen Ueberbleibsel der vorigen Pracht zu erstaunen.

In der Kirche St. Nicolai hat der Predigerorden im Jahre 1252 eine Generalversammlung gehalten.

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Die Pfarrkirche zu U. L. F. soll nach einiger Meynung unter den K\xF6nigen Ladislaus und Geysa dem II. erbauet, und dieser Bau um das Jahr Christi 1070. vollendet worden seyn. Hier wird diese Meynung zwar nicht verworfen; jedoch andere Gr\xFCnde gefordert: dagegen S. 15. der Ungrund anderer, die die Erbauung der Kirche dem H. Stephanus, dem ersten K\xF6nige in Ungarn zuschreiben wollen, gezeiget, und nicht mit Unwillen zugegeben: da\xDF der Leib des h. Martyrers Gerhardi in eben dieselbe im Jahre 1046. zu seiner Ruhe gebracht worden ist. An die Erweiterung derselben habe Bela IV. einem gethanen Gel\xFCbde gem\xE4\xDF zuerst gedacht: die K\xF6nige Ludwig I. und Sigmund ihre Vergr\xF6\xDFerung vorgenommen, und fortgesetzet, welche von Matthias Korvinus mit Pracht vollendet worden; als, dessen Wappen mit der Jahrzahl 1475. noch heut zu Tage an dem Kirchth\xFCrm zu sehen ist.

Diese Kirche hatte den Vorzug, da\xDF die erw\xE4hnten K\xF6nige, gleich bey ihrer Ankunft in die Stadt, sie vor allem besuchten: in derselben wurden die \xFCber die Feinde Ungarns eroberte Siegeszeichen aufbewahret; die geschlo\xDFenen \xF6ffentlichen B\xFCndni\xDFe dem Volke bekannt gemacht und vorgelesen; und die k\xF6niglichen Verm\xE4hlungen feyerlich vollzogen. Vom K\xF6nige Karl II. oder Parvus hat man es angemerket, da\xDF er vor seinem Einzuge in die Stadt Ofen, gerade auf die Residenz zu, ohne wie seine Vorfahren, die Hauptkirche vorher zu besuchen, seinen Weg und solche in Besitz genommen hat.

Im Jahre 1541. nachdem die T\xFCrken, die Stadt erobert hatten, wurde diese Kirche auf Befehl des Gro\xDFherrn Solyman zur mahometanischen Andachtspflege gewidmet; welcher Umstand zur Versicherung und Erhaltung des Geb\xE4udes das meiste beygetragen haben mag. Im Jahre 1686. wurde, nach Wiedereroberung der Stadt, das feyerliche Dankfest in Gegenwart der christlichen Helden, welche das kaiserliche Heer wider den T\xFCrken angef\xFChret, darinne gehalten.

Die St. Johanneskirche.

Die Beschaffenheit des darinn gepflogenen Gottesdiensts unter Mathias Corvinus, beschreibet der p\xE4bstliche Nuncius in einem an Sixtum IV. im Jahre 1483. erlassenen Schreiben: vorgestern schreibt er, hat der K\xF6nig in seiner Hofkapelle nach dem r\xFChmlichen Herkommen der Seinigen, ein feyerliches Amt absingen lassen, in Gegenwart vieler Pr\xE4laten und eines zahlreichen Adels. Wenn ich zur\xFCckkomme, werde ich mich bem\xFChen zu erkl\xE4ren, mit wie gro\xDFer Stille, mit wie vieler Andacht, unter welchen Ceremonien, und mit welcher Verherrlichung dieses Amt gehalten worden. Ich err\xF6thete allerdings, und machte mir Vorw\xFCrfe, da\xDF ich von einem weltlichen F\xFCrsten in jenem, was den

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Gottesdienst, und die Erbauung der Seelen betrift, mich \xFCbertroffen fande.

(Die Fortsetzung folgt.)

II. Erbl\xE4ndische Alterth\xFCmer.

Beschlu\xDF: von einem zwischen deutsch Altenburg und Petronell gefundenen r\xF6mischen Hausbade.

(XLVI. St. S. 366.)

Besonders hatte sich Gelenus seine Gnade erworben, wie er denn berichtet*): da\xDF er mit diesem F\xFCrsten nach Pannonien reisen sollen, welche Ehre er aber verbetten habe. Er war daher dessen Sohne, dem Commodus, als Leibartzt zugeordnet, und Aurelius befahl ausdr\xFCcklich, da\xDF au\xDFer dem Galenus, kein anderer Arzt, seinen Sohn, wenn er krank w\xFCrde, beystehen sollte. Da nun dieser Arzt von dem Kaiser geliebt, und hochgesch\xE4tzet ward, und seine meisten Kuren und Baden, und Reiben, und mittelst seines Therials verrichtete, so ist gar kein Zweifel, da\xDF sich dieser Kaiser auch ein eigenes Bad, werden haben bauen lassen. Aber nicht allein Aureilus, sondern auch andere vornehme R\xF6mer wohnten in Carnuntum. Septimus Severus, ward als Proconsul, und Statthalter mit einer Legion hieher verleget. Er war auch hernach unter dem Commodus oder Pertinax Consul, und endlich von seiner Legion hier zum Kaiser ausgerufen.**); welches ich hier nur darum anzuf\xFChren f\xFCr gut gefunden, damit es in der Beschreibung des zu er\xF6rtenden Denkmals zu mehrerer Erl\xE4uterung dienen m\xF6ge. — Diocletianus und Maximianus, welche beyde im Jahre 304. nach Christi Geburt die Kaiserw\xFCrde niederzulgen, vom Galerius gezwungen worden, sollen gleichfalls, nach dem Berichte des Zosunus, nachdem sie dieser Schritt gereuet, alhier ihre Berathschlagungen, sich der Regierung wieder zu bemeistern, vorgenommen haben. Ja, der erstere, der in der Geschichte als ein Tyrannn, und Verfolger der Christen bekannt ist, soll nach der Meynung verschiedener Schriftsteller, seinen Geist zu Petronell, in einem schlechten Hause, elendiglich aufgegeben haben*). Da\xDF Kaiser Valentinus um das Jahr Christi 370. alhier residiret, und sich mit seinem Kriegsheere eine gute Weile bey Carnuntum aufgehalten habe, ist eine ausgemachte Sache. Er kam dahin von Trier, wo er die Deutschen bestritten, und wollte hier auch die Quaden und Sarmaten bezwingen,

*) In seinem Progymnasmat. p. 459. und 461.

**) S. Spartian. in vita Severi.

*) Zofimus Libr.II. v. Managetta, in der Beschreibung des Altenburgerbades.

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welche wegen der Unterdr\xFCckungen des Probus zu den Waffen gegriffen hatten, und an der Donau gro\xDFe Raubereyen aus\xFCbten. Er nahm nach dem Ammianus Marcellinus, und ich kann es nicht begreifen, wie der allgemeinen Welthistorie**), Haimburg f\xFCr Carnuntum setzen, und es doch 33 deutsche Meilen von Wien entfernt, angeben. Er lie\xDF hier, seiner gottlosen Art nach, den Faustinus, wegen einer Kleinigkeit foltern, schickte den Merobandes mit einem Heere \xFCber die Donau, er selbst aber gieng nach Aeincam, welches das heutige Gran ist. Er verheerte das Land der Quaden, Jatziger und Sarmater, und kam im Herbste wieder zur\xFCck, zog mit seinen V\xF6lkern aufw\xE4rts der Donau, wollte aber nicht in Carnuntum \xFCberwintern, sondern gieng nach Sabaria***). Ammianus berichtet ferner, da\xDF dieser Kaiser zu Carnuntum seinen Tod vorausgesaget, weil, wie es wohl zu merken, sich eine Aente auf sein Bad gesetzet hatte****) Er starb auch in Sabaria eines schnellen Todes, und zwar an einem Blutsturze.

Hieraus erhellet also ganz klar, da\xDF, wo nicht die Kaiser, doch die vornehmen R\xF6mer ihre B\xE4der in Carnuntum gehabt haben. — Es ist bekannt, da\xDF mit dem Anfange der Regierung Constantins, der seinen Sitz nach Constantinopel verlegte, auch die Macht des occidentalischen Reichs aufgeh\xF6rt habe. Und so ward auch Carnuntum durch die Quaden sowohl, als andere Feinde der R\xF6mer zerst\xF6ret; die Gothen aber, und ihre Ueberwinder, die Hunnen, haben dieser Stadt, den letzten Rest gegeben. Attila verschonte sie in seinen Z\xFCgen nicht, und der, um die vaterl\xE4ndische Geschichte so verdiente Herr Tomka Sza\xDFky hat in seinen noch im Manuskripte liegenden Werken, von der alten Urkunde der Hunnen und Avaren dargethan, da\xDF diese letzteren einen Hagiathum, und Rhiingum, von Wien, Petronell mitetinbegriffen, auf 10. Meilen im Umkreise gehabt haben. Hier will man, da\xDF Kaiser Karl der Gro\xDFe, um das Jahr 805. bey Bezwingung der Avaren, die alte Burg von Carnuntum, einem gewissen vornehmen Ungar Namens Capcan Dietrich, nebst dem umliegenden D\xF6rfern geschenket habe; und da\xDF es zum Unterschiede von ungarisch Altenburg, wo dazumal die Khagans der Avaren ihren Sitz hatten, deutsch Altenburg genennet worden.

So viel habe ich von der Geschichte der Stadt Carnuntum hier voraus zuschicken f\xFCr dienlich gehalten, itzt

**) Im ersten Bande a. d. 277. S.

***) Dieses ist nicht Scharvar, wie es die Welthistorie nennet, sondern der Marktflecken Stein am Anger, welcher vor Zeiten diesen Namen f\xFChrte. Es wird zwar auch hier eines Bregetii gedacht, welchen Ort die Verfasser in der Insel Sch\xFCtt suchen, und ihn fort sterben lassen. Doch sie sind in unserer Erdbeschreibung ziemlich fremd, indem sie die Oerter Sabaria, Bregnitz und Markelhatz, bald nahe, bald weit von Comorn und der Donau entfernt setzen.

****) S. Ammian, Marcell. Libr. XXX. hist.

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aber will ich zu meinem Endzwecke schreiten, und die bey deutsch Altenburg gefundenen Alterth\xFCmer etwas n\xE4her betrachten. — Die Ziegelsteine, die ich dabey angetroffen, waren durchaus viereckicht. Vuruv in seinem Buche de architectura, hat uns die verschiedenen Arten der bey den R\xF6mern gew\xF6hnlichen Ziegelsteine beschrieben. Sie hatten nebst den viereckichten, auch lange, und d\xFCnne, welche sie sowohl zu den Gew\xF6lbern, als Triumpfb\xF6gen, und andern dergleichen Arbeiten gebrauchten. Das sonderbareste dabey ist, da\xDF ihre st\xE4rksten, und schweresten Geb\xE4ude auf dem Grundsatze solcher eng aneinander gef\xFCgten, und wohl verleimten d\xFCnnen Ziegel aufgef\xFChret wurden, wie solches die, an den bey Petronell befindlichen Thorb\xF6gen, befindlichen Ziegel best\xE4tigen. — Die Ziegel, bey unserem Alterthume sind sehr gut ausgebrannt, und wie ich schon gemeldet habe, viereckicht. Die obere Inschrift f\xFChret die Worte: Leg. XIIII. C. welches so viel, als Legio decima quarta consularis, Carnuntensis, oder Cassiana hei\xDFet. Der einzige Buchstabe C. macht einige Schwierigkeit. Die Legiones der R\xF6mer, hatten \xFCberhaupt das Recht, wo keine Praefecti regularii vorhanden waren, da\xDF sie diese Arbeit auf ihre Kosten, und mit ihren Gefangenen verrichten konnten. Da\xDF Ziegelbrennen, war ein von den R\xF6mern sowohl, als andern V\xF6lkern, den Soldaten einger\xE4umtes Vorrecht. Die r\xF6mischen Legionen hatte verschiedene Namen; und sie wurden theils nach der Zahl, theils nach den Befehlshabern, theils aber nach dem Orte ihres Aufenthalts, oder wo sie angeworben worden, benennet. Romulus hat sie nach dem Worte: Lego ex populo am ersten also benamset. Die Macedonier hatten statt der Legionen Phalanges, und die Gallier Catervas. Mit dem Anwachse des r\xF6mischen Volkes wurden solche immer st\xE4rker, und da sie anf\xE4nglich nach dem Vegerius de re militari nur 3000. Mann ausgemacht: so verst\xE4rkt solche Lipsius in seinen antiquitaribus de re militari auf 6666. Genug in dem bl\xFChendsten Zustande der R\xF6mer konnte man solche auf 7000. Mann rechnen. Wir finden auch bey allen Schriftstellern, die de re militari antiqua romanorum geschrieben, da\xDF sie sowohl Legiones hispanicas, und germanicas nach den Provinzen; als Legiones Augustam, Valeriam, Flaviam, Neronianam, Traianam, Antoniniam, ec. nach den Namen der Errichter; und nach den besonderen Werbpl\xE4tze, Melitensem, Christianam, welches die fulminatrix war, Antiochenam, Parthicam, trans, & cis Alpinam, ja so gar nach den Thaten, die diese, oder jene Legion verrichtete; victricem, ferream, rapacem, und tonitrualem, wie unter dem Trajanus, gehabt haben. Selbst die W\xFCrde derer, die sie anf\xFChrten, oder denen sie gehorchten, ward ihnen mitgetheilet. Die pr\xE4torianische Wache, hatte den Namen a praetorio, Imperatore, & maximo praetore, der Con - und Proconsularischen Legionen zu

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geschweigen; davon Varro, Vegetius, Livius und Polybius ausf\xFChrliche Erl\xE4uterung geben. Ich will nur noch k\xFCrzlich anf\xFChren, da\xDF eine Legion, aus zehen Cohortibus, eine Cohors aus drey manipulis, und ein manipulus aus 200 hastatis, 200. principibus, und eben so viel pilanis, nebst 10. Turmis equitum, wo eine 30. Mann ausmachte, bestanden.

Hier ist nun die Frage, was der Buchstabe C. auf den Ziegelsteinen bedeute? Ich w\xFCrde solches mit mehr Gewi\xDFheit beantworten k\xF6nnen wenn ich auch nur einen einzigen, mit der zwoten Inschrift h\xE4tte finden k\xF6nnen. Aber der ungeschickte Flei\xDF der Arbeiter, hat dieses v\xF6llig unm\xF6glich gemacht; indem sie solche fast alle zerst\xFCcket, oder sonst unkenntbar gemacht haben. Denn der unterste Absatz enth\xE4lt gemeiniglich den Ort, wo sich die Legion aufgehalten, oder den Endzweck des Geb\xE4udes. Allein eben dieses ist bei allen der be\xDFten die ich finden k\xF6nnen, abgebrochen, und nur ein dunkler, und unordentlicher Eindruck eines C vorhanden, welches mich vermuthen l\xE4\xDFt, da\xDF es Carnuntum gehei\xDFen. Bevor ich, aber meine Meynung von der ersteren Inschrift, besonders des ersten Buchstaben C er\xF6ffne: so will ich den Zustand und die Vertheilung der damaligen r\xF6mischen Legionen nach dem Dio Cassius, k\xFCrzlich ber\xFChren. Unter dem Augustus bestand die ganze r\xF6mische Macht nur aus 25. Legionen; unter den Kaisern Nero, Galba, Vespasianus, Domitianus, Trajanus, M. Aurelianus, und Severus aber, wuchsen solche bis auf 32, wovon, welches hier wohl zu merken, der gr\xF6\xDFte Theil an der Donaz gegen die Quaden, und ihre Bundsgenossen gebraucht worden. Wann ich nun oben gemeldet, da\xDF seit der Regierung des M. Aurelius, immer ein Pr\xE4tor, oder Proconsul in Carnuntum gewohnet, Severus selbst Pro und Consul in dieser Stadt gewesen, und zu dessen Zeiten Dio Cassius, der sich aus Furcht f\xFCr der pr\xE4torianischen Wache in Rom als Consul nicht zeigen durfte, alhier als Landpfleger gestanden, so glaubte ich, da\xDF weil die Zahl XIIII. eine neuere Errichtung bedeutet, da\xDF auch die Einp\xE4rgung des Namens nicht mehr, nach dem Seculo Augusti antiquissimo sey, sondern, da\xDF dieses eine neue unter dem Severus errichtete Legion gewesen, welche er entweder, da er alhier gegen den Pescennius zum Kaiser ausgerufen worden, erst aufgerichtet, oder auch schon in seinem B\xFCrgermeisteramte, welche W\xFCrde, er zu den Zeiten des Pertinax alhier bekleidete, unter sich gehabt, oder aber bey seiner eigenen Regierung dem Cassius anvertrauet. — Die zwote Unterschrift w\xFCrde uns freylich das be\xDFte Licht geben, jedoch, ob ich gleich obiges behaupte: so w\xFCrde ich, bey einer besseren Erkl\xE4rung, da\xDF bemeldtes C auch eine Legionem Carnuntensem bedeute, keinen Anstand nehmen. Es sey nun aber, wie ich ihm wolle, so zeigen diese Ziegelsteine, da\xDF das gefundene Alterthum, wirklich ein r\xF6misches Geb\xE4ude gewesen.

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Aus dem kleinen Bezirke der Rundung, welche kaum 25. Schritte im Durchschnitte betr\xE4gt, nebst der doppelten Reihe marmorner B\xE4nke, kann ich die Meynung, da\xDF solches ein G\xF6tzentempel gewesen, unm\xF6glich billigen; denn, da alles \xFCbrige v\xF6llig unversehrt, auch der Marmor nebst den Steinen, nur mit vieler M\xFChe auseinander gebracht werden konnte: so glaube ich, da\xDF amn in der Mitte auch Spuren von einem G\xF6tzenaltare, von Penatibus, oder zum Opfer dienlichen Werkzeugen gefunden haben w\xFCrde, wenn dieser Raum zu diesem Gebrauche bestimmt gewesen w\xE4re. Da man aber hievon nichts angetroffen, und der gro\xDFe und weitl\xE4uftige Wassergang, nebst den \xE4u\xDFern zwo tiefen Abtheilungen, einen Einla\xDF, wenigstens einen Zusammenhang des gro\xDFen marmornen Bezirkes mit demselben anzeiget: so unterstehe ich mich, zu behaupten, da\xDF es das Hausbad eines vornehmen R\xF6mers gewesen. Ich zweifle auch nicht, wenn man die Kosten nicht scheuete, und weiter nachgr\xFCbe, da\xDF man hier Entdeckungen von Erheblichkeit machen w\xFCrde. Die Lage des Orts zeiget, da\xDF es wegen dem Abflusse des Gew\xE4ssers, an der Donau gebauet worden, und es lohnte sich allerdings der M\xFChe, dem gro\xDFen Wassergange von Quaderst\xFCcken weiter nachzusp\xFChren. Wer wei\xDF, woher die damaligen Einwohner das Wasser zu ihren B\xE4dern hergeleitet, und wer wird behaupten, da\xDF das noch itzt so sehr ber\xFChmte stinkende Schwefelbad, nicht aus den verfallenen Ruinen einer so gro\xDFen Stadt, als Carnuntum gewesen, entstehen k\xF6nnen. So viel ist gewi\xDF, da\xDF der Freyherr von Ludwigsdorf, als Besitzer dieses Orts, eine nicht geringe Menge Marmor dabey gewonnen; denn auch der untere Boden dieses Geb\xE4udes, war mit dem sch\xF6nsten rothen Marmor ausgeleget. Das K\xFCtt, war so fest, da\xDF es dem Steine selbst nicht viel nachgab. Und die Erde, unter den aufgehobenen Platten, war ganz schwarz, und so schweflicht, da\xDF man hieraus mit Wahrscheinlichkeit schlie\xDFen kann, da\xDF darinnen ein mineralisches Wasser aufbehalten worden.

v. W.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r5 - 03 Nov 2011, AgostonBernad
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