INHALTSVERZEICHNIS PRIVILEGIRTE ANZEIGEN

Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XIII. St\xFCck - IV. Jahrgang, XV. St\xFCck >



(105)

IV. Jahrgang, XIV. St\xFCck, den 6. Aprill 1774.

I. Wissenschaften.

Ungarische Numismatik.

Eine M\xFCnze des K\xF6nigs Mathias Corvinus vom Jahre 1458. Bis 1490.

I. Beschreibung der M\xFCnze.

Ein ganzer Groschen. A) Das qadrirte Wappen, in dessen Mittelschilde ein Rabe, mit dem Ring im Schnabel, auf einem Ast sitzend, erscheint. Im ersten Felde stehen die ungarischen Streifen; im andern, das doppelte Patriarchenkreuz; im dritten, drey goldene gekr\xF6nte L\xF6wenk\xF6pfe, des K\xF6nigreichs Dalmatien; und im vierten, der Bistrizer L\xF6we, welcher in der rechten Tatze, eine Krone h\xE4lt. Die Umschrift + Moneta Marhie. regis Vnga + B Das sitzende Bild der heiligen Jungfrau, mit einem Schleuer auf dem Haupt bedeckt, und das Jesuskindlein, auf den rechten Arm haltend, zu dessen beyden Seiten Die Buchstaben K. X. stehen, Umschrift. Patrona Hungarie. Die lateinische Buchstaben,

(106)

der Avers- und Reversseite, arten v\xF6llig, in die sogenannte M\xF6nchsschrift aus.

II. Historische Erkl\xE4rung.

Corvin, dessen Lebens- und Regierungsgeschichte, die gr\xF6\xDFten Geschichtschreiber, sehr umst\xE4ndlich beschrieben haben;*) verdienet auch in der ungarischen M\xFCnzgeschichte, eine ganz eigene Stelle. Wir haben von ihm verschiedene M\xFCnzverordnungen, die sowohl der ungarischen M\xFCnzkunde \xFCberhaupt, als auch insbesondere, den unter seiner Regierung gepr\xE4gten so verschiedenen Silberm\xFCnzen, vieles Licht geben. Einige dieser M\xFCnzverordnungen stehen in den Decretis Regni Hungariae, andere hat der flei\xDFige H. Kaprinai, aus dem Archive der Stadt Caschau in seiner Hungaria Diplomatica, durch den Druck


*) Von den \xE4ltern Historicis, hat Anton Bonfinius, ein Zeitverwandter und Geschichtschreiber des K. Mathias, der an dem Hof dieses K\xF6niges lebte, und der den meisten Begebenheiten, selbst gegenw\xE4rtig gewesen ist: das Leben und die Regierung desselben, so umst\xFCndlich aufgezeichnet, da\xDF ganze 17. B\xFCcher, seines historischen Werks, damit vollgef\xFCllet sind. In den neuesten Zeiten bearbeitete die n\xE4mliche Geschichte diplomatisch und kritisch, und so viel  m\xF6glich selbst vollst\xE4ndig. H. Stephan Kaprinai in dem oben angef\xFChrten Werke, davon schon zwey Theile ans Licht getreten sind. S. den IIten Jahrgang unserer Anzeigen S. 377. Au\xDFer dem geh\xF6ren hieher, Gerhard von Noo, von 6. bis zum 8. Buch,  und vorn\xE4mlich der verdienstvolle Praym im 3ten und 4ten Theile seiner vortreflichen Annalen.

bekannt gemacht. Sie betreffen meist den M\xFCnzfu\xDF, der unter der Regierung des K\xF6nigs Mathias, von einer Zeit zur andern, gepr\xE4gten silbernen Denarien und Heller; und k\xF6nnen, als eben so viel Ver\xE4nderungen, bey dem ungarischen M\xFCnzwesen, der damaligen Zeit, betrachtet werden. Wir begn\xFCgen uns jetzt solches \xFCberhaupt angezeigt zu haben, bey der Erl\xE4uterung der kleinen Silberm\xFCnze dieses K\xF6nigs, wir meinen die Pfennige und Heller, werden wir jede \xFCnzverordnung desselben, nach allen Umst\xE4nden, ordentlich beschreiben. Und das deswegen, weil solche M\xFCnzanstalten, ganz eigentlich diese Art von M\xFCnzen betreffen; auch \xFCber dieses, bey dem vorliegenden Groschen, verschiedenes noch einer n\xE4hern Beschreibung und Aufkl\xE4rung bedarf; so da\xDF der enge Raum dieses Blattes, f\xFCr alles zugleich nicht hinreichend seyn w\xFCrde .

Das erste, welches bey unserm Groschen, einer n\xE4hern Erkl\xE4rung bedarf, ist das Gepr\xE4ge desselben. Das Wappenschlild der Hauptseite, ist qadrirt oder geviertet,*) und hat \xFCberdies ein Mittelschildlein.


*)  Ein Schild heist gevirtet, sagen die Heraldiker, wenn eine senkrechte und eine quere Linie, dergesalt mitten durch den ganzen Schild gezogen werden, da\xDF sie einander im Mittelpunkte des Schildes durchschneiden. Durch diese Section, bekommt also eine Schild vier gleiche Pl\xE4tze, die man sonst auch Quartirte hei\xDFt, wenn sie Figuren haben. Wie wohl Quartier und Feld \xFCberhaupt, als gleich-

(107)

In dem ersten Quartiere desselben, stehen die vier ungarischen Querstreifen, welche, unter denen zur Zeit bekannten M\xFCnzen, zuerst auf den Silberm\xFCnzen, Karl Roberts vorkommen, wie wir es bey Beschreibung des Karolinischen Groschens, im VIten St\xFCcke dieses Jahrganges erinnert, und zugleich versprochen haben, bey Erl\xE4uterung der n\xE4chsten ungarischen M\xFCnze, unsere Gedanken dar\xFCber zu sagen. Da uns aber nach der Zeit wiederum einige Abdr\xFCcke Karolinischer Silberpfennige, mit dem n\xE4mlichen Querstreifen zugeschickt worden sind; so wollen wir die ausf\xFChrliche Erkl\xE4rung dar\xFCber, mit der Beschreibung dieser Pfennige dem Publikum vorlegen.

Im zweyten Felde ist das Ungarische Patriarchenkreuz, dessen Entstehung und Gebrauch, bey den silbernen Denarien Bela des vierten, untersucht und angezeigt werden soll.

Das dritte Feld unseres Groschens, f\xFCllen drey goldene gekr\xF6nte L\xF6wenk\xF6pfe des K\xF6nigreichs Dalmatien**). Auf denen ungarischen M\xFCnzen, so


geltende Worte gebrauchet werden. Wir machen diese Anmerkung blo\xDF f\xFCr Anf\xE4nger in der Numismatik; Kenner k\xF6nnen sie \xFCberschlagen.

**) Drey goldene und gekr\xF6nte L\xF6wenk\xF6pfe, im blauen Felde sind das Wappen von Dalmatien, sagt du Fresne, und aus ihm der Graf v. Schulenburg, im Staat des K\xF6nigreichs Dalmatien L. 3. Cap. 2. S. 390. Das n\xE4mliche sagt auch Peter von Rewa, Monarch. Hung. Cent. VII.

viel wir derselben gesehen, und in M\xFCnzb\xFCchern angetroffen haben, erscheint das Dalmatische Wappen, zuerst auf Corvinischen Groschen, und auf einigen Denarien dieses K\xF6niges; nach ihm k\xF6mmt es auf den M\xFCnzen seiner Nachfolger h\xE4ufig vor. Auf Siegeln haben wir es zuerst gesehen (doch wir gestehen, da\xDF wir nich alles gesehen haben) auf einem gro\xDFen doppelten Siegel des Kaisers und K\xF6niges Sigismunds*). Die Ursache warum Corvin, an statt des Wappens einer andern zu Ungarn geh\xF6rigen Provinz, eben das Dalmatische, vorz\xFCglich auf seine M\xFCnzen pr\xE4gen lassen, war keine andere, als die gegr\xFCndeten Anspr\xFCche, der heiligen ungarischen Krone auf Dalmatien; und um sein unerm\xFCdetes Bestreben, \xF6ffentlich an den Tag zu legen, diese Provinz, welche damals von der Krone meist abgerissen war, wiederum mit derselben zu vereinigen. Schon unter der Regierung des Kaisers und K\xF6niges Sigismundi, fiengen die Dalmatiner an, abrtrinnig zu werden, und sich der Bothm\xE4\xDFigkeit der heiligen Krone zu entziehen. Nach dem Tode derselben, kamen ihnen die einheimischen Unruhen, wegen der Thronfolge, und die T\xFCrkenkriege, bey ihrem f\xFCr die Krone h\xF6chst nachtheiligen Unternehmen treflich zu statten. Cor-


*) Es h\xE4ngt dieser Siegel an einem Privilegio, welches Sigismund der k\xF6nigl. XIII. Stadt Iglo im Jahre 1435 ertheilet hat; dasselbe wird in dem Archiv dieser Stadt aufbewahret.

(108)

vin konte es bey seiner Thronbesteigung, nicht gleichg\xFCltig ansehen, da\xDF eine Provinz, worauf die Krone die gegr\xFCndetesten Anspr\xFCche, und welche seine Vorfahren so lange beherrscht hatten, von derselben ganz abgrissen bleiben sollte. Er wendete daher das \xE4u\xDFerste daran die Anspr\xFCche und Rechte der Krone geltend zu machen, und ganz Dalmatien zu Ungarn wiederzubringen. Daher erhielt das Dalmatische Wappen, auf seinen M\xFCnzen und Siegeln vorz\xFCglich eine Stelle*)

Im vierten Felde erscheint ein ein L\xF6we, welcher in der rechten Tatze eine Krone h\xE4lt. Die\xDF ist das neue Wappen, womit der K\xF6nig Ladislaus Posthumus, das Corvinische Geschlechtswappen, ansehnlich vermehret hat. Als der junge K\xF6nig seine Regierung antretten sollte, kam sein bisheriger Statthalter Johann v. Huniad, nebst andern Gro\xDFen des Reichs nach Wien, im Jahre 1452. und \xFCbergab daselbst seine Regierung, in die H\xE4nde des jungen K\xF6niges. Der K\xF6nig, zufrieden mit seiner achtj\xE4hrigen Statthalterschaft, r\xFChmte bey dieser Gelegenheit, den tapfern Huniad \xF6ffentlich, wegen seiner gro\xDFen Verdienste, um das Ungarische Reich, und schenkte ihm, mit vielen Feyerlichkeiten, zum Bewei\xDF der k\xF6niglichen Gnade, f\xFCr sei-


*) Alles dieses kann umst\xE4ndlich nachgelesen werden, in dem unvergleichlichen Werke, des gelehrten Herrn Caononicus von Kerseselich, Notitiae priliminares de regnii Dalmatiae; Croatiae, Sclavoniae. pag. 259. 266. 267. 292. seqn.

ne wichtigen Dienste, die Graffschaft Bistritz, in Siebenb\xFCrgen; er f\xFCgte auch zu seinem bisher gef\xFChrten Wappen, ein anderes hinzu, n\xE4mlich einen rothen L\xF6wen, der mit seinen Klauen eine Krone ergreifen will, im wei\xDFen Felde*); Und da\xDF deswegen, weil dieser gro\xDFe Held, durch Tapferkeit, die bey den t\xFCrkischen Anf\xE4llen, \xF6ftermalen wankende Ungarische Krone, jedesmal gl\xFCcklich gerettet und erhalten hat. Der L\xF6we auf unserer M\xFCnze geh\xF6rt demnach zum Geschlechtswappen der Corviner, und ist eigentlich das Kennzeichen der Siebenb\xFCrgischen Graffschaft Bistritz. In dem Wappenschilde unseres K\xF6niges, pflegt derselbe gemei-


*) Die ganze Begebenheit erz\xE4hlt Thurocz Chron. Hung. Par. IV. Cap 51. umst\xE4ndlich, da es unter andern hei\xDFt. Armorum quoque insigniia; puta corvo, gestamine annuli de colore flavo, in clypeo depicto, quae ipse Dominus Comes usque tunc gestaverat, alia clara insignia rubrum scilices leonem, coronam unguibus rapere volentem, albo in scuto descriptum superaddidit: & maioris excellentiae & digniatis pro honore eundem Dominum Comitem Bistriziensem insignies iisdem adornavit. Eben das sagt uns auch Vitus Arenspeck. Chron. Austr. ad an. 1452. To. I. , Script. Austr. Pezii, Pag. 1259. Aeneas Syilvius, in Europa, cap. 11. p. 227. edit. Helemstad. und Bonfinius, Dec. III. p. m. 482. Der gelehrte Pray hat diese Erz\xE4hlungen, in ein noch gr\xF6\xDFeres Licht, uns au\xDFer allem Zweifel gesetzt, durch das im IIIten Theil seiner annalen S. 125. u. f. bekanngemachte Diplom, welches der K\xF6nig Ladislaus der Vte bey dieser Begnadigung seines Statthalters ausgefertiget hat; wovon kein Geschichtschreiber vorhin etwas wu\xDFte. Nur schade, da\xDF es H. Pray nicht vollst\xE4ndig haben konnte.

(109)

niglich auf Siegeln und M\xFCnzen, das lezte Quartier zu erf\xFCllen. So bald im \xFCbrigen der K. Mathias, den b\xF6hmischen L\xF6wen auf seine M\xFCnzen schlagen lie\xDF, — davon wir n\xE4chstens Beyspiele ausweisen wollen; blieb der Bistritzer L\xF6we, von seinen M\xFCnzen ganz weg. Ein Dukaten mit dem Bistrizer L\xF6wen, ist uns nie zu Gesichte gekommen, obwohl deren mehr als 50. besondere Arten durch unsere H\xE4nde gegangen sind.

Der Mittelschild unseres Groschens endlich, enth\xE4lt das Corvinische Geschlechtswappen, einen Raben, der auf einem Ast sitzet, und einen Ring in dem Schnabel h\xE4lt. Jacob von Mellen, und der gelehrte Hr. Adauct Voigt haben bey Erl\xE4uterung der Corvinischen M\xFCnzen, mit Grund angemerket, da\xDF diejenigen nur allzusehr iiren, welche aus einer fabelhaften Sage daf\xFCr halten, K. Mathias, habe dieses Wappen zuerst auf seinen M\xFCnzen gebraucht.**) Wir finden es auf den Goldgulden (Dukaten) seines Vaters, des Statthalrters Johann von Huniad schon. Doch giebt es auch Goldgulden von ihm, wo der Rabe ohne Ring erscheinet. *) Und Karl Peterfy hat der Zueignungsschrift zum IIten Theil seiner Concilior


**) Mellen Series reg. Hung. e numis aureis p. 63. Adauct Voigt, Besch. B\xF6hm. M\xFCnzen. IIIten Band. S. 312.

***) Dissert. de Regieae Bud. Biblioth. Mathiae Corvini, ortu, laptu, interitu, authore F. X. S. A. pag. 10.11.

Regni Hungar. ein Siegel desselben vorgesetzet, worinn der Corvinische Rabe, auch ohne Ring stehet. Es ist im \xFCbrigen sehr wahrscheinlich da\xDF Johann v. Huniad, nachdem er durch seine Siege und Heldenthaten sich empor geschwungen, willk\xFCrlich dieses Wappenzeichen angenommen, und auch gebraucht habe. Doch bey der Beschreibung seiner M\xFCnzen hievon ein mehrers.

Auf der Gegenseite der vorliegenden M\xFCnze, erscheint das Marienbild, mit dem Kinde Jesus, dessen Geschichte wir, n\xE4mlich die Pr\xE4gung desselben auf ungarische M\xFCnzen betreffend, bey Erl\xE4uterung der Corvinischen Dukaten in das geh\xF6rige Licht setzen wollen. Der zur rechten Seite des Bildes stehende Buchstabe K. bedeutet die ber\xFChmte Berg- und M\xFCnzstadt Kremnitz, wo dieser Groschen gepr\xE4gt worten ist; die beyden \xFCbereinander stehenden Buchstaben, von der linken Seite V. A. sind die Namensbuchstaben des damaligen M\xFCnzmeisters zu Kremnitz, dessen Name uns noch unbekannt ist. *) Auf dem Groschen, welchen Hr. Kaprinai in seiner Hung. diplomat. abdrucken lassen, stehet statt der bey den Buchstaben V. A. nur ein kleines Wappenbildlein. Es ist auch das Gepr\xE4ge desselben von einem ganz andern Stempel. Unser Original

*) Zur Erl\xE4uterung dessen wollen wir n\xE4chstens einen alten handschriftlichen Aufsatz davon, in diese Bl\xE4tter einr\xFCcken lassen: auf den wir uns iun Zukunft, bey Erkl\xE4rung solcher M\xFCnzzeichen jedesmal berufen k\xF6nnen.

(110)

hingegen, kommet mit dem hier vorgestellten, vollkommen \xFCberein. Ob nun zwar im \xFCbrigen diese Groschen damals in Menge gepr\xE4gt worden seyn m\xF6gen, so geh\xF6ren sie doch jetzt unter die seltenen; und man wird eher 40. Corvinische Dukaten, als einen solchen Groschen auftreiben k\xF6nnen.

So viel zur Erkl\xE4rung der Wappenbilder, oder des Gepr\xE4ges der Avers- und Reversseite dieses Groschens. Jetzt wollen wir noch den Gehalt desselben untersuchen.

In der M\xFCnzverordnung des K. Mathias, wird der, unter seiner Regierung gepr\xE4gten Groschen nicht die geringste Erw\xE4hnung gemacht. Wir m\xFC\xDFen uns demnach mit blo\xDFen Muthma\xDFungen bey Bestimmung des Werths des gegenw\xE4rtigen behelfen, bis die dar\xFCber ausgefertigte M\xFCnzurkunde zum Vorschein kommen wird. Das Silber in unsern Groschen ist eilf l\xF6thig, und ein St\xFCck wiegt ein Achtelloth, folglich fast eben so viel, wie ein karolinischer Groschen, dessen Werth wir, Nro. VI. dieses Jahrgangs bestimmt haben. Ein karolinischer Groschen, ja auch seines Nachfolgers Ludwigs des ersten, galt 6. damalige Denarios; wie w\xE4re es, wenn wir sagen wollten, der Corvinische Groschen, behielt den n\xE4mlichen Werth, und galt auch 6. silverne Denarios; aber nur dergleichen Denarios, deren, nach der Reichssatzung vom Jahre 1464 hunderte auf einen Goldgulden (Dukaten) giengen: denn es sind auch geringh\xE4ltigere geschlagen worden, wie in der Folge unserer M\xFCnzarbeit gezeiget werden soll. Wollen uns M\xFCnzkenner eines bessern hier\xFCber belehren; so nehmen wir es mit dem verb\xFCndlichsten Dank an. Noch k\xF6nnen wir nicht unangemerkt lassen, da\xDF es auch halbe Groschen, von diesem K\xF6nige giebt, die aber im Gepr\xE4ge der Avers- und Reversseite von dem vorliegenden ganzen Groschen, unterschieden sind. Wir selbst besitzen davon zwey Urst\xFCcke, welche beyde, wie der Buchstabe B. (Buda) ausweiset, zu Ofen gepr\xE4get worden sind.

II. Naturgeschichte.

Fortsetzung der Nachricht vom versteinerten Holze in Ungarn.

Fraget man: woher diese verschiedene Farben, die man an dem versteinerten Holz wahrnimmt, ihren Ursprung haben? So k\xF6nnen wir hier, eben das sagen, was man von den Farben der Edelsteine, als einen wahrscheinlichen Grund angiebt, da\xDF n\xE4mlich diese Farben von nichts andern, als einem mineralischen Dunst herr\xFChren. Man schlie\xDFet dieses aus gewissen Versuchen, durch welche sich aus einigen Edelsteinen das metallische und hiemit auch die Farbe herausziehen l\xE4\xDFt. Andere hingegen werden wiederum k\xFCnstlich durch Metalle, als durch Kupfer,

(111)

Zinn und Eisen allerhand Farben mittheilet.

In Ansehung der H\xE4rte ist das versteinerte Holz nicht einerley. Einiges davon giebt am Stahl geschlagen, eben so h\xE4ufige Feuerfunken von sich, wie ein gemeiner Feuerstein, daher kann es auch im Schleifen und Poliren auf die n\xE4mliche Art, wie die Edelsteine tracktiret werden; einiges hingegen ist hart und zugleich z\xE4he, und dieses giebt kein Feuer. Das halb und ganz durchsichtige pfleget in den meisten F\xE4llen weich und m\xFCrbe zu seyn, und l\xE4\xDFt sich daher auch im Schleifen und Poliren ohne gro\xDFen Widerstand bearbeiten.

Der Jahrwuchs ist zwar an dem versteinerten Holze meistentheils kenntlich und mit Cirkellinien bezeichnet: Doch aber ist dieses nicht allgemein; sondern je feiner und solider die Versteinerung; desto seltener bemerket man die Zeichen des Jahrwuchses derselben.

Im Feuer halt das in Stein verwandelte Holz nicht aus, wie die Edelsteine, mit denen es eine Aehnlichkeit hat; sondern zertheilt sich bey der ersten Glut in St\xFCcke, verliehret die vorige Farbe g\xE4nzlich, und wird wei\xDF wie ein Kalkstein.

Hier sollten wir noch von versteinerten Rinden und Bl\xE4ttern von B\xE4umen etwas sagen: Weil aber diese Gegenst\xE4nde eine besondere Er\xF6rterung erfordern; so wollen wir in der Folge davon ausf\xFChrlich handeln.

ab H.

III. Ungarische Geschichte.

Beschlu\xDF der merkw\xFCrdigen Begebenheiten der k\xF6nigl. freyen Stadt K\xE4smark.

\xA7 27.

Im Jahre 1709. wurde K\xE4smark abermals belagert, bey welcher Gelegenheit die sonst treuen B\xFCrger, gemeinschaftlich mit der Rebellen ihrem Capitain Tschemnitzky einen Ausfall gewaget, der aber ungl\xFCcklich f\xFCr sie ausfiel, indem sie durch die siegreichen Waffen der kaiserlich- k\xF6niglichen V\xF6lker zerstreuet, und bis an das Thor verfolgt worden sind. Bey diesem Ausfall blieben zwey B\xFCrger, als Paulus Cornides und Sebastian Topperezer. Hierauf wurde die Stadt berschossen, der General Hartely verwundet, die Schlo\xDFgasse gerieth in Brand. Der Oberlieutenant Georg Baytschy entflohe bey Nacht aus der Stadt. Da nun die B\xFCrgerschaft capituliren wollte, \xF6fnete der Commendant das Thor, und sorgte blo\xDF f\xFCr die Soldatengarde; die B\xFCrgerschaft aber wurde von seiner Capitulation ausgeschlossen. Bey dem Eintritt des Generals Heisters in die Stadt, wurden gef\xE4nglich eingezogen Jakobus Kray, Martinus Lany, Sebastian Topperczer, Johannes Lang und Daniel Mudrany. Die drey ersteren wurden, obgleich der F\xFCrst Lubomirsky f\xFCr sie bat, den 16. Dec. auf dem Acker am Lang-

(112)

berg enthauptet. Zu letzt wurde die Stadt mit gro\xDFer Brandschatzung beleget.

\xA7 28.

Im Jahre 1710. schickte die Stadt drey Abgeordnete nach Wien, um Gnade f\xFCr sie zu bitten, wegen des begangenen Fehlers, welche ihr auch vom kaiserl. Hof allergn\xE4digst angediehen wurde. In diesem Jahre fieng sich auch die Pest an, am Verkl\xE4rung Christitage; darum fl\xFCchteten sich die wohlhabenden Leute nach Vorberg, Rakosch und Gro\xDFschlagendorf.

Im Jahre 1711. h\xF6rte die Pest auf zu w\xFCten, und die Leute fanden sich in ihren Behausungen wieder ein.

IV. Vermischte Nachrichten.

Eine Anekdote von dem Ungarischen K\xF6nige Mathias Corvinus.

Als der Ungarische K\xF6nig Mathias der erste, Wienerisch - Neustadt belagerte, kam ein Abgesandter, welchen der t\xFCrkische Kaiser Bajazet, an diesen Sieger schickte, in dem Lager vor besagter Stadt an. Dieses war ein Mann, der bey seinem Monarchen in gro\xDFer Achtung stand, und dessen Beredsamkeit, schon bey verschiedenen orientalischen F\xFCrsten Wunder gethan hatte. Er r\xFChmte sich daher: da\xDF er durch die Macht seiner Beredsamkeit, und durch sein Ansehen, die ganze Welt zum Vortheile seines Herrn einnehmen k\xF6nnte. Dieses versprach er sich nun bey dem K\xF6nige Mathias; der aber, als ihm die Pralereyen des Abgesandten berichtet worden, sogleich beschlo\xDF die Frechheit desselben zu bestrafen. — Als man ihn nun zur Audienz lie\xDF, begab sich der K\xF6nig mit demselben, unter die Mauern der belagerten Stadt, wo auf dessen Befehl eben am st\xE4rkesten kanoniret wurde. Unter dem Donner der Kartaunen, und dem Schwirren der Kugeln, befahl der K\xF6nig, ihm den Auftrag seiner Gesandschaft zu er\xF6ffnen. Er that solches, und bekam eine Antwort von dem K\xF6nige. Aber an diesem f\xFCrchterlichen Orte entfiel ihm die erhaltene Antwort g\xE4nzlich, und er konnte, der oftmaligen Bitten ungeachtet, sie nicht wiederholt bekommen. — Und, so mu\xDFte er besch\xE4mt, und unverrichteter Sachen nach Hause kehren! S. Paulli Gregorianczii Brev. rer. hung.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r6 - 21 Jun 2011, AgostonBernad
This site is powered by FoswikiCopyright © by the contributing authors. All material on this collaboration platform is the property of the contributing authors.
Ideas, requests, problems regarding Foswiki? Send feedback