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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XVIII. St\xFCck - IV. Jahrgang, XX. St\xFCck >



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IV. Jahrgang, XIX. St\xFCck, den 11. May 1774.

I. Wissenschaften

Beschlu\xDF des Auszugs aus der Beschreibung der H\xF6hle bey Funacza in Ungarn. (S. das XVI. XVII. und XVIII. St\xFCck.)

Nach einem viertelst\xFCndigen Aufenthalte in diesen unterirdischen Gegenden, verlie\xDF der H. V. endlich auch die erste H\xF6hle, nachdem er seine F\xFChrer und Begleiter, mit einer reichen Beute, die er von den verschiedenen H\xF6hlenw\xE4nden, S\xE4ulen, Tropfsteinzapfen, Gebeinen und dergleichen zusammen gebracht, beladen hatte, und kam wieder untern freyen Himmel. So weit die Beschreibung.

Nun folgen einige Betrachtungen \xFCber die angemerkten Gegenst\xE4nde. Auch diese wollen wir unsern Lesern in der K\xFCrze mittheilen; theils um sie, mit unserm H\xF6hlenforscher bekannter, und ihre Erwartung auf dessen k\xFCnftige Bem\xFChungen rege zu machen; theils auch um andere erbl\xE4ndische Unterthanen, durch dieses Beyspiel aufzumuntern, alles, was in ihren Gegenden vorkommt, mit einem forschenden Auge zu betrachten, zu untersuchen, der Natruseltenheiten wahrzunehmen, sie zu entdecken, und hierdurch diesen so wichtigen und n\xFCtzlichen Theil der erbl\xE4ndischen Geschichte zu bereichern.

I. Anmerkung.

Von diesen H\xF6hlen \xFCberhaupt glaubt der Herr Verfasser, da\xDF sie, entweder mit der Erdkugel zugleich geschaffen, oder bey der, auf derselben, durch die S\xFCndflut, vorgegangenen Ver\xE4nderung, entstanden; oder aber, durch die st\xE4ts wirkende Natur, nur nach und nach, zu der itzigen Gestalt gebracht worden seyn m\xF6gen. Kunst und menschlicher Flei\xDF und die Begierde sich zu bereichern haben keinen Theil daran; weil hier nicht die geringste Spur von Erzten zu finden ist.

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II. Anmerkung.

Die gemeine alte Sage, nach welcher diese H\xF6hlenkette, oder unterirdischer Gang, sich bis Torda Haschadeck im Gro\xDFf\xFCrstenthum Siebenb\xFCrgen erstrecken sollte, hat er nicht gegr\xFCndet befunden: indeme nicht alleine seine M\xFChe, aus der lezten H\xF6hle weiter hinein zu bringen, und eine neue Oefnung zu entdecken, vergeblich; sondern auch auf dieser unterirdischen Wanderschaft nciht der allermindeste Luftzug wahrzunehmen gewesen; welches doch, wenn diese H\xF6hlung bey Torda Haschadeck, oder wo immer sonsten, ein anderes Mundloch h\xE4tte, besonders gegen Abend beym Sonnenniedergang, wo gemeiniglich die Luft in eine kleine Bewegung ger\xE4th, ganz gewi\xDF w\xFCrde erfolget seyn.

III. Anmerkung.

Wie die erstaunliche Menge von Todtengebeinen, (S. 129.) womit viele W\xE4gen beladen werden k\xF6nnten, dahin gekommen seyn m\xF6ge? Haben etwa Menschen, zur Zeit der gro\xDFen Ueberschwemmung, ihre Rettung auf diesem Berg, und in dieser H\xF6hle ihre Erhaltung gesucht? Der Herr Verfasser glaubet mit vieler Wahrscheinlichkeit, da\xDF bey den bekannten Einf\xE4llen der Tartarn und T\xFCrken, die meisten Leute, aus Furcht f\xFCr ihrer unmenschlichen Grausamkeit, sich mit dem Viehe auf die Gebirge und in die Waldungen begeben, und in solchen H\xF6hlen, wenn sie dazu gekommen, ihre Sicherheit gesucht haben. Nun mag es leicht geschehen seyn, da\xDF, da sie sich hier aufgehalten, entweder die Sch\xE4dlichkeit der eingesperrten Luft, in der sie zu lange bleiben mu\xDFten; oder der Mangel an Lebensmitteln, oder ein anderer Umstand, ihnen das Leben gekostet habe. Welches besonders damals, als der T\xFCrk Gro\xDFwardein besa\xDF, und die benachbarte Gegend stark verheerte, sehr leicht geschehen k\xF6nnen.

IV. Anmerkung.

Der in dieser H\xF6hle befindliche Tropfstein, ist von vier Gattungen; wovon eine aus jener Feuchtigkeit entstehet, die aus den W\xE4nden herf\xFCrdringet; und diese Art Tropfstein h\xE4nget gr\xF6\xDFtentheils auch nur an den W\xE4nden. Doch sahe er davon einen kleinen H\xFCgel, der ohngef\xE4hr eine Klafter hoch, von ihm bestiegen wurde: an dem obern Theile war alles noch ganz feucht, und noch nicht versteinert; auch die Feuchtigkeit ohne Geschmack.

Die andere Gattung entstehet aus den Tropfen, die von oben aus der Gew\xF6lbung kommen: Sie ist nicht so wei\xDF, als die Vorige, und bestehet in Zapfen, S\xE4ulen und andern St\xFCcken.

V. Anmerkung.

Die W\xE4nde der H\xF6hlen selbst, scheinen mit einer besondern, n\xE4mlich der dritten Gattung \xFCberkleidet zu seyn: sie ist weder so wei\xDF, noch so

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gl\xE4nzend, wie die Vorige; indeme sie Sand und Erdtheile in sich enth\xE4lt.

Die vierte Gattung hat weder Wei\xDFe noch einigen Glanz: aus dieser bestehet die Steinrinde, die sich an einige Gebeine gesezt hat, und die kleinen Tropfsteine. Von diesen sind einige zerschlagen worden, und es fand sich darinne bald ein Sandkorn, bald ein kleines St\xFCckchen Bein, theils von Menschen, theils von Vieh. Merkw\xFCrdig ist es, da\xDF man in diesem solcher Gestalt \xFCbersteinerten Gebeinen, nicht einmal eine Spur zur Versteinerung, wahrnehmen konnte.

VI. Anmerkung.

Die Luft ist in diesen H\xF6hlen rein, obgleich der Boden in jeder derselben feucht, ja hin und her gar na\xDF ist. Von Ungeziefer, welches sonsten gemeiniglich an solchen Oertern angetroffen wird, fand sich nichts, bis auf eine Fledermau\xDF, die der Herr Verfasser, beym Eingang zu der lezten H\xF6hle gesehen hat. Es herrschet darinne die gr\xF6\xDFte Stille, welche nur von Zeit zu Zeit durch den Fall der Tropfen gest\xF6hret wird: W\xE4re es m\xF6glich, die Finsterni\xDF aus diesen Oertern zu vertreiben, und ihnen das Licht zu verschaffen: so w\xFCrden Liebhaber der Natur, zu ihren Betrachtungen, sich keinen bequemern Aufenthalt w\xFCnschen k\xF6nnen.

Nach verschiedenen Versuchen, die der Herr Verfasser, besonders mit dem Tropfstein von der zwoten Gattung, angestellet hat, um eine gemeinn\xFCtzige Anwendung desselben an die Hand geben zu k\xF6nnen, hat er endlich, nach der

X. Anmerkung.

eine Masse herausgebracht, die eben |so gut, als das so genannte Kremser Wei\xDF zu brauchen ist, ja noch vor demselben einige Vorz\xFCge haben d\xF6rfte.

XI. Anmerkung.

Wenn dieser Tropfstein calcinirt, zu einem feinen Pulver gerieben, und mit s\xFC\xDFer Milch vermenget und verd\xFCnnet wird; so kann man sich desselben zum Wei\xDFen der W\xE4nde, jedoch nur solcher, die mit Kalch noch nicht \xFCberstrichen worden sind, mit gutem Fortgange bedienen. Die Wirkung soll ausnehmend seyn.

Der Herr Verfasser, dem wir eine best\xE4ndige Gesundheit, und bey seinem Eifer erbl\xE4ndische H\xF6hlen zu besuchen und zu untersuchen, den Beystand und die Unterst\xFCtzung hoher G\xF6nner von Herzen w\xFCnschen, beschl\xFC\xDFet seine kleine Schrift mit folgendem redlichen Gest\xE4ndni\xDFe seiner geheimen Gedanken:

Ditari oportet, ut philosophemur ;

non philosophari, ut ditemur.

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II. Geschichte.

Fortsetzung, der genauen und ausf\xFChrlichen Nachricht, (S.136,) vom Gr\xE4flich Th\xF6k\xF6lischen Hause.

II. Abschnitt.

Da\xDF das Gr\xE4flich Th\xF6k\xF6lische Haus nicht so neu, noch eines so schlechten und geringen Ursprungs gewesen sey, wie wir es im ersten Abschnitte dieses Aufsatzes, nach dem Berichte eines Thuroczy und Kray (aus dessen Nachrichten unsere Bl\xE4tter, einen Auszug enthalten) beschrieben haben; und wie es der gelehrte Bel*) anf\xE4nglich selbst behaupten wollen: solches hat dieser unerm\xFCdete Mann, wie bereits gemeldet worden, in seinem gro\xDFen Werke, n\xE4mlich seiner Notitia Hungariae Novae Tom. II. p. 132. u. f. angemerket, und die Gr\xFCnde, die ihn bewogen, seine erste Meinung zu verlassen, angef\xFChret: Bey Beschreibung der Insel Tschepel, die

*) Bels Nahme und Verdienste sind sehr bekannt, doch denken wir, da\xDF einigen Lesern unserer Bl\xE4tter eineNachricht von ihm nicht ganz unangenehm seyn werde. Mathias Bel ist in der Ungarischen Bergstadt Otschwa im Jahre 1684. gebohren. Er studirte im Vaterlande zu Loschonz, Neusohl, Pre\xDFburg, und darauf zu Halle in Sachsen, wo er im Jahr 1707. unter D. Breithaup disputirte, und sodann, sowohl in dem dasigen Waysenhause, als auch in dem ber\xFChmten Kloster Bergen bey Magdeburg enige Zeit arbeitete, und so gar Hofnung zu einer Professur, bey der Hallischen Universit\xE4t hatte. Die Vaterlandsliebe f\xFChrte ihn aber im Jahr 1703 zur\xFCck nach Hause; wo er dann zu Neusohl erstlich Konrektor bey dem Gymnasium, und Adjunkt beym Ministerium: darauf Pastor bey der St. Elisabethkirche, und endlich wieder Rektor der Schule worden. Im Jahr 1714 ward er zum Rektor beym Gymnasium nach Pre\xDFburg berufen, wo er im Jahre 1719. zum Pastor, und endlich zum Ministerii Senior gew\xE4hlet wurde. Er starb im Jahre 1749. Der ber\xFChmte Johann Tomka Szaszky, sein Z\xF6gling, welcher ebefalls als Rektor dieses Gymnasiums zum Besten seines Vaterlandes die Jugend bildete, hat ihm folgendes Epitaphium gesetzt:

STA VIATOR

ERRAS.

SI MORIALE.

SUB HOC LAPIDE

QUI ANIMAE.IMMORTALI SACER EST.

INCAUTUS QUAERIS.

HIC JACET.

IMMORTALIS MATTHIAS BELIUS. CONDAM

ANTISTE.S. SACRORUM. ET SAPIENTIAE.

PARITER ATQUE

HISTORIOGRAPHUS HUNGARIAE IN-

COMPARABILIS.

CUI

INGENIUM MAGNUM ERUDITIO SOLIDA

ELOQUENTIA DIVINA

ET VIRTUS FIDE CHRISTIANA ANIMATA.

SEMPITERNAM CONCILIARUNT IM-

MORTALITATEM.

ABI JAM

ET

QUAE POSONIUM POST FATA RECO-

GNOSCIT.

IMMORTALIA VIRI MAGNI MERITA,

CERNUUS

IN CINERIBUS FIIS

ADMIRATOR.

Er war ein Mitglied der Academie der Wissenschaften zu London, Berlin, Olm\xFCtz Joh. Jak. Moser giebt in seinem Lexico der ber\xFChmten Theologen Lit. B. mehr Nachricht von ihm.

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ohnweit der Stadt Ofen und Pest in der Donau gelegen ist, und ehemals dem gro\xDFen Prinzen Eugen zu geh\xF6rte; N. 9. gedenket er des Orts Th\xF6k\xF6ly, und, nach einer kurzen Anmerkung dar\xFCber, f\xFChret er unter andern an.*)

Auch ist die Abkunft dieser schon erloschenen Familie, nicht so neu, als ich sonst daf\xFCr hielte. Dann als Mathias Korvinus zur Regierung kam: fanden sich Th\xF6k\xF6ly nicht nur unter den Hofleuten; sondern sie thaten sich auch bey der Armee hervor. Mathias selbsten bezeiget dieses von Nicolaus und Andreas Th\xF6k\xF6ly in seinem Schreiben, das er an den Kardinalen von Erlau, welcher sich damals in Rom aufhielte, von Belgrad aus erlassen, und

*) "Ad famam vici pertinet, quod gens Th\xF6k\xF6lyorum, hinc prodierit. Neque vero tam sunt nuperae, familiae jam exstinctae, origines, quam id existimvimus alias. Matthia certe Corvino, rerum potiente, non in familiaribus modo regis censebantur Th\xF6k\xF6lii, sed erant etiam virtute bellica insignes: quod utrumque de Nicolao & Andrea Th\xF6k\xF6liis, ipse Mathias praedicat, in epistola, quam ad Cardinalem Agriensem, tunc Romae agentem, Nandor Alba dederat, de expeditione Pauli Kinisii in Serviam, feliciter suspecta. Fragementum ejus. quod istuc attinet, hujus modi est:" Secundo die festi omnium Sanctorum, quae erat dies Veneris, Paulus Kinisy, ita antea cum omninbus gentibus nostris, puto, duobus & triginta millibus hominum, bono modo praeparatis, ex castro nostro T\xF6m\xF6svar, discessit, & omnibus, qui domi suae parati, jussionem illius expectabant, intimavit, ad diem Dominicum, qui proximus erat, in vado Haram, ad se convenire; quod & factum est. Sed eadem die, cum multi domo profecti, diversis itineribus, ad illud vadum convenirent, accidit unus casus, qui tametii hostibus non incruentus exstitit; nobis quoque ob amissionem unius notabilis familiaris nostri, fuit non parum insaultus. Nicolaus & Andreas T\xF6k\xF6ly, cumk centum equitibus ipso die iter adrelli, dum alio itinere, ad vadum contendunt, quadringenti Turci, qui in insidus latuerant, subito ex nemore effusii, in eos irrunt, & nihil tale formidantes, repente Circumdant. Tum illi tanta multitudine conscpecta, cui se impares videbant, curius oneratos, ex templo circumlocant, seque intra curruum ipsorum septa, concludunt. Turci vero nemori, quod curribus contiguum erat protinus ignem, injiciunt, ut flante contra nostros vento currus comburerent. Ubi igitur currus nostrorum ardere coeperunt, nostir in pugnam cum illis congressi, ab hora nona, usque solis occubtum viriliter pugnant. Cecidit in illo conflictu magna pars Turcorum, & nemo ut fertur sine vulnere discessit. Nicolaus T\xF6k\xF6ly duabus hostis, in ipso pugnae principio trajectus, non destitit, quin usque ad finem diei, cum eisdem acriter confligeret Deinde conversis illis in fugam, ipse multis vulneribus confectus, una cum fratre suo Andrea, qui similiter plura vulnera accepit, domum suam revers sunt, & ipse quidem Nicolaus eadem die, tantummodo suspecta confessione, & communione sacramenti ex hac luce decessit; Andreas vero graviter decumbit; de quo adnuc incertum habemus, utrum recconvalescere possit? quiquaginta ex nostris in loco certamis fuerunt trucidati, nec aliquis exceptis tribus sine vulnere reversus est. "En! magnificam Th\xF6k\xF6liorum, jam tum, aetate illa, mentionem. Sed quemadmodum Kaesmarkinum, sequuitis temporibus penetrarint, emerierintque usque in Comitum fastigium dum ludibria fierent fortunae, alibi expromendi erit locus."

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worinn er ihm den gl\xFCcklichen Feldzug des Paul Kinischy in Servien beschrieben hat. ec. ec.

K\xFCrze halber, wollen wir nur jenes, was eigentlich her geh\xF6ret, aus dem Briefe hier anf\xFChren. Die andern Umst\xE4nde werden unsere Leser in der Note finden:

Da Nikolaus und Andreas Th\xF6k\xF6ly mit 100. Pferden an dem bestimmten Tage, nach dem Versammlungsorte Haram marschirten; wurden sie von 400. T\xFCrken, welche in einem benachbarten Walde sich verborgen hielten, pl\xF6tzlich \xFCberfallen, und umringet. Da sie die \xFCberlegene Macht des Feindes gesehen, lie\xDFen sie die beladene W\xE4gen vorfahren, und machten eine Wagenburg, um sich daraus zu vertheidigen: allein die T\xFCrken steckten die Waldung, an welche die Wagenburg anstie\xDF in Brand; der Wind war ihrem Unternehmen g\xFCnstig, und das Gep\xE4cke wurde durch die Flammen ergriffen. Bey diesen Umst\xE4nden gieng das Treffen an, und dauerte von 9. Uhr fr\xFCh bis an den Abend. Es kamen darinnen viele T\xFCrken um, und ihrer keiner kam unverwundet davon. Nikolaus Th\xF6k\xF6ly (von dem der K\xF6nig kurz vorher sagte: Notabilis familiaris noster) wurde gleich im Anfange mit zween Spie\xDFen durchbohrt; und dennoch stritte er bis an das Ende sehr tapfer fort. Endlich, als die T\xFCrken die Flucht ergriffen hatten, zog er unter vielen Ble\xDFuren, mit seinem Bruder, der gleichfalls viel Wunden bekommen, zur\xFCck nach Hause. Nikolaus starb noch denselben Tag, nachdem er gebeichtet und die h. Sakramente empfangen hatte: Andreas aber liegt noch gef\xE4hrlich krank und es ist noch ungewi\xDF, ob er davon kommen werde. F\xFCnfzig der unsrigen sind auf dem Platze geblieben; von den \xFCbrigen sind nur drey unverwundet davon gekommen.

Bel setzt hinzu: Ist dieses nicht eine pr\xE4chtige Erw\xE4hnung des Th\xF6k\xF6lischen Namens. Wie sie aber in der folgenden Zeit nach K\xE4\xDFmark gekommen sind, und sich in den Grafenstand geschwungen haben, wird anderswo erz\xE4hlt werden.

(Die Fortsetzung folget)

III. Naturgeschichte.

Von versteinerten Saamenk\xF6rnern, einiger Feldfr\xFCchte.

Diese Versteinerungsart ist desto merkw\xFCrdiger, je seltener sie vorkommt, und zur Zeit noch, denen meisten ausw\xE4rtigen Steinbeschreibern, unbekannt gewesen ist. Man findet Nachrichten, von versteinerten Kastanien, Eicheln, Mandelkern, Tannenzapfen, N\xFCssen und dergleichen Baumfr\xFCchten mehr: allein von versteinerten Rogken, Haber, Linsen, und Gerstenk\xF6rnern, findet man nichts. Der einzige D. Bruckmann,

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so viel uns bekannt ist, hat in die Bre\xDFlauer Kunst, und Naturgeschichte, auch von diesem Ungarischen Fruchtsteinen eines und das andere einr\xFCcken lassen. D a nun diese, sonsten seltene, Petrification, eigentlich nur unser Vaterland betrift; so ist es um desto mehr billig, da\xDF wir darauf vorz\xFCglich unser Augenmerk richten, und unsere Gedanken dar\xFCber er\xF6fnen.

Man trift diese Versteinerung in dem sochon mehrmal gedachten Liptauer Komitat an, und zwar so viel bisher bekannt ist, einzig und allein, nahe bey dem Dorfe Turick, welches ohnweit Rosenberg, auf jener Seite des Waagflusses, in einem Thal liegt. Der Ort selbst, wo man sie findet, ist eine ziemlich erhabene, und von der einen Seite, steile und fel\xDFigte Anh\xF6he, welche auf ihrem Gipfel eine Ebene ausmacht, und denen Inwohnern des Dorfs zum Ackerbau dienet. Hier wirft der Ackersmann, wenn er sein Feld bearbeitet, mit dem Pfluge Steine von verschiedener Figur und Gr\xF6\xDFe aus der Erden heraus, auf deren Oberfl\xE4che, versteinerte Linsen, Haber, Rogken, Gersten und andere kleine Saamenk\xF6rner, so sch\xF6n untereinander vermischt liegen, als h\xE4tte man sie mit allem Flei\xDFe darauf gefreuet und an den Stein befestiget. Die Gr\xF6\xDFe und die Gestalt ihres Urbildes stellen diese K\xF6rner so vollkommen vor, da\xDF man sie so gleich bey dem ersten Anblick erkennet, und eine Sorte von der andern auf das deutlichste unterscheiden kann. Auch so gar dieses Gew\xE4chs (man nennet es die Korn- oder Rogkenmuster) welches in denen Korn\xE4hren unter den guten K\xF6rnern, besonders, wenn ein nasses Jahr oder Melthau einf\xE4llt, zu wachsen pflegt, und viel l\xE4nger auch dicker ist, als die \xFCbrigen K\xF6rner; auswendig schwarz, inwendig aber wei\xDF oder blaulicht; stehet man auf diesen Steinen, in seiner nat\xFCrlichen Bildung und Gr\xF6sse, zwischen andern, K\xF6rnern liegen. Auf manchem dieser Fruchtsteine, ziehen sich auch zwischen denen darauf liegenden K\xF6rnern, einige erhabene Steinf\xE4den, die man vor versteinerte Strohalme, beynahe ansehen sollte. Aus dem, was schon gesagt worden, l\xE4sset sich wenigstens so viel abnehmen; da\xDF hier nicht blo\xDFe Abdr\xFCcke von dergleichen Saamenk\xF6rnern seyn k\xF6nnen; weil sie \xFCber den Stein, auf dem sie liegen, erh\xF6het sind; und eben so \xFCbereilt w\xE4re das Urtheil davon, wenn man diese Dinge so gleich f\xFCr eine Steingaukeley, oder Spiel der Natur lediglich ansehen wollte. Nun sind freylich viele Scheingr\xFCnde vorhanden, die uns sehr leicht auf die Gedanken bringen k\xF6nnten, zu glauben, da\xDF diese K\xF6rper in der That nichts anders, als w\xFCrklich versteinerte Feldfr\xFCchte seyn k\xF6nnen, denn:

1) Liegt der Ort, wo man diese Fruchtsteine antrift, in einer solchen Gegend, wo man um und um allerhand Versteinerungen, besonders aber solche, aus dem Pflanzenreiche, in der N\xE4he findet. Lutschka ist kaum eine

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halbe Stunde davon abgelegen, allwo das vesteinerte Moo\xDF und die Baumbl\xE4tter und andere dergleichen Dinge mehr, in einer sehr gro\xDFen Menge vorhanden sind. Von der andern Seite stehet der Berg Chotsch, und von der dritten, der Berg Hradischte, auf denen man allenthalben versteinernde Wasser antrift, die die Eigenschaft besitzen, Gew\xE4chse, entweder mit Stein zu \xFCberziehen, oder auch gar in Stein verwandeln.

2. Findet man diese Fruchtsteine auf einem solchen Berge, auf dessen Feldern, eben dergleichen Arten von Feldfr\xFCchten, davon man die K\xF6rner auf diesen Steinen siehet, und sonst keine andere, angebauet werden.

3. Werden diese Fruchtsteine auch nur in einer solchen Tiefe des Erdbodens angetroffen, als es sich begreifen l\xE4\xDFt, da\xDF die Saamenk\xF6rner bey der Aussaat hineingebracht werden k\xF6nnen. Und

4. Ist die v\xF6llige Gestalt und Gr\xF6\xDFe ihres Urbildes, wenn man diese Sachen mit blossen Augen betrachtet, vollkommen da.

Wenn man nun bey diesen Gr\xFCnden bleibt, und keine weitere Versuche anstellet, so sollte man in der That glauben, da\xDF sich die Sache nicht anders verhalten k\xF6nne, und da\xDF hier wirklich versteinerte Feldfr\xFCchte vorhanden w\xE4ren.

Allein um das Jahr 1759. trug es sich zu, da\xDF der kaiserl. k\xF6nigl. Hofrath und ehemalige Gesandschaftssekret\xE4r am t\xFCrkischen Hofe, Herr Gerhard Kornelius van den Driesch, welcher dazumal in der XIII. Stadt Georgenberg seinen Aufenthalt gehabt hatte, auf den Einfall gerieth, einige St\xFCcke von diesen Fruchtsteinen, an Sr. hochgr\xE4fl. Excellenz den damaligen Ungarischen Herrn Kanzler Grafen Nikolaus v. Palfy, in dieser Absicht zu \xFCbermachen, um selbige des glorw\xFCrdigsten Kaisers Franz des I. Majest\xE4t, als einem Kenner und Liebhaber von dergleichen Naturseltenheiten, vorzuzeigen. Dieser Herr traute dem blossen Auge nicht; sondern nahm sogleich das Vergr\xF6\xDFerungsglas zur Hand, und durch Beyhilfe desselben entdeckte er, an statt dieser Saamenk\xF6rner nichts anders, als lauter Muscheln, die sich an diese Steine angesetzt hatten, und in Stein verwandelt worden sind, wie er sich selbst in seiner Antwort an gedachten Herrn von Driesch dar\xFCber erkl\xE4ret hat.*)

*) Caeterum grana, quae Luciwnensibus Tabellariis Praefecto tradita misisti, Caesari exhibui quidem, retinuitque, an vero Tecum, genuina avenae aut hordei germina cadem esse, sentire debeamus, haereo; adhibito enim microscopio, minutissimum concharum genus videri indubium est.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r5 - 01 Jul 2011, AgostonBernad
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