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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XLI. St\xFCck - IV. Jahrgang, XLIII. St\xFCck >



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IV. Jahrgang, XLII. St\xFCck, den 19. October 1774.

I. Geschichte.

Ein Liebhaber der Ungarischen Geschichte hat uns folgenden Aufsatz eingeschickt, f\xFCr den wir ihm vielen Dank wissen: da er uns Gelegenheit giebt, die Besitzer solcher besondern und wichtigen Nachrichten zu ersuchen, uns mit ihren Beytr\xE4gen, zur Aufkl\xE4rung und Erweiterung der erbl\xE4ndischen Geschichte an die Hand zu gehen. Der Aufsatz handelt:

Von dem betr\xFCbten Ende Ludwig des II. K\xF6niges in Ungarn.

Der B\xF6hmische Geschichtschreiber Martin Bor\xE4r, erz\xE4hlet diesen Vorgang folgendermassen: Der K\xF6nig habe in der Schlacht bey Mohatsch ein schweres Pferd geritten, und einen schweren K\xFCras angehabt: da sein Heer gewichen, und er sich auf die Flucht begeben, w\xE4re der einzige v. Czettricz, ein gebohrner Schlesier, Ihme gefolget. Beede h\xE4tten \xFCber ein kleines Wasser zu setzen gehabt: Czettritz, welcher ohne R\xFCstung und leicht gewesen, w\xE4re schnell hindurch gekommen: der K\xF6nig hingegen, h\xE4tte eine von den Fl\xFCchtigen seines Heeres durchw\xFChlte Furt angetroffen, auf welcher er nicht fortkommen konnte: sein schweres Perd blieb darinnen stecken, und da er es angespornt und angestrengt; so erreichte es mit den vordern Schenkeln zwar das Ufer, es konnte aber mit den hintern Beinen nicht folgen, dergestalten, da\xDF es sich \xFCberschlug ruckw\xE4rts auf den K\xF6nig fiel, ihn unter sich dr\xFCckte: wo er in dem seuchten Wasser, das kaum 6 Zwerchh\xE4nde tief gewesen, ertrinken mu\xDFte.

Sein treuer Diener, der v. Czettritz, so wird es in dieser Geschichte

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erz\xE4hlet, habe sich alle M\xFChe gegeben, den K\xF6nig zu retten, aber vergebens: doch brachte er ihn aus dem Schlamme; indessen als er ihm den Helm aufgemacht, w\xE4re er eben verschieden, v. Czettritz konnte hierbey nichts mehr thun; weil die T\xFCrken nahe waren, als da\xDF er den Ort, wo er den K\xF6nig hingebracht, wohl merkte, und f\xFCr sich in der fortgesetzten Flucht Sicherheit suchte. Nach seinem Berichte aber, h\xE4tte man hernach den todten K\xF6nig gefunden.

Wie dieses geschehen, und ob diese Erz\xE4hlung, allen Umst\xE4nden nach, gegr\xFCndet sey, ist aus eienem, an den ber\xFChmten damaligen Canzler und Bischof zu Waitzen, Brodericum erlassenen Schreiben zu ersehen, wovon wir hier eine Uebersetzung liefern wollen.

Hochw\xFCrdiger und gn\xE4diger Herr!

Es hat dieser Tagen die durchlauchtigste K\xF6niginn, den Ulrich Czettritz, mit etlich andern getreuen Dienern, an mich geschickt, und mir schriftlich befohlen, da\xDF ich den Czettritz, welcher diese Reise th\xE4te, um den k\xF6niglichen Leichnam, meines allergn\xE4digsten seeligen Herrn wieder zu finden, zw\xF6lf meiner Reiter geben, und mit ihm an den Ort senden sollte. Dieser wichtige Handel gienge zwar die Herren des Reichs Ungarn an: nichts desto weniger habe ich meiner Treue gem\xE4\xDF, nicht allein durch meine Vertraute und Diener, sondern in eigener Person, Ihrer Majest\xE4t zu Diensten stehen, und den von Czettritz bis an Ort und Stelle selbst begleiten wollen. Ewr. Hochw\xFCrden: mache ich zu wissen, da\xDF sich alle Umst\xE4nde so befunden, wie sie der von Czettritz angezeiget hatte: denn als wir uns dem Orte n\xE4herten, und doch noch ein wenig davon entfernet waren, zeigte mir ihn Herr von Czettritz mit dem Finger. Wir eilten und kamen schnell dahin, und fanden ein todtes Ro\xDF im Schlamme liegen. Czettritz, in der Meynung, da\xDF der k\xF6nigliche Leichnam daselbst seyn sollte, scheute die Pf\xFCtze und ihre Tiefe nicht; er wadete darein, und suchte allda neben den andern Gef\xE4hrten den k\xF6niglichen Leichnam; fand ihn aber nicht, doch fand er die R\xFCstung des K\xF6niges.

Als wir von dannen weiter giengen, fanden wir einen todten Leichnam, und wir erkannten da\xDF er die Leiche des Trepas w\xE4re, welcher k\xF6niglicher Marschall gewesen: Es waren in dieser Gegend noch mehr todter Leichen, nachdeme man sie aber untersucht, fand man die Leiche des K\xF6niges doch nicht.

Nicht weit aber von der Furth wurden wir eines neuen Grabes gewahr: indem ein einf\xE4ltiger Hirte, so des Viehes allda geh\xFCtet, ihn in einen frischen Sand verscharret hatte, weil er aus dem gl\xE4nzenden Golde

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und K\xFCra\xDF gemerket, da\xDF es der Leichnam eines vornehmen Herrn seyn m\xFCsse. Und als uns dieses Gott eingegeben, erkannten wir, da\xDF Sr. K\xF6nigl. Majest\xE4t Leichnam daselbst begraben w\xE4re. Wir eilten alle hinzu, und zuforderst vor andern fieng der von Czettritz an, mit den Fingern in die Erde zu graben, wie wir auch dergleichen thaten ; und da anf\xE4nglich bey den F\xFCssen das Grab er\xF6fnet wurde, ergrif der von Czettritz des Begrabenen rechten Schenkel, wusch ihn mit dem Wasser, das in zwey H\xFCthen herbeygebracht wurde, flei\xDFig ab; er erblickte das Maal, das Se. K\xF6nigl. Majest\xE4t am rechten Fu\xDFe hatte, und schrie \xFCberlaut: das ist ganz gewi\xDF der Leichnam Sr. K\xF6nigl. Majest\xE4t, meines allezeit allergn\xE4digsten Herrens; er fiel hieraf auf die Knie, und k\xFCsste ihn mit Thr\xE4nen.

Da wir nun solches sahen, gruben wir den Leichnam aus; wuschen erstlich das Haupt und das Gesicht sauber ab, und durch die Merkmale, die der K\xF6nig an den Zehen hatte, fand sich die Hoffnung best\xE4ttiget.

Wir hatten eine Madratze mit uns gef\xFChrt, die wir ausbreiteten, um den k\xF6niglichen Leichnam darauf zu legen, wo wir ihn alsdenn mit Wasser sch\xF6n abgewaschen haben.

Es sey ohne Heucheley gesagt, da\xDF ich niemals einen todten Leichnam, so unverwesen, so wenig grauslich und unabscheulich gesehen, als diesen: denn kein Theil dieses Leichnams war versehrt, er hat auch nirgends eine einige Wunde gehabt, etwa so gro\xDF, als eine Nadelspitze, als eine kleine Verletzung an der Lippe.

Nachdem dieses alles mit gro\xDFer Reverenz verrichtet worden, haben wir die k\xF6nigliche Leiche, in eine reine Leinwand eingewickelt, welche ich deswegen von Raab mitgebracht hatte; so wie den Sarg, in den er geleget wurde. Durch Gottes Hilfe, sind wir allenthalben mit gro\xDFem Lobe, und gew\xFCnschten Frieden fortgekommen, bis wir Stuhlwei\xDFenburg erreichet: wo Czettritz voran eilte, und solches dem Stadrichter, und allen andern ank\xFCndigte. Welche, wie sich geziemet, mit der ganzen Geistlichkeit, Schulen und allem Volke aus der Stadt der k\xF6niglichen Leiche entgegen gekommen sind.

Zulezt haben wir sie in die Stadt gef\xFChret, und in der Wohnung des Probstes in ein Gew\xF6lbe mit gro\xDFer Ehrerbietung gesezt, den Sarg er\xF6ffnet, den k\xF6niglichen K\xF6rper dem Stadtrichter gezeiget, der dann auch seinen Herrn erkennet; hierauf wurde der Sarg bald wieder zugemacht, und dem Martin Horwath zur Verwahrung \xFCberlassen.

Von diesem allen wird der Ueberbringer dieses Schreibens, der Czet-

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tritz selber, Ew. Hochw\xFCrden weitl\xE4ufiger berichten. Ich h\xE4tte w\xFCnschen m\xF6gen, Ihrer k\xF6nigl. Majest\xE4t, meiner gn\xE4digen Frauen in gl\xFCckseligen Sachen zu dienen: aber weil mir solches nicht wiederfahren k\xF6nnen, so bin ich auch bey traurigen Ihrer Majest\xE4t zu dienen bereitwillig ec. Aus dem Schlo\xDF Raab den 24. Octob. 1527.

v. R.

II. Ungarische Familiengeschichte.

Fortsetzung des II. Nachtrags, zu den Nachrichten vom Gr\xE4flich Th\xF6k\xF6lischen Hause. [XLI. St. Seite 322.]

Doch blieben sie alle, dem \xE4u\xDFerlichen \xF6ffentlichen Bek\xE4nntni\xDFe nach, der lutherischen Religion treu; und ist ein ungegr\xFCndetes Vorgeben, wenn Herr Michael Ambrosowsky, in seinem, im Jahre 1759. in 8vo zu Erlau, unter dem Titel IMago orbIs, ab orbc ConDIto, per saeCVLa repartIta, herausgegebenen lateinischen historischen Werkchen P. II. p. 128. von dem Emeric Th\xF6k\xF6li behaupten will; da\xDF er noch in Ungarn, zur katholischen Religion \xFCbergetreten sey: da das Gegentheil durch unwiderlegliche historische Beweise kann dargethan werden. Denn aus dem Diarium und Tagebuch, welches sein gewesener Secret\xE4re Johann Komaromi, \xFCber seinen ganzen Aufenthalt in der T\xFCrkey, und die dasigen Er\xE4ugnisse zusammengetragen hatt, welches Herr H. von Sz. im Original besessen, und nun nebst verschiedenen andern raren Schriften und B\xFCchern, einem vornehmen und gelehrten siebenb\xFCrgischen Grafen \xFCberlassen hat, erhellet es; da\xDF er auch daselbst, mit denen, die ihm dahin gefolget, und eben dieser Confession zugethan waren, seinen Gottesdienst, nach der Weise dieser Kirche fortgesetzet, und in dieser von ihm bekannten Religion auch wirklich gestorben ist*). Er w\xFCnschte auch in seinem Testamente, als ein der augsburgischen Confession zugethaner, wo m\xF6glich, auf irgend einen, am n\xE4chsten gelegenen Siebenb\xFCrgischen Dorfe unter seinen Glaubensgenossen in der Stille begraben zu werden; welches Wunsches er aber ohnstretig aus einem gerechten Verh\xE4ngni\xDF Gottes, nicht ist gew\xE4hret worden; so da\xDF er also seine Gebeine mit den Gebeinen der Muselm\xE4nner, mit de-

*) Dieser Johann Komaromi, kam nach dem Tode des Emeric Th\xF6k\xF6li, zur\xFCck nach Ungarn, wo ihn dann Franz Rakoczy der IIte der damals in dieser Gegend den Meister spielte, mit dem in diesem Scharoscher Comitat gelegenen Landgutt Csekfalva, beschenkte, auf welchem er im Jahre 1710. an der Pest gestorben. Er turg best\xE4ndig, bis zu seinem Tode die t\xFCrkische Kleidung.

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nen er zum gro\xDFen Ruin seines Vaterlandes, und unbeschreiblichen Nachtheil und Schaden, seiner gr\xF6\xDFtentheils unschuldig gewesenen Glaubensverwandten, bis in seinen Todt, in so genauer unchristlicher Vereinigung gestanden, vermengen; und sein Grab unter diesen geschworenen Feinden des christlichen Namens hat finden m\xFCssen. Auf diese Weise haben treugesinnte Patrioten, von beyden Seiten zwar, derer in dem lieben Vaterlande lebenden Protestanten, jederzeit von den Landesverderblichen verwegenen Th\xF6k\xF6lischen Auftritten geurtheilet, wovon wir selbst aus den Zeiten, da Emeric Th\xF6k\xF6li noch am gl\xFCcklichsten den Meister spielte, merkw\xFCrdige Zeugnisse anf\xFChren k\xF6nnten. Wenn der alte ehrw\xFCrdige Georg Buchholz, der zulezt als Pfarrer zu gro\xDF Lomnitz gestanden, und der lezte Senior der XXIV. Regal. Past. gewesen, der als ein Greis von beynahe 90. Jahren, alle diese ungl\xFCckliche Auftritte unter dem Emeric Th\xF6k\xF6li, und dessen Stiefsohn Franz Rakoczi den II. \xFCberlebet, und die damit verbunden gewesenen unbeschreiblichen Drangsaale mitempfunden hat, in seinem Diarium, oder dem Chroniko sui temporis, dessen wir in diesen Bl\xE4ttern schon gedacht, und daraus verschiedenes mitgetheilet haben, auf den v\xF6lligen Schlu\xDF, seiner darinn gegebenen merkw\xFCrdigen Nachrichten, von diesen Zeiten und Unruhen, komm: so dr\xFCcket er sich im Jahre 1710. unter andern also dar\xFCber aus: "Und dieses waren demnach die \xFCbeln Fr\xFCchte, des Th\xF6k\xF6lischen und Rakoczischen Krieges, in welchem unter dem Schein der Besch\xFCtzung der Nations- und Religionsfreyheit, nichts als Ungerechtigkeit, Raub- und Unterdr\xFCckung sind ausge\xFCbet worden." u. s. w.

Die Religion, wie es sonst immer in \xE4hnlichne Auftritten geschehen, war bey einem und dem andern dieser verwegenen H\xE4upter der damaligen ungarischen Malcontenten, bey dem Th\xF6k\xF6li so wohl, der sich zur Protestantischen, als auch bey dem Rakotzi, der sich wie bewust mit vorz\xFCglichem Eyfer zur katholischen Religion bekannte, und dabey die Nebenreligionen des Landes, mit einem Schein der Gerechtigkeit beg\xFCnstigen zu wollen, vorgab, die blo\xDFe Maske, und der Deckmantel ihrer ausschweifenden herrschs\xFCchtigen und rachgierigen Absichten; wovon besonders, die auf den Franz Rakoczi, bey dem ersten gl\xFCcklichen Fortgang seiner k\xFChnen Unternehmungen, in der Gr\xF6\xDFe eines harten Thalers herausgekommene, sehr sch\xF6n und sauber gearbeitete, Medaille und Schaum\xFCnze, von welcher wir einen accuraten Abgus besitzen, zeuget. Auf dem Avers erblicket man, das sehr nett und erhaben angebrachte Portrait und Brustbild des Rakoczi, im so genandten Visir und mit v\xF6lligem Gesichte, etwas seitw\xE4rts sehend, mit seinem eigenen fliegenden Haaren, und einem recht Ungrischen Lippenbart, geharnischt und gepanzert, v\xF6llig so, wie er in

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dem fein gearbeiteten Kupferstich, seiner bekannten Memoires vorgesetzet ist, und mit seinem von dem ber\xFChmten Manjoki, nach dem Leben gemahlten Portrait, welches wir an einem gewissen Ort gesehen, genau \xFCberein kommt, mit einem \xFCber dem Harnisch hangenden F\xFCrstenmantel, mit beygesetzter Umschrift: FRANCISCUS II. D. G. TRANSYL. uaniae PRIN ceps RAKOCZI. DUX. CONFOE de atorum R. egni H.ungariae STAT. uum. Auf dem Revers befindet sich ein Altar, auf welchem ein Feuer brennet, und der Rauch gegen alle Seiten in die H\xF6he steigt, das Bild der Andacht; zu welchem drey Frauenspersonen, wie Priesterinnen in langer Talarkleidung, mit Kr\xE4nzen um die H\xE4upter, die drey Religionen des Landes vorstellend, zu Unterhaltung des Feuers Holz zutragen, und auf den Altar, mit devoter Mine hinlegen, mit beygesezter Legende: CONCVRRVNT VT ALANT. Unten stehen die Worte: CONCORDIA RELIGIONUM, ANIMATA LIBERTATE. A. M. D. CC. V. Eine Vorstellung, welche, ohne einer Erl\xE4uterung n\xF6thig zu haben, die b\xF6sen Absichten dieses K\xFChnen zur Gen\xFCge entdecket.

Da\xDF auch Emeric Th\xF6k\xF6li, aller seiner bereits erfahrnen G\xF6ttlichen Dem\xFCthigung ohnerchtat, bey seinem Exilium und traurigen Aufenthalt zu Nicomedia in der T\xFCrkey, bey den lezten Auftritten dieses seines Stiefsohnes, die Hand in allem mit im Spiele gahabt, in alles sehr stark mit eingeflossen, und dem zu folge \xFCber seine Unthaten bis zu seinem Tode, wenig aufrichtige, ja wohl gar keine Reue, bezeuget hat; das haben wir, mit einem besondern Abscheu, nur vor einer kurzen Zeit aus einem Originalprotokol, seiner in der T\xFCrkey fortgef\xFChrten Art von Canzley ersehen, welches uns ein sehr sch\xE4tzbarer Freund und G\xF6nner, und gl\xFCcklicher Sammler solcher Dinge, so wie manches andere, g\xFCtigst mitgetheilet hat. Es hat den vorgesezten Ungarischen Titel: Parias - K\xF6nyv und bezeichnet ein Buch, in welches die so genandten Paria oder Copeyen von Schriften, Aus\xE4tzen, und Urkunden eingetragen und gesammelt werden; wie denn darinn lauter sehr merkw\xFCrdige Aufs\xE4tze des Emeric Th\xF6k\xF6li, von Briefen und Instructionen an seine Freunde und Anh\xE4nger, besonders an den Franz Rakoczi, wie auch an die Gesandten der Europ\xE4ischen H\xF6fe, an die F\xFCrsten der Moldau und Walachey, und an seine Plenipotenziarien, besonders an den Herrn von Baji enthalten sind, aus welchen sich ungemein viel, von den gro\xDFen und sehr schlimmen Desseins desselben ersehen l\xE4sset. Um davon nur eine einzige Probe zu geben, so wollen wir unten, den blo\xDFen Anfang und Beschlu\xDF nebst der Addresse und Aufschrift eines besonders sehr weitl\xE4uftigen in Ungrischer Sprache abgefa\xDFten Briefes hinsetzen, woraus man den v\xF6lligen verwegenen Inhalt desselben

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leichtlich wird errathen und abnehemen k\xF6nnen*). Das traurige Ende beyder, und der ungl\xFCckliche Ausgang aller ihrer k\xFChnen Unternehmungen, dienet inzwischen zum \xFCberzeugendsten Beweise, wie feind der Herr im Himmel solcher K\xFChnheit sey, und wie augenscheinlich und sichtbar er, besonders den sch\xE4ndlichen und , verwegenen Mi\xDFbrauch der allerheiligsten Religion, zur Bem\xE4ntelung und Bef\xF6rderung solcher b\xF6ser und stolzer Absichten, schon hier vor der Welt ahnden und bestrafen wolle; wie solches Rakoczi an einem uns wohl erinnerlichen Orte seiner Memoires, selbst mit vieler Reue erkannt und bekennet hat.

Bleibet es also gleich, nach diesem allen dabey, da\xDF, wie das ganze Th\xF6k\xF6lische Haus von Sebastian an gerechnet, bis zum lezten Manne in demselben, n\xE4mlich den Emeric Th\xF6k\xF6li, also auch dieser besonders, wie wir gezeiget haben, der protestantischen und zwar eigentlich lutherischen Religion, ohne alle Aenderung und bis in den Tod zugethan geblieben; so ist es doch auch, nach eben dieser gemachten Vorstellung, nicht weniger gewi\xDF, da\xDF er nach dem eigenen Gest\xE4ndni\xDF seiner, nach der Wahrheit urtheilenden Glaubensverwandten, seiner Religion wenig Ehre gemacht, und anstatt ihr einigen wahren Vortheil im Vaterlande verschaft zu haben, vielmehr die Hauptursache, so vieler, \xFCber seine, gr\xF6\xDFten theils unschuldige Glaubensgenossen, erfolgten Uebel gewesen ist.

Von seiner ber\xFChmten Gemahlin der Helena Zrini, welche, wie wir gezeiget haben, der katholischen Religion, der sie zugethan gewesen, auch bis zum Tode treu geblieben;

*) Dieser Brief f\xE4ngt also an: Celsiss. Princeps, Dominc fili, singularissimo affectu. Dilecte nec non Excellentiss. Illustriss. Reuerendiss. Admodum Rndi. Spectab. Magnif. Generosi, Egregii, Nobiles ac strenui Domini Fratres, amici, et beneuoli, colendissimi, observandissimi. Hierauf folgt: Epistola ipsa Ungarisch abgefa\xDFt; und am Ende dieser Schlu\xDF: In reliquo Celsitudinem Vestram, nee non Excellentiss. &c. Dominationes Vestras, diu ad vota feliciter redire desiderans, maneo.

Celsitudinis Vestrae, Excellentiss. &c Dominationum Vestrarum.

Pater, Frater, Amicus, Benevolus et Scruitor paratissimus.

Inscriptio Epistolae haec fuit.

Celsissimo Domino Principi FRANCISCO RAKOCZY, nec non Excellentiss.Illustriss. Reuerendiss. Adm. Reuerendis, Spectabilibus. Magnificis, Generosis, Egregiis, Nobilibus ac strenuis D.D. Generalibus, Comitibus, Praelatis, Baronibus, Comitatuum Officialibus, item, Capitaneis, Ductoribus, Toti denique vniuersorum Dominorum Magnatum et Nobilium Militiaeque Equestris ac pedestris Ordinis, Inclyti Regni Hungariae in Campo RAKOS in armis existent. et Comitia celebrant. &c., &c. Dominis Filio singulariter Dilecto, Fratribus, Amicis, et Beneuois colendissmis, obseruandissimis.

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haben zwar einige, und besonders der Verfasser der Lebensbeschreibung des Grafen Emeric Th\xF6k\xF6li, die im Jahre 1683. in IVto an das Licht getreten, p. 5. und 6. und nach demselben, auch Herr Andreas Schmal, in seiner Hist. Eccles. Evang. Lnther. in Hung. MS. Sect. IV. \xA7. 6. das Gegentheil behaupten, und annehmen wollen*), da\xDF dieselbe, bald nach ihrer zweyten Verm\xE4hlung mit dem Th\xF6k\xF6li. Denn ihr erster Gemahl war Franz Rakoczi I., der, zur protestantisch- Lutherischen Kirche \xFCbergegangen sey. Allein, die Beweise und Zeugnisse, die wir in der Geschichte dieses Hauses, und zwar in dem leztern Abschnitte derselben angef\xFChret haben, lassen diesem Vorgehen keinen Grund, und widerlegen dasselbe vollkommen. Dem Emeric Th\xF6k\xF6li war es bey seiner Heyrath,mit dieser Ungarischen Heldinn, gewi\xDF nicht so wohl darum zu thun, siener Kirche durch eine solche Eroberung eine angesehene Proselitinn: als vielmehr sich selbst, durch ihre reiche Erbschaft und gro\xDFe Konnexion, zu seinen weit aussehenden Zwecken, mehr Ansehen und Kr\xE4fte zu verschaffen.

(Die Fortsetzung folgt.)

*) Andreas Schmal war ein gebohrner Thuroczer, und stund nachdem er von Universit\xE4ten zur\xFCck gekommen war, an verschiedenen Orten, zulezt zu Ratkov, als lutherischer Prediger, im Amte, und war zugleich des dasigen Contubernii G\xF6m\xF6riensis-Senior; er starb im Jahre 1766. Er war sehr arbeitsam, und ein gro\xDFer Freund der vaterl\xE4ndischen Litteratur. So wie er der lateinischen Sprache vollkommen m\xE4chtig war, so hat er auch in derselben, ein dreyfaches, mit vieler Belesenheit und Modestie geschriebenes historisches Werk, das wir in dreyen accuraten Abschriften besitzen, in seinem eigenen sch\xF6nen Mspt. hinterlassen, n\xE4mlich: 1) Vita superintendentum Evangelico - Lutheranorum in Hungaria; 2) Lineamenta Histor Eccles. Luther. in Hung. 3.) Centurium Littcratorum Thurocziensium. Alle drey Werkchen, die ziemlich weitl\xE4uftig sind, enthalten sehr vieles, wodurch die Arbeit eines Czwittingers, und P. Horanj viele ansehnliche Recessionen erhalten kann. Au\xDFer deme sind zwo lateinische gedruckte Reden von ihm vorhanden, davon er die erste bey der Inauguration des Supertintendent Ambrosius, a. 1741. zu Topschau; die andere aber bey gleicher Gelegenheit des Superintend. Elias Fischer, zu K\xE4\xDFmarkt im Jahre 1747. den 25. Januarii gehalten.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r6 - 04 Oct 2011, AgostonBernad
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