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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XLVIII. St\xFCck - IV. Jahrgang, L. St\xFCck >



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IV. Jahrgang, XLIX. St\xFCck, den 7. December 1774.

I. Wissenschaften

N\xFCtzliche B\xFCcher.

Wien.

unser ungarischer Historiograph, der verdinestvolle Herr Pray, f\xE4hret unerm\xFCdet fort, die ungarische Geschichte, in ein immer gr\xF6\xDFeres Licht zu setzen, und dasjenige, was er davon, in seinen vortreflichen Annalen aufgezeichnet hat, theils zu pr\xFCfen und besser zu berichtigen; theils mit neuen Erl\xE4uterungen und Zus\xE4tzen zu bereichern, welche alle f\xFCr die vaterl\xE4ndische Geschichte, von dem gr\xF6\xDFten Gewichte sind. In dieser Absicht hat erst vor kurzem folgendes, mit vielem Flei\xDF und Belesenheit geschriebenes historisches Werk, die Presse verlassen: Dissertationes historico criticae, in annales veteres Hunnorum, Avarum, & Hungarorum, a Georgio Pray, Sacerdote coscriptae, Vindobonae, sumtibus Augustini Bernardi, Bibliopolae Universitatis MDCCLXXIV. in folio, auf 243. Seiten. Wer nur ein Theilchen gelehriger Neugierde besitzet, wird dieses gr\xFCndliche Werk, mit vielen Vergn\xFCgen und Befriedigung lesen; um wie viel mehr, die \xE4chten Liebhaber und Forscher der Geschichtskunde.

Die Geschichte ist eine Wissenschaft, die sich nie ersch\xF6pfen l\xE4\xDFt; es \xE4ndern sich darinnen best\xE4ndig Dinge, die einer mehrern und n\xE4hern Aufkl\xE4rung bed\xFCrfen. In der alten Geschichte insonderheit, sind noch so viele Umst\xE4nde ins Licht zu setzen, so viele Dunkelheiten zu erhellen, so viele Widerspr\xFCche zu vereinigen, das es einem Historiker, nie an Materie zum Forschen, untersuchen, und das schon geschriebene, noch mehr zu bearbeiten, und aufzuhellen, fehlen kann. Das bewog den unerm\xFCdeten Herrn Pray, dessen Feder unserm Vaterlande Ehre macht, nach dem

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Beyspiel eines Pagi, Fenellon, und anderer ber\xFChmten Gelehrten, diese Dissertationes historico - criticas, in seine Annales veteres Hunnorum, die vor zehen Jahren schon ans Licht getretten, und mit dem gr\xF6\xDFten Beyfall des gelehrten Publikums, aufgenommen worden sind*), auszuarbeiten, und nun auch durch den Druck bekannt zu machen. Es haben n\xE4mlich seit der Zeit, da H. P. seine hunnische Annalen herausgegeben, einige gelehrte M\xE4nner, vorn\xE4mlich aber der ber\xFChmte Schl\xF6tzer, die Geschichte der nordischen V\xF6lker, mit dem r\xFChmlichsten Flei\xDF und Gr\xFCndlichkeit bearbeitet**). Die gelehrten Arbeiten dieser vortreflichen M\xE4nner, insbesondere dasjenige, welches sie, von den finnischen V\xF6lkern geschrieben haben, wu\xDFte unser w\xFCrdiger Historiograph, so zu benutzen, da\xDF daraus ein neues Licht, \xFCber die \xE4lteste ungarische Geschichte sich verbreitet.

Das historische Werk, welches wir vor uns haben, bestehet aus zehen Dissertationen, deren Innhalt wir nun, doch nur summarisch anzeigen wollen; weil wir w\xFCnschen, da\xDF sie von mehrern, in ihrem ganzen Umfange, m\xF6gen gelesen werden; um das Neue, das Gr\xFCndliche, und Sch\xF6ne darinnen; in seiner eigenen Gestalt und Verbindung zu lesen. In den vier ersten Dissertationen, such H. P. zu erweisen, da\xDF die Finnen, der Sprache und dem Stamme nach, Hunnen sind; folglich da\xDF Finnen, Hunnen, Avaren, und Hungarn, ihren ersten Ursprung betreffend, eines und eben dasselbe Volk gewesen; ob sie gleich in der folge der Zeit, in verschiedene Aeste sich getheilet, und nach der Zeit, duch besondere Namen so wohl, als auch einen ganz eigenen Dialekt, voneinander unterschieden haben. Diesen Bewei\xDF deutlich und \xFCberzeugend zu machen, schickt der gelehrte Herr Verfasser, in der ersten Dissertation, eine allgemeine Untersuchung, von den finnischen V\xF6lkern voraus, darinnen gleich anfangs, dieser historischen Satz, erwiesen wird: Die Avaren, und die Ungarn, stammen von den Hunnen ab. Hierauf wird in der zweyten Dissertation die Sprache der Finnen, und der \xFCbrigen V\xF6lker des finnischen Stammes, mit der Ungarischen verglichen; die gro\xDFe

*) Hier ist das Zeugni\xDF eines Kenners, eines der gr\xF6\xDFten Historiker, unserer Zeit; des ber\xFChmten Joh. Gottlob B\xF6hm, zu Leipzig: In his vero, --- nullus est rerum talium intelligens aestimator, quin praecipuo quodam loco judicet referendum esse Georgium Prayum, Annalium nobilissimum auctorem, Hungariae eruditae ingens incrementum. Tam ille diligens est, tamque sagax, in originibus gentis indagandis; tam studiosus fidei in rebus commemorandis; tam cultus verbis, ac toto orationis habitu decorus. Novit, quod in historia dificillimum est, obscuris lucem, vetustis novitatem, decus recentibus dare. Vid. Celeb. B\xF6hmii epist. ad V. C. Joan. Severinum, hist. Hung. scriptorcm candidumm &. eleg.

**) August Ludw. Schl\xF6tzer, allgemeine nordische Geschichte, aus den neuesten nordischen besten Schriftstellern, und nach eigenen Untersuchungen beschrieben ec. gr. 4. Halle 1771.

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Verwandschaft derselben angezeigt, und daraus der Schlu\xDF gemacht: die Sprache der jetzigen Ungarn, kommt mit der finnischen \xFCberein; die Ungarn aber sind, nach der ersten Dissertation, ein hunnischer Stamm; folglich sind auch die Finnen der Sprache und dem Stamme nach, Hunnen. Wer da wei\xDF, da\xDF die Sprache des menschlichen Geschlechts, fast das einzige Monument, der \xE4ltesten Geschichte der Welt sey, der wird auch diesen Bewei\xDF, den H. P. so m\xFChsam und geschickt ausgearbeitet hat, nach Verdienst zu sch\xE4tzen wissen — Nach diesen vorausgeschickten Untersuchungen, werden in der 8ten Dissertation die gro\xDFen und merkw\xFCrdigen Wanderungen der Finnen, die eigentliche Epoche derselben, umst\xE4ndlich beschrieben. Eine der wichtigsten Ursachen davon, waren die sklavischen V\xF6lker, haupts\xE4chlich die War\xE4ger und die Chazaren, die ihnen zu m\xE4chtig und zu \xFCberlegen geworden sind. Dieser Umstand giebt dem H. V. Anla\xDF in der 4ten Dissert. die Geschichte der Chazarer, abzuhandeln; wobey im 6. und 7. \xA7. eine lesensw\xFCrdige Anmerkung, von dem Anonymo Belae Regis Notario, eingeschaltet worden ist, welche viele Wahrscheinlichkeit f\xFCr sich hat. In der 5ten Dissertation wird aus den Bisantinischen Geschichtschreibern, alles bemerkensw\xFCrdige von den Ungarn, oder wie sie die Bisantinischen Schriftsteller nennen, von den T\xFCrken, auszugsweise angef\xFChrt. Die 6te, enth\xE4lt eine Beschreibung der Patzinaziten, Uzen, und der Cumaner; die 7te, eine Untersuchung des Ursprungs der \xFCbrigen V\xF6lker, welche ehemals, und auch jetzt noch Ungarn bewohnen. Zu dieser ganz eigenen Abhandlung, welche mit der hunnischen, und der zu dem hunnischen Stamme geh\xF6rigen V\xF6lkergeschichte, in gar keiner Verbindung steht, ist H. P. durch den ber\xFChmten Schl\xF6zer veranlasset worden, der in seiner allgemeinen nordischen Geschichte, Fragen aufgeworfen, die V\xF6lker betreffend, welche vor Zeiten, und jetzt noch, in verschiedenen Provinzen des K\xF6nigreichs Ungarn wohnen. Diesem forschenden Gelehrten, ein Gen\xFCge zu thun, giebt der H. V. zerst eine Geschichte, der in Ungarn wohnenden Slaven oder Wenden, dann der Ru\xDFen, oder wie sie gemeiniglich genennt werden Ru\xDFniaken; endlich der Walachen. Diesen wird wegen Verwandschaft der Materie, die allgemeine Geschichte, der Sachsen in Siebenb\xFCrgen, der Bi\xDFener, der Armenier, und Bulg\xE4rer beygef\xFCget; wobey viel besonderes, und meist noch unbekanntes, vornehmlich von dem Ursprung der Sachsen in Siebenb\xFCrgen, angemerket worden ist.

Die 8te und 9te Dissertation, ist den historischen Streitigkeiten gewidmet, welche H. P. mit den Berosisten, den Ursprung der Hunnen, und einige Punkte, aus der Aalanischen Geschichte betrefend, noch in den Jahren 1762. 64. und 68. wider seinen Willen, hat f\xFChren m\xFC\xDFen;

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dar\xFCber gleich damals Briefe, und Commentationen, durch den Druck, bekannt geworden sind. Hier werden nun, der Innhalt dieser gelehrten Streitigkeiten; die Quellen, welche diese Streitigkeiten veranla\xDFt haben; und endlich die Gr\xFCnde, mit welchen H. P. seine behauptete Meinungen vertheidiget, und die Einw\xFCrfe seiner Gegner entkr\xE4ftet hat, umst\xE4ndlich angezeiget; aber auch neue Erl\xE4tuerungen, Beweise und wichtige Bemerkungen, sonderlich bey der atilanischen Geschichte hinzugethan. In der 10ten Dissert. endlich beantwortet der H. V. die Einw\xFCrfe noch, welche ihm von zwey gelehrten M\xE4nnern, \xFCber den abgehandelten Gegenstand, in ihren historischen Schriften, mit eben so viel Bescheidenheit als Wahrheitsliebe gemacht worden sind; und beschlie\xDFt dann, das ganze Werk, mit einer summarischen Wiederholung, aller Ungarischen Begebenheiten, des 9ten Jahrhunderts, welche in der genauesten chronologischen Ordnung abgefasset ist; wobey die, in den hunnischen Annalen eingeschlichenen Fehler, welche bey einer so gro\xDFen Dunkelheit, der alten ungarischen Geschichte unvermeidlich sind, mit vieler Sorgfalt verbessert werden.

Das ist der Inhalt dieser zehen Dissertationen, die wir mit allem Recht Supplemente zu den hunnischen Annalen, unseres verdienstvollen Prays nennen k\xF6nnen. Jeder, der sie liest, wird dem H. V. zugestehen m\xFCssen, da\xDF er mit vieler Einsicht \xFCber diesen Gegenstand geschrieben habe. Wir w\xFCnschen zur Ehre der ungarischen Geschichte, da\xDF Herr Pray noch ferner f\xFCr dieselbe arbeiten m\xF6ge.

v. Cz.

II. Geschichte.

Fortsetzung des Nachtrags zur Geschichte des Gr\xE4flich Th\xF6k\xF6lischen Hauses.

Wenn derjenige, der auf Bels Ersuchen, sich die l\xF6bliche M\xFChe genommen, ihm von dem Th\xF6k\xF6lischen Schlo\xDF zu K\xE4\xDFmark die n\xF6thigen Nachrichten zu ertheilen, das Geschlechteswappen dieses Hauses, welches sich \xFCber dem Eingange des Schlosses befindet, und sammt dem Thursonischen sch\xF6n und akkurat in Marmor eingearbeitet ist, wie Bel l. c. p. 193. dessen selbst gedenket, in dieser seiner Bem\xFChung nur etwas weiter gegangen w\xE4re, und dasselbe nach seiner Beschaffenheit richtiger beschrieben h\xE4tte, so w\xFCrde diesem Heraldischen Irrthum ohnfehlbar vorgebeuget worden seyn. Vielleicht aber hat es auch bey allem Bem\xFChen, an einem heraldischen Auge gefehlet, und an der n\xF6thigen Kenntni\xDF, die vorkommenden Figuren richtig zu benennen, und bey ihrer oftmaligen gro-

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\xDFen Aenlichkeit von einander geh\xF6rig zu unterscheiden. W\xFCrde man diese adeliche Ehrenzeichen, aus den \xE4chten Urkunden durchgehends so herausnehmen, und beschreiben k\xF6nnen; wie solches unter andern, der durch seinen Versuch, um die ungarische Heraldik und Wappenkunde, sich wohl verdient gemachte Herr von Palm, in Ansehung des Desch\xF6fischen, Staraischen, Cschereischen, und einiger anderer ungarischen Geschlechtswappen gethan hat*), so w\xFCrde es auch mit dieser recht adelichen Wissenschaft, so wie es bereits mit verschiedenen andern geschehen, auch in unserem lieben Vaterlande bald zu einer gro\xDFen Vollkommenheit kommen. Da es aber hieran noch sehr fehlet, und noch das wenigste was hieher geh\xF6ret, mit rechter heraldischer Kenntni\xDF und Akkuratesse bearbeitet, auch alles beynahe nur der Gewohnheit, der Willk\xFChr, der Unwissenheit und Phantasie der K\xFCnstler \xFCberlassen bleibet; so kann es nicht anders seyn, als da\xDF ein betr\xE4chtlicher Theil solcher adelicher Ehrenzeichen, auf mannigfaltige Weise, ihrer urkundlichen Beschaffenheit zuwider, ver\xE4ndert und matamophosiret werden m\xFCssen; wor\xFCber man die gerechten Klagen in Speners ber\xFChmten heraldischen Werke, beym Menetrier, Schmeistel, und besonders auch in dem kurz vorhero gedachten Versuch, des Herrn von Palm lesen kann**). Es ist aber alle gegr\xFCndete Hofnung vorhanden, da\xDF bey der gegenw\xE4rtigen flei\xDFigen Bearbeitung der vaterl\xE4ndischen Diplomatik, auch die edle Heraldik vieles gewinnen, eben so wie jene, in einer immer vollkommenern Gestalt, auch in diesem K\xF6nigreiche erscheinen, und der aufrichtige Wunsch, so vieler rechtschaffener Patrioten, und besonders eines unsterblichen Bels, wie in andern damit connektirenden St\xFCcken, also auch hierinn, bald gl\xFCcklich w\xFCrde erf\xFCllet worden*).

*) Siehe ejus specimen Heraldicae Regni Hungariae. Vindobonae anno 1766, edit. p. 98. 103. 118.

**) Si in mentem revoces, artificum ingenio, aut inscitia, nullas veterum scutorum imagines commutatas, a sc ipsis poenitus discessisfe; si non damno graviorc, incredibili certe corum molestia, qui nonnunquam id genus scuta ad Heraldicae leges examinanda explicandaque suscepere. Neque attinet exemplis illustrare, quod pene quotidie indignantibus intuemur oculis --- hei\xDFt es in gedachtem Specim. p. 41. wozu noch die Note Sub Litt. (n) kommt. „Novi non paucas Hungariae familias, quarum arma gentilitia sculptorum aut pictorum inscitia alias hodie, atque olim referunt imagines. Das Th\xF6k\xF6lische Wappen, das wir beschrieben, wird dieses alles sch\xF6n erl\xE4utern und best\xE4ttigen.

*) Ceteroquin, vehementer cuperem (hei\xDFt es in seinem Prodromo p. 122.) si pro se quisque, quod ad gentis suae decas atque ornamentum pertinet, haud gravate mecum comnnunicaret in posterum, ut singulorum comitatum familiae possent ex domesticis monimentis illustrari. Huc vero facere, diplomata, donationes, insignia, connubia, adfinitates & tabulas genealogicas cetera, nemo non videt. De-

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Wir kommen von dieser, aus einem kleinen heraldischen Eifer, entstandenen kleinen Ausschweifung, wieder zu unsern Sache, welche dieselbe, wie wir hoffen, bey den geehrten Lesern, ganz gewi\xDF rechtfertigen und entschuldigen wird. Hat der ber\xFChmte Bel, und verschiedene andere, vor und nach ihm, zur Hauptfigur in dem Th\xF6k\xF6lischen Wappen, den L\xF6wen angenommen; so behauptet dagegen Johann Filetzki ein ungrisch - zipserischer Edelmann und vortreflicher lateinischer Poet, der ein Zeitgeno\xDFe, des Sebastian, und seines Sohnes Stephan Th\xF6k\xF6li des \xE4ltern, und dazu bey diesem reichen und angesehenen Hause, sehr wohl angeschrieben gewesen; da\xDF die Hauptfigur in diesem Familienwappen nicht ein L\xF6we, sondern ein Luchs (Lynx) seye. Es geschiehet dieses in zwey besondern lateinischen Epigrammatis, die er, als er um das Jahr 1604. zu Prag in B\xF6hmen studirte, auf das Th\xF6k\xF6lische Wappen verfertiget, und nebst einigen andern Gedichten daselbst zum Druck bef\xF6rdert hatte**).Er machet darinn seine klientenm\xE4\xDFige Anwendung auf seinen gro\xDFen M\xE4cen, und will durch diese Wappenbilder dessen vorz\xFCgliche Eigenschaften und Tugenden, als durch das scharfe Luchsauge, die Sch\xE4rfe seines Verstandes, seine Vorsichtigkeit und Klugheit; durch den T\xFCrkischen S\xE4bel, den derselbe in der Pratze f\xFChret, seinen Kriegsmuth und Tapferkeit; und durch die Krone auf dem Luchskopfe, sein grosses Ansehen, und ausnehmende Verdienste um die Krone und das K\xF6nigreich angezeiget wissen*) Hat nun Fi-

Decorum erit, majorum ostendere posse imagines, designare generationes, commemorare, quas gesserint dignitates, dillaudare actus, & quibus rebus de rege ac patria, bene meruerint.

**) Der Titel dieses kleinen aber raren Werkchens ist: Xenia Natalitia &c. Magnificis, Generosis &c. viris - & Maecantibus - - in recens incuntis anni, MDCIV. felix auspicium -- ab Johanne Filiczkio Farkas- saluano Hungaro -Sepusio dedicata - Forma opusculi est in 8vo etwa vier B\xF6gen stark. Es enh\xE4lt au\xDFer den Carminibus gratulatoriis an die Th\xF6k\xF6li, und andere vornehme adelige Herren der Graffschaft Zips – einige epigrammata, Odas und Elegias und am Ende stehen die Worte: Pragae typis Schumanianis. Er nennt sich hier Farkasfalvanum von dem Ort Farkasfalva, oder Farks, d.i. Wolfsdorf in Zip\xDF; sonst aber Filitzky de Filefalva, welches sehr kleine D\xF6rfel fest an Farksdorf lieget, und mit diesem Orte als eines anzusehen ist. Das \xFCbrige sehe man beym Czwittinger.

*) Die hier geh\xF6rigen Filitzkischen Epigramata sind folgende: In Insigma Generosi ac Magnif Dni. Dni. Sebastiani Th\xF6k\xF6li L. B. in Kaismark &c. Maecenatis liberalium artium liberalissimi.

* * *
Quam pulchre aequales, veniunt ad aratra, iuvenci,

Tam Tekeli exornant haec bene signa domum.

Nam ceu Lynx oculis procul omnia cernit acutis;

Sic abstrusa animo, dispicit ille suo.

Ses cur dextra tenet Lyncis gladium quia partus

Est virtuo illi Nobilitatis honos.

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litzki in der Vorstellung dieses Wappens nicht geirret, und in demselben Luchs, als die Hauptfigur angetroffen, so m\xFCsse man in den sp\xE4tern Zeiten, eine mit disen Wappen vorgegangene Ver\xE4nderung annehmen, wovon sich auch sonst mehrere Exempel finden; indem, wie wir bald zeigen werden, wenigstens unter den folgenden Th\xF6k\xF6li, weder ein L\xF6w noch ein Luchs; sonder eine andere Hauptfigur, n\xE4mlich ein Parder oder ein Tiger angenommen werden mu\xDF. Allein wir sind geneigter anzunehmen, da\xDF Filitzki, der, als er diese Epigrammata auf das Th\xF6k\xF6lische Namen verfertigte, noch sehr jung, und mehr auf den lateinischen guten Vers, und seine poetische Allusionen, als auf dessen rechte heraldische Vorstellung bedacht gewesen, aus Mangel genugsamer heralidischer K\xE4nntni\xDF und dazu geh\xF6riger Genauigkeit, in der Vorstellung desselben gefehlet; und da es nicht die Sache eines jeden ist, die verschiedenen Gattungen, besonders fremder und seltener Thiere so richtig von einander zu unterscheiden und zu bestimmen, eines mit dem andern verwechselt, und, wie andere den Tieger oder Parder, mit dem L\xF6wen, also er diese mit dem Luchs vertauschet habe. Wir sch\xFC\xDFen solches daraus, weil im gedachten Werkchen des Filitzki, wo diese Epigramata gleich im Anfang stehen, und als die Dedikation an seinen M\xE4cen anzusehen sind, zwischen der Ueberschrift: In insignia Th\xF6k\xF6liana &c. Und der unten dazu gesezten Erkl\xE4rung, in diesen lateinischen Versen, ein leerer Raum, ohnstreitig zu dem Ikonismus dieses Wappens selbst, gelassen worden; welcher aber, da man vielleicht bey genauerer Vergleichung bemerkt, da\xDF es nicht recht zusammenpasse, v\xF6llig weggeblieben ist.

Es sey nun, wie es immer wolle, so bleibet es einmal gewi\xDF, wie wir sogleich zeigen werden, da\xDF das Th\xF6k\xF6lische Wappen, so wie es Stephan Th\xF6k\xF6li der \xE4ltere, und also des Sebastians Sohn, der es, wie wir aus seiner, von uns gestellten Geschichte gesehen, in dem guten Geschmack, und dem rechten Gebrauch der sch\xF6nen K\xFCnste, sehr weit gebracht hatte, in sein Sigillum moduli majoris sehr sch\xF6n und akkurat graben und einarbeiten

Hi tituli, haec laus est: Virtus quam vivida gignit;

Non nostri nobis, quam peperere Patres.

* * *

Mirabar quid Lynx, quid acinaces iste notaret ?

Cur Lynci ornaret, sulva Corolla comam?

Cum mihi, sic augur, dubio, respondit Apollo;

Atque bibi talcs , aure repentc sonos:

Lynx signat prudentem animi, rerumque pericum,

Pectore perpendit, qui bene cuncta suo;

Expertum, Gladius, bello depingit & armis,

Qui vel pro patria, mortis adiret iter.

Magnanimos, Dialema , viros ob sortia facta,

Aeternum terris, nomen habere docct.

haec gerit, haec factis Tekeli signa exprimit: alga

Nobilium tituli, nomen inane crepat.

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lassen, weder einen L\xF6wen, noch einen Luchs, zur Hauptfigur in sich enth\xE4lt. Wir haben von einem guten Freund *), in einer, uns von ihm mitgetheilten sch\xF6nen Collection, von verschiedenen wichtigen alten Litteralmonumenten, unter andern, auch einen Brief dieses Stephan Th\xF6k\xF6li an die damalige Confraternit\xE4t des obern Flusses Poprad im Zip\xDF, getroffen, wobey auch, das, auf mit wei\xDFem Papier \xFCberlegen Wachs, sehr gut und deutlich abgedruckte Sigill, und das darinn befindliche Wappen, mit vielem Vergn\xFCgen von uns entdecket worden. Das Siegel, wie aus diesem Abdruck abzunehmen, war ziemlich gro\xDF, l\xE4nglicht, rund oder in Ovalform, in der Mitten, wie gedacht, das sch\xF6n und sauber eingeschnittene Th\xF6k\xF6lische Familienwappen, und um dasselbe, die in den sch\xF6nsten r\xF6mischen Buchstaben bestehende Umschrift, in sich enthaltend: STEPHANUS THOEKOELI DE KESMARK. Nachdem wir, die Hauptfigur, die eben nicht gar so klein ausfiel, sowohl mit blossem, als auch durch einige gute Vergr\xF6sserungsgl\xE4ser bewafneten Auge, oft und viel, mit gr\xF6\xDFter Genauigkeit betrachtet hatten, so haben wir mit v\xF6lliger Gewi\xDFheit und Ueberzeugung erkannt, da\xDF die, sowohl im Schilde, als auch \xFCber dem Helm, sich zeigende principal Wappenfigur, weder ein L\xF6we, noch ein Luchs; sondern ganz gewi\xDF ein eigentlicher Parder, oder vielmehr ein Tieger sey. Kein L\xF6we ist es nicht, weil weder die cauda floccosa, noch der thorax jubatus da ist, und aus eben diesem Grunde, auch kein Leopard, weil der heraldische Leopard, wie Kennern bewu\xDFt, nichts, als der L\xF6we selbst, in einer besondern Positur und Stellung ist, wenn er n\xE4mlich sein ganzes L\xF6wengesicht, mit beyden Augen darinn sehen l\xE4\xDFt.

*) Es ist Herr Martinus Lautschek, Past. zu Ober\xDFlana im G\xF6m\xF6rer Comitat, ein w\xFCrdiger Eydam des Gelehrten, uns um die vaterl\xE4ndische Geschichte und M\xFCnzkunde durch seine sch\xF6ne Sammlung wohl verdienten Herrn Paul Majors, gewesenen Past. zu Berseten, und so dann zu Tschetnek im G\xF6m\xF6rer Komitat. Diese sch\xF6ne M\xFCnzsammlung hat unser w\xFCrdiger Herr v. Cz. an sich gekauft, und ihr Gebrauch zeiget sich zum Theil auch in unsern Bl\xE4ttern. Die Aufschrift dieses Th\xF6k\xF6lischen Briefes, dessen wir gleich gedenken werden, ist diese: Reverendis viris N. N. Seniori Consenioribus, nec non Almae Fraternitatis Superioris fluvii Poprad reliquis Assessoribus Dominis Amicis & Vicinis mihi observandissimis. Ex arce Kesmark, d. 12. Octobr. Anno 1629.

(Die Fortsetzung wird folgen.)


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r5 - 24 Oct 2011, AgostonBernad
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