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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XVI. St\xFCck - IV. Jahrgang, XVIII. St\xFCck >



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IV. Jahrgang, XVII. St\xFCck, den 27. Aprill 1774.

I. Wissenschaften

Fortgesetzter Auszug, von der Beschreibung der H\xF6hle bey Funacza.

Nach einer gemeinen Sage, sollten diese H\xF6hlen sich bis nach Torda Haschadeck in Siebenb\xFCrgen erstrecken. Dieses bewog unsern Naturforscher, weil er die Untersuchung schon sp\xE4t, und zwar kaum zwo Stunden vor Niedergang der Sonne angefangen, einen Mann von seinem walachischen Gefolge hier zur\xFCck zu lassen, welcher genugsames Holz zusammen tragen, und ein helles Feuer best\xE4ndig unterhalten mu\xDFte, um durch diese Leuchte bey der R\xFCckkehr zu verh\xFCten, damit er mit seinen Leuten nicht irre gienge.

\xA7. 7. Er lie\xDF hierauf vier Fackeln, die er mitgebracht hatte anz\xFCnden; bewafnete damit seine Walachen, und folgte ihnen, Gott empfohlen, in die zweyte H\xF6hle. Diese ist viel finsterer als die ersten, viel h\xF6her und weiter, eben darum aber auch viel schr\xF6ckbarer. F\xFCr meine Augen, sagt der Herr Verfasser, war es eine Lust, als ich aus der kleinen Bauernh\xFCtte, n\xE4mlich aus der vorigen H\xF6hle, in diesen pr\xE4chtigen Pallast, ich meyne, in die zwete H\xF6hle, hinein trat. Das erste was mich aufmerksam machte, ja wor\xFCber ich mich entsetzte, war die Menge vorhandener Todengebeine, Ueberbleibsel, nicht weniger vom Vieh, als Menschen, die ihr Ende darinn gefunden hatten. Diese war so gro\xDF, da\xDF ich kaum meinen Fu\xDF weiter setzen konnte, ohne auf einige zu treten. Ich hob einige auf, und fand, da\xDF sie mit einer steinernen Rinde, bald ganz, bald zum Theil umgeben waren. Eine solche Seltenheit verdienet eine genauere Untersuchung; zu welchem Ende ich etliche St\xFCcke mitgenommen. Das andere, was meine Aufmerksamkeit rege machte, waren die gl\xE4nzenden W\xE4nde: ich n\xE4herte mich einer derselben, um sie genauer beleuchten zu k\xF6nnen: ich fand hierbey die n\xE4mlichen Wirkungen, die man fast wahrnimmt, wenn die Sonnenstrahlen im strengsten Win-

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ter, auf hart gefrohrne Schneeflocken fallen, und zur\xFCck prellen.

\xA7. 8. Da ich nun aus dieser zwoten H\xF6hle in die dritte, die ich sahe, einwandern wollte, fand ich den Zugang verwahret. Es war n\xE4mlich eine Reihe steinerner S\xE4ulen, wie Palisaten, da gepflanzet, welche in der H\xF6he eine Klafter und dar\xFCber, und in der Breite zween Schuhe hielten: sie stunden so dichte an einander, da\xDF es mir nicht m\xF6glich schien, durch zu kommen. Indessen beobachtete einer von meinen Begleitern, da\xDF von diesen S\xE4ulen eine, fast um 2. Drittheil abgek\xFCrzet gewesen, durch welche Oefnung man weiter hinein dringen konnte. Ich stiege dar\xFCber, und erstaunte \xFCber den Anblick der seltensten Naturspiele: ich habe nichts dergleichen in meinem ganzen Leben gesehen, und zweifele sehr, etwas n\xE4mliches mehr zu Gesichte zu bekommen. Das erste was sich meinen Augen darstellete, war ein gro\xDFer Colossus, welcher ohngef\xE4hr 5. Klafter hoch, und in einem angemessenen Verh\xE4ltni\xDFe breit war. Hinter diesen sahe ich an der Wand ein Ebenbild von einem Predigtstuhl, welcher durch die zwar unf\xF6rmliche aber doch sehr gleich kommende Geslalt eines Predigers, noch mehr Aehnlichkeit gewann. Die W\xE4nde waren auf allen Seiten mit den steinernen S\xE4ulen besetzt, wor\xFCber in einer Gegend etwas herf\xFCrragte, welches man f\xFCr einen Kirchenchor sehr f\xFCglich halten konnte. Alle diese Umst\xE4nde, schienen von der Natur zur Anlegung einer Kapellen so sorgf\xE4ltig vorbereitet zu seyn, da\xDF wenn ein geschickter Steinmetz, sie auszubilden h\xE4tte, alles in den vollkommensten Stand, sowol eine gro\xDFe S\xE4ule, als eine Kanzel, Altar, und ein Chor, in kurzer Zeit dargestellet werden k\xF6nnten.

(Die Fortsetzung folget.)

II. Geschichte

Genauere und ausf\xFChrlichere Nachricht, von dem, in der Geschichte der Stadt K\xE4smark, erw\xE4hnten ehemaligen Th\xF6k\xF6lischen Hause.

I. Abschnitt.

Es ist kein Zweifel, da\xDF bey Durchlesung, der in dem VIII. und einigen folgenden St\xFCcken unsrer Bl\xE4tter, einger\xFCckten Geschichte der k\xF6iglichen freyen Stadt K\xE4\xDFmark, in der oberungarischen Graf- oder Gespannschaft Zips*) und der darinn

*) Diese Geschichte, wie gleich im Anfange derselben angemerket worden, ist in einem Auszuge aus dem MS. Jacob Krays, und zwar eigentlich des Jungen einger\xFCckt worden, dessen besondere Schicksale es verdienen, da\xDF wir sie dem geehrten Publikum hier mittheilen. Es war ein Sohn Jacob Krays des Aeltern, dessen in dieser Geschichte mehrmalen gedacht, und der, nachdem er sich als Syndicus, Rathsherr, und Stadtrichter um diese Stadt zwar sehr verdient gemacht: aber endlich in den Rakoczyschen Troublen in das Interesse dieses F\xFCrsten einflechten, und zu seinem Plenipotentiaire gebrauchen lassen, im Jahre 1709 wie p. 111. dieser Bl\xE4tter gemeldet ist, enthauptet, doch ehrlich, und in seine Erbgruft, die noch da

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vorkommenden mehrmaliger Erw\xE4hnung des Th\xF6k\xF6lischen Hauses, bey manchem unserer geehrten Leser, das Verlangen werde erweckt worden seyn, von diesem, besonders in dem vorigen Jahrhunderte, nicht wenig merkw\xFCrdigem Hause, in diesen Anzeigen, und zwar in einem baldigen Zusammenhang mit gemeldter Geschichte, eine genauere und ausf\xFChrlichere Nachricht zu lesen; um sich dadurch von demselben, eine richtigere Kenntni\xDF, als nach dem, bisher, hin und wieder eingestreuten sehr unzuverl\xE4\xDFigen Nachrichten, m\xF6glich war, davon zu verschaffen. Wir wollen demnach mit diesem unsern Aufsatze, dieses Verlangen einigerma\xDFen zu stillen, und in einer f\xFCr diese Bl\xE4tter schicklichen K\xFCrze, aus m\xF6glichst zuverl\xE4\xDFigen Quellen, alles dasjenige anzubringen trachten, was zu einer genauern und richtigern Kenntini\xDF der Th\xF6k\xF6ischen Geschichte, bis zu weitern, noch zuverl\xE4\xDFigern Entdeckungen hinl\xE4nglich seyn kann. In den Schriften der Ausl\xE4nder findet man von den eigentlichen Geschichtsnachrichten dieses Hauses wenig oder gar nichts, ihre Nachrichten haben gemeiniglich nur den letzten ungl\xFCcklichen Helden Emeric Th\xF6k\xF6ly zu Vorwurf, und was von seinem Herkommen und Geschlechte angef\xFChret wird, ist sehr mangelhaft, unzuverl\xE4\xDFig, und widersprechend; welches aber ihnen, um so weniger \xFCbel gedeutet werden kann, da selbst einheimische Geschichtschreiber, und so gar diejenigen, die sich darum nach ihrer eigenen Anzeige, ganz besondere M\xFChe gegeben, wenig sicheres und

ist, begraben worden. Sein Bruder war der ber\xFChmte kaiserl. Ingenieur Paul Kray dessen auch Bel in seinem Prodromo mit vielem Ruhme gedenket. Nach dem Tode seines Vaters gieng er nach Wien, und tratt, nachdem er einen Hauptmann, der sich r\xFChmte, da\xDF er durch die vorsetzlich verz\xF6gerte Ueberbringung und Bekanntmachung des kaiserl. k\xF6nigl. Pardons f\xFCr seinen Vater, dessen Execution bef\xF6rdern helfen, im Duell erstochen, unter ver\xE4nderten Namen, als Dragoner, in Kriegsdienste, und fochte besonders bey der gro\xDFen Affaire bey Belgrad, unter dem Prinzen Eugen mit ausnehmender Tapferkeit. Nachdem er sich endlich nach genugsam gegebenen Proben seines Muthes erk\xFChnet, sich nach seinem rechten Namen und Persohn zu erkennen geben, avancirte bald zum Oberofficier, und kam nach geschlossenen Frieden um Jahr 1718 nach Hause. Er heyrathete und lebte bis im Jahre 1741, ganz in der Stille, doch mit den B\xFCchern, und besondders der Geschichtskunde stets besch\xE4ftiget. Als bey den darauf entstandenen Kriege, nebst andern ungarischen Legionen, auch die damals ber\xFChmte Sirmaische Legion, unter dem Befehl des tapferen Obristen Thomas v. Sirmay errichtet wurde, tru man ihm, wegen seiner Kriegserfahrenheit die erste Kapitainstelle dabey an, die er auch in einem schon grauen Alter mit Freuden annahm, und in der merkw\xFCrdigen Belagerung der Stadt Prag, welche die Franosen inne hatten, sich sehr signalisirte. Nach dem Dresdner Frieden, kam er wieder nach Hause, ward zum Rathsherrn der Stadt gew\xE4hlt, und gieng als ihr erster Deputirter im Jahre 1751. nach Pre\xDFburg zum Landtage, erwarb sich auch durch seine verschiedene ins Civile und Militare einschlagende Aufs\xE4tze bey den Landesst\xE4nden viele Achtung. Er starb im Jahre 1753. Seine zwey noch lebende S\xF6hne, Paul und Alexander, stehen bey dem L\xF6bl. Breysachischen Regimente, jener als Hauptmann, dieser als Oberlieutenant in wirklichen k. k. Kriegsdiensten. Sein oben gedachtes M.S. hat er noch nach eigener Anzeige im Jahre 1749. vollendet; mit dem Beysatz per Jacobum Kray, Senatorem.

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f\xFChrliches davon haben melden und berichten k\xF6nnen. Die Ursache davon lieget ohnstreitig, theils in der kurzen Dauer der eigentlichen Gr\xF6\xDFe dieses Hauses; theils in dem ungl\xFCcklichen und tragischen Untergang desselben, theils in der zur damaligen Zeit noch sehr gro\xDFen Vernachl\xE4\xDFigung der vaterl\xE4ndischen Geschichte \xFCberhaupt, und der Geschlechts- und Familienkunde insonderheit. Die Aufmerksamkeit des Publikums ward nur bey dem traurigen Ende dieses Hauses recht rege; die dahin geh\xF6rigen Schriften und historischen Documente, wurden unter den Unruhen, in welchen dasselbe seinen Untergang gefunden, theils zerstreuet, theils v\xF6llig verlohren: es war dieses Haus in Ansehung seiner eigentlichen Gr\xF6\xDFe, einer gewissen Art der Lusterscheinungen gleich, die, so schnell sie mit ihrem Glanz und Ger\xE4usche entstehen, so schnell auch wieder vor den Augen verschwinden, und, ohne einige Spuhren ihres Daseyns, auf immer dahin sind; aus welchem allen, sich der Mangel zuverl\xE4\xDFiger Nachrichten von demselben zur Gen\xFCge begreifen l\xE4\xDFet. Vielleicht sind wir nun im Stande, diesem Mangel einigerma\xDFen abzuhlefen, und mit Beyseitesetzung alles dessen, was nicht eigentlich zur Familiengeschichte der Th\xF6k\xF6ly geh\xF6ret, ein gelehrtes Publikum hierinn wenigstens zum Theil zu befriedigen.

(Das Uebrige folget.)

III. Naturgeschichte.

Von Ungarischen Petrifaktis.

Fortsetzung, der Nachricht von versteinerten Baumrinden, Zweigen von B\xE4umen, Gras und Kr\xE4uterwurzeln.

Bey Rauschenbach im Zipser Komitat, hat es mit den Holzst\xE4ngeln eben die Bewandtni\xDF, wie bey Lutschka: die Rinde ist versteinert, und das Holz daraus verschwunden; allein die St\xE4mme von dicken B\xE4umen sind von jenen um ein merkliches unterschieden; nachdem bey Lutschka von solchen St\xE4mmen die blo\xDFe Rinde versteinert ist; so bemerkt man, an diesen bey Rauschenbach beynahe das Gegentheil. Sie haben gar keine Rinde, auch keinen Kern; sondern an dessen Stelle eine H\xF6hlung, wie mit einem Bohrer ausgebohrt: das \xFCbrige aber vom Stamm, ist in einen sandigten Tophstein verwandelt, in welchem der Jahrwuchs des Holzes auf das deutlichste zu sehen ist. Aus diesen so wohl; als auch daraus, da\xDF sich solche grobe Sandtheile an die Stelle des Holzes ansetzen konnten, ist so viel zu schlie\xDFen und abzunehmen, da\xDF es kein festes, sondern nur ein loses Tannen - oder Fichtenholz ehedem gewesen seyn m\xFC\xDFe.

Der Farbe nach, sind alle diese hier benannte Versteinerungen — entweder gelblich oder wei\xDFgrau, und

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dabey sehr m\xFCrbe und zerbrechlich. Daher auch dieses hier angemerkte Rauschenbacher versteinerte Holz, mit demjenigen, welches man in andern Komitatern antrift, und schon im vorhergehenden Aufsatz, unter diesem Titel beschrieben worden ist, so wohl in Ansehung der Sch\xF6nheit, als auch des Gebrauchs, in gar keine Vergleichung gesetz werden kann.

Abdr\xFCcke von Baumbl\xE4ttern.

In die Klasse vertsteinerter Bl\xE4tter, geh\xF6ren auch die davon in Stein befindlichen Abdr\xFCcke. So viel bis dato bekannt worden ist: so konte man ehemals dergleichen wenige oder gar keine aufweifen. Vor einem Jahre wurden nur gewisse Spuren, von dieser Seltenheit, zuf\xE4lliger Weise, und von ohngef\xE4hr, in unserm Vaterlande entdeckt. In dem n\xE4mlichen Steinbruch, bey der k\xF6nigl. XIII. Stadt Neudorf oder Iglo, im Zip\xDF, wo in einem ordin\xE4ren und gemeinen Mauerstein, der Kern von einer Muschel gefunden wurde (wie wir solches oben bey der Beschreybung der versteinerten Conchilien angemerkt haben) entdeckte man auch in eben dergleichen Steinen, wenn man sie zerschlug, die sch\xF6nsten und deutlichsten Abdr\xFCcke von Waydenbaumbl\xE4ttern. Alle Haupt- und Nebenst\xE4ngel, die nat\xFCrliche Gr\xF6\xDFe, und die v\xF6llige Gestalt eines solchen Blattes siehet man in diesem Stein so deutlich, da\xDF man sein Urbild so gleich bey dem ersten Anblick erkennen kann. Woraus eben zu schl\xFC\xDFen ist, da\xDF diese Steine, aus einem Zuflu\xDF und Zusammensetzung der feinsten Sandtheilchen, nothwendig entstanden seyn m\xFCssen.

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Versteinertes Moo\xDF, nebst einigen Anmerkungen von Lutschka.

Vor allen andern k\xF6nnen wir hier dasjenige kleine Moo\xDF gar nicht aus der Acht lassen, welches man zuweilen in Chrysolithen, Topasen, Charcedoniern und andern dergleichen halb oder ganz durchsichtigen Edelsteinen eingeschlossen findet;*) in dem man dasselbe wenigstens, als ein in einem Steine verwahrtes und aufbehaltenes Gew\xE4chs ansehen mu\xDF. Erst in dem n\xE4chst verflo\xDFenen Jahre wurden Chacedonier - und Karniolsteine auf dem so genannten K\xF6nigsberge entdeckt, und unter diesen leztern einige St\xFCckchen gefunden, in welchen man beym Durchschauen das n\xE4mliche Gew\xE4chs sehr deutlich beobachten k\xF6nnte. Es feheln uns aber auch andre verkleinerte Moo\xDFarten in unserm Vaterlande gar im geringsten nicht. Eben in Lutschka, auf der n\xE4mlichen Stellecflc, wo die versteinerten Baumbl\xE4tter so h\xE4ufig liegen, trift man auch das versteinerte Moo\xDF in gro\xDFer Menge an. F\xFCr einen aufmerksamen und flei\xDFigen Beobachter der Natur, kann der blo\xDFe Anblick dieses Orts nicht anders als recht

* ) S. im II. Jahrg. das XXXVI. St\xFCck S. 236. Und im III. Jahrg. die Beschreibungder Chrysolithen Topase u. s. w.

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angenehm und r\xFChrend seyn, wenn er das versteinerte, Moo\xDF so wohl nebeneinander, als auch Lagenwei\xDF \xFCbereinander, in eben der Ordnung, wie es auf dem Erdboden zu wachsen pflegt, ansiehet und betrachtet. Es ist dasselbe in allen seinen Theilen dem Urbild so vollkommen \xE4hnlich, da\xDF man es durch nichts anders, als durch die Farbe und durch das Gef\xFChl, von einem ordentlichen Moo\xDF, zu unterscheiden im Stande ist.

Das ganze Thal, in welchem das Dorf Lutschka, nebst einem warmen Bade, liegt, ist von dem Fu\xDF des karpathischen Gebirges, bis an den Wagflu\xDF, mit lauter Tophsteinen angef\xFCllet, welche sich zum Theil auf der Oberfl\xE4che des Erdbodens befinden, zum Theil aus der Erden hervorragen, oder auch ganz mit Dammerde bedeckt verborgen liegen, und meistentheils aus verschiedenen versteinerten Vegetabilien bestehen.

Wenn man sich die Lage dieses Orts, und die Beschaffenheit der an demselben befindlichen Versteinerungen recht vorstellet, so l\xE4\xDFt sich daraus mit vieler Wahrscheinlichkeit urtheilen, auf was Art und Weise diese entstanden seyn m\xF6gen. Ein Bach welcher den feinsten Sand mit sich f\xFChret, durchstr\xF6hmet dieses ganze Thal, und setzet den Sand an alle K\xF6rper an, welche er bey seinem Durchzug erreichet, und die f\xE4hig sind, dergleichen Sandtheile anzunehmen; auch so gar an die Schalen der Krebse, wie wir bereits oben angemerket haben; um so viel mehr aber an die am Ufer befindlichen Gras- und Kr\xE4uterwurzeln, Stengel und Splitter von allerley Geh\xF6lz, welches von ohngef\xE4hr in das Wasser kommt, und entweder am Ufer hangen bleibt, oder sich nach und nach bis an den Boden hinab senket. Und auf solche Art mag dieser Toffstein entstanden seyn, welchen man von beyden Seiten dieses Bachs durchgehends antrift.

Was aber das versteinerte Moo\xDF, die Bl\xE4tter von B\xE4umen, die Zweige und die versteinerten Baumrinden anbetrift, so mu\xDF ehedem auf eben der Stelle, wo alle diese Dinge beysammen und untereinander liegen, ein dichteres, und meistens aus hochst\xE4mmigen B\xE4umen bestehendes ansehnliches Geh\xF6lze sich befunden haben. In dergleichen Waldungen, wie man solches beynahe allenthalben wahrnimmt, pflegt unter dem Schatten der B\xE4ume, das Moo\xDF viel h\xE4ufiger, denn das ordentliche Gras und andere Kr\xE4uter zu wachsen. Und eben aus diesem Grunde l\xE4sset sich muthma\xDFen, da\xDF auch hier einige Pl\xE4tze, allwo die hohen B\xE4ume die Wirkungen der Sonnenstrahlen auf das Erdreich hinderten, mit Moo\xDF bewachsen und bedeckt gewesen seyn m\xF6ge. Hierauf legte sich zu Herbszeiten das von den B\xE4umen abgefallene Laub, desgleichen auch allerhand Zweige, Reiser, B\xE4ume und St\xE4mme von B\xE4umen, wie es beym Holzf\xE4llen insgemein pflegt zuzugehen. Wenn nun dieser Strich des Bodens mit dergleichen K\xF6rpern belegt und bedeckt war, so mag man sich dieses

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nat\xFCrlicher Weise vorstellen, wie so wohl im Fr\xFChling bey einem schnellen Abgang des, auf denen umliegenden Gebirgen h\xE4ufigen Schnees, als auch im Sommer, wenn ein Platzregen kam, der in der N\xE4he befindliche Bach angelaufen, das Wasser aus denen Ufern getreten, diese Gegend \xFCberschwemmt, und den mit sich f\xFChrenden Sand auf den Boden, an die an demselben angetroffenen K\xF6rper angesezt, und bey der Abnehmung des Wassers zur\xFCckgelassen. Nach auf Hand tratt das Wasser in sein Bette wieder v\xF6llig zur\xFCck; die Wind, die das Land durchstreichen, f\xFChreten noch zum Ueberflu\xDF Staub und Erde, auf das feuchte, und mit dergleichen Sand bedeckte Erdreich, und unter diesem, nach und nach zunehmenden durch, die L\xE4nge der Zeit stark angewachsenen Schutt, geriethen alle die K\xF6rper , in eine F\xE4ulung. Bey dieser Gelegenheit nahm der feine Sand die Stelle dieser K\xF6rper ein, mit Beybehaltung ihrer Figur und ehamligen Gestalt. Auf solche Art nun l\xE4\xDFt sichs begreifen, wie diese Versteinerungen s\xE4mtlich entstanden seyn m\xF6gen: nachdem es so, und nicht anders der Augenschein darthut. Denn wie in einem Walde, ein Platz mit Moo\xDF, ein anderer mit Gra\xDF und Kr\xE4utern bewachsen, und \xFCber das, mit abgefallenen Laub von B\xE4umen, abgebrochenen Zweigen und Holzst\xE4ngeln bestreuet und bedecket zu seyn pfleget, auch mit unter, hie und da St\xE4mme von B\xE4umen, oder ganze H\xF6lzer liegen: also findet man alle dergleichen Dinge, in der n\xE4mlichen Unordnung bey Lutschka, lagenwei\xDF \xFCbereinander in der Erden, wie sie von Zeit zu Zeit in Stein verwandelt worden sind. Betrachtet man die Versteinerung an sich selbst, so ist dieselbe in der That nichts anders, als ein durch die Natur zusammengek\xFCtteter Sand, der in seiner Struktur das Bild, bald dieses, bald jenes Gew\xE4chses aus dem Pflanzenreiche an sich genommen hat, und vollkommen ausdr\xFCckt. Da\xDF aber hier lediglich die Rinde, und nicht das ganze Holz eine solche Verwandlung erlitten hat, ist ebenfalls aus denen bereits angef\xFChrten Umst\xE4nden sehr leicht zu begreifen. Denn dieses Holz m\xFCssen wir mit jenem, welches in andern Gegenden unsers Vaterlandes gefunden wird, und wovon wir im vorhergehenden gehandelt haben, gar nicht verwechseln. Bey jenem ist die versteinernde Materie subtil und druchdringend, mit mineralischen S\xE4ften und Quarztheilen vermischt: hier aber ist ein blo\xDFer Sand. Darum eben setzt sich dieser nur an die obern und lockern Theile des Holzes, n\xE4mlich an die Rinde, und wenn diese einmal versteinert ist, so kann diese grobe Materie weiter nicht druchdringen. Das unter der Rinde befindliche Holz mu\xDFte endlich vermodern, und in Staub verwandelt werden. Ist aber dieser Fall vorhanden, wie z.B. bey Rauschenbach, allwo das Holz selbst, die Rinde und den Kern ausgenommen, in einen Stein von dieser Art verwandelt worden ist, so kann man nichts anders vermuthen,

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als, da\xDF von einem solchen Holze die Rinde weggekommen sey, ehe es noch in diese Lage und den Zustand gerieth, in welchem es versteinert werden konnte, und daher sezten sich diese Sandtheile, da ihnen nichts anders im Wege stund, unmittelbar an das Holz an; bis an den Kern aber, war es ihnen unm\xF6glich durchzudringen.

Noch eines haben wir von Lutschka zu gedenken. Der ber\xFChmte Bel berichtet*) da\xDF in dem Thale bey Lutschka eine solche Menge von Schlangen, in den Fel\xDFl\xF6chern ausgehegt werde, da\xDF die Einwohner dieses Orts oft gesehen h\xE4tten, wie dergleichen Insekte, bey tausenden, klumpenweise, von denen Felsen hinunter rollen. Nun hat es seine vollkommene Richtigkeit, da\xDF sich diese Thiere, sowol in als auch bey dem Dorfe herum, an Sommert\xE4gen so h\xE4ufig einfinden, da\xDF selten ein Tag ist, an welchem nicht mehr, als hundert, umgebracht und get\xF6dtet w\xFCrden. Ueber dieser Nachricht werden einige unserer Leser nicht wenig erschrecken: wenn sie sich die Gefahren vorstellen, welchen besonders Bauernkinder ausgesetzt sind, die schlecht verwahrt, und oft halb ungekleydet, und ohne Schuhe in dem Dorfe und auf dem Felde herumlaufen. Desto merkw\xFCrdiger sind daher die Lutschker Schlangen, da sie so zahm sind, da\xDF sie sich nicht allein in die G\xE4rten und H\xE4user, sondern so gar in die Wohnstuben, Betten und in das Hausger\xE4the hinein wagen, und nicht selten in den dasigen warmen B\xE4dern, zwischen den Badeg\xE4sten im Wasser auf und ab schwimmen. Bey der ganzen Sache ist dieses zu bewundern, da\xDF obschon diese Schlangen, denen andern, die man sonsten antrift, und die mit ihrem Bi\xDFe, Menschen und Vieh besch\xE4digen, so wohl an Gestalt, als Gr\xF6\xDFe \xE4nlich und gleich sind; sie gleichwolen bey Menschengedenken, noch niemanden einen solchen Bi\xDF beygebracht haben. Vielmehr erhielt ich bey einer genauen Forschung nach der Gewi\xDFheit und Zuverl\xE4\xDFigkeit dieser Sache, sowol von Fremden, als einheimischen, Nachrichten, die mich darinnen ungemein best\xE4rkten: Es hat n\xE4mlich vor einigen Jahren, eine B\xE4urin bey ihrer R\xFCckkunft nach Hause, in der n\xE4mliche Wiege, in der ihr noch zartes Kind sanft schliefe, eine alte Schlange mit etlichen Jungen angetroffen. Wer ist im Stande, ohne selbst Mutter zu seyn, sich das Entsetzen und den Schr\xF6cken des armen Weibes vorzustellen? Sie sammelte sich abar wieder, da sie fand, da\xDF ihr Kind auch unter den Schlangen unverlezt geblieben ist.

*) In Notitia Hungariae novae Tom II. p. 539. & 580.


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r6 - 21 Dec 2011, AgostonBernad
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