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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XXV. St\xFCck -
IV. Jahrgang, XXVII. St\xFCck >
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IV. Jahrgang, XXVI. St\xFCck, den 29. Junii 1774.
I. Wissenschaften
Erbl\xE4ndische Geschichte.
Fortsetzung der Nachrichten von dem Gr\xE4flich Th\xF6k\xF6lischen Hause.
Der Platz des Schlosses ist geraumig, und sch\xF6n, auf dessen mittern\xE4chtlichen Seite, die Schlo\xDFkapelle stehet, die ungemein kostbar erbaut, und mit aus Stein gehauenen, Bildni\xDFen der Ungarischen K\xF6nige von Au\xDFen gezieret ist: der darauf angebrachte kleine sch\xF6ne Thurn war mit Kupfer gedeckt; inwendig ist alles sehr pr\xE4chtig, mit Marmor und dem k\xFCnstlichsten Schnitzwerk ausgeschm\xFCcket: die Todtengruft ist unter dem untern Gew\xF6lbe auch vortreflich angebracht; die rechte Seite des Schlosses hat eine lange Reihe von Wohnzimmern und Spei\xDFs\xE4len, welche so ger\xE4umig und mit der sch\xF6nsten Stukatur und Mahlerey so pr\xE4chtig gearbeitet sind, da\xDF sie f\xFCglich zur Aufnahme und Wohnung der K\xF6nige h\xE4tte dienen k\xF6nnen. Bey und um das Schlo\xDF herum waren die sch\xF6nsten Lustg\xE4rten, Fischteiche, Thierg\xE4rten u. s. w. kurz, es war alles so pr\xE4chtig und gl\xE4nzend ein Pferde, mit den sch\xF6nsten W\xF6lbungen, S\xE4ulen, und aus verschiedenen Marmorarten verfertigten Fre\xDF- und Trinkkr\xF6gen , gepranget haben *). Jezt ist alles im Ruin:
*) „Est arx ipsa (sunt verba Belii) gemino muro circumdata, quem validissimae turres quinque, laterculis intectae, ornant & praemuniunt. Circum moenia, fossa bcne alta-Aditur una admodum porta, moenibus Kesmarkiensibus inaedificata, quae adhuc T\xF6k\xF6liorum & Thurzonum insignia praefert, scitissime marmori incisa- Area arcis ampla fatis est, & eleganter facta, in cujus septentionali latere sacellum visitur, oppido sumtuosum, atque regum Hungariae simulacris, e lapide factis ornamtum. Turricula ei imposita, laminis aeris cyprii vestita fuit. Intus magnifica sunt omnia. & multo marmore, atque sculpturis elegantissimis diste et. Crypta emortualis faeello substructa - Latus arae dectum longo
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doch mu\xDF jedermann, auch noch bey dem Anblicke dieser Ueberbleibsale der ehemaligen Pracht, und besonders der von einem sich noch im sch\xF6nen Stande befindenden Schlo\xDFkirche, mit ihrem ungemein kostbar gearbeiteten Hochaltar, wie auch bey dem Anblicke der von au\xDFen sich noch in ziemlich gutem Zusatande zeigenden Th\xFCre und Mauren auf die Gedanken, und das Urtheil geleitet werden: hier m\xFCssen gewi\xDF jemals sehr reiche und m\xE4chtige Leute gewohnet haben! Das Thor des Schlosses ist und war eigentlich dreyfach, n\xE4mlich das \xE4u\xDFere Schlo\xDF - Stadtthor, welches noch in seinem v\xF6lligen guten Zustande da ist, und von der pohlnischen Seite den Zugang zur Stadt und zum Schlosse zugleich er\xF6fftnet, von solcher L\xE4nge, und so vielen Abtheilungen, die zur Sicherheit und Vertheidigung eingerichtet gewesen, da\xDF man wenig seines gleichen hierinn sehen wird; alsdenn das innere Schlo\xDFthor, durch welches aus der Stadt in das Schlo\xDF der Eingang er\xF6ffnet wurde, mit einem dar\xFCber aufgef\xFChrten sehr breiten sch\xF6nen Thurm, in dessen mittleren Theile einer der vor-
ordine palatia habet, & coenacula ita ampla, & picturis & incrustationibus aflabre factis insignia, ut, si usus ita tulisset reges hospitio potuisset accipere. Arci-viridaria, piscinae atque vivaria circumposita erant; verbo tam magnifica Arci fuere omnia, ut equorum etiam stabula - elegantissimis concamarationibus columnnis, quin aqualibis etiam, ex vario, ac fusco in primis, marmore factis, superbierint.
nehmsten Spei\xDFes\xE4le gewesen, auf welchem der Herr des Schlosses im Gesichte der ganzen Stadt K\xE4\xDFmark, nach ihrer l\xE4ngsten Hauptgasse speisen konnte; und endlich das Seitenthor duch die Stadtmauer, welches vorz\xFCglich bey den Spatzierfahrten, in die auf diese Seite liegende G\xE4rten zur Sommerzeit war gebraucht worden, mit einer Aufziehbr\xFCcke, das aber jezt zugemauert ist.
Von dem Schlo\xDF Lykawa, welches die Th\xF6k\xF6lischen, unter andern, in der Grafschaft Liptau auch besessen hatten, schreibet Bel im zweyten Tom. seines gro\xDFen Werkes S. 574. da\xDF bey dem Bau und Befestigung desselben, blo\xDF zur Auff\xFChrung eines auf besondere Art, zur Einschlie\xDFung und Sicherung eines Brunens eingerichteten Gew\xF6lbes und Bevestigungswerkes, bis gegen hundert tausend Gulden sind verwendet worden. Man soll in der ganzen Gegend die Eyer zusammengakauft, und daraus eine Art Maurerleimen oder K\xFCtten zubereitet: auch statt des Wassers, Wein zum kalche gebraucht, und dadurch ein solches Brunnengew\xF6lbe zu Statue gebracht haben, da\xDF es nicht sowohl aus verschiedenen Theilen und Materialien zusammengesezt, als vielmehr aus einem einzigen Felsen ausgehauen zu seyn geschienen*). Von
*) Nescio an fidem mereatur (sind die Worte des Bel l. c.) quod vnige perhibent Stephanum Th\xF6k\xF6li, coemits ex utroque ubi late dominabatur. Arvensi & Liptoviensi Comitatibus ovis gallinaceis, parando ca coemento adhibuisse, vinoque
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den kostbaren Meublen, und vortreflichen Schildereyen des K\xE4\xDFmarker Schlosses finden sich in einem und dem andern Hause dieser Stadt, noch manche betrachtungsw\xFCrdige Ueberbleibs\xE4le. Unter andern ist in dem Hause eines gewissen wohlhabenden B\xFCrgers ein vortrefliches, etwa acht Schuhe in die L\xE4nge, und viere in die Breite habendes Gem\xE4lde, einen r\xF6mischen Triumph vorstellend, welches wenn es bekannt w\xE4re, in der sch\xF6nsten Bildergalerie einen Hauptplatz verdiente. Manche gro\xDFe Kenner dieser Kunst, haben sich darum M\xFChe gegeben, und vieles daf\xFCr gebothen; allein der eigensinnige Besitzer hat den l\xF6blichen Grundsatz: ich habe das Bild mit dem Hause gekauft, es mag auch in dem Hause bleiben! Es ist aber nun n\xF6thig, da\xDF ich mich wieder zu meiner Hauptsache wende, doch mu\xDF ich noch eines zur Erg\xE4nzung und Best\xE4ttigung der in unsre Bl\xE4tter einger\xFCckten Geschichte der Stadt K\xE4\xDFmark ber\xFChren. Es hatte diese gute Stadt in Absicht auf die Kr\xE4nkung ihrer Freyheiten und Gerechtsame unter diesem Th\xF6k\xF6ly wirklich das h\xE4rteste Schicksal, ohne da\xDF selbst die Unterst\xFCtzung des
loco aquae calci adsuso, effecisse, quo moles illa, cum fornice solida adeo evaderet, ut non oagmentatam, sed e vivo caelam lapides crederes. Certe cum anno 1707. Rak\xF3tzii jussu dissuccretur opus, ita erat ref actarium ac torax, ut arcem universam, desolare citius quam molem istam vel temerare potuerint operarii.
allerch\xF6chsten Hofes ihr dazumal recht zu statten kommen konnte. Es erhellet dieses unter andern am deutlichsten, aus dem CXVIII. Artikel, des im Jahre 1647 unter dem Kaiser Ferdinand dem III. als K\xF6nige von Ungarn, zu Pre\xDFburg, gehaltenen Landtages in welchem durch Beyhilfe der St\xE4nde, dem Th\xF6k\xF6ly, sein Recht auf die Stadt K\xE4\xDFmark, der k\xF6niglichen Protektionsbriefe ohngeachtet, einger\xE4umet worden *). Doch es wurde dieser f\xFCr die arme Stadt bey ihrer gerechten Sache sehr harte Artikel im Jahre 1655 wieder aufgehoben, wie wir unten gedenken werden.
Er starb, wie der oben erw\xE4hnte Leichenbrief ausweiset, den 8ten November im Jahre 1651. im siebenzigsten Jahre seines Alters, und ward
Es lautet gemeldter Diaetal Articul, unter der dar\xFCber gesetzten kurzen Anzeige seines Inhaltes: Magnificus Stephanus T\xF6k\xF6li, erga Kesmarkienses ] priori jure suo uti potest, nach seiner ' v\xF6lligen Extension folgender massen: „ Et siquidem intellexissent status & ordines Regni, Oppidanos Kesmarkienses, in -derogamen juris & usus consueti, Magnifici Domini Stephani T\xF6k\xF6li, Protectionales litteras , a Majestate suae sacretissimae extraxisse, ob id decernunt iidem status & ordines, ut idem Dominus Stephanus T\xF6k\xF6li, non obstantibur iisdem Majestatis suae sacretissimae litteris protectionalibus imposterum etiam jure suo priori & continuato erga ipses oppidanos Kesmarkienses uti possit.“ Man kann dar\xFCber das Corpus Jur. Hung. nach der neue\xDFten Tyrn. Edit. nachsehen.
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durch einen langen Auffschub wegen vieler Zubereitungen (wie es bey dem vornehmen Ungarischen Adel auch noch jetzt zum Theil zu geschehen pfleget) erst in dem darauf folgenden 1652. Jahre, in die Pfarrkirche zu K\xE4\xDFmark, unter einem sehr gro\xDFen und pr\xE4chtigen Leichenkondukte, in die dasige Familienkruft, so wie sein Vater Sebastian beygesezt. . Von seiner Gemahlin der Catharina Thurso, k\xF6nnen wir in Ansehung ihres Lebens und Absterbens vor jezt nichts genaueres berichten; ausgenommen dieses, da\xDF die, mit ihr gepfolgene Ehe an Kindern ziemlich gesegnet gewesen, obgleich die meisten vor ihm wieder dahin gestorben. Nach dem Verzeichni\xDFe in der schon oben erw\xE4hnten Parochialmatrikel der Stadt K\xE4\xDFmark, sind ihm folgende Kinder daselbst gebohren worden: Stephan im Jahre 1623. den 8. Febr. Maria, den 13. April 1624. Barbara, den den 19. Julii 1625. Christina, den 5. J\xE4nner 1627. gestorben 1629. Elisabeth, den 27ten August 1629. Johannes, den 1ten August 1630. gestorben 1632. In dem gedachten Leichenbriefe stehet erstlich sein Sohn Sigismundus, und unter ihm sein Sohn Stephan der j\xFCngere, unterschrieben; woraus erhellet, da\xDF Sigmund sein \xE4lterer und ohstreitig erstgebohrner Sohn gewesen, und im Jahre 1621. oder 1622. vielleicht auf dem Thursonischen Schlo\xDFe zu Bitsche, wo seine Mutter das erste Kindbette halten wollen, gebohren worden. Die Eigenschaften und der ganze Lebenslauf dieses Stephan Th\xF6k\xF6li des \xE4ltern, lassen sich am besten, aus der, \xFCber der Th\xF6k\xF6lischen Gruft ausgeh\xE4ngt gewesenen Begr\xE4bnisfahne*), und der darauf befindlichen Aufschrift abnehmen, welche folgenden Inhalts ist: „Es ruhen an diesem Orte die entseelten Gebeine des Weyl. Hochwohlgebohrnen Herrn Herrn Stephan Th\xF6k\xF6li des \xE4ltern, Freyherrn von K\xE4\xDFmark und Schawnik ic. welcher von Kindheit an zu aller Gottesfurcht auferzogen worden; und nachdem er in den Schu-
*) Die Labara oder vexilla emortualia, mit welchen diese Parochialkirche sehr angef\xFCllt gewesen, so da\xDF dadurch das Licht darinne stark benommen worden, sind vor einigen Jahren sowohl an diesem, als auch anderen Orten hierlandes v\xF6llig hinweggethan worden, welches zwar an sich selbst nicht zu tadlen, doch aber zu w\xFCnschen w\xE4re, da\xDF es so viel m\xF6glich ohne Nachtheil der vaterl\xE4ndisc hen Geschichte geschehen seyn m\xF6chte. Weil diese Denkm\xE4ler, besonders in Absicht auf gro\xDFe Familien, oder auch einzelne ber\xFChmte M\xE4nner, eben das, was die cipppi und epitaphia, und alle Todtenmonumente, und wie Kenner wissen, in der Geschichtskunde, und bey ihren Hilfsmitteln n\xE4mlich der Genealogie und Chronologie von vielem Gebrauche, sind. Es w\xE4re unseres Erachtens eben keine schlechte und unangenehme Arbeit, wenn man, so wie Hollinger seine cippos Hebraicos der Welt mitgetheilet, auf den Einfall k\xE4me, dem Publikum eine auserlesene Sammlung, von solchen cippis oder labaris Hungaricis vorzulegen. Wir haben ohnl\xE4ngst bey einem vornehmen adelichen Hause, die Sammlung solcher zur Familie geh\xF6rigen Begr\xE4bnisfahnen gesehen, welche dasselbe, nachdem sie aus der Kirche hinweggethan, worden, an sich gezogen und verwahret hat; und wir w\xFCnschten, da\xDF andre solche H\xE4user diesem, von dem wir reden, hierinn nachfolgen m\xF6gen.
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Schulen des Vaterlandes einen guten Grund in Erlernung der freyen K\xFCnste, und sch\xF6nen Wissenschaften geleget, und darauf auf den ber\xFChmtesten Akademien des deutschen Reiches, seine Einsicht und Gelehrsamkeit; durch die durch Frankreich, Engeland, die Niederlande und Italien gemachten Reisen aber, als auch durch die bey dem Erzherzog Mathias verrichteten Hofdienste, seine Erfahrenheit, zur Reiffe und Vollkommenheit gebracht hatte, seinen \xFCbrigen Lebenslauf so dann, als ein die Tugend und den Frieden liebender Herr mit Ruhm fortgesezt, und endlich in einem, durch einen Steckkatharr erfolgten Tode unter den heiligsten Gedanken und in gottseligster Andacht, seeliglich vollendet hat, den VIII. November, im Jahre Christi MDCLI. seines Alters im LXX.“*)
(Die Fortsetzung folget.)
II. Naturgeschichte.
Von denen Steinverh\xE4rtungen im Wasser.
Eine besondere Abtheilung unseres abzuhandelnden Gegenstandes, ist noch r\xFCckst\xE4ndig, in welcher wir von solchen Steinen, die aus dem Wasser erzeuget werden, reden sollen. Sie hei\xDFen Pori aquei, Tofi, Undulagines, und aus einem Mi\xDFverstand, nennen manche diese Steine, versteinertes Wasser. Ob nun gleich alle hierunter begriffene steinigte K\xF6rper ihrem Wesen nach voneinander nicht sonderlich unterschieden sind, so hat man ihnen dem ohngeachtet, wegen ihrer verschiedenen Entstehungsart und Figur, besondere Namen gegeben. Alle diese Steinverh\xE4rtungen nehmen ganz gewi\xDF den Stoff ihres Daseyns, aus einem zarten, unsichtlichen und im Wasser selbst befindlichen Steinpulver: allein manches davon setzet sich beym Gestehen des Wassers ab; manches beym Abtr\xF6pfeln desselben, und verh\xE4rtet sich in beyden F\xE4llen f\xFCr sich alleine; manches aber sezt sich an einen andern K\xF6rper an, und legt sich um denselben herum, also, da\xDF dieser mit einem Stein, wie mit einer Rinde \xFCberzogen wird. In dem ersten Falle nennet man sie Tuf oder Duksteine (Tofus); in dem zweyten Tropfsteine: und in dem
*) Inscriptio labari sepulchralis Stephani Th\xF6k\xF6li senioris: „Spectabilis ac magnificus Dn. Dn. Stephanus Theokeoli senior L. B. in Kesmark & Schavnik &c. a teneris ad omnen pictatem educatus; bonarum artium fundamentis in schola patria probe jactis, in Germania studiis academicis, eruditionem: peregrinatione iem in Galliam, Angliam, Belgium, Italiam, & tandem servitiis, apud Matthiam Archiducem, aulicis experientiam summam allecutus; vitae curtu pietatis ac pacis studiis laudabiliter peracto, sanctissimas cogitationes & in pia devotione, diem suum pacide obiit. Die VIII. November. Anno Christi MDCLI Aetatis XLL.“
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dritten Steink\xFCrste oder Rindenstein (Incustratum). Wir werden nun von einer jeden Art, das n\xF6thige hier trachten herauszubringen.
Von dem eigentlichen Tuftstein.
Es w\xE4re in der That etwas \xFCberfl\xFCssiges, von einem Steine, der jedermann bekannt und sehr gemein ist, eine weitl\xE4ufige Beschreibung zu liefern; oder auch bey unserm di\xDFmaligen Vorhaben, alle die Stellen und Oerter namhaft zu machen, und in einer Reihe anzuf\xFChren, wo Steine von dieser Art in Ungarn erzeuget werden. So weit gehet vor die\xDFmal unsere Absicht nicht; sondern nur anzu zeigen, da\xDF sie da sind, und ihre Gestalt und Beschaffenheit in etwas zu zu schildern. Wir k\xF6nnen zwar nicht behaupten, da\xDF man sie in allen Gegenden unseres Vaterlandes antrefe; indem manche so gar an ordentlichen Mauersteinen einen Mangel sp\xFChren: in einigen Gespannschaften aber sind sie in einer gro\xDFen Menge und im Ueberflu\xDF. Der Liptauer Komitat ist damit von beyden Seiten des Wagflusses besonders in denen Gegenden bey Lutschka und den Sent Iwan, bis zur Verwunderung besezt. Im Zipser Komitate, trift man ganze H\xFCgel und Berge an, die aus nichts anderm, als dergleichen Steinen bestehen, und folglich eben so wie diese aus dem Wasser nach und nach entstanden sind. Bey denen Dorfschaften, Sent Andrasch und Ganotz, Kann man es ordentlich und deutlich beobachten, wie die Sache zugehet. Man findet daselbst kleine runde H\xFCgel, auf deren Gipfel das Wasser mit einer Get\xF6se, und Brausen nicht anders, als wenn man Feuer unterleget und dadurch das Wasser zum Sieden gebracht h\xE4tte, gewaltig herausquillet. Die Quelle ist mit einem Stein umfangen, oder vielmehr in einen steinernen Kessel, den sich das Wasser selbst gemacht hat, eingeschlossen. Wenn nun dieser vom Wasser \xFCbergeht (welches fast unaufh\xF6rlich geschiehet): so sezt sich der Tuf um die Quelle von au\xDFen an an, und steiget nach und nach, in Form eines abgek\xFCrzten Kegels, in die H\xF6he, bis ein kleiner Berg daraus erw\xE4chst. Und wenn dieser schon seine H\xF6he erreicht hat, so verlieret sich die Quelle, und sicht einen Ausgang wiederum auf einer andern Stelle, wo sie das vorige Werk von neuem anf\xE4ngt. Daher siehet man in dieser ganzen Gegend, lauter kleine und gro\xDFe H\xFCgel wechselweise stehen, die aus purem Tufstein zusammen gesezt sind, und entweder schon vollbracht, und ohne Wasser: oder mit einer Quelle versehen, aus welcher sie noch t\xE4glich einen neuen Zuwachs erhalten. Merkw\xFCrdig ists, da\xDF diese Berge und H\xFCgel, ohnerachtet sie aus einem Stein bestehen, dennoch den ganzen Sommer \xFCber mit Gra\xDF und Kr\xE4utern bewachsen sind. Doch ist dieses eben nicht so sehr zu bewundern; indem der Wind, Erde und Staub, auf die Oberfl\xE4che des H\xFCgels anwehent, und denselben mit einem Bette beleget, auf welchem Gras, Kr\xE4u-
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Kr\xE4uter, und Wurzeln wachsen k\xF6nnen: allein dieses ist seltsam, da\xDF an solchen Stellen, wo sich das Wasser noch best\xE4ndig aus der Quelle ergie\xDFet, und den wei\xDFen Tuf ansezt, auch am Boden zur\xFCck l\xE4st, dennoch das gr\xFCne Gra\xDF aus dem Boden hervorraget, und aufrecht stehet; nicht anders als wenn dasselbe aus einem Stein herausgewachsen w\xE4re. Dergleichen Gra\xDF gr\xFCnet eine Zeitlang, und wird endlich, entweder in Stein verwandelt, mit dem Tuf vereiniget, und in demselben eingeschlossen; oder es verweset, und l\xE4\xDFt an seiner Stelle, L\xF6cher und Narben im Steine.
So wie diese beyde Gespanschaftgen, Liptau und Zip\xDF mit Tufsteinen reichlich versehen sind: also haben auch au\xDFer diesen viele andere keinen Mangel daran. Die Thurozer und Sohler Gespanschaften, und beynahe alle Gegenden von Ungarn, wo warme B\xE4der, Sauerbrunnen und Kalck-B\xE4der in ihrem Umfange angetroffen werden: k\xF6nnen sich dessen r\xFChmen. Doch aber sind auch diese Steine nicht allenthalben einerley: sondern so wohl in der Farbe und Gestalt, als auch am Gewichte merklich von einander unterschieden. In Ansehung der Farbe, findet man wei\xDFen, grauen, gelblichten, schwarzgrauen auch r\xF6thlich und grau oder wei\xDF gestreiften Tufstein, und gar oft trift man die meisten von diesen Farben, in einer und eben derselben Revier an, deren Verschiedenheit wohl zuweilen, aber nicht allezeit, von der Beschaffenheit des Steinpulvers herr\xFChret, aus welchem sie entstehen. In den meisten F\xE4llen geschiehet es, da\xDF sich bey dem Gestehen des Wassers, allerhand fremde Theile mit dem angesezten Steinpulver vermischen, in den Tuf hinein gerathen, und eben dadurch zu seiner Gestalt und Farbe vieles beytragen. Der Wind pflegt Staub, Erde und allerhand Unrath, an solche Oerter hinzuf\xFChren, wo soch das Steinpulver vermittelst des Wassers auf den Boden sezt. Diese Dinge dringen in die Materie hinein, da sie noch feucht und locker ist, und geben dem Tufstein, Gestalt und Farbe. Und daher kommt es, da\xDF ein und eben dasselbe Wasser verschiedentlich gef\xE4rbten Tufstein hervorbringen und erzeugen kann: ob es gleich best\xE4ndig nur einerley Steinpulver mit sich f\xFChre, nach dem entweder der Boden, auf welchem das Wasser sein Pulver absezt, beschaffen ist: oder die Dinge, welche es bereits auf dem Boden findet, oder die sonsten zuv\xF6lligerweise dahin gerathen, und sich in den Stein hinein dr\xE4ngen. Zuweilen (besonders, wo das Wasser ist) kommen mineralische Theile dazu, von denen der Stein r\xF6thlich gef\xE4rbt oder gestreift wird, wie dieses besonders bey Beschenowa im Liptauer Komitat und an andern Orten mehr zu sehen ist.
Eine ganz besondere Art von Tufsteinen, k\xF6nnen wir bey dieser Gelegenheit nicht unangemerkt vorbeyge-
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gehen, welche man auf dem Altgeb\xFCrge im Sohler Komitat bey Motitschka, theils aus der Erde heraus gr\xE4bt, theils auch auf der Oberfl\xE4che des Erdbodens findet. Die erste Gattung, die meist mit Rasen bedeckt ist, scheinet aus inkrustirten und \xFCbereinander gelegten Holzst\xE4ngeln und Tannenreisern, die anf\xE4nglich mit einer Steinrinde \xFCberzogen wurden, und nach der Zeit unter derselben vermodert sind, und an ihrer Stelle eine H\xF6hlung und leeren Raum hinterlassen haben, entstanden zu seyn. Diese sind grau in der Farbe, und auf der Oberfl\xE4che ungleich wie ein rauher Sandstein. Die andere Gattung ist gar nicht r\xF6hricht, sondern kompakt und ohne fremde Theile in sich einzuschliessen, aus dem Wasser, auf der Oberfl\xE4che des Erdbodens in der freyen Luft koagulirt und verh\xE4rtet worden. Diese ist nicht mehr so ungleich wie die vorige; sondern glatt, und in der Farbe etwas gelblich. Unter beyden aber findet man die sch\xF6nsten und seltsamsten Steinspiele. Man darf dabey nur ein wenig die Einbildungskraft zu Hilfe nehmen; so wird man nicht allein verschiedene Gew\xE4chse und andere durch Kunst verfertigte Dinge darunter antreffen; sondern so gar Menschengesichter, ganze menschliche K\xF6rper in allerhand Positur und Kleidung, also da\xDF eine Sammlung ausgesuchter Steinverh\xE4rtungen von dieser Art, bey einem Zuschauer, Verwunderung und Vergn\xFCgen zugleich erwecken w\xFCrde. Vor ohngef\xE4hr acht Jahren haben die K\xF6hler, die in dieser Gegend arbeiteten, ein Kruzifix von dergleichen Steinart gefunden, dabey die Abbildung der hochgebenedeyten Mutter des Heylandes und des J\xFCngers, unter dem Creuz stehend, zu sehen war. Und viel tausend andere Figuren, kleine Statuen und Bilder kann man allda finden; nur ist zu bedauern, da\xDF die meisten sehr zerbrechlich sind, und daher ohne Besch\xE4digung in entfernte Gegenden nicht verf\xFChrt werden k\xF6nnen.
Was nun die eigentliche Schwere dieser Steine betrift; so sind sie im Vergleich mit andern \xFCberhaupt leicht und geringe: doch verstehet sich dieses schon von selbsten, da\xDF diejenigen, die durchl\xF6chert oder r\xF6hricht sind, und sich ungleich und scharf, wie ein Bunsenstein anf\xFChlen, allezeit leichter seyn m\xFCssen, denn jene, die auswendig glatt, inwendig aber dicht und kompakt sind.
In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.