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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XXIX. St\xFCck -
IV. Jahrgang, XXXI. St\xFCck >
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IV. Jahrgang, XXX. St\xFCck, den 27. Julii 1774.
I. Wissenschaften
Wien.
Bey Johann Tthomas Edlen von Trattenern ist zu haben: Abhandlung von den Titeln und Wappen, welche Maria Theresia, als Apostolische K\xF6niginn von Hungern f\xFChret, Verfasser von Franz Karl von Palm, Weltpriester, der Gottesgelahrtheit auf der uralten wienerischen Universit\xE4t Baccalaureus 1774, auf 94. S. in 4. nebst 2. Geschlechtstafeln.
Man hat zwar bereits in dem hiesigen Diarium, von diesem beliebten Werke des Herrn von Palm, eine umst\xE4ndliche Recension gelesen: allein dieser Umstand h\xE4lt uns nicht ab, auch unsere Gedanken davon, besonders den hochgelehrten Lesern unserer Bl\xE4tter, mitzutheilen.
Die Absicht seiner Abhandlung zeiget der gelehrte Herr Verfasser in der Vorrede an. Er will hier dasjenige in einem Zusammenhang liefern, welches sonsten in vielen Schriften gesucht werden mu\xDF, und nicht ohne gro\xDFer M\xFChe zusammen gebracht werden kann. Er will zeigen, wie die K\xF6nige von Ungarn neue K\xF6nigreiche nach und nach erworben, und mit der heiligen Krone verknpfet haben.
Die Gerechtsame eines apostolischen K\xF6niges auf die K\xF6nigreiche Gallizien und Lodomerien sind der vorz\xFCglichste Gegenstand seiner Arbeit. Er hat sich gro\xDFe M\xFChe gegeben, dieselben in ein helleres Licht zu setzen, um die gegenseitigen in der Staatschrift Recherches sur Halicz & sur la Wlodzimir angef\xFChrten Gegengr\xFCnde umzusto\xDFen. Dieses nun wird auch das Haupts\xE4chlichste seyn, welches man in dieser Recension genauer zu untersuchen, und mit einigen Zus\xE4tzen zu erl\xE4utern bem\xFChet seyn wird.
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Im I. \xA7. handelt der Herr Verfasser von dem Gebrauch der Titel und Wappen der heiligen Krone \xFCberhaupt. In der Anmerkung S. 12. wird gezeiget, da\xDF man bey der Kr\xF6nung der K\xF6nige von Ungarn zehen besondere Fahne, auf denen die Wappen der zehen K\xF6nigreiche abgemahlet sind, welche die K\xF6nige von Ungarn nach und nach erworben, und mit der heiligen Krone verkn\xFCpfet haben vorzutragen, und dadurch die Gerechtsame eines apostolischen K\xF6niges auf dieselben anzuzeigen pflegte. Dieses best\xE4ttigen nicht nur die von dem Herrn Verfasser angef\xFChrten merkw\xFCrdigen M\xFCnzen: sondern man ist auch im Stande, alle die hohen Magnaten von Ungarn, welche sothane Fahnen vor dem K\xF6nig getragen, seit Matthias II. seiner Kr\xF6nung und Regierung, mit Namen anzuf\xFChren; und zwar aus Jo. Jessenii Regis Hungariae Mattbiae II, Coronatione . S. 16. Petr. De Reva de monarchia & Sacra Corona Regni Hungariae Cent. VII. Khevenh\xFCllers annal. Ferdinandei. IX. Theil S. 19. Caroli Caraffa Germania sacra S. 67. Fransiscu Wagner in hist. Leopoldi M. 1. Theil S. 8. Becmanni Syntagmate dignit, dissert. VI. Cap. IV. S. 665. Scbwandtner Scriptor. rer. Hungarie. II. Theil S. 522. 583. ,
Im II. \xA7. handelt der Herr von Palm, von den Titeln und Wappen des K\xF6nigreichs Ungarn insbesonder. Ich will nicht untersuchen, ob Arpad das scytische Reiche, welches Attila aufgerichtet, und das nach seinem Tode zerst\xF6hret worden, hergestellet habe. Das K\xF6nigreiche Ungarn scheinet von demselben sehr verschieden gewesen zu seyn. So ist es auch nicht ausgemacht, ob der heilige Stephan die kostbare Krone von Sylvester dem II. bekommen, oder aber, ob Sylvester solchen nur eingeweihet habe. So wenig scheinet auch dargethan zu seyn, da\xDF dieser heilige K\xF6nig das alte Wappen von Ungarn abgeschafft, und dagegen eine neues angenommen, und auf seine Thronfolger fortgepflanzt habe: noch findet man hiervon nirgends einen Beweis. Die alten vorhandenen Siegel unserer K\xF6nige, und andere Gr\xFCnde scheinen dieser Meinung gar nicht zuzusagen. Das Bildni\xDF der H. Jungfrau Maria ist auf einer unter Bela dem IV. geschlagenen M\xFCnze anzutreffen.
Im III. \xA7. wird von den Titeln und Wappen der K\xF6nigreiche Dalmatien Croatien und Sklavonien gehandelt. Das Erwergungsrecht unserer K\xF6nige auf Dalmatien und Croatien scheinet der Herr Verfasser in einer freyen Wahl zu suchen. Doch die angef\xFChrten Zeugnisse d\xE4rften nicht hinreichend seyn, seine Meinung zu erh\xE4rten. Und wie w\xE4re es, wenn man aus mehrern, als einem Grunde, dieses Recht herleiten wollte? Unsere Ungarn hatten sich kaum in dem K\xF6nigreiche Ungarn fest gesetzet, als sie Croaticn und Dalmatien unterjocht haben. Der ungenannte Notarius des K\xF6niges Bela zeiget dieses
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im 42. Kap. und berufet sich auf \xE4ltere Geschichtschreiber, aus welchen er seine Nachrichten hergenommen hat. Sie werden,allem Ansehen nach, diese zwey K\xF6nigreiche, dem damaligen F\xFCrsten gelassen haben; jedoch mit der Bed\xFCngni\xDF, da\xDF er als ein Lehensmann von Ungarn solche besitzen, und da\xDF nach Abgang seiner m\xE4nnlichen Erben, beyde Reiche, als offene Lehen von Ungarn eingezogen werden sollten. Einen Theil davon, n\xE4mlich Sklavonien, haben sie gleich f\xFCr sich behalten, und mit dem K\xF6nigreiche Ungarn vereiniget. Dieses wird bey der Gelegenheit, als des heiligen K\xF6niges Ladislaus siene Schwester dem K\xF6nig Zwonimir zur Gemahlinn gegeben worden, erneuert worden seyn. Und so kann man auch zeigen, warum dieser K\xF6nig, auch seine Gemahlinn, und nach ihrem Tode, ihren Bruder Ladislaus, und die Krone von Ungarn zum Erben eingesetzet habe. Eben dieses scheinet M. Thurocz anzeigen zu wollen, P. II. Chronic. cap. 56.*)
Man kann auch davon nachlesen. Balthas. Adam. Kercselich in notit. praeliminar. de Regnis Dalmatiae, Croatiae &Sclavoniae S. 169. 121. 128. wovon wir in diesen Bl\xE4ttern im Iten Jahrgange gehandelt haben. Da aber die Dalmatiner nach der Zeit von dieser Verordnung abgehen, und sich dem K\xF6nige von Ungarn nicht unterwerfen wollten: so war dieser befugt, sie feinlich zu behandeln, und mit Gewalt zum Gehorsam zu bringen. Es kam zum Kriege: als sie aber sahen, da\xDF sie au\xDFer Stand w\xE4ren, den n\xF6thigen Widerstand zu leisten; so fa\xDFten sie den Entschlu\xDF sich zu unterwerfen, und ihn f\xFCr ihren rechtm\xE4\xDFigen K\xF6nig zu erkennen. Kereselich in notit. praeliminar. S. 137 Au\xDFer der Crone Ungarn, konnte niemand, als die morgenl\xE4ndisch r\xF6mischen Kayser einigen Anspruch auf diese K\xF6nigreiche machen. Man wei\xDF aus den Geschichten, da\xDF sie sich ein Recht auf Dalmatien und Croatien beyzulegen getrachtet haben.
Im IV. \xA7. werden die Titel und Wappenb der K\xF6nigreiche Rama, oder Rastien und Servien angef\xFChrt. Rama und Rascien scheinet dem Herrn Verfasser einerley zu seyn. Jedoch gehet er von dieser Meynung gar bald ab; da er S. 31. folgenderma\xDFen schreibet: einige behaupten, Rama sey das n\xE4mliche Reich mit Bosnien, welches der K\xF6nig Mathias Corvinus, nachdem er den Mahomed vertrieben, der heiligen Krone zur\xFCckgestellet hat. Und noch viel deut-
*) Cum Rex Zolomerus, sine liberis decessisset, uxor ejus, soror Regis Ladislai, ab inimicis viri sui, multis injuriis praegravata, auxilium fratris sui Regis Ladislai, in nomine Jesu Christi, imploravit, & Croatiam atque Dalmatiam integraliter sibi r restituit; quam postea praedicta regina, suo subdidit dominio; quod tamen Rex non fecit, propter cupiditatem, sed qua secundum regalem justitiam sibi competebat haeriditas. Bonfin. Dec. II. Lib. IV.
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licher S. 84. Und diese leztere Meinung scheinet jener erstern vorzuziehen zu seyn. Man wei\xDF aus der ungarischen Geschichte, da\xDF die Despoten von Rascien von den Banen und nachherigen K\xF6nigen von Bosnien, im XIV. und XV. Jahrhundert ganz unterschieden waren. Beyde sind Lehnm\xE4nner der K\xF6nige von Ungarn gewesen: und dieses wird nicht so leicht in Zweifel zu ziehen seyn.
Im V. \xA7. kommt er auf die Hauptsache n\xE4mlich auf die Titel und Wappen der K\xF6nigreiche Gallizien und Lodomerien. Hier ist der Herr Verfasser etwas weitl\xE4ufiger, und f\xFChret einige bishero noch nicht bekannte Urkunden an, um die Gerechtsame des apostolischen K\xF6niges, und der heiligen Krone auf diese K\xF6nigreiche, au\xDFer allen Zweifel zu setzen. Er leitet S. 33. dieses Recht vom heiligen Ladislaus her. In der Anmerkung aber ber\xFChrt er, da\xDF einen Theil davon schon Andreas der I. durch eine Heyrath bekommen h\xE4tte. Wie gut h\xE4tte der Herr Verfasser gethan, wenn er dieses durch ein Zeugni\xDF eines glaubw\xFCrdigen Geschichtschreibers, oder auch durch ein Diplom best\xE4ttiget h\xE4tte. Da\xDF sich Andreas der I. ehe er den Ungarischen Thron bestiegen, nach Rothreu\xDFen begeben, und dorten einige Jahre gewohnet habe, scheinet de\xDFwegen geschehen zu feyn, weil das Land schon vorhero zu Ungarn geh\xF6rte. Dieses bezeiget der ungenannte Notarius des K\xF6niges Bela im VIII. IX. X. XI. Kap. und aus der Ursache wurde auch der heilige Emerich, Dux Ruizorum genennet. S. 34. folg. zeiget der Herr Verfasser, wie Bela der III. dieses Recht erneuert, und wider die Pohlen behaptet habe. Er beschuldiget den vornehmsten Pohlnischen Geschichtschreiber Dlagossus, da\xDF er diese Sachesehr partheyisch beschrieben h\xE4tte, und setzet ihm die Erz\xE4hlung des weit \xE4lteren Geschichtschreibers Viecenti Kadlubko entgegen. Wenn man die Wahrheit bekennen soll, so mu\xDF man gestehen, da\xDF auch Kadlubko f\xFCr sein Vaterland sehr eingenommen gewesen sey. Es hat das Ansehen, da\xDF die Pohlnischen Geschichtschreiber, diese Ru\xDFische Unruhen mit Flei\xDF so verworren, und dunkel beschrieben haben. Sie wollten nicht recht mit der Sprache heraus. In den ungarischen Geschichtschreibern findet man davon gar keine Nachricht, wor\xFCber man sich gar nicht zu wundern hat, wenn man bedenket, da\xDF sie von Bela dem III. und einigen ungarischen K\xF6nigen, die vor ihm, und nach ihm, auf dem Ungarischen Throne sa\xDFen, ihren Thaten, wenig oder nichts ber\xFChret haben. Wenn man aber der Pohlnischen Geschichtschreiber ihre Erzh\xE4hlung mit andern vorhandenen Nachrichten vergleichet und beurtheilet; so erhellet, wenigstens so viel daraus;
Da\xDF 1) schon zu Ende des XII. Jahrhunderts zwischen Ungarn und Pohlen, wegen der K\xF6nigreiche Gal-
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lizien und Lodomerien viele Kriege gef\xFChret worden.
2) Da\xDF die Ungarn auf die lezt die Oberhand behalten, und Gallizien und Lodomerien unter sich gebracht haben. Denn, wenn diese Meinung ungegr\xFCndet w\xE4re; so w\xFCste ich nicht, wie sich K\xF6nig Andreas der II. entschlossen h\xE4tte, an den R\xF6mischen Bischof folgenderma\xDFen zu schreiben: Noverit Sanctitas Vestra, quod Gallicienses principes & populus, nostrae ditioni subjecti, humiliter a nobis postularung, ut filium nostrum Colomanum ipis in Regem praeficeremus. Wie h\xE4tten sich die St\xE4nde des K\xF6nigreiches Gallizien \xFCberreden lassen, den Herzog Kolomann vom K\xF6nige Andreas den II. auszubitten, und ihm die k\xF6nigliche Krone aufzusetzen? Wie w\xE4ren die Pohlen dahin zu bringen gewesen, da\xDF sie solches nicht nur genehmiget, sondern auch die Kr\xF6nung des neuen K\xF6niges Kolomann beg\xFCnstiget h\xE4tten? da\xDF aber solches geschehen sey, bezeigen ihre einheimische und \xE4lteste Geschichtschreiber.
(Die Fortsetzung folgt.)
II. Topographische Nachrichten.
Von dem K\xF6nigreiche Bosnien.
Da die Beschreibung, die wir von dem K\xF6nigreiche Bosnien erhalten haben, zuverl\xE4\xDFig ist: so glauben wir unsern Lesern gar nicht unangenehm zu fallen, wenn wir ihnen solche hier mittheilen: besonders da man in keinem, von den bekannten Geographischen B\xFCchern, eine umst\xE4ndliche Nachricht davon findet.
Um aber von dieser Beschreibung den wirklichen Nutzen zu ziehen, ist es n\xF6thig, da\xDF eine Landkarte von Bosnien vor die Hand genommen werde, um die hier benennten Oerter darinne aufzusuchen.
Die Festung und die Stadt Sarajevo, ist ziemlich volkreich, und hat einige Kompagnien zu Besatzung. Die Festung liegt gegen Sonnenaufgang, unterhalb dem Gebirge, und verschaft dem Auge eine \xFCberaus sch\xF6ne Ansicht. Sie ist ziemlich gro\xDF, und hat zu ihrer Bevestigung ein zwo Klafter breites Gem\xE4uer, jedoch keine Schanze, wohl aber 12. Batterien, und eben so viel Th\xFCrme, worauf 80. mittlere Kanonen gepflanzet stehen. In einiger Entfernung, unter der Festung liegt die Stadt in einem Thale, und von der Mittagseite entspringet der Flu\xDF Milatzka, welcher, nach seinem Laufe, durch die Stadt, sich eine Stunde weit unterhalt derselben in den Flu\xDF Bosna ergie\xDFet. Man z\xE4hlet in der Stadt 12000. H\xE4user, und die Residenz des Pascha sowohl, als die Wohnungen einiger anderer Officier, sind, nach t\xFCrkischer Art, sehr gute Geb\xE4ude. In der Festung befindet sich ein Kommendant, (Musselim) ein Janitscharen Aga, und ein Generalauditeur (Muphela) Die Altgl\xE4ubigen
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(Graeci ritus) haben hier eine Kirche und einen Bischof, und machen bis 1000 Familien aus. Die R\xF6misch - Katholischen sind auch bey 500. Haushaltungen, — Von der Seite des Bosnaflu\xDFes ist in einer Fl\xE4che ein Zugang zu der Festung, und \xFCber derselben ein m\xE4\xDFiges Gebirge. In der Stadt befindet sich \xFCber dem Flu\xDF Milatzka eine Br\xFCcke; auch ist der Flu\xDF Bosna mit einer solchen versehen, von der gedachtes Gebirg, und der Ursprung ds lezteren Flu\xDFes, zwischen zween Felsen, ganz deutlich ausgenommen werden kann. Von dieser Br\xFCcke theilen sich drey Wege, und zwar von der mitt\xE4gigen Seite \xFCber das Gebirge, gegen den Schwarzwald (Herzegowina) der Stadt Mostar zu; von der Abendseite gegen Dravnik: von Mitternacht aber l\xE4ngst dem Bosna in den Sauflu\xDF, massen die Bosna, sich bey der Lukatscher Schanze in den Saustrom ergie\xDFet. Vom Aufgange der Sonne unterhalb der Stadt Sarajevo, sind auf eine ganze Tagreise weit, die sch\xF6nsten Felder, auf welchen verschiedene D\xF6rfer, sowohl von T\xFCrken, als den altgl\xE4ubigen Christen angesiedelt liegen. Zu Ende dieser Ebene, unweit der Stadt Sarajevo, geht ein Weg, \xFCber die so genannten romanischen Gebirge, und W\xE4lder, nach dem Marktflecken Vi\xDFegrad zu, und von dannen nach Konstantinopel. Linkerhand ist der Flu\xDF Drina, welcher ein ziemlich flaches Gebirge vor sich hat, das sich bis an den Marktflecken Rogatitza unweit Herzegowina erstrecket. Dieser Flecken bestehet nur aus 52. H\xE4usern. Auf der Sarajever Ebene l\xE4ngst des Flusses Bosna, befinden sich drey Marktflecken, n\xE4mlich: Wi\xDFoko, Kakan, und Besnitza, welche alle von lauter T\xFCrken bewohnet werden. Der estere hat 65, der zweyte 50, und der dritte 76. H\xE4user. Zu Ende dieser Ebene gegen Aufgang befinden sich zwey Kl\xF6ster, und bis zu denselben kann man bequem mit Wagen kommen. Dort aber f\xE4ngt sich das Gebirge Kraljewa Gora an, \xFCber welches ein Weg von Zwornik nach beyden Soli, oder sogenannten Tu\xDFla gehet, der aber nur zu Pferde gemachet werden kann. Unterwegs stehet ein \xF6des katholisches Kloster, Ollowo genannt, und nicht weit von diesem ein kleiner Marktflecken von 50. H\xE4usern, Namens Gladan, nebst einigen D\xF6rfern in dem Gebirge. Von dannen, gegen dem Flu\xDF Bosna befinden sich zwey Fraciskaner Kl\xF6ster, Sutje\xDFka und Kre\xDFovo, und links von dem Flu\xDFe zwischen dem Gebirge ziehet sich ein Weg \xFCber den Bach Kriwa Rika, welcher sechszehnmal pa\xDFiret werden mu\xDF, in die Eisenbergwerke Sebe\xDFich und Varesch. Von da rechter Hand, auch am bemeldtem Flu\xDFe, liegt ein gro\xDFer Marktflecken, Schebtsche genannt. Er hat bis 350 H\xE4user, und ern\xE4hret seine Einwohner, mit den verschiedenen Ger\xE4thschaften, die sie aus Eisen sehr gut verfertigen. In diesem Flecken hat ein Staabsauditeur (Kodia) seine Station, dessen Gerichtsbarkeit sich bis an das Gebirge Spret-
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scha, in der Gegend von Zwornik erstrecket. Auf den Gebirgen Priluk, und Massitza stehen verschiedene D\xF6rfer, von welchen zwey, lauter Christen, die andern aber allein T\xFCrken bewohnen.
Dem Gebirge Spretscha gegen Mitternacht, liegen noch andere drey Gebirge, die Gostowitz, Wo\xDFutja, und Osren hei\xDFen. Auf jedem dereselben befindet sich ein griechisches M\xF6nchenkloster, (Kaludjer) gleiches Namens, die Gegend um das leztere ist auch sonsten stark, und zwar meist von Christen bewohnt.
Die Festung Maglai liegt an dem Flu\xDFe Bosna, auf einer Anh\xF6he, und geh\xF6ret in den Schevtscher Distrikt, oder so genannte Kadiluk. Sie ist nicht sonderlich gro\xDF, und ihre Vorstadt, hat mehr nicht als f\xFCnfzig H\xE4user. Man kann sich derselben nur allein, und zwar ohne viele Schwierigkeiten, von Seiten des Flu\xDFes n\xE4hern; denn von der andern Seite bedecket sie das Gebirg Osren.
Jenseits des Bosnaflu\xDFes, gegen Untergang der Sonne, stehet die Festung Vranduk. Sie ist nur einen Kanonenschu\xDF weit, unter dem Gebirge Sarajevo zu, mit groben Gesch\xFCtze bestrichen werden. Sie hat eine geringe Besatzung, und ist klein, auch daher nicht im Stande, die Sarajever Strasse streitig zu machen. Von dem Sauflu\xDFe kann man ihr sehr leicht beykommen, und ein gutes St\xFCck bis zu dem Scheptscher Gebirge vordringen.
Die Festung Tessan ist in dieser Gegend die erheblichste. Sie liegt auf einer Anh\xF6he, die von mittelm\xE4\xDFigen Bergen umgeben ist. Von der Seite des Bosnaflu\xDFes ist sie mit einer Schanze, und au\xDFerhalb mit Palisaden versehen, hat auch 3. Batterien, und 15. gro\xDFe Kanonen. In derselben befindet sich ein Kapit\xE4n, als Befehlshaber, nebst einem Staabsauditeur, und einer ziemlich starken Besatzung. Die Gerichtsbarkeit dieser Festung erstrecket sich bis an Ukrina, und den Sauflu\xDF.
Oberhalb des Bosnaflusses befindet sich noch die Festung Dobuy, welche ziemlich haltbar ist. Sie ist mit einer Ringmauer und einer Schanze versehen. Die Gegend ist ein flaches Feld, und es ist ihr daher leicht beyzukommen. Sie hat eine Vorstadt von etwa 50. H\xE4usern, die von lauter T\xFCrken bewohnet werden: ein Aga f\xFChret hier das Kommando.
Ungef\xE4hr 5. Stunden gegen den Saustrom befindet sich die Festung Derbent, welche zwar schon von Alters her bekannt ist; jedoch erst in neueren Zeiten ausgebessert und befestiget worden. Sie ist mit guter Artillerie versehen, und den Befehlen eines Oberkapit\xE4ns unterworfen. Ihre Vorstadt hat bis 300 H\xE4user, welche von der Besatzung bewohnet
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werden. In der Gegend um die Festung sind verschiedene D\xF6rfer, gr\xF6\xDFtentheils von Christen angesiedelt.
Das Schlo\xDF Dobor ist sehr alt, jedoch ziemlich fst, aber ohne alle Besatzung. An demselben liegt ein Dorf von 40. H\xE4usern, wird von T\xFCrken bewohnet, und hat den Namen von der Festung. Jenseits des Bosnaflu\xDFes sind abermal zwey nahe aneinander liegende Marktflecken, Modritza und Tarefetze genannt, welche ungef\xE4hr 160. H\xE4user enthalten. Es ist dabey eine Fuhrt \xFCber den Flu\xDF, die auf die Strasse, nach der Stadt Gradatschatz f\xFChret. Von dieser Ueberfuhrt, bis dahin, sind ungef\xE4hr zwo Stunden, und ziemlich guter Weg.
Bemeldte Stadt ist ziemliche befestiget, und mit 3. Batterien versehen, die mit 15. schweren Kanonen bespickt sind. Ein Oberkapit\xE4n, der noch andere 3. Filialposten unter sich hat, stehet derselben als Commendant vor.
In der kleinen Festung Kratschamitza hat ein Kadia, oder Stabsaudieteur seine Station, und die dabey befindliche Vorstadt wird von lauter T\xFCrken bewohnet, die etwas 120. H\xE4user inne haben.
Nicht weit davon ist das alte und ziemlich feste Schlo\xDF Szokol, in welchem sich ein Aga, aber gar keine Artillerie befindet.
Von hier \xFCber dem Bache Tirya liegt das gleichfalls alte Schlo\xDF Srebernik, dem man nur von einer Seite, und zwar von dem Saustrome, aus der Gegend der Lukatscher Schanze und von Reyewo Selo beykommen kann. In dieser Gegend befinden sich viele D\xF6rfer, deren christliche Einwohner aber, dreymal so stark, als die T\xFCrken sind.
Zu Tu\xDFla ist sein einigen Jahren eine Festung angelegt worden, welche aber nicht viel bedeutet. Die Stadt z\xE4hlet beynahe 250. t\xFCrkische H\xE4user, und rings herum sind viele angesiedelte D\xF6rfer, von welchen drey Vierhtele von Christen bewohnet werden.
(Die Fortsetzung wird folgen.)
In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.