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Bl\xE4ttern: < IV. Jahrgang, XXXIII. St\xFCck - IV. Jahrgang, XXXV. St\xFCck >



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IV. Jahrgang, XXXIV. St\xFCck, den 24. August 1774.

I. Wissenschaften

Litteratur.

Versuch einer kurzen Geschichte der Buchdruckerey in dem K\xF6nigreiche Hungarn.

Herr Ferdinand Johann R\xE4dlitz, hat dieser Tagen, sein erstes gedrucktes Blatt allhier in Eperies, als der erste k. k. privilegirte Buchdrucker in dieser Stadt, aus seiner Presse geliefert*); dessen Erblickung uns so gleich, in Ansehung unseres schon von einiger Zeit an, vorgehabten Versuches einer kurzen Geschichte der Buchdruckerey in unserm lieben Veterlande Hungarn in Bewegung gebracht, und zur m\xF6glichsten Fortsetzung, dieser dem geehrten Publikum vielleicht nicht ganz unangenehmen Arbeit gereizt und ermuntert hat. Denn es ist ausgemacht, da\xDF die Geschichte der Buchdruckerey eines Landes, mit der Geschichte seiner Litteratur selbst, genau zusammen h\xE4nge, und da\xDF sich aus jener, auf die-

*) Die Stadt Eperies ist, wie bekannt, eine der vornehmsten sechs Oberungarischen k\xF6niglichen freyen St\xE4dte, in der Grafschaft Scharosch, am Flu\xDFe Tartza oder Torissa gelegen. Sie hat, so viel wir wissen, bis auf izt, noch nie ihre eigene Buchdruckerey gehabt, ob sie gleich, vor den \xFCbrigen benachbarten St\xE4dten, welche ihre Buchdruckereyen hatten, solche vorz\xFCglich aus mehr als einem Grunde, h\xE4tte haben k\xF6nnen und sollen. Der Titel des gedachten ersten allhier gedruckten Blattes, woraus sich sein Inhalt v\xF6llig abnehmen l\xE4sset, ist dieser: Aftmundus, cruenta lethi hostia & victoria; actga per nobiles ac ingenuos Oratoriae ac Boeseos, Facultatis Archiepiscopalis - Gymnasii Eperiessiensis alumnos. Dic — Mensis — Eperiesini, Ferd. Joan. Radlitz, Civitatis Typographus. MDCCLXXIV. Wir geben diesen jugendlichen Uebungen gerne unsern Beyfall, nur das wird jedermann dabey denken, da\xDF sie nicht die Hauptpbungen ausmachen, und da\xDF man die Geschichte durch eine gl\xFCcklicherer Auswahl zu besserm Vortheil der Jugend zu benutzen trachten k\xF6nne.

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se ein nicht unrichtiger Schlu\xDF machen lasse. In dem Maa\xDFe, in welchem in einem, oder dem andern Lande, nach der Erfindung dieser bewunderungsw\xFCrdigen Kunst, die Gelehrsamkeit und die Wissenschaften sind geliebet und bearbeitet worden; in eben demselben, haben sich auch in dem Lande, die Druckerpressen zur Bef\xF6rderung und Bekanntmachung solcher gelehrten Arbeiten und Besch\xE4ftigungen vermehret; und sie sind auch noch itzt die besten Beweise, der in einem Lande bl\xFChenden und zunehmenden Litteratur. Deutschland, Engelland, Frankreich, Holiand k\xF6nnen zu Exempeln dienen. Was f\xFCr vortrefliche Werke haben nicht die Pressen eines edlen v. Trattnern in der k. k. Residenzstadt Wien, unter der glorreichen Regierung und gro\xDFm\xFCthigen Bef\xF6rderung unserer gro\xDFen Maria Theresia, der gelehrten Welt geliefert, und in was f\xFCr einer ge\xE4nderten ansehnlichen und pr\xE4chtigen Gestalt, ist nicht die Litteratur an diesem hohen Orte, sowol, als in den benachbarten Erbl\xE4ndischen Provinzen, vor das Publikum getreten? Eben so gedenken wir demnach auch, durch diesen unsern kleinen Versuch, den ehemaligen und gegenw\xE4rtigen Zustand der Litteratur unserm lieben Vaterlande einigerma\xDFen vorstellig zu machen, und auf das unpartheische zu zeigen; in welchem Zustande sich dieselbe, nach der Beschaffenheit dieses H\xFClfs- und Bef\xF6rderungsmittels, von der Zeit seiner gl\xFCcklichen Erfindung an, wirklich befunden, und was das gr\xF6\xDFere Wachsthum derselben verhindert habe? was f\xFCr eine Gestalt dieselbe jezt annehme, und was nach der gl\xFCcklichen Beschaffenheit der Zeiten, darinn uns die Vorsehung leben l\xE4sset, von hievon mit gutem Grunde in der Zukunft zu hoffen ist.

Es gereichet der Ungarischen Nation, welches nun auch die gelehrten Ausl\xE4nder gerne zugeben, zu nicht geringem Ruhme, da\xDF sich unter derselben zu allen Zeiten, und selbst bey den, durch die steten T\xFCrkenkriege und innern Revolutionen verursachten gr\xF6\xDFten Hindernissen der Litteratur, dennoch immer einige au\xDFerordentlich f\xE4hige K\xF6pfe hervorgethan, welche sich durch ihre sch\xF6ne Einsichten und F\xE4higkeiten in der gelehrten Welt Ruhm erworben, und die dieser Nation aus Mangel genauerer K\xE4ntni\xDF, von einigen gelehrten Ausl\xE4ndern, ehedem gemachten \xFCbereilten Vorw\xFCrfe, durch ihr Beyspiel v\xF6llig wiederleget haben*). Man darf nur die Namen eines Janus Pannonius, Nicolaus Olahus, Sambucus, Henisch, Foris, Bel, Peterfi, Kollar, Schwarz, Pray, Segner und vieler andrer, zum Theil noch lebender, gelehrter und ber\xFChmter

*) Am h\xE4rtesten und unbilligsten hat von der Ungarischen Litteratur geurtheilet, Reimannus in seiner Manuduct. ad Hist. litt. der aber durch den Mich. Rotarides in seinen Elementis Hist. Hung. Litterariae seine verdiente Abfertigung bekommen.

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M\xE4nner aus dieser Nation, nennen h\xF6ren, und dieselben genauer kennen; so ist man davon vollkommen \xFCberf\xFChret**). Freylich sind diese Ungarische ingenia, wie in \xE4ltern, also auch in neuern Zeiten, meistentheils au\xDFer ihrem Vaterlande ausgebildet worden; allein es ist schon genug, da\xDF man daraus siehet, da\xDF es dennoch ingenia Hungarica sind, die einer solchen vorz\xFCglichen Ausbildung f\xE4hig gewesen, und da\xDF diese in verschiedener Betrachtung edle und ber\xFChmte Nation, zu allen Zeiten unter sich, wenigstens einige M\xE4nner aufstellen k\xF6nne, die den ber\xFChmtesten Dichtern, Rednern, Geschichtschreibern, Naturforschern, Mathematikern u. s. w. an die Seite gesetzet zu werden verdienen. Auch in den sch\xE4nen K\xFCnsten, der Mahlerey, Kupferstecherey und andern, zeiget diese Nation Leute von vorz\xFCglicher Geschicklichkeit. D\xFCrer, Kupetzky, Man-


**) Georgius Henischius, war von Bartfeld geb\xFCrthig, und einer der vornehmsten instauratorum der Griechischen und Lateinischen Litteratur. Er war D. Medic. und Professor bey dem Gymn. zu Augsburg nat. 1549. mort. 1618. Siehe des ber\xFChmten Bruckers Ehrentempel, wo auch sein Portr\xE4t stehet. von den \xFCbrigen \xE4ltern vid. Dav. Czvittingeri Spec. Hung. Literatae, bis das vielleicht schon unter der Presse sich befindende Werk des gelehrten P. Horani, von diesen,und den neuern, zum Theil ncoh lebenden ber\xFChmten M\xE4nnern dieser Nation ein mehreres mittheilen wird. Vom Peterfi und andern Gelehrten, giebt der P. Kaprinai in seiner Hung. Diplom. in den Noten auch viele gute Nachrichten.

foki sind hierinne ber\xFChmte Namen*) es kommt blos darauf an, wie man e bey der gegenw\xE4rtigen gl\xFCcklichen Beschaffenheit der Zeiten, mit Grund erwarten kann, da\xDF dieser Nation durch alle dazu n\xF6thige Veranstaltungen, nur die gew\xFCnschte Gelegenheit zu m\xF6glichster Ausbildung ihrer F\xE4higkeiten, nach allen Theilen der Gelehrsamkeit verschaffet werde: so soll die Zeit gewi\xDF bald da seyn, wo man die Nahmen der Gelehrten und K\xFCnstler von allen Klassen, eben in solcher Anzahl, wie in andern, in Ansehung des gro\xDFen Flors der Wissenschaften und K\xFCnste ber\xFChmten L\xE4ndern, wird hernennen k\xF6nnen.

Doch wir kommen von dieser kleinen Ausschweifung n\xE4her zur Sache, und nehmen daraus Gelegenheit, in Absicht auf diesen unsern vorhabenden Versuch, gleich im Anfange eines Mannes aus unsrer Nation zu gedenken, der sich, wie durch seine \xFCbrige gr\xFCndliche Einsichten und K\xE4nt-


*) Der ber\xFChmte D\xFCrer, Mahler und Kupferstecher zu N\xFCrnberg, im XV. Jahrhundert, . war eines Ungarischen Goldschmiedes Sohn. Siehe Bruckers Ehrentempel. Von dem ber\xFChmten Mahler Johann Kupetzky, der im Jahre 1667. zu P\xF6sing in Niederungarn gebohren, kann das dritte St\xFCck der N\xFCrnbergischen M\xFCnzbelustigungen, und die darinn vorkommende Beschreibung einer auf ihn gepr\xE4gten Schaum\xFCnze nachgelesen werden. Johann Manyoki war des Franz Rakotzi, und alsdenn k\xF6nigl. Pohlnischer Hofmahler; von dem wir bey einer andern Gelegenheit noch einige Andenken anf\xFChren werden.

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ni\xDFe, also auch besonders durch seine sehr gr\xFCdnliche, und praktische Einsicht in die edle und vortrefliche Buchdruckerkunst, einen nicht wenig ber\xFChmten Nahmen gemacht hat. Es ist derselbe, der in der gelehrten Welt bekannte Paulus Pater, welcher zulezt als Professor der Mahtematick bey dem akademischen Gymnasium zu Danzig gestanden, und um das Jahr 1712. gestorben ist. Seine gro\xDFe Einsicht in diese edle Kunst, nach ihrem ganzen Umfang, hat er besonders in der sch\xF6nen Schrift an den Tag gelegt, die er im Jahre 1710, zu Leipzig bey Johann Friedrich Gleditsch in Quarto drucken lassen, unter dem Titel: de Germaniae miraculo optimo maximo, Typis litterarum, earumque differentiis, Dissertatio, qua simul Artis Typographicae universam rationem explicat, Paulus Pater P. P. Er tr\xE4get darinne, die ganze Geschichte dieser Kunst, so wie er sie aus den damals vorhandenen besten Quellen gesch\xF6pfet, auf eine sehr angenehme und beliebte Weise vor, und machet nach seiner gr\xFCndlichen Einsicht und Erfahrung, in dieser Kunst, von allem dazu geh\xF6rigen, dem Leser den deutlichsten Begriff. Das sch\xF6nste ist; da\xDF die ganze Abhandlung und Schrift, ob sie gleich in ihrem Zusammenhang, ununterbrochen fortgehet, dennoch so eingerichtet ist, da\xDF die Schriften, nach allen ihren Arten, im Lateinischen und Deutschen best\xE4ndig abwechseln, so da\xDF dadurch dem Leser, alle besondre Arten und Gattungen derselben, durch den wirklichen Abdruck auf das angenehmste vor Augen gestellet werden. der Anhang enth\xE4lt, in lauter, zum Zweck geh\xF6rigen, wohl gew\xE4hlten Aufs\xE4tzen, den Typus von der Griechischen, und zulezt von allen Arten der morgenl\xE4ndischen Sprachen*). Wir haben uns mehrmalen dar\xFCber gewundert, da\xDF eine, von einem so w\xFCrdigen Landsmanne herr\xFChrende, und, ihrem Inhalt nach, ungemein lesensw\xFCrdige Schrift, die dazu nicht gar alt ist, in diesen Gegenden so gar rar, und fast v\xF6llig unbekannt sey. Die Vorstellung der deutschen Schriften, und ihrer Arten und Gattungen, beschlie\xDFet er mit einem kurzen Gedichte auf die edle Buchdruckerkunst vom An-

*) Paulus Pater, wie Czwittinger l. c. berichtet, war zu Trentschin in Oberungarn gebohren, und stund nach vollendeten Akademischen Studien erstlich in der Stadt Thorn in Poblnischreu\xDFen, als Rector Gymnasii, worauf er nacher Danzig kam. Er f\xFChrt viele seiner Schriften an, hat aber dieser besonders sch\xF6nen Dissertation, die ihm vielleicht nicht bekannt worden, nicht erw\xE4hnet. Vielleicht thun wir einigen geehrten Lesern einen Gefallen, wenn wir ihren Inhalt genauer mittheilen. Es ist folgender: Caput. I. quae causa scribendi? de etymo, autore, loco & tempore inventioms typorum ; Cap. II. de prisca & nova typorum materia & forma, praeparatione, atramento, prclo & charta typica; Cap. III. de differentia typorum, & varia eorum appelatione. Cap. IV. de libris primum typis editis. Cap V. de viris litterarum & typorum gloria claris. Cap. VI. de sumtibus in rem typographicam & fructu hinc redundante Coronidis loco, qaestiones miscellaneae huc pertinentes, proponuntur & resolvuntur.

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dreas Tscherning, mit der dar\xFCber gesezten Benennung, des dabey gebrauchten Typus; Colonelfractur und Perlenschwabacher.

Vielleicht wird es unsern Lesern nicht unangenehem seyn, wenn wir es in der n\xE4mlichen Gestalt hersetzen:

1.

Gerne la\xDF ich andre zanken,

Wer der edlen Druckerey

Eigentlich Erfinder sey?

Mir gefallen die Gedanken:

Fuster hat den Grund gelegt;

Guttenberger fort getrieben

Fausten ist der Ruhm geblieben,

Wie man heute B\xFCcher pr\xE4gt.

2.

Gnug ist, da\xDF wir dieses wissen,

Deutschland aller Erden Pracht,

Habe solche Kunst erdacht,

Die wir heute noch genie\xDFen;

Unser ist die Druckerey!

Auf den Deutschen wird sie bleiben

Alle L\xE4nder unterschreiben,

Da\xDF sie unser eigen sey.

3.

Wer ein ander Urtheil f\xE4llet;

Recht zu sagen d\xFCnket mich,

Da\xDF er jenen Greissen sich,

Bey den Scythen \xE4nlich stellet,

Die das Gold in gro\xDFer Zahl

Selber zwar nicht brauchen k\xF6nnen

Dennoch keinem Nachbar g\xF6nnen

Und verjagen allzumal.

4.

Wir behalten schon die Wiegen,

Der erzeugten Druckerkunst,

Ohne, wie mir auch noch sonst

Mit Carthaunen sind gestiegen,

Welcher Ruhm uns auch geh\xF6rt.

Jezt geb\xFChrt uns Gott zu loben

Da\xDF er dieses Pfand von oben

Auch in unser Land verehrt.

(Die Fortsetzung folgt.)

II. Ungarische Geschichte.

Kurzer Auszug, aus der Lob- und Leichenrede, welche zu Ehren des Grafen und Palatinus, Georg Thurso, im Jahre 1617. zu Bitsche in der Trentschiner Gespannschaft von Isaac Abrahamides gehalten, und in der k\xF6nigl. Stadt Leutschau in dem n\xE4mlichen Jahre in 4to gedrucket worden ist, nebst einer kurzen Nachricht von dem Geschlechte der Freyherrn und Grafen Thurso von Bethlehemsdorff.

Ehe und bevor ich einen kurzen Auszug, aus der Lob- und Leichenrede des Grafen und Palatinus Georg Thurso liefere, will ich trachten, einige merkw\xFCrdige Umst\xE4nde von desselben Vorfahren hier anzumerken.

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Die so uralte, alsber\xFChmte Thursonische Familie hat sich in Oestreich, Schlesien, M\xE4hren und Pohlen, absonderlich aber in unserm K\xF6nigreiche Ungarn sehr ber\xFChmt gemacht.

Der \xE4lteste Wohnsitz derselben mag in Oestreich gewesen seyn. Man schlie\xDFet dieses aus dem Necrologio. Rever. P.P. Minorum Convent. Vienens. welches bey Hieron. Pez, in Scriptoribus rerum Austriacarum T. II. anzutreffen ist. S. 485. findet man alldorten einige Nachricht.*)

Von Otto Thurso und seiner Grabschrift, wird man aus unserer Lob-und Leichenrede, etwas unten anf\xFChren.

In Schlesien hat Johann der II. das Bistzum Bre\xDFlau gehabt, sein Bruder Stanislaus aber war Bischoff zu Olm\xFCtz in M\xE4hren. Beyde waren in der gelehrten Welt ziemlich bekannt, und den letzern hatte besonders der bekannte und ber\xFChmte Desider. Erasm. Roterodamus sehr hoch gesch\xE4tzet.

Der dritte Bruder Johann hat im Jahre 1517. das schlesische F\xFCr-


*) Anno millesimo trecentesimo sexagesimo Johanna relicta Domini Reinperti Tursonis de Sunberg, obut. hic. sepulta & S. 509. zum Jahre 1301. Catharina Tursiana Consors Domini Reinperti Turzonis de Marchberg (est sepulta) Und bald darauf Donna Johanna relicta Reinperti Tursonis de Sonnberg, obiit l300. 6. 1dus Maj.

stenthum Wolau gekaufet, im Jahre 1524. aber solches, aus gewissen Ursachen, Friedrich dem II. Herzog zu Liegnitz, und Brieg wieder k\xE4uflich \xFCberlassen; indessen hatter er hernach die in Oberschlesien gelegene Herrschaft Plessen an sich gebracht, und wurde unter die Schlesischen Freyherren gez\xE4hlet. Man will von ihme behaupten, da\xDF er in Schlesien sehr unruhig gelebet, und sich in viele H\xE4ndel eingelassen habe. Er soll erst im Jahre 1558. gestorben seyn, davon die Schlesischen Geschichtschreiber nachzulesen sind. Der ist aber nicht in Schlesien, sondern in Ungarn aus der Zeitlichkeit gegangen, und in der k\xF6niglich freyen Stadt Leutschau beygesezt worden. Die ihm zu Ehren vorhandene Grabschrift ist in der Note angef\xFChret*). Wenn sie nicht \xFCbertrieben ist, so wird er von schlesischen Geschichtschreibern ohne Grund, als ein unruhiger Kopf beschrieben.

Der Vater von diesen drey Br\xFCdern, Johann, hat aus den Ungarischen Bergwerken, \xFCber die er gese-


*) Hic jacet Magnificus Dominus Johannes Thurzo de Bethlemfalva, Comes Comitatus Scepusiensis, qui proprio quodam instituto celebris, ad summum usque diem, vixit, pacis, quietis, justitiae amans, suo contentus, alieni minime appetens: obiit aetatis suae anno '66 a nato antem liberatore anno 1558 Math. Bel in Hung. anitquae & novae prodromo S. 89.

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tzet war, sehr gro\xDFe Sch\xE4tze gesammlet. Seine Wohnung ist in den lezten Jahren zu Krakau gewesen. Auch dieser soll zu Leutschau begraben seyn, und nachfolgende kurze Grabschrift bekommen haben: Hic situs est Magnificus Dominus Joannes Thurzo de Bethlehemfalva, Bel in prodromo S. 89.

Den gr\xF6\xDFten Ruhm, und da\xDF gr\xF6\xDFte Ansehen hat dieses Geschlecht vorhin schon im K\xF6nigreiche Ungarn behauptet gehabt. Es hat n\xE4mlich im Jahre 1452. Georg Thurzo, sich von der k\xF6niglich freyen Stadt Leutschau, auf die, in diesem Jahre zu Wien gehaltene Versammlung, der Ungarischen, B\xF6hmischen und Oestreichischen St\xE4nde abschicken lassen, wie dieses aus derjenigen Urkunde erhellet, welche P. Georg Pray, in Annalibus Regum Hung. P. III. S. 89. anf\xFChret. Es wird darinnen Georgius Thurzo der Leutschovia pro Civitate Leutschoviensi (ablegatus) genennet, worasu zu schlie\xDFen, da\xDF die Thursonische Familie das Dorf Betlehemfalva (Betlehemsdorf) davon sie nach der Zeit die Benennung f\xFChrte, damals noch nicht im Besitz gehabt habe.

Im Jahre 1474. war Thomas Thurso Schlo\xDFhauptmann von dem Schlosse Arwa, welches ein Gunstbrief bezeugt, kraft dessen einem gewissen Urbano Grundst\xFCcke geschenket worden, die zu der Herrschaft Arwa geh\xF6rig, und bey dem Dorfe Poraba gelegen sind.

Im Jahre 1505 wohnten schon zween aus diesem Hause, n\xE4mlich Sigismund, und Petrus Thurso, dem Ungarischen Landtage bey, welcher auf dem Gefilde Rakosch, bey Pest, gehalten worden ist, und zwar jener, als Bischoff von Siebenb\xFCrgen, dieser aber als Abgeordneter von der Gespannschaft Abaujwar, wie solches aus der Urkunde, welche P. Pray in Annal. Regni Ungar. P. IV. S. 313.anf\xFChret, zu ersehen ist. Ob sie Br\xFCder gewesen sind, und einen und den n\xE4mlichen Vater gehabt haben, oder nicht; kann ich aus Mangel an Nachrichten nicht darthun. Auf der Geschlechtstafel der Freyherren und Grafen von Thurso, welche bey Sommersberg in Scriptor. rerum Silesiacarum T. II. S. 378 anzutreffen ist; kommet nur der Name des erstern vor. Diese Geschlechtstafel ist demnach unvollst\xE4ndig, und auch zum Theil fehlerhaft. Sigismund wird auf derselben als Bischoff von Gro\xDFwaredein, und als ein Sohn des Theophilus

*) Nos igitur Mathias Dei gratia Rex Hungariae — omnibus fidelibus nostris -Capitaneis castri nostri Arva , & signanter Egregio Thomae Thurzo dicto, nunc in castro nostro Arva constituto, aliis etiam Capitaneis nostris in castrum id nostrum, universis & singulis dicatoribus - horum ferie firmiter praecipimus & mandamus & c. Datum in oppido nostro Rosenberg, feria sexta proxima ante Dominicam ramis palmarum anno Dom. 1474. &. c.

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Thurso de Bethlemfalva, angegeben. Johann Thurmschwamb, der Herrn von Fugger gewesener Faktor in Neusohl, welches unter Ferdinand dem I. eine merkw\xFCrdige Beschreibung des Mitternhaus in Neusohl gelegen, sammt andern, was sich in der Kron Ungarn zugetragen, im tausend f\xFCnfhundert drey und sechzigsten Jahre beschrieben, will Hansen Thurso, der die lezten Jahre seines Lebens zu Krakau zugebracht hat, Sigmunden zum Vater, die Bisch\xF6ffe aber Johann und Stanislaus zu Br\xFCdern geben. Ich will seine eigene Worte anf\xFChren: Und ist sich wohl zu verwundern, da\xDF der alte Hans Thurso drey S\xF6hn gehabt, die Bisch\xF6ff seyn gewesen, und ich ihrer zwey gekannt habe, der Sigmund ist zu Wardein Bischof gewesen, der Johannes zu Breslau Bischof, und Stanislaus zu Olm\xFCtz Bischof. Ich habe mehr Ursachen den Thurnschwamb, als dem Verfasser jezt gedachter Geschlechtstafel, der Freyherren und Grafen Thurso zu folgen; weil er bey den kaiserlich k\xF6niglichen Bergwerken in Ungarn, als ein Beamter gestanden, und mit Georg II. Thurso von Bethlemfalva, der \xFCber das ganze Bergwesen in Ungarn gesetzet war, und seinem Bruder Alexius viel zu thun gehabt hat.

Das Dorf Bethlenfalva oder vielmehr Bethlehemfalva, Bethlehemsdorf (izt Bettelsdorf) davon alle Freyherren und Grafen von Thurso, welche im XVI. und XVII. Jahrhunderte in Ungarn gewohnet, ihre Benennung gehabt, liegt in der Zipfer Gespanschaft in Oberungarn, und geh\xF6rt zu dem kleinen Stuhl (sedes decem lanceatorum) welcher seine besondere Gerichtsbarkeit, seinen eigenen Vicegespann, und \xFCbrige Gespannschaftsbeamte hat, und dem gr\xF6\xDFeren Stuhl (Sedi majori Comitatus) gar nicht unterworfen ist.

In diesem Dorfe wird das erste erworbene Gut in Ungarn, des Thursonischen Geschlechts gewesen seyn, und man will behaupten, da\xDF nur ein Theil desselben ihnen zugeh\xF6ret habe.

(Die Fortsetzung wird folgen.)


In Wien zu haben in der Baderischen Buchhandlung neben dem Todtenkopf in der Bognergasse.
Topic revision: r5 - 08 Sep 2011, AgostonBernad
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