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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, II. St\xFCck -
V. Jahrgang, IV. St\xFCck >
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V. Jahrgang, III. St\xFCck, den 18. January 1775.
I. Wissenschaften.
Noch im verflo\xDFenen Jahre 1774. hat der privilegirte Buchdrucker in Pre\xDFburg, Herr Johann Michael Landerer gedruckt und verlegt: Meliboer ungarischer Sprachmeister, in einer ganz ver\xE4nderten Gestalt; itzo bey der f\xFCnften Auflage mit einem neuen Anhange von den allern\xF6thigsten W\xF6rter, Idiotismen, Sprichw\xF6rtern, Gespr\xE4chen, Briefen, Gedichten, erg\xF6tzenden Erz\xE4hlungen, und einem Grundri\xDFe, von einer Ungarischen Handbibliothek vermehret. 17.Bogen in 8vo.
Die unter diesem Titel bekannte Anfangsgr\xFCnde der ungarischen Sprache, die man dem ber\xFChmten und gro\xDFen gelehrten Mathias Bel zu verdanken hat, haben noch immer ihren Werth behauptet, und die \xF6fteren Auflagen derselben k\xF6nnen das beste Zeugn\xFC\xDF davon abgeben — Bey dieser f\xFCnften Auflage, hat der Herr Verleger, der sonst schon, als ein eifriger Patriot, und Bef\xF6rderer der ungarischen Litteratur r\xFChmlich bekannt ist, das meistentheils erf\xFCllet, was er auf dem Titel versprochen; und er verdient, auch hier \xF6ffentlich gelobt zu werden, da\xDF er den Ausl\xE4ndern, und der Jugend zum Besten, diese kleine Sprachlehre, immer richtiger und vollst\xE4ndiger
zu machen suchet. Er hat die Sprachkunst des Herrn Adami zum Leitfaden seiner Verbesserungen angenommen, und Kenner wissen es, da\xDF er dabey den rechten Weg nicht verfehlen k\xF6nnen. — Freylich hat dieses Werk, denjenigen Grad der Vollkommenheit, den man w\xFCnschet, noch nicht erreichet, aber man kann aus einer Nacherinnerung sehen, da\xDF man dasselbe erst zu vermehren, und zu ver\xE4ndern angefangen habe, als der erste Bogen schon abgesetzet war. Der Herr Verleger verspricht jedoch, da\xDF
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II. Policey
Fortsetzung der Untersuchung wegen der fremden Gold- und Schatzgr\xE4ber.
Man mu\xDF in der That \xFCber dieser Erdichtung erstaunen; aber auch vern\xFCnftiger Weise, diesen Beschreibungen schlechterdings allen Beyfall augenblicklich versagen, so bald man nur das Verzeichni\xDF der unersch\xF6pflichen Reichth\xFCmer und Sch\xE4tze lieset, die in dieser Schatzkammer vorhanden seyn sollen. Wir wollen nur etwas weniges zur Probe davon anf\xFChren, um daraus zu erkennen zu geben, da\xDF sich Menschen in der Welt finden, die auch denen ungereimtesten Erdichtungen allen Beyfall zu ertheilen bereit sind. Ein Goldklumpen, mit denen kostbarsten Edelsteinen, die bald Haseln\xFC\xDFen, bald Taubeneyern in ihrer Gr\xF6\xDFe gleichen, soll daselbst in einem Gemach liegen, in eben der Gestalt und Gr\xF6\xDFe, wie ein Weinfa\xDF.
Nicht weit davon, hei\xDFet es, ist ein anderes unterirdisches Gew\xF6lbe welches auf zw\xF6lf silbernen Pfeilern ruhet, und eben so viele M\xE4nner aus purem Golde in sich fasset, die daselbst in einem Creise nebeneinander stehen, und den dreyzehenden, der aus einem Karfunkelstein in Gestalt eines Priesters gebildet ist, und mitten unter den Zw\xF6lfen stehet, umringen und einschlie\xDFen. Alle W\xE4nde dieses unterirdischen Geb\xE4udes, sind nach dieser Beschreibung mit Diamanten, Saphiren, Rubinen mit Perlen von au\xDFerordentlicher Gr\xF6\xDFe, wie auch mit andern kostbaren Edelsteinen reichlich besezt und ausgeleget. Noch nicht genug! auch wilde Thiere und zahmes Vieh, als L\xF6wen, B\xE4ren, Ochsen, aus dem feinesten Golde zusammen gesezt, und in Lebensgr\xF6\xDFe gebildet, sollen da wechselweise untereinander, wie auf einer Wiese stehen. Um diese Thiere herum sitzen abermal goldene V\xF6gel, als G\xE4nse, Adler, Strau\xDFen, Auerh\xFCner und dergleichen mehr, auf goldenen Eyern die best\xE4ndig Schockweise unter ihnen liegen, also, da\xDF wenn gleich einige von diesen Eyern weggenommen werden, es dennoch an der richtigen Zahl niemalen mangeln darf; und da\xDF vielmehr solcher Raub, durch die Kraft dieser V\xF6gel schleinig wieder ersezt werde, und daher dieser Reichthum
unersch\xF6pflich bleibe.
Welch ein s\xFCsser Traum ist nun alles dieses f\xFCr einen geldhungrigen Menschen! der noch zum Ueberflu\xDF in dieser Beschreibung so verf\xFChrerisch vorgestellet ist, da\xDF ein f\xFCr
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dergleichen Vorurtheilen nicht gen\xFCgsam gesicherter Mensch, sehr leicht dadurch auf den Vorsatz verleitet werden kann, vermittelst dieses Weges sein Gl\xFCck zu suchen, und die angepriessene Schatzkammer, wenn es ihm auch noch so sauer ankommen sollte, einmal in seinem Leben zu besehen; in Hofnung auf einmal reich zu werden, und sich in einen gl\xFCcklichen Zustand pl\xF6tzlich zu versetzen. Die Sache kommet einem solchen Menschen desto glaublicher f\xFCr, je mehr der Verfasser dieser Schrift beflie\xDFen war, in seinem ganzen Vortrag, sich ernsthaft, aufrichtig und recht and\xE4chtig zu stellen; wobey er noch, auch vorgiebt, wie er selbst in eigener Person, diese Schatzkammer besucht, alle darinne befindliche Sch\xE4tze mit Augen gesehen, und da\xDF er von diesem reichen Vorrathe so viel f\xFCr sich genommen habe, als er vermeynte, zu einer ehrlichen Unterhaltung und Auskommen bey seiner zuk\xFCnftigen Lebenszeit, hinl\xE4nglich zu seyn.
Wie m\xF6glich war es nun, da\xDF auch Ausl\xE4ndern eine Beschreibung von dieser Art in die H\xE4nde fiel, bey denen sie um desto mehr Beyfall erhielte, je reitzender die Sache ist; und je weniger sie, als Fremde, sowohl von der Lage des Orts, als auch von der \xFCbrigen Beschaffenheit und Umst\xE4nden dieses Gebirges, Erkenntni\xDF und Erfahrung besa\xDFen. Sie wagten es also, indem sie sich anderer Verrichtungen halber im lande aufhielten, bey einer so bequemen Gelegenheit, die Th\xE4ler und Felsen dieses ungeheuren Gebirges in der N\xE4he zu betrachten, um, wo nicht Sch\xE4tze zu
erbeuten, doch wenigstens von diesem Gebirge einen deutlichern Begrif zu erhalten, und einem leicht m\xF6glichen Vorwurf auszuweichen; da\xDF da sie einem ber\xFChmten Orte so nahe gewesen w\xE4ren, sie dennoch denselben weder besucht noch geh\xF6rig erforschet h\xE4tten. Dieses mag nun der Bewegungsgrund und die Triebfeder gewesen seyn, die dergleichen Ausl\xE4nder in diese Gebirge etwas tiefer sich zu begeben, bewogen hat: Neugierde und Hofnung. Da\xDF aber dieses keine blo\xDFe Muthma\xDFung sey, sondern sich in der That so verhalte, k\xF6nnen wir aus sichern und gewi\xDFen Begebenheiten darthun und mit Beyspielen erweisen. Es sind kaum etliche Monathe \xFCber ein Jahr verflossen, da\xDF die Neuwalddorfer Bauern*) die sich gewisser Verrichtungenhalber in denen W\xE4ldern unter dem karpatischen Gebirge aufhielten, auf eine Gesellschaft von Fremden, und ihnen unbekannten Ausl\xE4ndern trafen. Bey dem ersten Anblick befremdete es sie, da\xDF ihnen dergleichen Leute, in einer w\xFCsten und wilden Gegend vor ihr Angesicht k\xE4men, und dachten vielleicht, ob diese nicht ebenfalls Schwarzk\xFCnstler w\xE4ren? Allein in-
*) Neuwalddorf, ist ein Dorf in Zip\xDF, welches unter der Schlagendorfer Spitze des karpatischen Gebirges liegt, dessen Einwohner sich auf die G\xE4msenjagd sehr wohl verfielen und neben dem Feldbau, so oft es die Zeit und Witterung gestattet, derselben flei\xDFig nachgehen.
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dem sie zu ihnen etwas n\xE4her hinzutratten, und sich um ihr Vaterland; wie auch um ihre Verrichtungen genauer erkundigten, so erhielten sie den Bescheid und das offenherzige Gest\xE4ndni\xDF: da\xDF sie in M\xE4hren zuhause, und von ihrer Profe\xDFion Tuchmacher w\xE4ren; da\xDF sie sich aber durch die s\xFCssen und reitzenden Erz\xE4hlungen von denen Reichth\xFCmern und Sch\xE4tzen dieses Gebirges h\xE4tten einnehmen und dahin verleiten lassen, diesen weiten beschwerlichen Weg zu betretten. Nun aber, indem sie die unbesteiglichen Felsen und gef\xE4hrlichen Zug\xE4nge dieses Gebirges vor Augen s\xE4hen, und noch tausend andere Hinderni\xDFe f\xE4nden, so verlangten sie nichts mehr von diesen ihnen vorgebildeten Sch\xE4tzen, wenn sie auch wirklich da w\xE4ren, und nicht anders, als mit sehr vieler M\xFChe und Gefahr erbeutet werden k\xF6nnten. Kurz sie bereueten ihre Leichtglaubigkeit und Leichtsinn, ihre M\xFChe und Kosten, und kehreten unverrichteter Sache wiederum zur\xFCck in ihre Wohnungen, mit dem Vorsatz: nimmermehr in Zukunft eine so vergebliche Reise nach Gold vorzunehmen: indem sie weiter nichts mit ihrer gewesten M\xFChe gewonnen hatten, als da\xDF sie kl\xFCger und vorsichtiger dadurch geworden sind.
Im Jahre 1749. kam ein Tischler oder Schreinergeselle Namens Joh. Andreas Papirus aus Preu\xDFen geb\xFCrtig, mit eben dem Vorurtheile, in diese Gegend, und tratt in Martsdorf einer der k\xF6nigl. XIII.nunmehro XVI. Zipserst\xE4dte, bey einer Wittib, von dieser Profe\xDFion, in Arbeit. Dieser im \xFCbrigen gute und ehrliche Mann, war allezeit den Winter \xFCber in seiner Berufsarbeit unerm\xFCdet und flei\xDFig; so bald er aber, im Monath July merkte, da\xDF sich der h\xE4ufige Schnee von den karpatischen Gebirgen allgemach verl\xF6hre, und die Witterung daselbst ertr\xE4glicher zu werden anfing; so legte er sein Werkzeug nieder, nahm die Beschreibung der Schatzkammer zur Hand, und gieng mit gro\xDFer Hofnung hin, dieselbe aufzusuchen und zu finden. Allein er kam allezeit mit matten Gliedern ohne verrrichteter Sache und leer wieder zur\xFCcke; indem, wie er sagte, ihm bald die Witterung, bald die Geister, bald etwas anderes Hindernisse im Weg legte, und seine Absichten vereitelte. Ob nun gleich dieser Mann sehr oft und vielmal, durch seine karpatische Reisen angef\xFChrt worden, und aus eigener Erfahrung \xFCberzeugt werden k\xF6nnen, da\xDF an der Sache, die er sich aufzusuchen so viele M\xFChe gab, nichts sey; so wollte er dennoch so wenig sein Vorurtheil, als den einmal gefa\xDFten Vorsatz fahren la\xDFen, so sehr sich auch verschiedene bem\xFCheten (weil er ein guter Handwerker und sehr vertr\xE4glicher Mann war) ihn von seinem fruchtlosen Bem\xFChungen abzuhalten und f\xFCr einem Ungl\xFCcke zu warnen. Nachdem also niemand verm\xF6gend gewesen, diesen Menschen auf andere Gedanken zu bringen, oder dahin zu bewegen, seine Gesinnungen zu \xE4ndern; so bestund er darauf und setzte
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seine karpatischen Besuche, mit mancherley Gefahr, bis in das zwey und zwanzigste Jahr, alle Sommer und Herbste fort, ohne in so langer Zeit, den mindesten Gewinn oder Vortheil davon zu erhalten; sondern dagegen lauter Schaden, sowohl an seinen Leibeskr\xE4ften, als auch an seinem Verm\xF6gen zu erfahren, indem er alles, was er den Winter \xFCber durch seine Handarbeit gewonnen, im Sommer und Herbst auf seine karpatische Reisen nothwendig verwenden mu\xDFte; bis er, endlich im Jahre 1771. im Monathe October zum letzenmal hingieng, und nicht mehr zum Vorschein kam. Ungl\xFCcklicherweise beschlo\xDF er sein Leben dort zwischen den ungeheuern Felsen, wo ihm entweder ein Fall, oder, weil es so sp\xE4t im Jahre gewesen, und auf eine sch\xF6ne Witterung, pl\xF6tzlich ein h\xE4ufiger Schnee ausgefallen ist, der Frost und die K\xE4lte den letzten Rest gegeben haben m\xF6gen. Und so fand dieser gute Mann, welcher eben in der Absicht eine so weite Reise gemacht hatte, nach vielj\xE4hrigem
und m\xFChsamen Suchen, anstatt der Schatzkammer, in diesem Gebirge, seinen Tod, wovon man erst im folgenden Jahre vergewi\xDFert wurde; nachdeme bey einem Felsen sein Gerippe und einige St\xFCcke von seinen vermoderten Kleidern gefunden worden sind.
Hieraus k\xF6nnen wir deutlich genug sehen, wodurch auch Ausl\xE4nder bewogen werden, das karpatische Gebirge zu besuchen, und was mancher dabey vor Absichten habe? Es sind aber auch noch mehrere Ursachen, warum dieses geschehen kann, und oftmalen in der That und wirklich geschiehet. Es giebt in diesen Gebirgen allerhand Fu\xDFsteige, durch welche man aus Pohlen, Schlesien und M\xE4hren theils zu Fu\xDF, theils auch, an einigen Orten, zu Pferde, bis nach Ungarn kommen kann. Die Ausl\xE4nder, denen dergleichen Fu\xDFsteige bekannt sind, w\xE4hlen zu ihrer Reise diese viel lieber, als die ordentlichen Landstrassen; indeme sie dadurch (weil die Steige um ein merkliches gerader und k\xFCrzer sind) viele Zeit und M\xFChe bey ihrer Reise ersparen k\xF6nnen. So bald nun, besonders in denen alten Zeiten, ein Bauer, ein Schaafhirte, oder ein J\xE4ger, eines solchen reisenden Ausl\xE4nders gewahr wurde; so erstaunte er| bey seinem Anblick; weil er es nicht entwickeln konnte, was ein solcher Mensch allda f\xFCr Verrichtungen haben, und was ihn in diese Gegend zu kommen bewogen haben m\xF6ge? In dieser Verwirrung machte er den \xFCbereilten Schlu\xDF, da\xDF hinter dieser Sache etwas verborgenes stecken m\xFC\xDFte; und da\xDF diese Fremdlinge, ohne erhebliche und wichtige Ursache in diese wilde Gegend nicht k\xE4men, es auch nicht anders seyn k\xF6nnte, als da\xDF sie heimliche Absichten dabey hegten, und uns unsere Sch\xE4tze und des Goldes, die sie durch Zauberey an sich z\xF6gen, beraubten. Mit einem Worte: man bildete sich ein, und glaubte es festiglich diese Fremde w\xE4ren Schwarzk\xFCnstler.
(Die Fortsetzung folgt.)
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III. Vermischte Nachrichten.
Schreiben an das gelehrte Fr\xE4ulein von S.*)
Die Gelehrsamkeit des ungarischen Frauenzimmers betreffend.
Ja, meine Freundin! nicht allein durch Tapferkeit, auch durch Gelehrsamkeit hat sich ihr Geschlecht in unserm Vaterlande r\xFChmlich hervorgethan! — Freylich haben uns die Geschichtschreiber nur wenige Beyspiele davon aufbehalten; denn sie hatten
genug von Staatsver\xE4nderungen, innerlichen Unruhen, verderblichen Kriegen, und Schlachten zu reden. Ueber dieses waren auch unsere Sch\xF6nen, von jeher, viel zu bescheiden; als da\xDF sie sich mit ihren gelehrten Kenntnissen h\xE4tten br\xFCsten sollen!
Ich beruffe mich hierinnen auf Sie selbst, und auf Ihre gelehrte Freundinn, die Frau von K. ** die allzeit err\xF6thet, wann man ihren geistvollen Gedichten den verdienten Beyfall geben mu\xDF! — Doch, ich will izt nicht von Ihnen, nicht von ihren Freundinn reden; ich will Sie nur an einige Ihrer Landsm\xE4nninnen erinnern, deren Verdienste um die Wissenschaften Ihnen unm\xF6glich unbekannte geblieben seyn k\xF6nnen!
Der Baronesse von Hellenbach Abhandlung von Erziehung der Kinder welche zu Leipzig 1760 in gro\xDF Oktav gedruckt worden, haben Sie nicht nur mit Vergn\xFCgen gelesen; sondern auch gr\xFCndlich beurtheilet. Jedes Frauenzimmer sollte die\xDF Werkchen lesen, und jede Mutter sollte es zu ihrem Handbuch w\xE4hlen! — Sollte die gelehrte Verfasserinn, die, wie ich wei\xDF, ihre \xFCbrige Stunden den Musen widmet, es wohl bey dieser Probe allein bewenden lassen? Nein, wir wollen hoffen, und wir wollen Sie ersuchen, uns noch mehr Werke, ihres sch\xF6nen Geistes zu schenken!
Die Sammlung geistlicher Betrachtungen aus Johann Arnds B\xFCchern vom wahren Christenthume, in ungarischer Sprache, welche die Katharina Sidonia Petrozy, eine Dame von vortreflichen Tugenden, und ausgebreiteter Gelehrsamkeit zur Verfasserinn haben, fand ich selbst sehr oft in ihren sch\xF6nen H\xE4nden, die 1705 zu Klausenburg herauskam, und die sie besitzen, hat auch die Baronesse Veschelenyi eine andere erst 1764. veranstaltet. — Noch schrieb diese Dame in unserer Muttersprache:
*) Das gelehrte Fr\xE4ulein von S. hat in unserm vorigen Jahrgange die angef\xFChrten Beyspiele von der Tapferkeit des Ungarischen Frauenzimmers gelesen: hier werden Ihme nun Beyspiele angef\xFChrt und gezeiget, da\xDF sich das Ungarische Frauenzimmer auch auf dem Felde der Gelehrsamkeit hervorgethan habe.
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Das einen guten Geruch ausduftende Herz, eben nach Anleitung des obenber\xFChrten Johann Arnds, welches Werk 1708. in Leutschau an das Licht trat; und endlich hat sie auch des Johann Mayers Traktat: von den Zweifeln der Seligkeit in unsere Sprache \xFCbersezt; ja noch viel andere, meist der Erbauung gewidmete Schriften hinterlassen, die alle w\xFCrdig w\xE4ren, durch den Druck allgemein gemacht zu werden.
In die r\xFChmlichen Fu\xDFstapfen dieser vortreflichen Dame, trat auch ihre Enkelinn, die obenbelobte Gemahlinn des Freyherrn Stephan Veschelenyi von Hadad, Polyxena eine Tochter Stephan Daniels von Vargyas. Au\xDFer einer mehr als gemeinen
Kenntni\xDF der meisten europ\xE4ischen Sprachen, war sie auch der Griechischen und
Lateinischen v\xF6llig m\xE4chtig, und \xFCbersezte aus der leztern des Benedictus Pictets christliche Sittenlehre in das Ungarische, welche 1752. zu Klausenburg in 8. sehr niedlich, gedruckt ward. Sie vermehrte auch den Ruhm ihres gelehrten Vaters, durch eine ungarische Uebersetzung des von ihm geschriebenen weitl\xE4ufigen Werks: Paterna monita betitelt, welches sie durch den Druck gemeinn\xFCtzig machte.
Die Sophia Bathory, eine Dame, die nebst den vortreflchsten weiblichen Tugenden, eine m\xE4nnliche Seele besa\xDF, haben Sie schon oft bewundert! Sie war die Gemahlinn des Siebenb\xFCrgischen F\xFCrsten, Georg Rakoczy, und die Mutter des rebellischen Franz, dessen Anschlag Munkatsch zu erobern, sie durch ihre Tapferkeit vernichtete; indem sie ihn zwang, die Belagerung dieser Festung mit nicht geringem Verluste aufzuheben. Mit dem gr\xF6\xDFten Schmerze sah sie, die Meutereyen ihres Sohnes, und mit den r\xFChrendsten Ausdr\xFCcken ermahnte sie ihn, zum Gehorsam, und Treue gegen den Kaiser. Ja, sie nahm es \xFCber sich, Gnade f\xFCr ihn zu erflehen, welche sie auch endlich erlangte. — Nachdem sie die Ruhe in ihrem Vaterlande wieder hergestellet sah, widmete sie sich ganz dem Dienste Gottes, und schrieb ein Gebettbuch, welches in Tyrnau gedruckt warb. — In ihrer lezten Krankheit sezte sie die Gesellschaft Jesu, zu Erben ihres betr\xE4chtlichen Verm\xF6gens ein, das aber, als es der Orden in Sicherheit zu bringen suchte, dem Th\xF6k\xF6ly in die H\xE4nde fiel. — Denn, wie sie wissen werden, sie verlie\xDF gleich nach dem Tode ihres Gemahls, die Lehre des Calvins, und nahm den r\xF6misch- katholischen Glauben an.
Einen unsterblichen Namen machte sich Katharina, eine Enkelinn des Johann Bethlen, welche mit unglaublicher M\xFChe und sehr gro\xDFem Aufwande, eine — haupts\xE4chlich aus ungarischen B\xFCchern, und Handschriften bestehende
Bibliothek sammelte, und solche noch bey Lebzeiten, dem Enyedergymnasio schenkte. Die Arzneywissenschaft liebte sie vor andern,
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und machte daher Bekanntschaft, mit den, in dieser Wissenschaft ber\xFChmten
Doktorn, Martin Simoni, Samuel K\xF6l\xF6scheri, und Martin Boroschnai; sie brachte es auch darinnen so weit, da\xDF sie dieselbe zum erheblichen Nutzen ihrer Nebenmenschen anwenden konnte. — Zuerst war sie mit dem Grafen Ladislaus Haller, hernach aber mit dem Grafen Joseph Telecki verheurathet; lebte auch nach dem Tode des lezteren noch 27. Jahre im Witwenstande, in welchem sie ein Buch geistlicher Betrachtungen und Gebether in ungarischer Sprache schrieb, und durch den Druck gemeinn\xFCtzig machte.
Die Juditha Ujfaluschi eine Klarissernonne zu Tyrnau, wird Ihnen vielleicht auch nicht unbekannt seyn. Sie war ihrer Fr\xF6mmigkeit sowohl, als ihrer Gelehrsamkeit wegen, in gro\xDFem Ansehen, und \xFCbersezte aus der b\xF6hmischen in die ungarische Sprache: Das Leben Jesu und Maria, welches zu gedachtem Tyrnau verschiedenemale, und 1746. wieder in Quart aufgelegt worden.
Endlich mu\xDF ich der Susanna Loranfi nicht vergessen. Diese gelehrte Dame bef\xF6rderte nicht nur verschiedene Werke der Gelehrten zum Drucke; sondern schrieb selbts ein Buch in ungarischer Sprache, unter dem Titel: Moses, und die Propheten
ec. welches 1641. zu Stuhlwei\xDFenburg die Pre\xDFe verlie\xDF. Ich weis nicht: ob Ihnen dieses Werk bekandt ist? Seiner Zeit machte es viel Aufsehen, ward gelobt und getadelt. Auch die. Satyre bl\xF6ckte die Z\xE4hne dar\xFCber, wovon ich Ihnen ein paar
abgeschmackte Zeilen, die Ihnen Ihr Bruder verdeutlichen soll, hersetzen will:
Nunc Paullina tonant , madidis oracular mappis,
Ante focum nutrix, potaque mussat anus;
Quid mirum , si fit nobis Ecclesia discors,
Dant passim bibula, Biblia voce sonos.
Ich k\xF6nnte Ihnen noch eine gute Anzahl ungarischer Sch\xF6nen namhaft machen, deren ausnehmenden Verstand, und vortrefliche Geistesgaben, ich mit vielen andern bewundere; wann ich nicht bef\xFCrchten m\xFCsste ihre Bescheidenheit eben so sehr zu beleidigen, als ich dadurch den Ruhm meiner Nation allerdings vermehren
w\xFCrde. — Aber ohne ihre Namen zu nennen, will ich der Welt ehestens einige ihrer gelehrten Arbeiten in diesem unserem Blatte mittheilen, und — err\xF6then Sie immer — mit ein paar St\xFCcken Ihrer z\xE4rtlichen Muse den Anfang machen.
v. W.
In Wien zu haben in dem von Ghelenschen privil. Zeitungscomtoir, in der Sinngerstrasse Nro. 931.