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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, III. St\xFCck - V. Jahrgang, V. St\xFCck >



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V. Jahrgang, IV. St\xFCck, den 25. January 1775.

I. Geschichte.

Zus\xE4tze zum Nachtrag der Geschichte des gr\xE4flich Th\xF6k\xF6lischen Hauses.

Was wir in dem lezten St\xFCck unseres Nachtrags, zur Geschichte des Th\xF6k\xF6lischen Hauses von desselben Wappen behauptet haben, das setzet auch Herr Wagner in seinen Analect. Scep. T. II, p 344. Durch die Anf\xFChrung einer in der Parochialkirche zu K\xE4\xDFmark annoch befindlichern Grabschrift auf den Sebastian Th\xF6k\xF6li, und die dabey verkommende Vorstellung und Beschreibung, seines Familienwappens au\xDFer allen Zweifel*). Und so ist uns auch dieser Tagen, das Original, eines merkw\xFCrdigen Schenkungsbriefes von dem Emerik Th\xF6k\xF6li, in die H\xE4nde gekommen, durch welchen er einem gewissen Andreas Raditsch, seinem gewesenen Hauptmann und Commendanten der Festung Munkatsch in den Besitz gewisser adelicher Landg\xFCter, in der Grafschaft Schaarosch einsetzet, die er dem Sylvester Joanelly, weil derselbe seinem Anhang nicht folgen sollte, entri\xDFen hatte**), in

*)  Insignia Generosi ac Magnifici Domini Domini Sebastiani  Teckely Domini in Kesmark, hei\xDFet es l. c. S. den IVten Jahrgang XLVIII. p. 384. Die Grabschrift ist eigentlich auf seine Gemahlinn, die Susanna Doczy; wie sichs gleich mit mehreren zeigen wird: und diese Verse sind nur in Absicht auf das Wappen ihres Herren hinzugesezt.

**) Es ist hier der Ort nicht von der Ung\xFCltigkeit und Ges\xE4tzwidrigkeit dieses und anderer vorgangener \xE4hnlicher

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welchem sich***) auf den darinn befindlichen Abdruck seines gro\xDFen Kanzleysiegels, seines von uns beschriebenes Geschlechtswappens in Zusammensetzung, mit dem gr\xE4flichen Srinischen, wegen seiner Heyrath mit der Helena Srini verwittweten Rakoczy auch sehr sch\xF6n und genau sehen l\xE4sset. Der Schild ist quadrirt, die Hauptfigur im Th\xF6k\xF6lischen, der aufgebaumte befawnete Tiger, und in dem Srinischen ein aufgebaumter fortschreitender gekr\xF6nter L\xF6we, eine Krone in den Datzen haltend; in der Mitte ist der dopplete kaiserliche Adler, als ein Gnaden oder Ehrenwappen in einem Schildlein einger\xFCcket, wovon wir, wenn es nicht auch blos was angema\xDFtes ist, den Grund mit v\xF6lliger Gewi\xDFheit, nicht anzugeben wissen. Unter dem Wappen stehet die Jahrezahl: 1682. und die Umschrift ist: EMERICUS TH\xD6K\xD6LI PRINCEPS, AC PARTIUM REGNI HVNGRIAE DOMINUS.

Nachdem an gemeldtem Ort vorkommenden weitern Anzeigen des Herrn Wagners k\xF6nnen und m\xFCssen wir auch eine Unrichtigkeit, verbesseren, die wir aus damaliger Ermangelung dieses Documents, in die Geschichte dieses Hauses, in Absicht auf den Sebastian Th\xF6k\xF6li, und seine erste Gemahlinn die Susanna Doczy haben einflie\xDFen lassen. Wir haben zwar schon damals etwas von einer zweymaligen Verheurathung des Sebastian Th\xF6k\xF6li gemuthma\xDFet, endlich aber doch aus einigen Gr\xFCnden nur die einmalige mit der von Doczy behauptet. Allein durch Herrn Wagner eines bessern belehrt, m\xFCssen wir nun diese unsere Behauptung \xE4ndern, und mit v\xF6lliger Gewi\xDFheit sagen, da\xDF Sebastian Th\xF6k\xF6ly wirklich zwy verschiedene Gemahlinnen gehabt habe, n\xE4mlich erstlich, die Susanna von Doczy, mit welcher, wie die von Herrn Wagner l.c. angef\xFChrte

=Schenkungsbriefe zu handeln: wir verfolgten blo\xDF allein unsere Absicht, nach der wir die eingeschlichenen Irrth\xFCmer wegen des Wappens dieser sonst im Lande hoch angesehenen und m\xE4chtigen Familie zu heven suchen. =

***) Wir wollen das wesentliche dieser donationalium Th\xF6k\xF6linarum hieher setzen. Nos Emericus Th\xF6k\xF6li Princeps & partium Regni Hungariae Dominus. Notum  facimus, per praesentes, universis quod virtutibus & meritis, sicuti per universum orbem, justum tribuitur aestitur:  ita vel maxime &c. Cum igitur & nobis Generosi Andreae Radics Capitaneid nostri Munkacsiensis fide, & constantissima serviendi dexteritas -- perspectissima sit, sperantes eundem etiam &c. Ideo supra memorato Andreae Radics contulimus, dedimus & per manus  assignari jussimus possessiones in Inclyto Comit. Saaros, pagos nempe, Isip, Bajor, &c.  a Gen, quondam Nicolai Belevary relicta vidua, Generosa Elisabetha Madarasz, Sylvestro Joannelli, hypothecario modo concessas, sed per ejusdem Joanelli Itali pravas contra patriam machinationes - tum etiam proper  recusatam - insurrectionem amissas, & Fisco nostro applicatas &c. Datum in  Civitate Leutschoviensi, die 21. Febr. Anno millesimo, sexcentesimo, octuagesimo tertio. Emericus Th\xF6k\xF6ly m. p. (L.S.) Daniel Absolon Conservator & Vice Secretarius.

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Grabschrift*) zeiget, er sechzehen Jahre in der vergn\xFCgtesten Ehe gelebet, und die, nachdem sie eine Mutter von 12. Kindern, 8. S\xF6hnen und 4. T\xF6chtern gewesen war, von welchen sie aber nur viere, n\xE4mlich Stephan, Nikolaus, Elisabeth und Anna \xFCberlebet, in einem noch sehr bl\xFChenden Alter von 31. Jahren, im Jahre 1596. dahin gestorben; worauf er sodann, nur ganz wenige Jahre vor seinem Tode, um das Jahr 1602. sich noch die zwote Gattinn, deren Nahmen wir aber nicht nennen k\xF6nnen zugesellet, und mit derselben im Jahre 1603. sein leztes Kind, den Andreas erzeuget hat. Diese zwote Heurath, in seinem ziemlich hohen Alter, war ohnstreitig auch die Ursache, da\xDF sein Sohn Stephan der von seiner siebenj\xE4hrigen gelehrten Reise, kaum zu Hause eingetroffen war, sich alsobald wieder davon entfernet, und nicht eher, als nach dem Tode seines Vaters, welcher im Jahre 1607. erfolgte, sich als der einzige m\xE4nnliche Universalerb zu seiner ihm zufallenden weitl\xE4uftigen v\xE4terlichen Herrschaft wieder eingefunden hat. Eben dieses Zeugni\xDF best\xE4ttiget auch unsere gethane Behauptung, da\xDF Sebastian Th\xF6k\xF6li der gegenseitigen Meynung v\xF6llig zuwider, die Susanna Doczy in ihrer bl\xFChendesten Jugend, n\xE4mlich in einem Alter, von noch nicht v\xF6llig vollen sechzehn Jahren geheurathet, und giebet uns dazu die Gewi\xDFheit, da\xDF Stephan, und nicht Nilolaus, wie wir gemeinet, unter diesen zweeen S\xF6hnen des Sebastians der \xE4ltere gewesen.

Von den Kindern dieses seines Sohnes Stephan des \xE4ltern m\xFC\xDFen wir auch noch erw\xE4hnen, da\xDF seine Tochter Elisabeth, welche im Jahre 1629. gebohren, an einem Stephan von Petroczi, welches Geschlecht auch sehr alt und vornehm ist, verm\xE4hlet worden, und im Jahre 1662. gestorben, wie solches das, von einem

*) Insignia Generosae ac  Magnificae Domiae Susannae D\xF3czy de Nagy - Luche. Sunt Leo, stella, globus proavita isignia gentis, Quae sub Docziadum nomine clara viget: Stella micans, Leo magnanimus, perfecta figura , Magnificum decorant, quam bene juneta genus! Susannae Doczy, Generosi & Magnifici, Domini Gabrielis  Doczy de Nagy-Luche ,  & Christianae Nyari &c. parentum longe optimorum, quam similimae filiae, quae postquam in sedecim annorum concordi matrimonio 12. liberorum, nempe 8.  filiorum & 4. filiarum mater facta fuisset, e quibus Gabriel, Franciscus, Michael, Paulus, alter Franciscus, filii; item Helena & Christina filiae ante ipsam defunct, in hoc communi monumento quierunt: Grorgius cum illi supervisisset, annum subiecutus, & in materni avi scpulchro Zarnoczy conditus est; Stephano & Nicolo, Elisabetha & Anna superfuitus relictis IX. Junii mensis, & anno MDXCVL diem extremum pie, sancteque clausit, aetatis anno XXXI. Sebastianus Te\xF6kely hujus civitatis Dominus conjugi, desideratissimae, liberisque dilectissima, denique & suis omnibus monumentum hoc fieri curavit.

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gewissen Nikolaus Fabricius darauf verfetigte, und zu Trentschin gedrucktes lateinische Trauergedicht ausweiset*).

II. Policey.

Fortsetzung der Untersuchung wegen der fremden Gold- und Schatzgr\xE4ber.

Wir werden vielleicht gar nicht fehlen, wenn wir auch dieses noch hinzusetzen, da\xDF manche verschmitzte Ausl\xE4nder, oder auch Einheimische, solche Leute in ihrem Wahn noch mehr zu best\xE4ttigen suchten, um sie dadurch in Furcht zu setzen, und den — von ihnen etwa zu besorgenden Mi\xDFhandlungen dadurch vorzubeugen. Ein Freund und Mitglied unserer Gesellschaft, dem wir trauen k\xF6nnen, entdeckte uns ohnl\xE4ngst einen besonderen Vorfall, der diese Muthma\xDFungen vollkommen rechtferfiget. Vor ohngef\xE4hr 20 Jahren lebte ein verdorbener Gelehrter J. G. in unsern Gegenden, dessen Hauptverrichtungen im Hin- und Herreisen und in Besuchen seiner alten Freunde und Bekannten, bey denen er sich zuweilen einen guten Tag machte, befunden. Er reiste aber nach seiner Gewohnheit und nach Beschaffenheit seiner Umst\xE4nde meistens ohne Begleitung und zu Fu\xDF. wenn er nicht etwa auf einem Bauerwagen von ohngef\xE4hr unterwegens traf, auf den er sich auflud, und mit Gelegenheit ein wenig weiter kam. Einstens wollte dieser ehrliche Mann aus Zip\xDF in den Schaaroser Komitat gehen, und mu\xDFte folglich den so genannten Purzelgrund (Branisko) der diese Gespanschaft von Zip\xDF scheidet, und ehemals in Ansehung der Rauberey f\xFCr Reisende unsicher war, pa\xDFiren. Er gieng seinen Weg zu Fu\xDF und einsam, dabey aber auch sehr getrost fort; indem er bey sich nichts, als nur einen alten schwarzen Rock auf dem Leibe hatte, und sich dahero getrauete, bey seiner Armuth allen Raubern Trotz zu bieten. Dem ohngeachtet konnte er aller Gefahr nicht entgehen. Die schwarze Nacht \xFCberfiel diesen Wanderer wider seine Ausrechnung zu zeitig, wobey er des vorhin gemachten rechten Weges verfehlte, und auf seinem Irrwege unvermuthet auf eine Bande von Schaafhirten flie\xDF, die nicht leicht eine Gelegenheit zum Rauben und Pl\xFCndern zu unterlassen gewohnet waren. Diese freueten sich schon,

*) Vide   Gymnasiologiam    Rezikio - Matthaeidesianam   MS. von welcher zu einer anderen Zeit und bey bequemerer Gelegenheit ein mehreres soll gesagt werden, Sect. I. Cap. VIII. \xA7. XXIII. M. Isaacus Zabanius hat seine Synopsin controv. Metaphys. Leutschoviae impressam Ao. 1668. seqq. unter andern, diesem Petroeczio, mit diesem Titel dedicirt; Spectabili item ac Magnifico Domino, Domino Stephano Petroczi de eadem. Libero Baroni, Equiti Aurato, Perpetuo & Haereditario Domino Arcis Kaszsza &c.

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bey dem ersten Ger\xE4usche, welches dieser Reisende durch seine verdoppelte Schritte verursachte, einer bevorstehenden Beute entgegen, die ihnen nach ihren Gedanken, zu einer so bequemen Zeit, sich selbsten anb\xF6the: allein so bald dieser Mensch n\xE4her kam, und sich ihren Augen darstellte; so entfiel ihnen der Muth, und mit demselben zugleich alle Hofnung. Sie sahen ein ausgehungertes Gesichte, einen mageren K\xF6rper, und einen abgeschabten ausl\xE4ndischen Rock, der auf denselben nicht im geringsten pa\xDFte, sondern wie eine Fahne um ihn herumflog. Dieser ganze Aufzug war ihren Augen ungew\xF6hnlich und fremd, und sezte si in Furcht und Erstaunen. Einer sagte dem andern in seiner Muttersprache ganz leise ins Ohr*): Dieser Mensch ist gewi\xDF ein Zauberer oder Schwarzk\xFCnstler. Der Reisende merkte dieses, und wu\xDFte von ihrer Thorheit einen guten Gebrauch zu seiner eigenen Sicherheit zu machen. Er best\xE4ttigte ihre Muthmassung mit einem verstellten Bekenntni\xDF, welches die Noth aus ihm herauslokte, und redete sie mit folgenden Worten an: Ihr habet vollkommen recht, indem ihr urtheilet, da\xDF ich ein Schwarzk\xFCnstler bin; ich bins in Wahrheit, und ihr betr\xFCget euch nicht, wenn ihr das von mir glaubet: allein ich gebe euch auch diesen wohlmeinenden Rath, da\xDF ihr mich nicht antastet, sonst werde ich gezwungen seyn, meine Kunst und Macht zu beweisen, und sowohl an euch, als auch an eueren Heerden Rache zu \xFCben. Sie glaubten seiner Rede zu seinem gr\xF6\xDFten Gl\xFCcke, und bewirtheten nicht allein diesen vermeynten Schwarzk\xFCnstler nach ihren Umst\xE4nden und Verm\xF6gen auf das Beste; sondern sie lie\xDFen ihn auch den folgenden Morgen mit Freuden von sich, nachdem sie ihm vorher, bis auf die Landstrasse ein sicheres Geleite gegeben hatten. Durch diesen Kunstgrif ist dieser Mann aller Gefahr und Mi\xDFhandlung gl\xFCcklich ausgewichen, er best\xE4rkte aber zugleich diese Leute in ihrer Meinung von den Schwarzk\xFCnstlern auf das allerkr\xE4ftigste. Wie leicht ist nun aus dieser einzigen Begebenheit zu vermuthen, da\xDF auch andre mehr in \xE4nlichen Umst\xE4nden auf den n\xE4mlichen Einfall gerathen sind; sich dadurch in Sicherheit zu sezen, und das Gerichte von den Schwarzk\xFCnstlern unter dem P\xF6bel immer mehr und mehr auszubreiten?

Nachdeme es nun mit dieser Sache so weit gekommen war, da\xDF beynahe jedermann glaubte; in diesen Gebirgen sind gro\xDFe Sch\xE4tze verborgen; und da\xDF daher viele Ausl\xE4nder, die eine geheime Wissenschaft davon besitzen, und oft da herustreichen, diese Sch\xE4tze auffachten und sie aus dem Lande tr\xFCgen: alsdenn nehmen die Fabeln von solchen Goldraubern und Schwarzk\xFCnstlern ihren Anfang, die in gro\xDFer Anzahl, theils durch die Einfalt gemeiner, theils

*) Ten gest Cernokneznik.

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auch durch Bo\xDFheit anderer niedertr\xE4chtigen Leute erdichtet, ausgebreitet und mit neuen Zus\xE4tzen vermehret wurden. Ein jedre Schaafhirte, J\xE4ger oder Bauer, der sich in diesem Gebirge einige Tage aufhielt, machte sich eine besondere Ehre und Vergn\xFCngen daraus, wenn er sich r\xFChmen konnte, da\xDF er einige Schwarzk\xFCnstler gesehen, und ihre wunderbare und seltene Verrichtungen selbst beobachtet h\xE4tte. Ein Schwarzk\xFCnstler aber war in den Augen eines solchen Beobachters ein jeder Mensch, der ein ausl\xE4ndisches Kleid an sich hatte, oder an dem er sonsten etwas Sonderbares und Ungew\xF6hnliches bemerkte, es mag derselbe auch nur ein Reisender, oder der allerunschuldigste Wurzeln- und Kr\xE4utersammler gewesen seyn.

Wir wollen aus Tausenden nur eines oder zwey von dergleichen Hist\xF6rchen hier anf\xFChren, um daraus folgern zu k\xF6nnen, wie es dem gemeinen P\xF6bel von jeher eingth\xFCmlich ist, sich mit erdichteten Dingen zu unterhalten; Fabeln auf ihre Nachkommen fortzupflanzen; an der Ausbreitung derselben ein Vergn\xFCgen zu finden; und dadurch unter sich selbst ein ganzes Lehrgeb\xE4ude von Thorheiten aufzuf\xFChren. Wir m\xFCssen aber auch unsre geehrte Leser zum voraus ersuchen, es uns nicht \xFCbel zu deuten, wenn wir bey diesen Erz\xE4hlungen zweifelhaft reden, und anstatt es ist, uns des Ausdrucks: es soll, nur allzuoft werden bedienen m\xFCssen: nachdem diese Nachrichten, weder bey einem glaubw\xFCrdigen Geschichtschreiber, noch in einem \xF6ffentlichen Prothokoll anzutreffen sind; sondern sich nur durch m\xFCndliche Ueberlieferung mit vielen Ver\xE4nderungen und Zus\xE4tzen begleitet, nach Art und Gewohnheit solcher Dinge, bis auf unsre Zeiten erhalten haben. Hier folgen sie:

In dem n\xE4chst verflo\xDFenem Jahrhunderte um das Jahr 1679. lebte ein Bauer in Gro\xDFlomnitz (welches Dorf im Zipserkomitat an dem Fu\xDF des karpatischen Gebirges liegt) nahmens Paul Knot. Bey diesem pflegte ein Ausl\xE4nder, vermuthlich ein Italiener, best\xE4ndig einzukehren, und sich in seinem Hause, einige Tage aufzuhalten, so oft er in diese Gegend kam. Einstens soll dieser Gast seinen Hauswirth inst\xE4ndig ersuchet haben: er m\xF6chte ihm doch den Gefallen thun, und mit ihm zugleich in das vor ihren Augen liegende Gebirge gehen. Der Wirth war um desto leichter dahin zu bewegen, je besser ihm sowol sein Gast, als auch der Weg, wohin sie gehen sollten, bekannt war. , Sie w\xE4hleten einen Tag, da ihnen der Himmel g\xFCnstig zu seyn schien, und eine heitere Witterung hoffen lie\xDF, zur Ausf\xFChrung ihres Vorhabens und gelangten auch gl\xFCcklich an die Stelle, wohin der Fremde sein Ziel gerichtet hatte. Dieser hub etliche Steine auf und packte sie in seinen Ranzen, einen gleich gro\xDFen Vorrath aber legte er auch seinem

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Wirth davon auf seinen R\xFCcken, und mit dieser Fracht beladen, giengen nun beyde miteinander wiederum in das bemeldete Dorf zur\xFCck. Hierauf machte sich der Ausl\xE4nder zu seinem Abzug gefa\xDFt, und ersuchte abermal seinen bisherigen Hauswirth, ihme noch eine Gef\xE4lligkeit in seinem Leben zu erweisen, und bis an den Waagflu\xDF 6 Mailen von diesem Dorfe zu begleiten, damit er seine Steine bis dahin und von daher auf dem Wasser weiter fortbringen k\xF6nnte. Der gute Bauer war so gef\xE4llig, und erwie\xDF auch diesen Dienst seinem Gaste, insonderheit, weil dieser sich ausdr\xFCcklich erkl\xE4rte: da\xDF er nun zum leztenmal bey ihm gewesen sey, und in Zukunft dieses Land nimmermehr betretten wollte. Allein als sie dahin kamen, versuchte es der Ausl\xE4nder, sich die Gesellschaft seines Wirths auch noch auf weiter auszubitten, und fand denselben auch dazu bereitwillig, bis er ihn durch dergleichen Bitten und Ueberredungen, in seine Geburtstadt und vor sein eigenes Wohnhaus brachte. Hier wollte sich dieser Mann mit seinem ehemaligen Hauswirth und bisherigem Reisegeferthen eine Kurzweil machen, und sprach zu ihm: verziehet vor der Th\xFCr dieses Hauses einige Augenblicke, indem ich hier hineingehe, und meine Sache ausrichte, ich werde mich kurz abfertigen und bald wiederum an dieser Stelle bey euch seyn. Mit diesen Worten gieng er in das Haus, legte ein pr\xE4chtiges Kleid an, und erschien in einer ganz anderen Gestalt wieder bey seinem ihn erwartenden Reisegef\xE4hrten, der ihn in einem solchen Aufzug nicht mehr kannte. Dieser verkapte Freund redete den Bauer in einem ganz ernsthaften Tone scharf an und fragte ihn: um sein Vaterland, und um seine Verrichtungen. Er sezte ihm zu; ob er nicht ein verd\xE4chtiger Landstreicher, Auskundschafter oder sonsten ein gef\xE4hrlicher Mensch w\xE4re? Der arme Bauer kam au\xDFer sich, bey dieser unverdienten und unerwarteten Beschuldigung, doch vertheidigte er sich dagegen, so gut als er wu\xDFte.

(Die Fortsetzung folgt.)

III. Landwirthschaft.

Die Art Tar\xFCffeln (Triflen) zu pflanzen.

Diese in Italien und Deutschland, Ungarn und andern L\xE4ndern hin und wieder unter der Erde wachsende Frucht wird sehr selten in G\xE4rten gepflanzet. Die Ursache ist: weil sie weder St\xE4ngel, Bl\xFChe oder Bl\xE4tter von der Natur empfangen hat, auch in den meisten L\xE4ndern nicht einmal von Menschen aufgesucht werden kann, sondern jederzeit durch hierzu besonders abgerichtete Hunde entdecket wird, als welche durch ihren Geruch den Ort ihrer Wohnung finden, und

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anzeigen: wo sie sodann ausgegraben werden. An einigen Gegenden werden die Tart\xFCfeln auch von den Schweinen aus dem Boden gew\xFChlet. Etwas besonders ist die Art und Weise, wie sie in Siebenb\xFCrgen gefunden werden. Die daselbst wohnende Wallachen gehen des Morgens fr\xFChe aufs Feld, auf die Wiesen und Berge und legen sich auf die Erde nieder: dann geben sie acht, an welcher Stelle ein kleiner Dunst aus dem Boden in die H\xF6he steiget; diesen Platz bezeichnen sie mit einem St\xFCckchen Holz. Und dieses auf den Bauch sich legen treiben sie hin und her so lange, als sie solche kleine D\xFCnste aus der Erde aufsteigen sehen. Nach diesem graben sie die bezeichnete Pl\xE4tze auf, um die darinne gewachsene Tart\xFCffeln herauszunehmen, die sie nachgehends noch ziemlich theuer verkaufen.

Wir f\xFChren diese Art zu Ueberkommung einer sowohl gesunden als schamckhaften Frucht deswegen an, damit sie auch in andern L\xE4ndern m\xF6ge nachgemacht werden. Die Pflanzung in G\xE4rten bestehet hierinne: man sucht hierzu recht gro\xDFe schwarze Tart\xFCffeln aus, und sch\xE4let sie: die Sch\xE4lfe wird sodann in kleine St\xFCckchen zerschnitten, und eine solche Erde gewe\xE4hlet, die derjenigen, worinn sie gew\xF6hnlich zu wachsen pflegen gleich ist. In dergleichen Boden wird eine Grube von beliebiger L\xE4nge gegraben, in welche die Sch\xE4lfen eben so tief, als es ihre Natur erfodert, eingeleget werden; wobey dennoch zu merken, da\xDF die St\xFCckchen Sch\xE4lfen nicht zu nahe, etwa eine Hand breit eines vom andern zu liegen kommen. Die Erde wird so dann wieder drauf geworfen, und wenn die Tart\xFCflen in der Gegend unter dem Wiesengrund gewachsen; so wird auch wiederum ein Wasen mit einiger Erde darauf gelegt. Das Jahr darnach wird man nach Beschaffenheit des Bodens auch ziemlich gewachsene Tart\xFCffeln finden. Bey der Aufsuchung werden die kleinesten in der Erde gelassen, und aufs folgende Jahr aufgehoben, wo sie dann eine proportionirliche Gr\xF6\xDFe erlangt haben. Die Sch\xE4lfen k\xF6nnen also immer zur Fortpflanzung beybehalten werden, weil noch bisher kein anderer Samen bekannt worden ist.


In Wien zu haben in dem von Ghelenschen privil. Zeitungscomtoir, in der Sinngerstrasse Nro. 931.
Topic revision: r3 - 08 Mar 2012, AgostonBernad
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