INHALTSVERZEICHNIS PRIVILEGIRTE ANZEIGEN
Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, VIII. St\xFCck -
V. Jahrgang, X. St\xFCck >
(65)
V. Jahrgang, IX. St\xFCck, den 1. M\xE4rz 1775.
I. Geschichte.
Erste Fortsetzung, der verschiedenen Gebr\xE4uche fremder V\xF6lker bey ihren Verheurathungen.
Die Tatarn, welche an dem Flu\xDFe Irtisch in Sibirien wohnen, und der muhametanischen Religion zugethan sind, fangen ihre Hochzeiten, allzeit, mit einem Pferderennen an, dazu sowohl der Br\xE4utigam, als die Braut, die Kosten der aufgestellten Preise tragen. Diese bestehen in allerhand Zeugen, Fellen, und H\xE4uten, welche vor dem Hochzeithause, auf langen Stangen aufgestecket werden. In der Stube des Br\xE4utigams sind unterdessen einige Musikanten, die auf einem mit Leder \xFCberzogenen alten Hafen, und auf einem Rohre, eine recht tatarische Musik machen, und ihre rauhen Stimmen, mit dem d\xFCsteren Klange dieser Instrumente vermischen. Bald
darauf wird der Br\xE4utigam durch seine Anwerber und Anverwandten, in die Stube der Braut gef\xFChret, in welcher sich einige Priester, und zween andre M\xE4nner befinden. Die Anwerber fragen sodann, ob der Br\xE4utigam seine Liebste zur Frau haben k\xF6nnte. Nachdem diese darum befraget worden, das Jawort zur\xFCckgekommen, und die V\xE4ter ihre Einwilligung gegeben haben, saget einer der Geistlichen dem Br\xE4utigam einige Gesetze vor, worunter dieses das vornehmeste ist, da\xDF er ohne Einwilligung seiner Frau, keine andere nehmen sollte; welches denn seine Werber an seiner Statt zu geloben pflegen. Sodann giebt der Oberste von den Geistlichen seinen Seegen, und und es werden verschiedene Hochzeitgeschenke, an Zucker und andern Sachen gebracht, und unter die Anwesenden ausgetheilet. Endlich f\xE4ngt man an, zu essen und zu trinken, und dieses zwar etliche Tage hintereinander.
(66)
Aber, was den Tag vor der Trauung mit der Braut vorgehet, ist nicht einem jeden erlaubt zu sehen. Der Herr Professor M\xFCller hatte jedoch Gelegenheit, einmal ein Zuschauer zu seyn. — Abends vor der Trauung waren in dem Hause der Braut eine Menge M\xE4dchen und Frauen, die wie es schien, die Jungfrauschaft beweinten. Anf\xE4nglich speisten sie darauf aber lie\xDF sich eine Violine, und eine tatarische Schalmey h\xF6ren, darnach einige Knaben tanzten, und verschiedene Lieder sangen. W\xE4hrend diesem allen, sa\xDF die Braut hinter einem Vorhange, auf einem Teppiche, und hinter ihr ein junges M\xE4dchen von ihren Gespielinnen, welches so, wie die Braut mit einem weissen leinennen Tuche bedecket war. Die anwesenden Frauen und M\xE4dchen, deren eine gute Anzahl zugegen gewesen, k\xFC\xDFten sich mit der Braut und nahmen Abschied. Endlich erschienen zween M\xE4nner von Seiten des Br\xE4utigams, welche sich mitten in die Stube stellten, die das Brautlied, welches sehr erb\xE4rmlich klang, anstimmten, und des Innhalts erkl\xE4ret wurde: da\xDF die Braut vorher in in ihrer Eltern Gewalt gewesen, nun aber von den Br\xE4utigam erkaufet worden: da\xDF er solche von nun an, als seine Gattinn ansehen, und mit sich nach Hause nehmen m\xFC\xDFte. — W\xE4hrend diesem Gesange weinte das meiste Weibsvolk mit der Braut, nach dessen Endigung die S\xE4nger nebst einigen andern Mannspersonen hinter den Vorhang sprangen, und die Braut mit ihrer Gespielinn, sammt dem Teppiche auf dem sie sassen, an den vier Zipfeln aufheben, und in ein anderes, doch nicht in das Haus des Br\xE4utigams unter dem Klange der Musik brachten. In dem neuen Hause setzte man sie wieder hinter einen Vorhang, auf den n\xE4mlichen Teppich nieder, daselbst war anderes Frauenvolk, von des Br\xE4utigams Seite, welcher die Braut mit K\xFCssen und allerhand tr\xF6stlichen Worten empfiengen. Die Musik fieng nebst den Tanzen wieder an; und die Braut blieb nicht nur die Nacht \xFCber, sondern auch w\xE4hrend der ganzen Hochzeitfeyer in demselben Hause, aus welchem sie sodann der Br\xE4utigam abholte, und in sein eigenes Haus brachte.
Bey den Tscheremissen *) geben die Eltern ihren S\xF6hnen von f\xFCnf bis sechs Jahren schon Weiber, damit sie solche in ihrer Haushaltung brauchen k\xF6nnen: denn die Weiber sind bey ihnen, wie bey den Tatern, haupts\xE4chlich nur zur Arbeit und Unterth\xE4nigkeit bestimmt. Die M\xE4gdchen aber, werden ehe nicht, als zwischen 15 und 20 Jahren verheurathet. Bey den Verlobungen und Hochzeiten wird nicht viel
*) Nach den Beschreibungen des Herrn Qmellin und M\xFCller.
*) Nach eben demselben.
(67)
Weitl\xE4ufigkeit gemacht. Der Br\xE4utigam kauft seine Braut f\xFCr ein gewisses Geld, welches der Vater der Braut nach Verh\xE4ltni\xDF des Brautschatzes, den sie hat, mehr, oder weniger fordert. Die ganze Dorfschaft wird zur Hochzeit geladen, und soviel das Haus vermag, den G\xE4sten vorgesetzet. Die Brautleute werden einander nicht angetrauet, sondern der Hausvater, oder ein anderer der ansehnlichsten Einwohner verrichtet ein Gebet, in welchen Gott angeruffen wird, ihre Ehe zu segnen.
Wann sich ein Kamtschadale *) zu heurathen entschlie\xDFet: so sieht er sich um eine Braut um, und dienet einige Zeit bey ihren Eltern, um dieselbe. Hat er w\xE4hrend der bestimmten Zeit, das Mi\xDFfallen der Eltern auf sich gezogen, so wird er mit einer kleinen Belohnung f\xFCr seine Dienste verabschiedet, hat er aber den Beyfall der Eltern erhalten, so wird ihm die Tochter zugestanden. Und nun bem\xFCht er sich seine Braut zu holen. Dieses aber geschieht eben nicht so leicht, weil diese um solche Zeit von allen Weibern des Dorfes beschitzet wird; und deswegen wartet er die Gelegenheit ab, da\xDF er sie einmal allein, aber in kleine Gesellschaft antrift. Er wirft sich sodann auf sie, und rei\xDFt ihr alle Kleider ab; aber auch das kostet ihm viele M\xFChe, wenn von ungef\xE4hr einige Weiber dazu kommen: denn, diese fallen \xFCber ihn her, schlagen, und mi\xDFhandeln ihn auf das grausamste. Ist er aber trotz aller dieser Hinderni\xDFe so gl\xFCcklich, seine Braut zu entkleiden, so l\xE4\xDFt er sie nackend stehen, und geht weg. Sie erkennt sich sodann f\xFCr \xFCberwunden, ruft ihn mit sanfter St\xFCmme zur\xFCck, und wirft sich in seine Arme. Ein solcher Kampf dauert manchmal ein ganzes Jahr; denn nach jedem mi\xDFlungenen Versuche, wagt der Br\xE4utigam noch \xF6ftere Anf\xE4lle, sobald er von seinen Wunden geheilet worden. — Man hat ein Beyspiel von einem solchen Br\xE4utigam, der sieben Jahre lang vergeblich gestritten, bis er endlich von den Weibern so barbarisch zugerichtet worden, da\xDF er an statt einer Frau zu bekommen, zum Kr\xFCppel geworden. — Sobald nun ein Kamtschadal seine Frau erhalten, bedient er sich ohne Umst\xE4nde auch von dieser Zeit an aller Freyheiten eines Ehemanns. Nach ein paar Tagen besuchen die neuen Eheleute ihre Eltern, und dann wird die Hochzeit gefeuert. Ungeachtet nun bey diesem Volke die M\xE4nner ihre Weiber so hart bekommen, so haben sie doch meist zwey bis drey derselben.
(Die Fortsetzung folgt.)
*) Aus Stephans Krascheninikow Beschreibung von Kamtschatka.
(68)
II. Policey
Beschlu\xDF der Abhandlung von denen Gold - und Schatzgr\xE4bern.
Es sind noch kaum 9 Jahre verstrichen, da\xDF, einen gewissen Binder aus Menhartsdorf, Namens Jakob Koch sich so weit wagte, da\xDF dar\xFCber seine Schenkel zerbrochen wurden; ein anderer; von seinen Mitgesellen aber, der in Wintschendorf wohnhaft war, und sich der Gefahr noch mehr, als jener ausgesetzet hatte, den halben Kopf und das Leben verlohren. Der erstere wurde mit viel M\xFChe herabgebracht und kurirt, und lebte noch einige Jahre; indeme er erst vor zwey Jahren eines nat\xFCrlichen Todes in seinem Hause gestorben: des letzteren K\xF6rper aber wurde, an eben der Stelle mit Steinen versch\xFCttet, wo er seinen Geist aufgegeben hatte. Dergleichen, und diesem \xE4hnliche Schicksale haben manche erfahren, die entweder die blosse Neugierde, oder der Hunger nach Reichthum dahin getrieben hat; von keinem aber l\xE4sset sich ein Beyspiel anf\xFChren, der daselbst Vortheile erjagt, und sein Gl\xFCck gemacht h\xE4tte. Woraus es sich den leicht schliessen l\xE4sset, was von dieser Gespenster Historie, und von diesen Sch\xE4tzen zu halten sey?
Wir kommen nun auf die Untersuchung jener Beweise, die eine solche Goldrauberey auf eine bessere Art zu best\xE4ttigen scheinen. Man sagt es w\xE4re unbegreiflich, wie sich Leute in die Mausfallenh\xE4ndler Heuchelmacher und Barometerkr\xE4mer entschlie\xDFen k\xF6nnten, blos wegen eines so gewinnlosen Handels, und m\xFChsamen
Gewerbes, ihr Vaterland zu verlassen, und in fremde L\xE4nder zu begeben; sie m\xFC\xDFten nothwendig eine andre Absicht dabey haben, die sie eine weit gr\xF6ssere Belohnung hoffen l\xE4sset, um welcher willen sie weder M\xFChe noch Gefahr scheuen: oder mit andern Worten: ihr gewinnloser Handel dienet ihnen nur zum Vorwand herein zu kommen: sie graben hier Gold und Sch\xE4tze, und nehmen sie verstohlner Weise mit sich in ihre Heymath. Allein es kommt hier lediglich darauf an, wie man sich ihren Handel und Gewerbe vorstellet, es ist dasselbe eben nicht so nathlo\xDF, wie es bey einem flichtigen Anblick in die Augen f\xE4llt, wenn man sich ihre ganze Sache mit allen Umst\xE4nden nicht geh\xF6rig vorstellet. Jene, die mit Gla\xDFwaaren handeln, bringen ihre Kramm gewi\xDF hoch hinaus. Denn sie treffen allzuoft auf unversuchte Abnehmer, denen der gemeine Prei\xDF solcher Dinge ganz und gar unbekannt ist, und geschiehet
daher nicht selten, da\xDF sie bey einem Barometer, oder bey einem Vergr\xF6\xDFerungsgla\xDF? zwey auch mehrmal so viel gewinnen, als die Sache Werth
(69)
ist. Nach und nach verlegen sie sich Galanteriewaaren bey, und vermehren damit best\xE4ndig ihren Kramm, bis aus einem so unansehnlichen und geringen Anfang eine merkliche Handlung erw\xE4chst, dabey sie augenscheinlich reich und Verm\xF6gend werden. Die Zienngie\xDFer lassen sich ihre Arbeit ebenfalls wohl bezahlen, und besitzen darinne eine Fertigkeit, und gute Handgriefe, vermittelst deren sie in kurzer Zeit vieles auszufertigen im Stande sind. Diejenigen die sich mit allerhand Spielwerken abgeben, finden gleichfals ihre Liebhaber und treffen mit unter auf diskrete Leute, die ihnen ihre gute Tandlereyen recht gut bezahlen. Hierzu kommt die Sparsamkeit, welcher sie sich bey ihrer Lebensart insgemein bedienen, und dadurch eben soviel, als durch ihren Flei\xDF und M\xFChe zu gewinnen pflegen. Und durch diese Mittel und Wege sammlen sie sich in der That nach und nach wenn ihnen nur sonsten bey ihrer Handthierung und auf ihren Reisen keine Krankheit oder ein ander Ungl\xFCck zust\xF6\xDFt) einen nicht geringen Schatz, und begeben sich damit vergn\xFCgt wiederum in ihre Heimath.
Da\xDF aber diese Ausl\xE4nder mehr auf dem Lande, als in gro\xDFen und volkreichen
St\xE4dten ihren Handel und Gewerbe treiben, darzu werden sie durch ganz andre Ursachen gen\xF6thiget: denn was die Zinngiesser betrift so d\xF6rfen sich dieselben nicht einmahl unterstehen in gro\xDFen St\xE4dten, wo es Professionisten von dieser Art giebt, ihre Handthierung zum Nachtheil derer einheimischen B\xFCrger zu treiben, es wird ihnen solches auf keinerley Weise gestattet; darum eben m\xFC\xDFen sie einzig und allein bey dem Adel und bey der Geistlichkeit auf dem Lande, und in kleinen St\xE4dten, wo es an dergleichen Profe\xDFionisten fehlet, etwas zu verdienen suchen. Die Hechelmacher finden hier bey uns den sichersten Verschlei\xDF in den XIII. St\xE4dten, und in den Ortschaften die beym karpatischen Geb\xFCrgen liegen, weil sich hier das Volk mit Flachsarbeit (als wobey sie dergleichen Instrumente n\xF6thig haben) am meisten abgiebt, worinnen wir zugleich den Grund und die Ursach entdecken, warum sich diese Leute so oft in diesen Gegenden haben sehen lassen. Die Schattenspieler, und die so mit Gla\xDFwaren, B\xE4ren, und Affen im Lande herumgehen, finden sich zwar auch in denen gro\xDFen und volkreichen St\xE4dten ein, weil ihnen aber hier, theils durch gewi\xDFe Abgaben, theils durch einen kostbaren Unterhalt ihr Gewinn geschm\xE4lert wird, so halten sie sich um desto lieber auf dem Lande auf, je wohlfeiler sie daselbst leben, und ihr Gewerb ungehindert und freyer treiben k\xF6nnen.
Aus allen diesen kann man nun deutlich genug sehen, wie schwach die Gr\xFCnde sind, auf welchen dieser Argwohn beruhet, und aus was vor seichten Quellen man denselben herzuleiten gesucht habe ? Wir wollen aber auch noch zum Ueberflu\xDF Gegenst\xE4nde in der folgenden Abtheilung anf\xFChren, die diesem wider die Ausl\xE4nder gefa\xDFten
(70)
Verdacht allen Schein der Wahrheit benehmen, und diese Meynung g\xE4nzlich aufheben und vernichten.
Die IIIte Abtheilung von denen Gold- und Schatzgr\xE4bern.
Nachdeme wir in dem verhergehenden die Quellen von dem entstandenen Gerichte der vermeinten Goldraubereyen so wohl angezeiget, als auch gepr\xFCfet haben: so ist nocht \xFCbrig, da\xDF wir auch die Gegengr\xFCnde anf\xFChren, die mit dieser Meynung streiten, und einen solchen Argwohn v\xF6llig haben. Vor allem andern ist hier dieses zu merken: da\xDF es der w\xE4llischen Nation gr\xF6\xDFtentheils eigen sey, in ausw\xE4rtigen L\xE4ndern, insbesondere durch den Handel, als wozu sie mehr Neigung und Geschicke, als zum Ackerbau bezeiget, ihr Fortkommen und ihr Gl\xFCck zu suchen. Man beobachtet
dieses in Deutschland und anderer Orten, und siehet nicht selten, wie mancher, eben dadurch seinen Zweck erreichet, und sich in vortheilhafte Umst\xE4nde versetzet habe. Warum sollten sie dieses nicht auch in Ungarn, und zugleich in denen Gegenden des karpatischen Gebirges versuchen? Sie gehen aber nicht bey diesen Gebirgen allein herum, sondern auch auf dem platten Lande, wo keine Berge vorhanden, und folglich
auch keine dergleichen Sch\xE4tze, wie man vorgiebt, gar im geringsten nicht zu vermuthen sind. Ja aus Ungarn begeben sich, besonders die Zinngiesser nach Pohlen, und bleiben drey, vier, auch wohl mehrere Jahre von ihrer Heimath aus, also da\xDF ihrer nicht wenige auf dieser Herumreise sterben, und sochergestalt ihr Vaterland nicht mehr zu Gesichte bekommen: wozu dieneten nun diese Weitl\xE4uftigkeiten und Umst\xE4nde, wenn ihre Absicht lediglich dahin gienge, fertige, und ihnen bereits sichere Sch\xE4tze abzuholen, und zu \xFCbernehmen? w\xE4re es denn nicht f\xFCglicher, und dem Verhalten eines klugen und vern\xFCnftigen Menschen gem\xE4\xDFer, ohne Umschweife einen solchen Schatz unges\xE4umt zu heben, und damit in sein Vaterland zu eilen? besonders wenn es wirklich an dem w\xE4re, wie man ihnen solches andichtet, da\xDF sie durch ihre geheime K\xFCnste, die Felsen er\xF6fnen, sich nach eigenem Belieben sichtbar und unsichtbar machen, und in denen L\xFCften herumfliegen k\xF6nnen. Allein so nimmt man im Gegentheil gewahr, wie sauer diese Leute ihr Brod verdienen m\xFCssen, wie sie ihre Werkzeuge, die doch eine ziemliche Schwere haben, recht m\xFChsam und im Schwei\xDF auf ihrem eigenen R\xFCcken von einem Dorfe zum andern hintragen; wie sie auf ihren Reisen sehr oft Hitze und K\xE4lte, Regen, Schnee und allerhand Ungewitter vertragen,
und bey allem dem Ungemach noch sehr sparsam und k\xFCmmerlich leben. Wie l\xE4sset sich nun ein solches Verhalten von Menschen gedenken, die auch nur die mindeste Hoffnung haben m\xF6chten, Sch\xE4tze und Reichth\xFCmer zu erbeuten, und noch viel weniger von dergleichen, die
(71)
solche bereits in ihrer Gewalt h\xE4tten, oder die Wissenschaft besa\xDFen, dieselben mit sehr leichter M\xFChe in ihre H\xE4nde zu bekommen? Eine so wichtige Sache h\xE4tte auch sehr schwer eine so lange Zeit verborgen bleiben k\xF6nnen: denn gesetzt, es w\xE4ren die geheimen Schliche dieser Leute verdeckt und zweifelhaft verblieben, so h\xE4tte man doch wenigstens aus denen L\xE4ndern, wo diese vermeinten Schwarzk\xFCnstler zu Hause sind, gewisse Nachrichten erhalten, wie einige Innwohner daselbst pl\xF6tzlich und durch einen unbekannten Weg reich geworden sind: allein wir zweifeln, da\xDF uns jemand nur ein einziges Beyspiel aufzuweisen im Stande seyn werde? Man pflegt auch hier noch allezeit auf dergleichen Leute, die in einem solchen Verdacht stehen, aufmerksam zu seyn, sie finden best\xE4ndig ihre Beobachter, und man hat nicht unterlassen, sie im Vertrauen dar\xFCber zu befragen zu pr\xFCfen und zur Rede zu stellen: allein man fand ihre Entschuldigungen allezeit mehr, als den wider sie gefa\xDFten Argwohn in der Sache gegr\xFCndet: denn wenn dieses nicht w\xE4re, so h\xE4tte man auch hier bereits auf Mittel und Wege gedacht, einen so nachtheiligen Landesraub zu verhindern und ihnen mit allem Ernste und Nachdruck einhalt zu thun; so aber war es nach einer reifen Ueberlegung niemalen m\xF6glich, in einer zweifelhaften
und so schlecht gegr\xFCndeten Sache, etwas vorzunehmen. Und aus was vor einem Grunde sollte man denn glauben: da\xDF eine so vortheilhafte Sache, nur Ausl\xE4ndern und Fremdlingen allein bekannt werden k\xF6nnte, da sich doch die Einheimischen und Landeseinwohner nicht wenig M\xFChe darum geben, und endlich doch nichts erhalten? Viele von diesen haben beynahe ihre ganze Lebenszeit mit solchen Gesch\xE4fften hingebracht, alle Gegenden und Winkel dieses Gebirges durchstrichen, keine M\xFChe, keine Gefahr gescheuet, und zuletzt doch, einige Kleinigkeiten ausgenommen, nichts erhebliches angetroffen.*)
Alles, was man hiebey etwa einwenden, oder sagen k\xF6nnte, bestehet in nichts andern, als darinnen; Die Ausl\xE4nder sind Schwarzk\xFCnstler, sie wissen durch geheime K\xFCnste dergleichen Sch\xE4tze zu entdecken, und sich dererselben zu bem\xE4chtigen, welches alles unsern Landeseinwohnern verborgen und unbekannt ist, und eben aus diesem Grunde, bleiben ihnen auch diese Sch\xE4tze, die vor ihnen liegen, unentdeckt. Allein wir haben Beweise, da\xDF Ausl\xE4ndern eben sowohl, als unsern Landesleuten dergleichen Bem\xFChungen mislungen sind.
*) Mathias Fabricius, ein guter Kenner und Liebhaber von Naturalien, wohnte mit den Seinigen in Georgenberg, war aber selten zu Hause anzutreffen, sondern brachte die meiste Zeit seines Lebens in denen karpatischen Gebirgen zu. Er durchsuchte hier alle Gegenden mit allem m\xF6glichen Flei\xDF unerm\xFCdet, er kroch noch in seinem hohen Alter \xFCber alle Felsen, und in alle H\xF6hlen hinein, fand aber niemalen etwas von dergleichen Sch\xE4tzen, sondern starb vor sieben Jahren in seiner Armuth.
(72)
Oben haben wir bereits einige Beyspiele davon angef\xFChret, und es ist nicht zu zweifeln, da\xDF sich dergleichen nicht wenige ereignen, die aber nicht \xF6ffentlich bekannt werden, noch an den Tage kommen.
Zuletzt m\xFCssen wir auch dieses noch anf\xFChren: da\xDF die Mausfallentr\xE4ger, oder wie man sie hier nennet, die Hechelmacher (die ansonst, was die Goldr\xE4uberey betrifft, in dem allergr\xF6\xDFten Verdacht stunden) schon seit mehr, als zehen Jahren, im Lande nicht mehr erscheinen. Was ist nun die Ursache ihres Ausbleibens? sind diese
Leute etwa schon reich genug, oder sind die Sch\xE4tze des karpatischen Gebirges endlich ganz ersch\xF6pft worden. Keines von beyden; sondern das ist der rechte Grund und die Ursache ihres Ausbleibens: weil solche Profe\xDFionisten bereits hier im Lande se\xDFhaft, und alle Einwohner mit dergleichen Werkzeug hinl\xE4nglich zu versehen im Stande sind, so mu\xDFte das Gewerbe dieser Herumstreicher nothwendig nicht allein geschw\xE4chte werden, sondern zuletzt gar aufh\xF6ren. Und so wird es auch einstens unfehlbar mit den Zinngie\xDFern auch ein Ende nehmen, wenn von ihnen auf dem Lande eine hinl\xE4ngliche Anzahl sich niedergelassen haben wird; so kann es sich auch in Zukunft ereignen, da\xDF
man Wettergl\xE4ser, Perspektive, Schattenspielereyen u. d. g. ebenfalls von hiesigen Leuten im Ueberflu\xDFe erhalten wird, und da\xDF alsdann alle dergleichen Erz\xE4hlungen und Fabeln von den Schwarzk\xFCnstlern und Goldraubern von selbsten werden aufh\xF6ren m\xFCssen.
So viel mag wohl in vorigen Zeiten geschehen seyn, da\xDF unsre eigene Landsleute, hiesige Edelsteine (besonders was die Granaten und Opale betrifft, die zu unsern Zeiten so selten sind) weil sie selbsten keinen Gebrauch davon zu machen wu\xDFten. in andre L\xE4nder und Provinzen unbearbeitet vertragen, oder an Fremde, die hier im Lande einen Verkehr hatten, und den Werth derselben kannten, m\xF6gen abgesetzt haben: dieses aber, da\xDF Ausl\xE4nder entweder durch Geschicklichkeit und nat\xFCrliche Kenntni\xDF, oder durch geheime und unbegreifliche K\xFCnste, aus den karpatischen Gebirgen, Gold und Edelgesteine herausbringen, und in ihr Vaterland tragen, nehmen wir billig Anstand zu glauben, und zweifeln daran mit allem Rechte, bis uns nicht jemand mit bessern Gr\xFCnden, als uns bisher bekannt sind, und mit t\xFCchtigen Beweisen, von der Richtigkeit der Sache \xFCberf\xFChret haben wird.
ab H.
In Wien zu haben in dem von Ghelenschen privil. Zeitungscomtoir, in der Sinngerstrasse Nro. 931.