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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, VII. St\xFCck - V. Jahrgang, IX. St\xFCck >



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V. Jahrgang, VIII. St\xFCck, den 22. Horn. 1775.

I. Geschichte.

Die verschiedenen Gebr\xE4uche fremder V\xF6lker, bey ihren Verheurathungen.

F\xFCr eine Dame auf dem Lande gesammelt.

Bey ihrem neulichen Aufenthalte in unserer Stadt, sahen Sie, in meiner Gesellschaft, den Hahnenschlag, einen hochzeitlichen Gebrauch der Schlawen, die in unseren Vorst\xE4dten wohnen *); und diese l\xE4cherliche Ceremonie f\xFChrte unser Gespr\xE4ch auf die verschiedenen, meist wunderlichen Gewohnheiten, welche die meisten Nationen, bey ihren Heurathen beobachten. Sie w\xFCnschten diese Gebr\xE4uche in einer Sammlung zu lesen; ja,sie w\xFCnschten auch,da\xDF ich mich zu einer solchen Arbeit entschl\xF6\xDFe. Diese angenehmen W\xFCnsche erf\xFClle ich nun, und theile ihnen, alles dasjenige mit, was ich von dieser Materie merkw\xFCrdiges, bey den besten, und glaubw\xFCrdigsten Geschichtschreibern gefunden habe. — Vorher aber, mu\xDF ich ihnen \xFCber den Hahnenschlag unserer Schlawen, noch eine kleine Anmerkung machen. Wie sie wissen, so bestehet die ganze Ceremonie darinne, da\xDF der junge Ehemann, den Tag nach der Hochzeit, und das zwar Vormittage, in Begleitung aller seiner Freunde, und Hochzeitg\xE4ste, darunter einer einen Hahn, der andre einen Hafen, der dritte aber eine Stange tr\xE4gt, zu einem freyen Platz gef\xFChret wird, und dort den ber\xFChmten Hahnenschlag verrichtet. Nachdem man n\xE4mlich dem Hahne die F\xFCsse gebunden hat, wird er in den leeren Hafen gesteckt, und in die Mitte des

*) Diese sind, in der Stadt Pre\xDFburg, wo die Nachrichten gesammlet worden und lauter gemeines Volk, Ochsenknechte, Weinhauer und Fa\xDFzieher.

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Platzes gesetzet. Alsdenn f\xFChrt man den jungen Ehemann dreymal um diesen Hafen, verbindet ihm die Augen, giebt ihm die Stange in die H\xE4nde, und f\xFChrt ihn wieder eine Strecke, die so lang, als die Stange zu seyn pflegt, zur\xFCck. Und, nachdem er mit mit dem Gesichte gegen den Hahn gekehret worden, l\xE4\xDFt ihm die Freyheit nach demselben zu schlagen. Dreymal darf er den Streich wiederholen. Trift er den Hahn; so erschallet ein lautes Freudengeschrey, und er wird im Triumphe nach Hause begleitet; fehlt er ihn aber, so wird er weidlich ausgepfiffen, und mag sich allein, durch den Haufen h\xF6hnender Zuschauer, den Weg nach Hause bahnen.

Die geheime Bedeutung dieses Hahnenschlags, dar\xFCber sie mich zu fragen beliebten, hat mir erst dieser Tagen, ein in den Sitten dieser Nation sehr erfahrner Mann erkl\xE4ret. Es ist n\xE4mlich ein Wahn unter diesem Volke, nach welchem derjenige, der den Hahn totschl\xE4gt, sich nie f\xFCr einer \xFCblen Ehe zu f\xFCrchten hat, demjenigen hingegen, der ihn verfehlet, gewi\xDF dieses Ungl\xFCck bevorstehet. — Wann diese Probe richtig und \xFCberall eingef\xFChrt w\xE4re, wie viele H\xE4hne w\xFCrden da nicht lebendig bleiben! — —

Nach dieser kleinen Auschweifung, will ich zur Sache selbst schreiten, und mit den Heurathsgebr\xE4uchen der Russen*) den Anfang machen.

Nachdem daselbst die Verlobten durch einen Priester in der Kirche ordentlich getrauet worden, wird in dem Hause der Braut eine kostbare Abendmahlzeit gegeben, bey welcher sich au\xDFer den \xFCbrigen Hochzeitg\xE4sten, auch ein Schwarzk\xFCnstler einfindet, welcher verh\xFCten mu\xDF, da\xDF die Vollziehung der Ehe, durch die Kunst eines andern Schwarzk\xFCnstlers nicht verhindert werde. Noch vor die Mahlzeit wird das neue Paar, mit vielen Ceremonien in die Brautkammer gef\xFChret; der Hochzeitvater, die Hochzeitmutter, der Brautf\xFChrer und noch drey bis vier Weiber, die zu dem geheimen Rathe geh\xF6ren, sind ihre Begleiter. Kaum sind sie dort eingetreten, so wird der Braut ein Teller mit Gl\xE4sern und Brandwein \xFCberreichet, welches sie der ganzen Gesellschaft anbietet. Gleich darauf macht der Schwarzk\xFCnstler seine Beschw\xF6rungen, und das Brautpaar wird von den Matronen ausgekleidet. Hierauf k\xFC\xDFt die Braut die ganze Gesellschaft und n\xF6thiget sie noch ein Paar Gl\xE4ser Brandwein auszuleeren. Die Gesellschaft begiebt sich sodann, bis auf eine von den Matronen, in ein Vorgemach, das Brautpaar aber in das Bette. — Nach einiger Zeit wird die Rathsversammlung der

*) Aus der Abb\xE9 d`Auteroche Nachrichten von Ru\xDFland.

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Weiber wieder in die Brautkammer gerufen. Die Gesellschaft wird abermal mit Brandwein bewirthet, und das Brautpaar wieder zur Gesellschaft gef\xFChret. Eine Musik th\xF6net ihnen entgegen. Endlich setzt man sich zu Tische, von welchem besonders die Mannspersonen nicht ehe aufstehen, als sie nicht mehr zu trinken im Stande sind.

Die Kosaken*), die ebenfalls der griechischen Religion zugethan sind, beobachten die n\xE4mlichen Ceremonien; nur mit dem Unterschiede, da\xDF unter ihnen der Br\xE4utigam seine Braut reitend abholet, und das Pferd, auf dem er sitzet, mit einer Menge Glocken versehen ist, um durch den Klang derselben, die Braut von der Ankunft ihres Br\xE4utigams zu benachrichtigen. Diese Glocken, werden hernach von den Eltern der Neuverlobten zum Andenken aufbewahret. Die Braut bringt ihrem Br\xE4utigam nicht das geringste zu, vielmehr ist dieser verpflichtet, sie vom Fu\xDFe auf zu kleiden, und ihr einen ganzen Kopfputz anzuschaffen.

Die Hochzeitfeyer der Mordvaner**) bestehet haupts\xE4chlich aus nachfolgendem: die Braut wird von zween Freunden des Br\xE4utigams, unter best\xE4ndigem Geheule der nachfolgenden Weiber, bis vor dessen Hausth\xFCre gleichsam getragen, wo sie zwischen den Brautf\xFChrern, und Freywerberinnen, von der Familie begr\xFC\xDFet wird. Darauf erscheint die Mutter des Br\xE4utigams, mit einer Pfanne voll Hopfen, den sie mit einigen brennenden Sp\xE4nen anz\xFCndet, und die Pfanne an den rechten Fu\xDF der Braut niedersetzet, welche diese aber sogleich wieder von sich st\xF6\xDFt. Dieses wird noch zweymal wiederholet, und jedesmal etwas von dem verstreuten Hopfen in die Pfanne gescharret. Es wird sehr genau bemerket, wie die Pfanne f\xE4llt, geschieht es auf die verkehrte Seite, so bedeutet es dem jungen Paare lauter Ungl\xFCck; f\xE4llt sie aber so, da\xDF die H\xF6hlung oben ist, so hat es auch nur gl\xFCckliche Vorbedeutungen. In diesem Falle bingt man Bier herzu, welches den Hochzeitleuten aus einem Becher gereichet wird, in den die Braut, einige von den Ringen, deren sie eine Menge an ihren Fingern tr\xE4gt, werfen mu\xDF. Endlich bringt man einen Kessel von Gr\xFC\xDFbrey, wovon man einem jeden, eine Kelle voll, dem einen in die M\xFCtze, dem andern in den Rockzipfel, oder wohin er es sonst haben will, austheilet.

Bey den Heurathen der Tschuwaschen*) ist zu merken, da\xDF das Geld,

*) Nach Sam. Georg Gmelins Reise durch Ru\xDFland.

**) Nach P. S. Pallas Reisen, duch melins Reise durch verschiedene Provinzen des ru\xDFischen Reichs ersten Bande.

*) Nach eben demselben.

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welches von die Braut erleget werden mu\xDF, oft die hundert Rubeln am Werth betr\xE4gt. Die Braut darf am Hochzeittage nicht zu Fu\xDFe gehen; sondern sie wird entweder gefahren, oder auf Matten getragen — Es geschiehet wohl auch, da\xDF eine Ehescheidung statt findet, und in diesem Falle schneidet der Mann den Schleyer der Frau mitten entzwey, davon er die H\xE4lfte zur\xFCckh\xE4lt, die andre aber der Frau giebt.

Die Hochzeiten der Jaikerkosaken**) sind mit vielerley Erg\xF6tzlichkeiten verbunden. Es ist gew\xF6hnlich, da\xDF sich bey verlobten M\xE4dchen, von dem Tage der Verlobung, bis zur Hochzeitfeyer, welches oft zwanzig oder mehr Wochen betr\xE4gt, ihre Gespielinnen bey ihr alle Abende versammeln, und sich, nebst ihr, mit Singen und Tanzen, und allerhand Spielen belustigen. In dieser Zeit dar sich auch der Br\xE4utigam schon einiger Freyheiten bedienen. — An dem Hochzeittage mu\xDF derselbe seiner Braut einen vollen Anzug von Weibskleidern zum Geschenke bringen, wogegen ihm von der Braut, M\xFCtze, Stiefeln, Beinkleider, und ein Hemd verehret wird. Nach geschehener Einsegnung f\xE4hrt die Braut auf einem offenen Wagen aus der Kirche nach Hause, hinter ihr aber sitzen, ihre Mutter, und die Freywerberinn, welche letztere alle Finger mit Ringen besteckt haben mu\xDF, beide aber breiten auf den Seiten T\xFCcher aus, um . das Gesicht der Braut f\xFCr den Zuschauern zu verbergen. Vor dem Wagen geht der Br\xE4utigam mit seinem Vater und n\xE4chsten Blutsfreunde zu Fu\xDFe; hinter dem Wagen aber reiten verschiedene junge Leute, von denen einer ein buntgestreiftes St\xFCck Zeug, an einer langen Stange, gleich einer Fahne wehen l\xE4\xDFt. Uebrigens aber wird das Hochzeitfest mit Singen, Tanzen, haupts\xE4chlich aber mit Trinken, meist auf der Gasse zugebracht.

Die Kalmucken*) pflegen ihre Kinder, nicht nur in der ersten Kindheit; sondern auch schon im Mutterleibe bedingungsweise zu verloben, n\xE4mlich: wann von den contrahirenden Partheyen, der einen ein Knabe, der andern ein M\xE4dchen geboren werden sollte; und diese Verlobungen werden allezeit heilig gehalten. Die jungen Leute aber werden meist erst im vierzehnten Jahre kopulieret. Inde\xDF sind dem Br\xE4utigam schon zwey Jahre vor der Hochzeit kleine Freyheiten bey der Braut erlaubt, die aber, wann sie bis zur Ausschweifung getrieben w\xFCrden, durch Geschenke bey den Braut\xE4ltern gut gemacht werden m\xFC\xDFen. — Vor der Hochzeit mu\xDF man sich mit den Eltern der Braut \xFCber die zu liefernde Anzahl der Pferden, und

**) Idem ibid.

*) Idem ibid.

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anderm Viehe vergleichen, wogegen zur Ausstattung der Braut mit Kleidern, Hausger\xE4the, und einem wei\xDFen Zelte von Filz, Anstalt gemacht wird. Vor der Hochzeit, wird der Geistliche, um einen dazu gl\xFCcklichen Tag befragt. Wann dieser bestimmt ist, so reist die Braut miot ihren Eltern und Verwandten, zu dem Br\xE4utigam. Das neue Zelt wird sodann aufgestellet, und in demselben lie\xDFt der Pfaff einige tangutische Gebeter \xFCber das Brautpaar. Auf dessen Befehl werden sodann die Haarflechten der Braut losgemacht, und nach Weiberweise in zween Z\xF6pfe geflochten. Der Geistliche l\xE4\xDFt sich darauf die M\xFCtzen des neuen Paares geben, entfernet sich damit etwas in die Steppe, und r\xE4uchert sie unter einigen Gebetsformeln mit Weyhrauch, worauf sie den Brautleuten wieder aufgesetzet werden. Man bewirthet alsdann die G\xE4ste, und nach deren Entfernung bleibt die Braut bey dem Br\xE4utigam in dem Zelte, und sie darf sich einige Zeit aus demselben nicht entfernen, auch niemand, als die Mutter und die n\xE4chsten Anverwandtinnen zu ihr kommen. — Bey vornehmen Hochzeiten wird ein gro\xDFes Gastmahl angerichtet, wobey diejenigen, welche die Speisen tragen, durch einen Herold angef\xFChret werden, der allzeit auf einem fuchsf\xE4rbigen Pferde reitet, pr\xE4chtig gekleidet ist, \xFCber die Schulter aber eine lange Sch\xE4rpe von seiner wei\xDFer Leinwand, und an der M\xFCtze einen schwarzen Fuchs oder Otterbalg h\xE4ngen hat. An dem Hochzeittage werden von allen Geistlichen Gebeter verrichtet, und viele Schauspiele, mit Pferderennen, Ringen, und Bogenschie\xDFen gegeben.

(Die Fortsetzung folgt.)

II. Policey.

Fortsetzung, von der IIten Abtheilung der Abhandlung von denen Gold- und Schatzgr\xE4bern.

Bey dem, von diesem Vorurtheil beherrschten Beobachter wirkte nun diese Erscheinung und Ver\xE4nderung, in seiner Einbildung lauter Wunderdinge. Nach seiner Vorstellung \xF6fnete sich der Fel\xDF, diese von ihm, in einer ziemlichen Entfernung erblickte Menschen, giengen durch diese Oeffnung ein und aus, und brachten Sch\xE4tze herf\xFCr. Die Neugierde, und die seltsame Begebenheit, die er bemerkt zu haben vermeinte, trieb endlich diesen Beobachter zu dem Felsen hin, als sich diese Fremde davon bereits entfernet hatten, um die Sache recht in Augenschein zu nehmen, und alles genau zu erforschen; allein da er hier keiner Oefnung gewahr wurde; so dachte er nicht nach, wie uns in einer Entfernung auch eigene Augen betriegen k\xF6nnen; sondern st\xE4rkte sich vielmehr in seinem Wahne, und bestund darauf: da\xDF diese Leute

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denen Felsen gebiethen k\xF6nnten, und da\xDF auf ihren Wink, sich dieselben nicht allein er\xF6ffnen, sondern auch wiederum verschlie\xDFen m\xFC\xDFten. Wer in diesen Gebirgen nur ein wenig bekannt ist, und sich die dasigen krummen G\xE4nge und Stege, die bald erhoben, bald tief sind, vorzustellen wei\xDF, dem werden dergleichen Erscheinungen nicht im geringsten befremden; er wird sich die Sache ganz nat\xFCrlich vorstellen, und wie es in Wahrheit zugehe, es vollkommen einsehen, und begriffen. Ein kleiner Versuch kann es ausweisen, und deutlich machen: man darf nur einen Menschen an dergleichen Oertern vor sich eine Strecke gehen lassen, und seinen Gang beobachten: so wird er sich zu wiederholtenmalen, pl\xF6tzlich aus dem Gesichte verlieren, nicht anders, als wenn ihn ein Fel\xDF verschlungen, oder die Erde bedeckt h\xE4tte, bald aber wird er wieder zum Vorschein kommen. Dieses verursachen auf solchen Wegen, die verschiedenen Beugungen, die dem Auge der Beobachters Hindernisse entgegen stellen, nach welchen er seinen Hauptgegenstand, bald verlieren, bald wiederum bemerken kann. Was mach aber die Einbildung eines Menschen daraus, der f\xFCr eine Meinung von Schwarzk\xFCnstlern von Gold und Edelgesteinraubern vorher schon eingenommen ist? Lauter Zaubereyen und Wunderdinge, damit nur der einmal gefa\xDFte irrige Wahn best\xE4tiget, und behauptet werde. Nicht anders verh\xE4lt sich auch die Sache mit der Flucht solcher Leute wann ihnen nachgeruffen, oder nachgesetzt wird, und mit der Bedeckung des Rebels, und der Wolke, wovon wir oben Meldung gemacht haben: alles gehet dabey ganz nat\xFCrlich und begreiflich zu. Nur mu\xDF man wissen; da\xDF diese Gebirge den ganzen Sommer \xFCber (wenn die Witterung nur einigerma\xDFen ertr\xE4glich ist) niemalen von Menschen v\xF6llig leer sind; und da\xDF sich unter diesen auch nicht wenige Ausl\xE4nder befinden: einige sammlen Kr\xE4uter und Wurzeln, andre hat die blo\xDFe Neugierde und Kuriosit\xE4t dahin gebracht, andre sind auf ihrer Reise aus M\xE4hren und Schlesien begriffen; einige darunter sind auch in der That solche, die mit n\xE4rrischen Beschreibungen da herumirren, und die vorerw\xE4hnte Schatzkammer aufsuchen wollen*): Diese sind also

*) Es hat sich erst den abgewichenen Sommer zugetragen, da\xDF zwey Schlesier mit einer solchen Beschreibung in die XIII. Stadt Bela kamen, und daselbst einen Menschen aufsuchten, der sie in dem karpatischen Gebirge herufuhren, und nach denen in ihrer Schrift angegebenen Merkmalen zu den Sch\xE4tzen hinbegleiten sollte. Sie giengen in die Gesellschaft ihres F\xFChrers auch wirklich hin, und fanden zulezt weder Merkmale noch Sch\xE4tze, sondern begaben sich, wie es leicht zu begreifen ist, ohnverrichteter Sache wiederum nach Hause. Denn gesezt, es w\xE4re auch etwas daran, so ist es doch eine sehr harte Sache unver\xE4nderliche Merkmale eines Weges nach einem gesezten Orte in diesem Gebirge zu bestimmen, indem die Wasserf\xE4lle, und die scharfen Witterungen vom Jahr zu Jahr, darinnen solche Ab\xE4nderungen machen, da\xDF es einem Menschen, dem ansonst in diesen Gegenden das meiste wohl bekannt ist, dennoch schwer fallet und selten gelinget, einen Ort wiederzufinden,

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meistens Fremdlinge und unbekannte Menschen, die nicht anders, als sch\xFCchtern, und furchtsam seyn k\xF6nnen, wenn sie sich in einer w\xFCsten Gegend befinden, in welcher sie f\xFCr der Hand eines M\xF6rders so wenig gesichert sind. Was thun also diese, wenn sie eines unbekannten Menschen ansichtig werden? Sie trauen ihm nicht, und weichen ihm aus. Und wenn ihnen dieser nachruffet, oder nachsetzet; so wird bey jenen der Verdacht um desto st\xE4rker, sie trachten daher sich entweder zu verbergen, und nehmen ihre Zuflucht in eine H\xF6hle, oder sie ergreifen die Flucht, um dadurch den Nachstellungen zu entgehen; und sich in Sicherheit zu setzen. Hier kann es sich nun zuf\xE4lliger Weise sehr leicht ereignet haben, da\xDF auf der n\xE4mlichen Stelle, wo sich dergleichen Fl\xFCchtlinge befunden, pl\xF6tzlich und unvermuthet, sich ein dicker Nebel zusammen gezogen; nachdem dieses in denen karpatischen Gebirgen gar nicht ungew\xF6hnlich ist; und von denen, die um diese Gebirge herum wohnen, beynahe t\xE4glich beobachtet werden kann. Wie an manchem Orte eine Wolke nicht anders, als wenn dieselbe aus einem Felsen herausstiege, entstehet, und \xFCber eine Weile weiter hinauf steiget, oder auch nach und nach sich vermindert, und auf der Stelle verschwindet*) Solche Ver\xE4nderungen pflegen diejenige sehr oft zu erfahren, die in diesen Gebirgen auf- und absteigen; und bey der sch\xF6nsten und heitersten Witterung, mit einem finsteren Nebel also bedeckt werden, da\xDF sie, ohne sich der gr\xF6\xDFten Gefahr auszusetzen, auch von der Stellen nicht weichen d\xE4rfen, sondern die Zeit abwarten m\xFCssen, bis der Nebel abziehe oder gar verschwinde. Aus einer solchen ganz nat\xFCrlichen Ver\xE4nderung (wenn sich dieselbe unter besondern Umst\xE4nden ereignet) kann nun ein Mensch, der in seinem Urtheil zu Ausschweifungen geneigt ist, gar leicht den Schlu\xDF machen: da\xDF es Leute gebe, die denen Wolken gebieten, und ihren Lauf nach eigenem Belieben bestimmen k\xF6nnen. Doch aber darf man sich \xFCber dergleichen Einf\xE4lle gar nicht wundern, wenn man bedenket, da\xDF es beynahe zu einer allgemeinen Gewohnheit worden ist, aus allen Begebenheiten, und Ver\xE4nderungen, die man in diesen Gebirgen wahrnimmt, wenn sie auch noch so nat\xFCrlich, begreiflich, und unschuldig w\xE4ren, lauter Geheimni\xDFe, und Wunder zu machen. Denn eben auf die Art haben die Geister, von denen gesagt wird, da\xDF sie die Sch\xE4tze dieses Gebirges besitzen, bewachen, und sonst niemanden den Zutritt dazu verg\xF6nnen, au\xDFer dem, der die heimlich gehaltene Wissenschaft besitzet, ihnen zu begegnen, und sie zu b\xE4ndigen, ihre Existenz in dem Gehirn vieler Menschen erhalten. Die ganze Sache bestehet eigentlich darinne: es giebt

den er sich nur vor einem Jahre genau bezeichnet hatte.

*) S. davon  die Beschreibung des karpatischen Gebirges im II. Jahrgang das XXXII. St. S. 255. 256.

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einige Gegenden in diesem Gebirge, worunter insonderheit der sogenannte Drachenkumpen (Slavakisch, Satinsky Zleb) ber\xFChmt ist, wo sich oben auf der Bergspitze von denen Felsen einige St\xFCcke abl\xF6sen, und fast unaufh\xF6rlich, mit einem schr\xF6cklichen Get\xF6se herabrollen. Einige von diesen Steinen fallen von selbsten herab, so bald sie sich von dem Felsen abgel\xF6st haben, wenn es auf einer Stelle geschieht, wo sie sich nicht erhalten k\xF6nnen; andere hingegen, die noch daran kleben, bekommen von denen auf- und abspringenden Gemsen einen solchen Sto\xDF, der sie in Bewegung bringet, und herabst\xFCrzet. Was machen nun hieraus solche Menschen, denen es allezeit besser gef\xE4llt, etwas aus albernen, als aus nat\xFCrlichen und vern\xFCnftigen Gr\xFCnden herzuleiten? sie verfallen auf Gespenster, und solche Geister, denen denen die Aufsicht \xFCber die Sch\xE4tze dieses Gebirges zuk\xE4me, und die sie in ihrer Gewalt h\xE4tten. Sie glauben daher, da\xDF diejenige allein solcher Sch\xE4tze theilhaftig werden k\xF6nnten, die das Gl\xFCck haben, diesen Geistern auf keinerley Art zu mi\xDFfallen, und die vielmehr wu\xDFten, ihre Gunst und Zuneigung zu gewinnen: diejenigen hingegen, die diese Geister beleidigten, und erbitterten, w\xE4ren der Gefahr ausgesezt, ihre Gesundheit, oder gar ihr Leben einzub\xFCssen, wenn sie sich frech unterst\xFCnden, einem solchen Orte nahe zu kommen. Und das w\xE4re eben, nach ihrer Meinung, die Ursache eines solchen Gepolters, und des Herabwerfens der Steine; sie sehn es, als ein Werk der Geister an, zugleich aber auch, als einen untr\xFCglichen Bewei\xDF, der anwesenden gro\xDFen Reichth\xFCmer und Sch\xE4tze eines solchen Ortes. Viele haben sich daher auch zu unsern Zeiten durch eine solche Einbildung dahin verleiten lassen, in diesen Drachenkumpen (der in Mingsdorfergrund ober den Poppersee linker Hand liegt) ihr Heyl zu versuchen; wi sie aber anstat der Sch\xE4tze, ihr Verderben fanden, und mit Arm und Bein, oder gar mit Leib und Leben ihren F\xFCrwitz theuer genug bezahlen mu\xDFten. Denn indem sich ein St\xFCck von einem Felsen lo\xDFrei\xDFet, so st\xF6\xDFt es im Herabfallen an andere rauhe, und herf\xFCrragende Felsen an, zertr\xFCmmert, und nimmt noch andre mit sich, welches gleichsam einen Steinregen verursachet, dessen Gefahr niemand so leicht zu entrinnen im Stande ist, der sich einmal zuweit hinein gewagt hat.

(Die Fortsetzung folgt.)


In Wien zu haben in dem von Ghelenschen privil. Zeitungscomtoir, in der Sinngerstrasse Nro. 931.
Topic revision: r4 - 08 Mar 2012, AgostonBernad
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