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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, XIV. St\xFCck - V. Jahrgang, XVI. St\xFCck >



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V. Jahrgang, XV. St\xFCck, den 12. April 1775.

I. Wissenschaften

Pre\xDFburg.

Dissertatio historico - critica de Sancto Ladislao Hungariae Rege, a Georgio Pray, Hungaro Presbytero secuolari conscripta. Posonii sumtibus Joannis Michaelis Landerer 1774, in Quart, 140. Seiten.

Es sind drey Jahre verflo\xDFen, als der verdienstvolle Herr Pray, eine historische Abhandlung, von der unverwesenen rechten Hand des heiligen K\xF6niges Stephanus, durch den Druck bekannt gemacht hat*). Bey der Gelegenheit versprach uns dieser unerm\xFCdete Geschichtforscher, das Leben der noch \xFCbrigen Heiligen, die Ungarn ganz eigentlich angehen, und deren Lebensbeschreibungungen, zur Aufkl\xE4rung der Kirchen- und Staatsgeschichte dieses K\xF6nigreichs, nicht wenig beytragen, ans Licht zu stellen. Die vorliegende Dissertation macht den Anfang der Supplemente, welche unser Historiograph, zu den Annalen der K\xF6nige von Ungarn, auszuarbeiten, dem Publikum die beste Hofnung machte.

Die Antwerpischen Gelehrten, haben in den pr\xE4chtigen Actis Sanctorum*) das Leben des K\xF6niges Ladislai, von der Seite, nach welcher er als Heiliger und Schutzpatron des K\xF6nigreichs Ungarn betrachtet wird, mit gro\xDFem Flei\xDF beschrieben; wir meinen, die Erhebung dieses K\xF6niges, unter die Heiligen der katholischen Kirche, die feyerliche Verehrung desselben, und die Reliquien, welche der fromme Eifer, bis jetzt noch aufbewahrt, und ehrerbietig bewundert. Herr Pray, pr\xFCft die Erz\xE4hlungen dieser Gelehrten im ersten Paragraph, hellet sie noch mehr auf, berichtiget

*) S. den ersten Jahrg. unserer Anzeigen Seite 170. u. folg.

*) Tom. V. ad diem XXVII. mensia junji.

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sie da, wo es ihnen, als Ausl\xE4ndern, nicht gelungen, die Wahrheit zu treffen, und dann stellt er in dem 2ten bis zum 6ten \xA7. die ganze Geschichte der Heiligsprechung, der an verschiedenen Orten aufbehaltenen Reliquien, und der and\xE4chtigen Verehrung Ladislai, in einem neuen sehr gl\xE4nzenden Gewand dar. Dabey streuet der Herr Verfasser, mit unter, in den Noten, Anmerkungen ein, welche dem Forscher der ungarischen Kirchen- und Civilgeschichte, nicht gleichg\xFCltig seyn k\xF6nnen*).

Nachdem der Gelehrte H. Pray in den f\xFCnf ersten Paragraphen, unsern K\xF6nig, als Heiligen vom ersten Range, dessen Ged\xE4chtni\xDF und Reliquien, der and\xE4chtige Ungar sowohl, als der Deutsche noch immer verehret, mit vielem Flei\xDF, Ordnung, und recht vollst\xE4ndig beschrieben hat; so kommt er in den folgenden Paragraphen, auf die merkw\xFCrdigsten Begebenheiten seines Lebens, und seiner Regierung welche dem Historiker, nicht minder wichtig sind, als jene, dem frommen Verehrer verdienstvoller Heiligen. Den Anfang dazu macht H. Pray \xA7. 6. mit den r\xFChmlichen Bem\xFChungen Ladislai, zum besten der Religion und der Gottseligkeit. Das erste Werk seines Eifers in der Religion, war die milde Stiftung der Abbtey des heiligen Aegidii, in der Sch\xFCmegher Gespannschaft, welches mit einem Brief Paschals II. an den Abbten Hugo vom Jahre 1106 bewiesen wird. Das zweyte ist die Errichtung eines neuen Bi\xDFthums, n\xE4mlich des zu Agram. Einige Geschichtschreiben wollen zwar behaupten, der heilige K\xF6nig h\xE4tte zwey Bi\xDFth\xFCmer eines zu Gro\xDFwardein, und das andere zu Stuhlwei\xDFenburg gestiftet. Diese Meynung unserer Historiker, untersucht der forschende Verfasser von S. 50 bis 70 und nachdem er dieselbe genugsam gepr\xFCfet, und allzuschwach befunden hat, so verwirft er sie, und beweiset mit ausgesuchten und sichern Gr\xFCnden das Gegentheil. Wir k\xF6nnen seine Beweisgr\xFCnde wegen Enge des Raums hier nicht anf\xFChren, sondern verweisen unsere Leser auf die Abhandlung selbsten. Das aber k\xF6nnen wir nicht unangemerkt lassen, da\xDF der Verfasser bey diesen

*) Wie interessant ist nicht unter andern, die Anmerkung, wenn der Wahrheitsliebende Pray S. 19.  bey den Worten: Sed pius Rex accepta Eucharistia Corporis & Sanguinis Domini nostri Jesu Christi, unten in der Note mit einer Freym\xFCthigkeit, die ihm Ehre macht, sich so erk\xE4rt: „Reor hoc loco duplicem speciem intelligi. d. i. Ich halte daf\xFCr, der sterbende K\xF6nig hat das hochw\xFCrdige Geheimni\xDF des Abendmahls Jesu, unter beyden Gestalten empfangen. Noch mehr, er f\xFChret Gr\xFCnde an seiner Vermuthung. „Nam, hei\xDFt es weiter. Missale saeculi XII. & XIII. perspicue duobus locis indicat, ultramque Hungaris in usu fuisse. Primum,  Rubrica Dominicae Palmarum ita habet: Deinde dividat oblatas presbyter, ad frangendum, & sumat de ipsis integras  oblatas ad servandum usque mane diei parasceve, de quibus communicent,  cum sanguine Domini, ut." S. auch Seite 49. und 50 wichtige  Entdeckungen, f\xFCr die ungarische Kirchengeschichte, und f\xFCr den Geist der jetzigen Epoche!

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Untersuchungen S. 60. und folg. wegen Verwandtschaft der Materie, auch mehrerer Deutlichkeit, und St\xE4rke der Beweise wegen, die Entstehungsgeschichte des Bo\xDFnier und Sirmier Bi\xDFthums, davon wir bis jetzt noch nichts zuverl\xE4\xDFiges hatten eingeschaltet. Jenes sagt er, hat Koloman, Bel\xE1 des IVten Bruder, im Jahre 1238. errichtet; dieses aber Ugrinus Erzbischof von Kolotscha im Jahre 1229. mit Beg\xFCnstigung des Pabstes Gregorius IX. Die Bisch\xF6fe des Bo\xDFnier Bi\xDFthums sind S. 64. und 65. aus Diplomen unserer K\xF6nige, in chronologischer Ordnung, vom Jahre 1239. bis 1716, angef\xFChret worden.

In dem 8. \xA7. macht Herr Pray aus diesen vorausgesetzten historischen Entdeckungen, den Schlu\xDF, den er von S. 70. bis 75. mit sichern Beweisen unterst\xFCtzt: Ladislaus der heilige, hat nur ein einziges Bi\xDFthum, n\xE4mlich das zu Agram gestiftet, und dasselbe aus k\xF6niglicher Milde reichlich dotiret. Au\xDFer dem aber, hei\xDFt es S. 75., h\xE4tte dieser fromme K\xF6nig, doch auch das Batscher Bi\xDFthum erweitert, mit mehreren Gr\xFCnden versehen, und so gar dem ersten Stifter desselben, dem heiligen K\xF6nig Stephan zu Ehren, zum Erzbi\xDFthume erhoben. S. 76. und folg. wird dieses noch mehr entwickelt, vertheidiget und zugleich dargethan; da\xDF die Vereinigung des Bathscher Bi\xDFthums mit dem Kolotscher, welche bis jetzt noch fortw\xE4hret, etwa um das Jahr 1156. zu Stande gekommen; obwohlen die heute noch \xFCbliche Redensart Ecclesiarum Canonice unitarum sp\xE4tern Ursprungs sey, weil die Benennung beyder Kirchen zugleich vor den Jahren 1266. und 1270. in keiner \xF6ffentlichen Urkunde vorkommt.

Die letzten Paragraphen unserer Commentation, sind meist der Untersuchung, von dem Ehestande Ladislai des I. Wenn wir einige wenige damit unmittelbar verbundene Gegenst\xE4nde ausnehmen, gewidmet. Gleich im Anfange des 9. \xA7. sagt H. Pray. „ Obschon diejenigen, welche, aber ohne allen Grund meinen, die Heiligkeit des Lebens, r\xE4ume sich nicht mit dem ehelichen Stande immerfort noch, f\xFCr den ehelosen Stand des heiligen K\xF6niges eingenommen sind, und solchen aus allen Kr\xE4ften vertheidigen: so ist doch alles das nicht verm\xF6gend, mir andere Gedanken beyzubringen, sonderlich bey so sichern und deutlichen Bewei\xDFth\xFCmern der Sache, welche in meinen H\xE4nden sind. Diese f\xFChrt der Verfasser in dem n\xE4mlichen Paragraph auf S. 85. sogleich an, pr\xFCft sie mit dem gr\xF6\xDFten Flei\xDF, untersucht, sonderlich S. 87. ob Ladislaus nur eine oder zwey Gemahlinnen gehabt, und macht endlich S. 96. den Schlu\xDF: Fuit igitur Ladislao Conjux, eaque Adelhaid. — Bertholdi Alemaniae Ducis soroc. Hierauf k\xF6mmt Herr Pray auf die Kinder des K\xF6nigs Ladislai, und macht nach Anf\xFCrung verschiedener Meinungen

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der Geschichtschreiber, und m\xFChsamen Vergleichung derselben untereinander S. 100. folgende namhaft: Fuere igitur Ladislao, praeter Colomannum & Priscam, liberi Sophia — nec non Berchta — Und S. 101. Quibus si ea jungamas quae Thuroczius, in Chronico suo narrat, alios etiam fratres Colomannum habuisse opportuit, sed qui prius, quam is rerum in Hung. potitus fit, morte elati fuerint.

Endlich nach einigen eingeschalteten historischen Untersuchungen von S. 104. bis 133. von den Gemahlinnen des K\xF6nigs Stephan I. von dem Ort ihres Begr\xE4bni\xDFes und anderer damit verwandten Materien, aus der Lebensgeschichte Stephan des H. dazu der Gelehrte Herr Verfasser, durch Anf\xFChrung des Grabsteines, worauf der Gemahlinnen, Stephan des I. und . Ladislai des Heiligen Erw\xE4hnung geschieht, verleitet worden ist, beschlie\xDFt er seine Commentation, mit einer richtigen Anzeige derjenigen Provinzen, wir meinen Sklavonien, welche Ladislaus der I. der heiligen ungarischen Ungarischen Krone zugethan hat.

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Fortgesetzter Auszug aus den Beytr\xE4gen zu verschiedenen Wissenschaften, von , einigen \xF6sterreichischen Gelehrten. (XII. und XIV. St. )

Die Abhandlung vom Nordlichte, hat Herr Paul Mako, Lehrer der mathematischen Wissenschaften an den k. k. Theresianum verfasset.

In der Vorrede sagt der Herr Verfasser: "Als ich in meiner lezten Abhandlung von der Natur des Donners, und den Mitteln wider denselben, die meisten Wirkungen, die die Elektricit\xE4t in der Luft erzeuget, untersuchte: kam ich unvermerkt auf die so genannten Nordlichter oder Nordscheine, welche Herr Franklin mit seinen Anh\xE4ngern eben von dieser Elektricit\xE4t herleitet: allein da ich diese Lufterscheinung des Nordlichts selbst, und die verschiedenen Meinungen der Naturk\xFCndiger dar\xFCber genau \xFCberlegte; fand ich nichts, was meine Wi\xDFbegierde befriedigen konnte. — Ich entschlo\xDF mich daher — die Schwierigkeiten, welche auf diesem Gegenstande haften, klar und deutlich vorzutragen, und zugleich zu bestimmen, wie weit wir bisher mit unsern Entdeckungen und Meinungen gekommen sind. Vielleicht f\xFChrt es auf eine Spur, einmal zur Wahrheit selbst zu kommen."

Nach dieser Vorrede, werden die vornehmsten Eigenschaften des Nordlichtes, so wie wir es in unsern L\xE4ndern sehen, erkl\xE4ret:

1) Erscheint in wenigen Stunden nach Sonnenuntergang ein Abschnitt von einer dunkeln und finstern Kugel \xFCber dem Gesichtskreise, meistens zwischen Norden und Westen.

2) Ist der obere Umkreis der Kugel ein lichter Bogen, einem mehr oder weniger breiten St\xFCcke eine Zirkels oder einer Eyrunde gleichf\xF6rmig.

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3) Umgeben diese Kugel nicht selten mehrere Ringe, welche beyl\xE4ufig eben den Mittelpunkt mit ihm haben. Sie sind wechselweise hell und dunkel, und je h\xF6her sie gegen den Scheitelpunkt stehen, desto schw\xE4cher ist ihr Licht.

4) Brechen aus diesen Ringen, und besonders aus den dunkeln Theilen der Kugel einige feurige S\xE4ulen mit vielen Blitzen heraus: sie folgen schnell aufeinander und sind fast senkrecht auf den Ringe.

5) Stellen auch diese Stralen oder S\xE4ulen, da sie um den Scheitelpunkt zusammen kommen, oft eine Krone vor.

6) Werden die Wolken und D\xFCnste mit einer so lebhaften R\xF6the gef\xE4rbet, da\xDF auch die irrdischen K\xF6rper davon weit umher gl\xE4nzen: so oft der Schimmer des Nordlichtes etwas lebhafter ist.

7) Scheint diese Erscheinung sich zuweilen in die L\xE4nge oder Breite zu bewegen, und endiget sich meistentheils ein eine sanfte Helle gleich der Morgenr\xF6the. Bey diesen erstgedachten Eigenschaften macht der Herr Verfasser die Anmerkung: "Will man wahrscheinliche Erkl\xE4rungen dar\xFCber beybringen: so mu\xDF man erstlich die H\xF6he ausmessen, in welcher die Nordlichter erzeiget werden, und demnach sehen, mit welchen Erscheinungen in der Natur sie eine Aehnlichkeit, oder einen Zusammenhang haben. Ist dieses einmal festgesetzt: so ist zwar ihr Wesen noch nicht aufgekl\xE4rt, aber man kann doch urtheilen, was in den bisherigen Meinungen davon falsch was zweifelhaft, was wahrscheinlich sey."

Er handelt daher im folgenden ersten Abschnitte:

Von der Stelle des Nordlichts.

Es ist, sagt er, in Hinsicht auf dieselbe unl\xE4ugbar, da\xDF die Nordlichter innerhalb des Luftkreises der Erde erzeigen werden, und aus einem Stoffe bestehen, welcher da sich die Erde t\xE4glich in ihrem Mittelpunkt drehet, zugleich mitgeri\xDFen wird. Denn entst\xFCnden sie au\xDFerhalb des Luftkreises; so k\xF6nnten sie unserm Auge nach, nicht lange an eben der Stelle verbleiben; sondern sie m\xFC\xDFten gleich den himmlischen K\xF6rpern, nach einen best\xE4ndigen Ges\xE4tze von Aufgang gegen Niedergang, fortrucken; welchem jedoch die Erfahrung gerade widerspricht.

In welcher H\xF6he des Luftkreises aber das Nordlicht entstehe, ist eine noch unentschiedene Frage. Einige versetzen es in die H\xF6he, zu welcher die D\xFCnste, und die \xFCbrigen Theilchen aufsteigen, die von der Erde ausgeduftet werden: andre setzen es viel h\xF6her hinauf.

Hier wird die Lehre und die Beobachtung der letztern zu erst vorgetragen und gepr\xFCft: K\xFCrze wegen wollen wir davon nur einige von den berechneten und angegebenen Entfernungen anf\xFChren:

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1) War das Nordlicht welches Gassend im Jahre 1621 den 12. Herbstmonat beobachtet 123. Meilen entfernet.

2) Herr Kraft 1730. den 17. M\xE4rz zu Petersburg 28. M.

3) Eein anders von denselben eben daselbst in gedachtem Jahre den 6. des Herbstmo. 34. M.

4) In eben dem Jahre zu Genf den 22. August, 98. M.

5) Vom Herrn Fouchy 1750. den 3. Hornung zu Paris 101. M.

6) Zu Genf 85. M.

7) Von Herrn Ferner zu Upsal, 1751 den 3. Winterm. 218. M.

8) Eben dasalbst 1764. den 4. M\xE4rz, 96. M.

9) Ebend daselbst, im n\xE4mlichen Jahre, 64.

10) Herr Maller eben daselbst, 28. April 32. M.

11) P. Sionest zu Posen 1764. 29. Herbstm. 171. M.

12) P. Hallerstein 1770. Zu Pekin

17. Herbstm. 164. M. Um die Meinung der leztern zu pr\xFCfen stellet der Herr Verfasser eine lesensw\xFCrdige Untersuchung an, die er mit folgenden Worten beschlie\xDFet: Man kann also den ganzen Luftkreis in zwo Gegenden abtheilen. Die erste erstreckt sich beyl\xE4ufig auf 8. Meilen, und schlie\xDFt alle irdischen D\xFCnste, und fremden Theilchen in sich, welche f\xE4hig sind, die Lichtstrahlen zur\xFCck zu prellen: die andre erstrecket sich auf 41. Halbdurchmesser der Erde, und enth\xE4lt die feine Luft. Sind nun die f\xFCr die Entfernung der

Nordlichter bisher angef\xFChrten Beweise gegr\xFCndet: so werden zwar alle Nordlichter in der Obern Gegend erzeuget; doch aber in den untersten Raume derselben; weil keines die H\xF6he auch nur eines halben Durchmessers erreicht.

Der II. Abschnitt handelt

Vom Zusammenhange des Nordlichtes mit andern Erscheinungen der Natur.

Hier hei\xDFt es gleich im Anfang: "Nachdem man seit dem 1716. Jahre der Nordlichter \xF6fters ansichtig ward, legte man die eitle Furch vor ihrer \xFCblen Vorbedeutungen ab. Die Naturforscher fiengen an, sie mit gr\xF6\xDFerer Aufmerksamkeit zu beobachten, und da sie nicht zweifelten, da\xDF ihr Glanz in unserm Luftkreise aus der Entz\xFCndung fester D\xFCnste entspringe: so schmeichelten sie sich einen Zusammenhang der Nordlichter mit andern Lufterscheinungen gefunden zu haben. Einige hielten sie f\xFCr Vorbothen der Winde oder Ungewitter; andere glaubten, ein gewi\xDFes Zischen und einen Schwefelgeruch w\xE4hrend dem Nordlichte bemerkt zu haben.

Allein diese M\xE4rchen verschwanden, seit dem in nordischen Gegenden ein Celsius, ein Clanam, ein Bergmann, ein Barhow, alle sehr genaue Naturforscher, nichts dergleichen bemerken."

Auch Herr Mairan, welcher \xFCber zwey tausend Beobachtungen

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zusammen gesammelt, bezeugt da\xDF er niemals etwas solches bemerket habe.

,,Viel deutlicher sagt der Herr Verfasser, ist das Verh\xE4ltni\xDF der Nordlichter zum Magnetsteine. Der erste, so viel ich wei\xDF, war Herr Celsius zu Upsal, der im Jahre 1742. den 16. April, w\xE4hrend dem Mondlichte ganz ungew\xF6hnliche Ver\xE4nderungen in der Magnetnadel bemerkte: welche vom Herrn Graham zu London vollkommen best\xE4ttiget worden sind. Eben dieses hat man auch in Wien wahrgenommen, und im Jahre 1768. in Tyrnau, im Jahre 1769. zu Gr\xE4tz. Aus welchem und mehr andern hier angef\xFChrten Erfahrungen gefolgert wird, da\xDF ein geheimes Band zwischen dem Nordlichte und dem Magneten sey.

"Da\xDF die Aeu\xDFerungen des Magneten genau mit der Electricit\xE4t verbunden seyn, ist heut zu Tage, eine bekannte Sache. Herr Braun ein \xE4msiger Naturforscher sagt davon: Noch merkw\xFCrdiger ist das Zittern der Magnetnadel, welches ich vor einem Donnerwetter, oder da auch nur der Himmel mit Wolken \xFCberzogen war, beobachten. Es scheint in der That, da\xDF diese Unruhe eine Wirkung der Elektricit\xE4t der Luft sey, dieses mu\xDF ich noch voraus erw\xE4hnen, da\xDF die Nadel sehr beweglich seyn mu\xDF: denn die gemeinen Nadeln zeigen diese Bewegung nicht an.

Eben diese Bewegungen beobachteten auch die Unserigen hier zu Wien, zu Tyrnau, zu Gr\xE4z.

Man kann also hieraus nicht ohne Fug argw\xF6hnen, da\xDF auch die Nordlichter mit der Himmelselektricit\xE4t durch ein unbekanntes Band verkn\xFCpfet seyn. Herr Canton hat bey heitern N\xE4chten in seinem Elektricit\xE4tma\xDFe keine Spur einer Elektricit\xE4t bemerket, au\xDFer wenn ein Nordlicht am Himmel war. Aenliche Wirkungen haben auch andere wahrgenommen, und unser Herr Verfasser selbst.

Der Herr Verfasser bemerkt ferner aus angef\xFChrten Erfahrungen: Es w\xE4re aus denselben unschwer zu erachten, da\xDF die Nordlichter h\xE4ufiger seyn, da die Erde am n\xE4chsten bey der Sonne ist, als wenn sie sich auf der entferntesten Laufbahne befindet, und dieses zwar in einem fast best\xE4ndigen Verh\xE4ltni\xDFe, welches zugleich desto gr\xF6\xDFer ist, je n\xE4her die Erde an diesen n\xE4chsten oder entferntesten Punkten wandelt.

Herr Mairan der diese Erfahrungen gesammelt hatte, brachte aus ihren Vergleichungen heraus, da\xDF die Nordlichter viel h\xE4ufiger sind , wann die Erde bey dem Grade der Zwillinge, das ist, bey dem Punkte ist, wo ihre n\xF6rdliche Laufbahn von dem Mittelstreife der Sonne durchschnitten wird, welches zu Ende des Wintermonats geschiehet; als wann sie bey dem achten Grade des Sch\xFCtzen, das ist, bey dem Punkte ist, wo ihre s\xFCdliche Laufbahne von dem Mittelkreise der Sonne durchschnitten wird, welches zu Ende des Maymonats geschiehet.

(Die Fortsetzung folgt.)

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II. Vermischte Nachrichten.

Fortsetzung, der verschiedenen Gebr\xE4uche fremder V\xF6lker bey ihren Verheurathungen.

Mit den zweyten Weibern oder Beyschl\xE4ferinnen braucht man nicht so viele Umst\xE4nde. Alles, was man dabey thut, ist, da\xDF man mit den Eltern des Weibes einen Vergleich schlie\xDFt, in welchem man verspricht, ihre Tochter gut zu halten. Diese Weiber stehen g\xE4nzlich unter der Herrschaft der rechtm\xE4\xDFigen Ehefrau, und die Kinder die sie geb\xE4hren, werden ebenfalls als die ihrigen angesehen, und haben ein gleiches Recht zu erben. Sie f\xFChrt auch nur allein den Mutternamen, und sie allein wird bey ihren Absterben betraueret. Manche nehmen, um den Namen guter Ehem\xE4nner zu bekommen, keine Beyschl\xE4ferinnen, ohn Einwilligung ihrer Weiber, und andere nur in der Absicht, um einen Sohn zu bekommen. — Sowohl M\xE4nner, als Weiber, k\xF6nnen, wann der erste Ehegatt stirbt, zum zweytenmal heurathen. Die Wittwen sind, wenn sie Kinder gehabt haben, vollkommen frey, und stehen nicht unter dem Zwange ihrer Eltern; doch ist es ihnen nachtheilig, wann sie ohne gro\xDFe Noth wieder heurathen. — Die Vielweiberey ist denen Privatpersonen verbothen: der Kaiser aber pflegt ordentlich drey Gemahlinnen zu haben. Die eigentliche Ehescheidung ist in China etwas seltenes, ob sie gleich geringer Ursachen wegen, z. B. Wann die Frau ungehorsam, plauderhaft, eifers\xFCchtig ist, geschehen kann. Eine entlaufene Frau wird gegei\xDFelt, und der Mann hat der Recht sie zu verkaufen; vergeht sie sich aber so weit, da\xDF sie sich anderw\xE4rts verheurathet, so wird sie mit dem Stricke erw\xFCrget. — Die v\xE4terliche Gewalt der Chineser hat sehr vieles mit der R\xF6mischen gemein, doch mit dem Unterschiede, da\xDF sie sich in China auch auf die Mutter erstreckt. Weder Alter, noch Amt, befreyen die Kinder von der Gewalt, und Zucht der Eltern. Eine Mutter kann ihren Sohn pr\xFCgeln la\xDFen, wann er auch ein Mandarin w\xE4re. — — In der Provinz Schan-Si hat man die l\xE4cherliche Gewohnheit, die Todten miteinander zu verheurathen, wenn es zutrift, da\xDF der Sohn des einen, und die Tochter des andern, zu gleicher Zeit sterben, so werden die Eltern miteinander der Heurath wegen einig, s\xE4tzen die S\xE4rge neben einander, und halten den Hochzeitschmaus. Die Eltern werden von der Zeit an, als Anverwandte betrachtet, wie sie es gewesen seyn w\xFCrden, wann ihre Kinder noch bey ihrem Leben miteinander verehelicht worden w\xE4ren.

(Die Fortsetzung wird folgen.)


In Wien zu haben in dem von Ghelenschen privil. Zeitungscomtoir, in der Sinngerstrasse Nro. 931.
Topic revision: r4 - 12 Mar 2012, AgostonBernad
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