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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, XVI. St\xFCck - V. Jahrgang, XVIII. St\xFCck >



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V. Jahrgang, XVII. St\xFCck, den 26. April 1775.

I. Wissenschaften

Fortsetzung, der Ausz\xFCge aus den Beytr\xE4gen zu verschiedenen Wissenschaften von einigen Oestreichischen Gelehrten.

Auf der 382 Seite dieser gelehrten Beytr\xE4ge, kommen vor: Muthma\xDFungen von Entstehung der Bergkrystallen, aus einem Versuche hergeleitet, der mit dem in einem Bergkrystalle eingeschlossenen Wasser angestellet worden, verfasset von Joseph edlen von Herbert, Priester, und der Philosophie Doktor. Wir glauben, es werde dieser Gegenstand, f\xFCr die meisten unsrer Leser interessant seyn, und wollen daher einen kurzen Auszug aus derselben hier liefern.

Da\xDF es in dem Bau unregelm\xE4\xDFiger K\xF6rper ohne gewisse Bestimmung, blos von ungef\xE4hr zugehe, zeiget sich aus ihrer Bildung selbst. Wir finden in solchen die Theile, nach allen Richtungen zusammen gef\xFCget — ohne da\xDF irgends auch nur eine Spur der Ordnung in ihrer Zusammentrettung herf\xFCrscheine. Es ist daher eine unstreitige Folge, da\xDF auch die Kraft, welche ihre vormals enfernte Theile mit einander verbunden hat, nach allen Richtungen, ohne Unterschied gewirket haben m\xFC\xDFe. Die anziehende Kraft der kleinsten Theil mu\xDFte durch keine abstossende Kr\xE4fte unterbrochen, sich allseitig augebreitet, die von ungef\xE4hr in die N\xE4he gekommenen K\xF6rper, nach allen Richtungen, zu sich gezogen, und mit sich verbunden haben.

Da\xDF es in der Entstehung regelm\xE4\xDFiger K\xF6rper weit anders zugehe, war ich zwar allezeit au\xDFer Zweifel, doch w\xFCnschte ich dieses lieber mit Augen zu sehen, als durch Vernunftschl\xFCsse zu folgern: ich gab mir ungemein viel M\xFChe, sowol den Wuchs

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kleiner Silberstr\xE4ugchen, die wenn ein Tropfen des Scheidewassers, in welchem Silber und Merkur aufgel\xF6set worden, an ein kleines St\xFCckchen Me\xDFing gebracht wurde, unter dem Gesichte aufwachsen, als auch allerley Krystallisierungen des Salzes zu beobachten, und sah zwar dem Wachsthum; doch wie sich Theile an Theile f\xFCgeten, konnte ich niemals entdecken. Einigemal doch, sah ich durch ein Mikroscop, wie sich im Wasser die schon gebildeten, doch noch sehr kleinen Salpeterkrystallen bey pl\xF6tzlicher Abk\xFChlung zusammen begaben; es w\xE4hlten diese in ihrer Zusammentrettung den n\xE4chsten Weg nicht; sie machten gewisse Wendungen, verm\xF6g welcher nur gewisse Theile mit gewissen sich zusammen f\xFCgten, andre sich gleichsam auszuweichen schienen: kurz es stellten sich meinen Augen solche Bewegungen dar, derer ich \xF6fters gewahr wurde, wenn ich kleine St\xFCckchen des feinsten Eisendrates, die ich zuvor mit einem Magnet gestrichen, so sachte ich auf das Wasser gelegt hatte, da\xDF sie auf der Oberfl\xE4che desselben schwammen. Wie diese sich, wenn freundschaftliche Pole gegen\xFCber zu stehen kamen, einander flohen: wie sie sich wendeten, damit ein freundschaftlicher mit dem andern sich zusammenbegeben k\xF6nnte. Wie sie nachmals mit einer wachsenden Geschwindigkeit zusammenstie\xDFen, und etwelche sich nach der L\xE4nge, andre, nach der Breite, an die Benachbarten anschlossen: also thaten es auch die kleinen Krystallen des Salpeters.

Aus der Aenlichkeit der Erscheinung folgerte ich auf die Aenlichkeit der Ursache. Wie es in diesem kleinen Kunstmagnete nur durch die abstossende Kraft feindlicher Pole, nur durch die anziehende der freundschaftlichen bewirket wurde, da\xDF sie sich so regelm\xE4\xDFig zusammenbegeben hatten: also schien auch der regelm\xE4\xDFige Zusammenwuchs zerstreuter Salpetertheilchen nur aus solcher Vermischung sich gegen einander anziehender und abstossender Pole seinen Ursprung zu haben. Aus lauter Abstossenden konnte sich kein zusammenhangender K\xF6rper, aus lauter Anziehenden kein Regelm\xE4\xDFiger bilden: es war daher ein gewisser Wechsel anziehender und abstossender Kr\xE4fte n\xF6thig, da\xDF die regelm\xE4\xDFige Bildung der Salpeterkrystallen entstehen k\xF6nnte.

So dachte der Herr Verfasser, als ihm eine Erfahrung beyfiel, die diesen seinen Vernunftschl\xFCssen einen neuen Beweis beyzulegen schien. Ich erinnerte mich, sagt Er, bey Herrn Doktor Jaquin, k. k. Bergrath und weltber\xFChmten Lehrer der Chimie und Botanik auf unserer hohen Schule, gelesen und auch selbst erfahren zu haben, da\xDF die alkalischen Salze, die sich von selbst , niemals regelm\xE4\xDFig bilden, durch blo\xDFen Zutritt h\xE4ufiger Luft in Gestalt der Krystallen gleich andern Mittelsalzen anschlie\xDFen. Hieraus folgerte ich also: da\xDF die Theile der Luft sich gegen einander abstossen, ist durch dessen Federkraft so unstreitig erwiesen, da\xDF die ganze

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Naturlehre daf\xFCr B\xFCrgschaft leistet: da\xDF eben diese abstossnde Kraft sich durch das Anziehen anderer K\xF6rper gleichsam binden l\xE4\xDFt, hat Hales in seiner Statik der Vegetabilien sattsam gezeiget. Es geher also im Alkahlischen Salze durch Zutritt h\xE4ufiger Luft keine andere Ver\xE4nderung vor, als da\xDF sich mit vormals blos anziehenden Theilen auch abstossende verbinden. Ist nun diese Verbindung allein schon hinl\xE4nglich, da\xDF ein vormals unregelm\xE4\xDFig entstandener K\xF6rper, sich in regelm\xE4\xDFige Krystallen gestalte: sollte es wohl jemand in Abrede stellen, da\xDF eine Mischung anziehender und abstossender Theile die Ursache regelm\xE4\xDFiger Bildungen sey? — — —

Nicht diese Mischung anziehender und abstossender Kr\xE4fte allein; sondern noch ein Umstand ist es, der zur Gestaltung regelm\xE4\xDFiger Figuren unumg\xE4nglich erforderlich ist. Es m\xFC\xDFen die sich zusammenf\xFCgenden Theile eine vollkommene Freyheit sich zu bewegen haben. Die mindeste Reibung, die sich den allzuschwach wirkenden Kr\xE4ften entgegen setzet, ist genug, sie in ihren Werken zu hindern. Daher tr\xE4gt es sich denn zu, da\xDF wir niemals einen K\xF6rper finden, dessen Theile regelm\xE4\xDFig zusammengetretten sind; es sey dann, da\xDF er entweder selbst im Flu\xDFe gewesen, oder in einem andern fl\xFC\xDFigen K\xF6rper gestanden. Damit sich das Antimonium, stralicht bilde, ist dessen Flu\xDF erforderlich. Damit sich Salzkrystallen zusammen setzen, m\xFC\xDFen sie zuvor in Wasser aufgel\xF6st seyn. Auch die verschiedenen Figuren der Ofenbr\xFCche, werden nur durch fl\xFC\xDFige in der Luft schwebende D\xFCnste erzeuget.

Nach dieser Vorbereitung, schreitet der Herr Verfasser zur Sache selbst. Wollen wir nun, f\xE4hret er fort, aus Erzeugung anderer regelm\xE4\xDFig gestalteten K\xF6rper auch auf die Entstehung des Bergkrystalles schlie\xDFen: so m\xFC\xDFe dessen kleinste Theilchen, da mit anziehenden, dort mit abstossenden Kr\xE4ften begabt seyn; sie m\xFC\xDFen in etwas Fl\xFC\xDFigen sich befunden haben.

Der Herr Ritter Lin\xE4us und andre mehrere schreiben die regelm\xE4\xDFige Figur, den mit der feinsten Erde sich verbindenden Salzen zu; es l\xE4sset sich dieses auch aus vielen ihrer Eigenschaften behaupten. Ihre Durchsichtigkeit giebt es an Tag, da\xDF einer f\xFCr sich allein undurchsichtigen Erde, eine Eigenschaft beygebracht worden, die andern sonst undurchsichtigen K\xF6rper, nur durch Beymischung der Salze ertheilt zu werden pfleget. Nur Salze sind es, welche aus undurchsichtigen Metallen durchsichtige krystallische K\xF6rper herf\xFCrbringen. Zudem er\xE4ugnet es sich auch \xF6fters, da\xDF die Bergkrystallen, die alsdann unter dem Namen un\xE4chter Edelsteine kommen, mit sch\xF6nsten Farben durchzogen sind, diese Farben nun entstehen blo\xDF von den in verschiedenen Salzen aufgel\xF6sten Metallen. Es \xFCberzeugte mich davon vor kurzem die specifike Schwere dreyer orientalischen

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Rubinen, deren einer, der am wenigsten gef\xE4rbet war, die Schwere hatte, die sich zur Schwere des Wassers verhielt, wie 3. 5200 zu 1. ein nur um etwas r\xF6therer, wie 3. 5600 zu 1. endlich ein dunkelrother, wie 3. 9545 zu 1. Woraus dann abzunehmen war, da\xDF die, sonst n\xE4mliche Edelgesteine *) der Schwere in gleichen Verh\xE4ltni\xDFe wachsenden Farben von der Mischung eines schweren K\xF6rpers herkommen. Nun was \xFCbertrift die Edelgesteine an Schwere, als blo\xDF die Metalle? doch es braucht dergleichen Vernunftschl\xFC\xDFe nicht, um zu erweisen, da\xDF wir die Farben der Steine, den Metallen zu verdanken haben. —

Endlich werden die Bergkrystalle in das Fach glasartiger Steine gerechnet, weil sie n\xE4mlich im Feuer leichter, und mit minderm Zusatze, als andre in Flu\xDF zu bringen sind. Auch diese Eigenschaft scheinet von zugemischten Salzen herzur\xFChren, als von den es bekannt ist, da\xDF sie den Flu\xDF andrer K\xF6rper um ein merkliches beschleunigen.

Eben diese Wahrscheinlichkeit, da\xDF Krystallen durch Zutritt des Salzes entstehen, ist B\xFCrge daf\xFCr, da\xDF einige ihrer Theile sich abstossen, andre aber anziehen m\xFCssen. Nun haben wir also blos auf den zweyten zur regelm\xE4\xDFigen Bildung noch erforderlichen Umstand zu sehen: Sie m\xFC\xDFen entweder selbst fl\xFC\xDFig gewesen, zeigen sie selbst genugsam, da sie in ihrem Bau zum \xF6ftern zarte Gew\xE4chse, als Moos, Steinleber, ja Wasser einschlie\xDFen, deren keines jenen Grad der Hitze, in welchem Krystallen flie\xDFen, w\xFCrde haben ertragen k\xF6nnen. Wir m\xFC\xDFen demnach glauben, sie h\xE4tten sich einstens in einem w\xE4sserichten Fl\xFC\xDFigen aufgel\xF6st befunden haben. Es r\xE4umet sich dieses am besten auf ihren Geburtsort, als welcher allezeit H\xF6len und Kl\xFCfte sind, wo es sich muthma\xDFen l\xE4\xDFt, da\xDF sich daselbst ehemals Wasser befunden haben m\xF6ge: auf ihre Farben, die von den in einem fl\xFC\xDFigen aufgel\xF6sten Metallen entstehen, endlich auf die eingeschlossene Moose und Steinleber

So viele Wahrscheinlichkeit diese Meynung auch nur hatte; so w\xFCnschte ich doch, sie durch eine gerade Erfahrung best\xE4ttiget zu sehen. Doch hatte ich das Gl\xFCck nicht irgendwo zu lesen, noch auch zu h\xF6ren, da\xDF man jemals Bergkrystalle oder Edelgesteine unterm Wasser gefunden. — — Es schien aber den Mangel dieser Erfahrung zu ersetzen, da\xDF auch in Bergkrystallen zum \xF6ftern, sich eingeschlossene Wassertropfen gezeiget. Unter vielen andern sah ich ein

*) Es scheinet hier ein sehr verzeylicher Druckfehler zu stecken, der in Weglassung eines einsilbigen Wortes bestehet, und den Satz unverst\xE4ndlich macht. Es sollte n\xE4mlich hei\xDFen. Woraus dann abzunehmen  war, da\xDF die, sonst in \xE4nlichen Edelgesteinen, mit der Schwere u.s.w.

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dergleichen krystallisches Prisma in der Mineralsammlung des Herrn Eders, w\xFCrdigsten Lehrers der Minaralogie im k. k. Theresianum, eines Mannes, dessen tiefsinnigen Kenntni\xDFen auch dieser Ruhm beyzusetzen, da\xDF er nicht so stolz ist, auf die Seltenheiten seiner Sammlung, als begierig in die verborgensten Geheimni\xDFe der Natur zu dringen.

Ich machte Ihm den Vorschlag das St\xFCck Krystall zu er\xF6fnen, und den darinne sich zeigenden Wassertropfen zu untersuchen. Wir unternahmen das Werk, lie\xDFen das St\xFCck behuttsam, und nur so weit anschneiden, da\xDF es mit einem in die gemachte H\xF6lung angebrachten Mei\xDFel leicht zu zertheilen war. Wenige an das Mei\xDFel angebrachte Hammerstreiche hat es gesto\xDFet, da das Wasser langsam herf\xFCrzuquellen anfieng. Die herf\xFCrdringende Feuchtigkeit sammelten wir auf reine Gl\xE4ser, und erlangten nach und nach 10 kleine Tropfen: die ersten waren etwas milchf\xE4rbig, die leztern vollkommen durchsichtig und klar. Wir lie\xDFen das Wasser langsam verd\xFCnsten, und faden am Rande, wo die Tropfen dichter gestanden hatten, f\xF6rmlich gebildete Krystallen. Wir benezten diese, da wir sie durch das Mikroskopim betrachteten, mit Scheidwasser, Salmiakgeist, aufgel\xF6ster Potasche, und bemerkten nicht das geringste Aufbrausen. Da sie jemand von ohngef\xE4hr angehauchet, waren waren sie zerstossen. Diesen Erfolg sahen wir ebenfalls mit dem Mikroskop: da wir den Hauch durch einen gl\xE4sernen Trichter an selben angebracht hatten, sind sie vor unsern Augen geschmolzen.

Da\xDF Zerflie\xDFen vom Hauche gab uns ihr salzigtes Wesen zu erkennen. Da\xDF sie weder mit der Salzs\xE4ure, noch so wenig mit fl\xFCchtigen, als feuerbest\xE4ndigen Alkali gebrauset, zeigte uns, da\xDF sie Mittelsalze w\xE4ren. Ihre Figur und Bildung hatte etwas \xE4nliches mit den Salpeterkrystallen: doch waren die demselben eigenen sechseckigten Prismen nicht vollkommen zu unterscheiden.

Aus dieser zwar geringen Erfahrung wird es doch keine ungegr\xFCdete Muthma\xDFung seyn, wenn wir annehmen, da\xDF die Krystallen aus einer im Wasser aufgel\xF6sten Kieselerde, durch Zutritt des reinsten Mittelsalzes entstehen: und wie, wenn etwa ein saures Fl\xFC\xDFiges mit einer alkalischen Aufl\xF6sung vermenget wird, diese sich verbinden, und zum Theil, als f\xF6rmliche Krystallen eines neu entstandenen Mittelsalzes langsam niedergeschlagen werden: also scheinen mir die Bergkrystallen aus Zusammentrettung im Wasser aufgel\xF6ster Erde und Salzes zu entstehen. Es zeiget sich an allen Krystalldr\xFCsen eine wei\xDFlichte Kieselerde, die vielleicht erst nach der Vereinigung mit dem Salze verdienet glasartig genennet zu werden. Von dieser l\xE4sset sich vermuthen, da\xDF sie die Grunderde,

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der Krystallen sey: es h\xE4lt das in Krystallen eingeschlossene Wasser Salz in sich, und von diesem scheinen sie ihre Gestalt, Durchsichtigkeit und Fl\xFC\xDFigkeit, im Feuer zu erhalten.

Und wie es sich, bey einer vorl\xE4ufigen Kenntni\xDF vom Ursprung des Glases schlie\xDFen l\xE4\xDFt, da\xDF es aus Kiesel und Potasche entstanden, wenn man an selben da und dort eingesprengte kleine Kieselsteine, anderswo aber das sich anh\xE4ngende Potaschensalz findet: also bin ich der Meynung, man werde kaum irren, wenn man, nebst angezogenen Gr\xFCnden, aus dem in Krystallen gefundenen Wasser, in welchem sich aufgel\xF6stes Salz in erw\xE4hnter Erfahrung gefunden, aus der an Krystalldr\xFCsen fast allezeit anklebenden Kieselerde glaubt, da\xDF aus innerster Mischung der Erde und des Salzes Krystalle entstehen.

Der Herr Verfasser schlie\xDFet diese seine sch\xF6ne Abhandlung mit folgenden Worten: Ich gestehe es gern, da\xDF sich aus einer Erfahrung nichts vollkommenen Nichtiges schlie\xDFen l\xE4\xDFt. Doch ist auch schon eine genug, eine Muthma\xDFung zu gr\xFCnden, von welcher zu hoffen ist, da\xDF man einsmals durch mehrere Beytr\xE4ge zu einem Grade vollkommener Richtigkeit gelangen k\xF6nne.

II. Vermischte Nachrichten.

Fortsetzung , der verschiedenen Gebr\xE4uche fremder V\xF6lker, bey ihren Verheurathungen.

Die Negern an der Sanaga *), wann sie ihre Augen auf ein M\xE4gdchen geworfen haben, wenden sich zuerst an ihre Eltern, und wann es eine Waise ist, an ihre n\xE4chsten Anverwandten. Weil sich die Verliebten gemeiniglich schon verglichen haben; so hat der Vertrag seine Richtigkeit, sobald sich der Br\xE4utigam, zu einem Geschenke an seine k\xFCnftige Schwiegereltern verstehet, welches gemeiniglich, aus Vieh, baumwollenen T\xFCchern, Korallen, Perlen und Brandtwein bestehet. Ist nun dieses entrichtet; so wird die Braut, ohne alle C\xE4remonie, zu ihrem Manne gef\xFChret, der sie bey der Hand empf\xE4ngt, und ihr unmittelbar darauf nach Wasser, Holz und andern Nothwendigkeiten in der Haushaltung, zu geben befiehlt. Sie gehorcht seinen Befehlen, und wann der Mann seine Abendmalzeit eingenommen hat, i\xDFt sie gleichfalls, und wartet, bis sie zu Bette gerufen wird. — Giebt sich die Braut, f\xFCr eine Jungfer aus — und Jungfern giebt es hier selten, — so wird eine wei\xDFes Tuch auf das

*) Aus Barbots Beschreibung, von Guinea und Jonsons Goldk\xFCste ec.

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Brautbette geleget, um die Beweise der Jungferschaft daraus zu ersehen; findet man aber diesen Beweis nicht, so ist der Brautvater verbunden, sie zur\xFCckzunehmen, und die emfpangenen Geschenke herauszugeben. Dieses geschiehet aber nur selten, denn die Braut wird vor der Hochzeit allzeit sehr scharf untersuchet, und der Mann fordert dieses ehe nicht, als nach einer th\xE4tigen Ueberweisung. — Ein Neger darf so viele Weiber nehmen, als er ern\xE4hren kann. Aber nur eine hat die Vorrechte einer Ehefrau, und ist von verschiedenen Verrichtungen befreyet, welche die \xFCbrigen zu besorgen gehalten sind. — Es ist merkw\xFCrdig, da\xDF sich diese Weiber nie miteinander veruneinigen. Abends gehet jede in ihre Wohnung, und stehet zu des Mannes Rufe bereit; des Morgens begr\xFC\xDFet ihn jede auf den Knien, und legt die Hand auf seine Schenkel.— Die Weiber verrichten hier allein alle die schweresten Arbeiten; und wann ihre M\xE4nner in Gesellschaft sind, so gehen sie ihnen nach, um die Mucken von ihnen abzuhalten, und sie mit Pfeifen und Tabak zu bedienen. Keiner Frau ist es erlaubt, mit ihrem Manne zu speisen, denn sie ist in der That nur eine Magd, und blo\xDF zu seiner Bedienung. Die M\xE4nner wissen ihnen auch ihre Unterw\xFCrfigkeit auf eine solche Art einzupr\xE4gen, da\xDF sie dieselben niemals vergessen. Diese gro\xDFe Unterw\xFCrfigkeit r\xFChret von einem Popanze der Weiber her, der Mumbo Jumbo hei\xDFet. Dieser ist ein geheimnisvoller G\xF6tze, den die M\xE4nner erfunden haben, die Weiber in n\xF6thiger Furcht zu erhalten. Diese sind auch so leichtglaubig, und unwissend, da\xDF sie ihn f\xFCr einen wilden Mann halten. Und in der That wird ihn niemand, als wer um die Sache weis, wegen des schrecklichen L\xE4rms, den er zu machen pflegt, f\xFCr einen Menschen halten. — Er ist in einem langen Rock, der aus Baumrinde gemacht ist, gekleidet, tr\xE4gt obenher ein B\xFCschel Stroh, und ist in allem bis neun Shuhe lang. Er l\xE4\xDFt sich, damit es bessere Wirkung hat, au\xDFer bey Nacht, niemals h\xF6ren; und so bald sich ein Mann mit seinem Weibe zanket, so wird sogleich der Mumbo Jumbo geholt, den Streit auszumachen, da das Urtheil gemeiniglich zum besten des Ersten ausf\xE4llt. — Die Person, die sich in diesem Rock stecket, kann alles, was sie will befehlen, und blinden Gehorsam fordern. Niemand darf in seiner Gegenwart mit bedecktem Haupte erscheinen, und alles begegnet ihm mit der tiefesten Ehrfurcht. Sobald ihn die Weiber kommen h\xF6ren so laufen sie davon, und suchen sich, so viel m\xF6glich, f\xFCr ihm zu verbergen. Er schickt ihnen aber allezeit nach, und wann sie sich zu kommen weigern, l\xE4\xDFt er Gewalt brauchen, und sie t\xFCchtig herumpeitschen. Es sind in jeder Gegend nur etliche Personen, die diesen Wauwau vorzustellen berechtigt sind, und bey

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derselben Einweihung thuen sie allezeit einen feierlichenEid, da\xDF sie keiner Frau etwas von dem Geheimni\xDFe entdecken wollen. Das Volk schw\xF6ret bey diesen G\xF6tzen, und h\xE4lt solches f\xFCr einen sehr heiligen und kr\xE4ftigen Eid. Im Jahre 1727. begieng der K\xF6nig in Jagra, der ein sehr neugieriges Weib hatte, die Schwachheit, da\xDF er ihr das Geheimni\xDF von dem Mumbo Jumbo entdeckte, und sie ermangelte nicht, solches nach dem gew\xF6hnlichen Fehler ihres Geschlechtes, sogleich auch unter ihre Bekannte auszuplaudern, bis es einigen, die keine Freunde des K\xF6niges waren, zu Ohren kam. Diese beratschlagten sich dieserwegen, und bef\xFCrchteten, da\xDF, wenn die Sache mehr unter die Leute k\xE4me, sie nicht mehr im Stand seyn w\xFCrden, ihre Weiber, wie sonst zu regieren. Sie steckten daher einen Mann, in diesen G\xF6tzenrock, und giengen in die Residenz des K\xF6nigs. Als sie vor den K\xF6nig tratten, und ihm seine Unvorsichtigkeit, die er nicht l\xE4ugnen konnte, vorgehalten hatten, holten sie seine Gemahlinn, und lie\xDFen beyde auf der Stelle ermorden. —

Die Einwohner der Pfefferk\xFCste, *) machen mit ihren Heurathen nicht viel Umst\xE4nde. Diejenigen, welche ein Weib kaufen k\xF6nnen, vergleichen sich zuerst mit ihr, hernach aber wenden sie sich an ihre Eltern, oder Verwandten, und werden des Kaufes einig. Sobald das Ausgemachte erleget worden, so wird auch die Braut sogleich ausgeliefert. Der neue Ehemann trinkt etliche Flaschen Brandtwein mit seinen Schw\xE4gern aus, und f\xFChret sie zu der f\xFCr sie bestimmten h\xE4tte, wohni seine andern Weiber, sie zu besuchen kommen, und ihr das Hochzeitmal zurichten helfen. Der neue Ehemann bleibt sodann die ganze Nacht bey ihr; den Tag darauf aber, gehet sie mit den andern Weibern zu den gew\xF6hnlichen Arbeiten. — Die Frau, welche den ersten Knaben geb\xE4hret, wird als die Vornehmste angesehen; aber sie bezahlt diesen Vorzug auch sehr theuer, denn, sie mu\xDF sich mit ihrem Ehemann, wenn er stirbt, lebendig begraben lassen.

*) Aus dem Marchais.

(Die Fortsetzung wird folgen.)


In Wien zu haben in dem von Ghelenschen privil. Zeitungscomtoir, in der Sinngerstrasse Nro. 931.

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Topic revision: 12 Mar 2012, AgostonBernad
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