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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, XIX. St\xFCck - V. Jahrgang, XXI. St\xFCck >



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V. Jahrgang, XX. St\xFCck, den 17. May 1775.

I. Geschichte.

Fortsetzung des Versuchs einer Untersuchung, von den verschiedenen Religionen, zu welchen sich die Ungarn, und die unter ihnen gewesene Einwohner bekannt haben.

Im XIII. Jahrhundert haben die Kumaner (Cumani) der christlichen Religion vielen Abbruch gethan: denn ob zwar unter der Regierung Bela des lVten ein gro\xDFer Theil von ihnen zum christlichen Glauben sich bekehret hatte*); so sind doch auch viele unter ihnen, bey dem von ihren Voreltern angeerbten aberglaubischen Got-

*) Rogerius de destructione regni Hung. temporibus Belae IV. cap. 2. P. Georg Pray, in Annalib. Reg. Hung. P. 1.

tesdienste geblieben. Diese wu\xDFten, den, gegen die Geistlichkeit sonsten sehr freyg\xE4bigen K\xF6nig Ladislaus den III. so einzunehmen **, da\xDF er sie nicht nur in ihrem heydnischen Gottesdienste nicht st\xF6hren wollte; sondern auch sich selber auf ihre Seite v\xF6llig geschlagen hatte. Durch die Liebe gegen das sch\xF6ne Geschlecht unter ihnen geleitet, gestattete er seinen Kebsweibern und ihren Nationalen allen Muthwillen und Unfug; dergestalt, da\xDF sie sich auch an Priestern, Kirchen und Kl\xF6stern, und ihren G\xFCtern, zu vergreifen, erfrechet haben. Ja er nahm so gar ihre

**) Auf den Siegeln, welche seinen Diplomen angeh\xE4ngt worden sind, wird er Ladislaus der III. ausdr\xFCcklich genennet. Es scheint daher, da\xDF Ladislaus, den man sonst den Zweyten zu nennet pfleget, und welcher Geysa des II. j\xFCngster Sohn war, im XIII. Jahrhundert unter die K\xF6nige von Ungarn nicht gez\xE4hlet worden.

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Lebensart an; und kleydete sich nach ihrer Weise *).

Die nachdr\xFCcklichsten Vorstellungen der Pr\xE4laten, die Bedrohungen des heil. Stuhls und der erfolgte Kirchenbann, machten bey dem K\xF6nige, der sich den Komanern ganz \xFCberlassen hatte, keinen Eindruck. Der Tod des K\xF6niges allein, den er bey diesen so sehr geliebten Komanern selbst, gefunden, machte dem Elende, wovon er durch seine Verbindung mit ihnen zum Urheber geworden, ein Ende *).

Er war ein Sohn der K\xF6iginn Elisabeth, welche sich in ihrer Jugend zu den heydnischen, be ihren Landsleuten ausge\xFCbten Gottesdienste bekannt hatte: ob aber dieselbe, oder ihre Verwandte, hierzu etwas bey-

***) Raynald. f\xFChret in Annalib. Eccles. Tom XIV. zum Jahre 1279. n. 35. ein P\xE4bstl. Breve an, worinnen folgende Worte vorkommen: quod tam in te, quam in illis de regno tuo, dimisso paganorum abusu, resumeres christianorum habitum, tam in vestibus, quam in cappillis, Cumanos insuper restituere monastria & ecclesias occupatas per ipsos, ac apostatas dicti regni ad ordines redire compelleres &c. Et dum expectaretur quod in hujusmodi proposito salutari concresceres, praedicta sic promissa pluries & jutata per te non fuerunt proh dolor, ut sperabatur, impleta &c.

*) Davon Chronicon Budense beym Thurocz Part II. cap. 81. und Pray inAnnal reg. Hung. Part I. S. 346. 359. nachzulesen sind.

getragen, l\xE4\xDFet sich mit Gewissheit nicht behaupten **).

Au\xDFer der K\xF6niginn Elisabeth, ward auch der damalige Palatinus My\xDFe oder Moyses, in seiner Jugend, in der heydnischen oder vielmehr muhamedanischen Religion erzogen *).

Doch nach der Zeit bequemten sich auch die Kumaner selbst zur christlichen Religion, und durch diese erfolgte gl\xFCckliche Ver\xE4nderung, scheinet das Heydenthum in den ungarischen Staaten eben damals sein g\xE4nzliches Ende erreichet zu haben *).

**) Der damalige Bischof von Olm\xFCtz schreibet in einem Briefe an den Stuhl zu Rom (bey Raynald.in annal. Eccles. Tom. XIV. zum Jahre 1273. S. 208 .) folgendermassen: ecce ipsa Regina Hungariae, n\xE4mlich Elisabeth des K\xF6nigs Ladislaus Mutter, est cumana, proximi partntes ejus gentiles sunt &c.

=***) Chron. Bud. bey Thurocz P. II. cap. 81. Pro cujus (Ladislai) nece, Moyse Palatinus, olim Saracenus, tunc tamen gratiam baptismatis consecutus &c. Er war schon vorher in den letzten Jahren der Regierung des K\xF6niges Bela des IV. und unter Stephan dem V. Palatinus, wie solches von P. Nicol. Schmith in Palatinis Regni Hung. Tyrn. 1700. in Fol. S. 49. gezeiget wird. Diese Palatinusw\xFCrde wurde damals noch nicht auf lebenslang vergeben.=

*) S. Johann Kik\xFClew in vita Ludovici I. R. Hungar. bey Thurocz in Chron. P. III. cap. 46.

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Nach der heydnischen sind die zwo Relgionen, n\xE4mlich die mahometische und die j\xFCdische in Ungarn die \xE4ltesten. Die erstere scheinet von Arpad dem ersten ungarischen Herzoge, oder doch mit dessen, oder seiner Nachfolger Erlaubni\xDF, nach Ungarn gekommen zu seyn, und sich da verbreitet zu haben. Die Anzahl der Verehrer des Erzbetr\xFCgers Mahomet mu\xDF unter den ersten ungarischen K\xF6nigen nicht gering gewesen seyn. Schon Colomann der I. war auf Mittel und Wege bedacht, sie zur christlichen Lehre zu bewegen. Er als ein Staatskluger Regent verabscheuete zwar alle gewaltsam Verkehrungen, als welche kein geschicktes Mittel sind, die liebreiche Lehre von Christo einzufl\xF6\xDFen, und die irrigen Begriffe von Gottesdienstlichen Handlungen bey andern zu vertreiben ). Jedoch war er bedacht, dem mahometischen Gottesdienste auf eine der Staatsklugheit gem\xE4\xDFere Art zu steuren, und aus den Verehrern des Mahomets gute Christen zu machen. Aus der Ursache hatte er verordnet, da\xDF Anh\xE4nger des Mahomets sich mit christlichen Personen verehelichen, und ihre Kinder in der christlichen Religion erziehen sollten*). Er wollte sie zum

*) Dieses wird sehr gr\xFCndlich dargethan von Paul Josepho von Riegger, institutionum num Jurisprudentiae ecclesiasticae P. I.

=**) Colomanni Decretum Libr. 1. cap. 45, Ismaelitarum nullus audeat filiam suam jungere matrimonio alicui de gente sua,

Genu\xDF des Schweinfleisches bey ihren Gastmahlen gew\xF6hnen *).

Dem allem ohngeachtet hat sich die mahometische Religion in Ungarn noch sehr lange gehalten. Unter Andrea dem II. war die Anzahl der Anh\xE4nger Mahomets noch ansehnlich, und sie verwalteten auch wichtige Ehrenstellen *).

sed nostra. Sie werden sonsten in den alten Landtagsverordnungen, und Urkunden Saraceni wie auch Philistaei genennet. Eingie meinen zwar, da\xDF man durch die Philistaeos die k\xF6niglichen Sch\xFCtzen, welche Christen waren, verstehen m\xFCsse. Man will die Sache ein andersmal untersuchen.

***) Colomanni decret. Lib. 1. cap. 49. siquis Ismaelitarum hospites habuerit vel aliquem in convivium vocaverit, tam ipse, quam convivae ejus de porcina tantum carne vescantur. Da\xDF sie unter diesem K\xF6nige, nocht ganze Dorfschaften bewohnet hatten, und daher von ihme angehalten worden, christliche Kirchen zu bauen, bezeiget das 47. cap. Lib. I: decret cit. unicusque villae ismaelitarum ecclesiam aedificare, de eadcmque villa dotem dare praecipimus. Quae postquam aedificata fuerit, media pars villae ismaelitarum emigret, sicque aut intrinsecus sedeant, aut quasi unius moris in domo: Mater autem nobiscum una eademque Christi Ecclesia individia unanimiter consistat.

*) Gregorius der R\xF6mische Pabst, f\xFChret hier\xFCber in einem Schreiben an Gregorium Erzbischof zu Gran, bey Raynald. in annal. eccl. Tom. XIII. zum Jahre 1231. sehr bittere Klagen. Inter alia, quae divinae ac humanae Legi obviant manifeste ; & Saracenorum Judaeorumque in Christi fideles dominatum multi christianorum oneribus importabilium exactionum gravati, videntes saracenos melioris conditionis &

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Im XVI. und XVII. Jahrunderten hatten die T\xFCrken einen namhaften Theil von Ungarn unter sich gebracht. Und ob sie zwar dadurch f\xFCr die christliche Religion einen gro\xDFen Schaden verursachet haben: so waren sie doch nicht im Stande, viele von den Ungarn zu verf\xFChren, und zur Annehmung der mahomedanischen Irrth\xFCmer zu \xFCberreden. Man kann an diesem Satz gar nicht zweifeln; wenn man bedenket, da\xDF nach dem Leopold der Gro\xDFe, im Jahre 1683. und folg. den zu Ungarn geh\xF6rigen

majoris libertatis praerogativa gaudere, sponte, se transferunt ad eosdem & ritum suscipientes eorum , ut pari cum eis gaudeant libertate; non solum per errorem Christiani Saracenorum, & Saraceni Christianorum mulieribus commiscentur, verum etiam illas ducunt damnabiliter in uxores. Emunt praeterea-Saraceni nnancipia christiana, & de iis, tanquam de suis, omnem voluntatem atque voluptatem expelentes, ipsos apostatare compellunt, & eorum non sinunt filios baptizari pauperes nihilominus christiani quandoque sic oneribus & exactionibus affliguntur, quod filios ac filias coguntur vendere Saracenis & sic liberi fiunt servi & christiani auodammodo Saraceni &c. In regno tamen eodem (hungariae) passim Iudei & Saraceni publicis officiis praeponuntur &c. Robertus Erzbischof von Gran, in einem Schreiben vom Jahre 1232. cum non solum Saraceni praeficiantur Camerae & publicis officiis, immo conditione eorum facta meliore, quam antea, quidam corum, qui quasi servilis conditionis husque fuerunt & ad solvendam quandam sumnnam pecuniae annuatim Dominae Reginae tenebantur, nunc ab hujus conditione liberati, facti sunt stipendiarii & Liberis hominibus sund aequales. -Bey Raynald, im anges. O.

Antheil von ihrer Tyranney befreyet, und mit dem K\xF6nigreiche wieder vereinigt hat, man fast keine von Ungarn herstammende Einwohner darinn gefunden, welche sich nicht zum christlichen Glauben bekennet h\xE4tten. Auch sind, au\xDFer der f\xFCrchterlichen, und gottlosen Art zu fluchen und zu schelten *), sonsten fast keine Spuren von der mahomedanischen Religion, nach der Befreyeung und Vertreibung der Mahomedaner in den ungarischen Staaten mehr bemerket worden.

(Die Fortsetzung folgt.)

II. Vermischte Nachrichten.

Siebenb\xFCrgische Briefe \xFCber verschiedene vaterl\xE4ndische Gegenst\xE4nde.

I. Vom Wappen des Gro\xDFf\xFCrstenthums Siebenb\xFCrgen.

Mein Freund **).

Haben Sie das Merchen des Herrn von Palm Specimen Heraldicae Regni Hungariae gelesen? Ist es nicht

*) Die darauf gelegte Strafe kann man aus Ferdinandi I. decret. XX.art. 42. erkennen. Man sehe auch P. Joannis Szegedi Rubricas sive Synopses titulorum capitum & articulorum universi Juris hungarici p. 111. S. 155. folg. (Tyrnau 1734. in 8vo.

**) Ein Gelehrter Siebenb\xFCrgens, der nicht nur unter seinen Landsleuten, ein

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geschehen, so kann ich sie versichern, da\xDF der gelehrte Herr Verfasser, in Absicht des Ursprungs und Alterthums, des siebenb\xFCrgischen Wappens, so gut irret, als alle andere Schriftsteller, die ich gelesen habe. "Siebenb\xFCrgen hat vor der unruhigen Regierung des F\xFCrstens Gabriel Bathori, kein anderes Wappen gef\xFChret, als das ungarische: das Patriarchenkreuz, und die vier Streifen. Bathori aber, gab jeder der dreyen Nationen, ein eigenes: den ungarischen Gespanschaften den halben Adler: den zeklerischen St\xFChlen, Sonne und Mond: und der s\xE4chsischen Nation, Sieben Burgen." — Dieses behauptet Herr Palm, und versiegelt seine Meynung, mit einem Brief, des Herrn Wolfgangs Tscheri von Nagy-Ajta. H\xE4tte es denselben wohl an \xE4lteren Zeugen gemangelt? Nein, K\xF6lescheri * ) Timon **) Fasching **), g\xF6nnen

geistliches Amt, mit vielem Ruhm und Ansehen bekleidet; sondern auch mit gedruckten Schriften, dem gelehrten Publikum, von der besten Seite schon bekannt ist, hat diesen Brief, einem unserer Mitglieder, f\xFCr dieses Blatt zugeschickt, mit der Versicherung, da\xDF mehrere \xE4hnlichen Inhalts, diesem nachfolgen w\xFCrden. Wir r\xFCcken den Brief, mit desto gr\xF6\xDFerem Vergn\xFCgen ein; je w\xE4rmer unser Verlangen, vom ersten Anfang gewesen ist, auch aus jenen Gegenden, M\xE4nner von Einsicht und Wissenschaften anzuwerben, welche zur Ehre des Vaterlandes, gemeinn\xFCtzige Gegenst\xE4nde, gemeinschaftlich mit uns bearbeiteten.

**) Auraria Runano - Dacica. S. 141.

***) Imago Hung. Novae. S. 81.

****) Dacia nova. S. 6.

ja gleichfalls unsern vaterl\xE4ndischen Wappen, kein h\xF6heres Alter, und behaupten gleiche Meynung. Ein Thaler aber des F\xFCrsten Botskai, vom Jahre 1606. entdecket ihren Irrthum. Schmeizel hat ihn, in seiner Erl\xE4uterung Gold- und Silberm\xFCnzen von Siebenb\xFCrgen, bekannt gemacht *** ). Wir sehen darauf das Siebenb\xFCrgische Wappen, in seiner itzigen Gestalt. H\xE4ttenun Schmeizel hieraus blos das h\xF6here Alter desselben behauptet: so h\xE4tte er nichts gethan, als was sein Thaler unwiedersprechlich erwie\xDF. Allein was thut er? Er behauptet auch solche Dinge, davon ihm seine M\xFCnze gar nichts meldet. Das ist, schreibt er, also der erste Ursprung, von dem heutigen Wappen des F\xFCrstenthums Siebenb\xFCrgen. Ein Schlu\xDF vom gleichen Werthe, mit dem, da\xDF sich Botskai zuerst: Partium Regni Hungariae Dominum, genennet. Worauf schlie\xDFt Schmeizel dieses? Weil sich dieser F\xFCrst, auf einem seiner Thaler also nennet. Da\xDF doch Geschichtschreiber, nichts mehr sagen m\xF6chten, als ihnen ihre Quellen entdecken! wie viel mehr Gewi\xDFheit w\xFCrde die Geschichtskunde erhalten. Kann ich Ihnen, mein Freund nicht den Geburtstag, unseres vaterl\xE4ndischen Wappens entdecken; so kann ich ihnen doch, sichere Beweise, seines h\xF6heren Alters geben. Eine Urkunde der F\xFCrstinn Maria Christierna vom 1. Julii 1598. ist mein Bewei\xDF. Sie nennet

*****) Tab. III. nr XVIII.

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sich darinnen: Maria Ghristierna, D. G. Transilvaniae, Moldaviae, Valachiae Transalpinae Princeps, Partium Regni Hungariae Domina, & Siculorum Comes, Nata Archidux Austriae, Dux Burgundiae, Comes Tyrolis & Goriciae, &c. Das aufgedruckte Siegel, enth\xE4lt im Mittelschild den kaiserlichen Adler, mit einem der L\xE4nge nach getheilten Brustschild, in dessen rechtem Feld, die \xF6streichische Binde, im linken das Bathorische Geschlechtswappen. Unten siehet man das Moldauische Wappen, oder einen Ochsenkopf, mit einem Stern, zwischen den H\xF6rnern. Zur rechten Seite ist das Siebenb\xFCrgische Wappen: im obersten Felde, ein halber Adler, mit ausgebreiteten Fl\xFCgeln, dar\xFCber Sonne und Mond; im untersten Felde, sieben Kastelle: zur linken Seite, siehet man das wallachische Wappen, oben ein rechtsehender Rabe, mit einem Kreuz im Schnabel; unten ein Baum, zwischen zwo stehenden Personen, das ganze Wappen bedecket eine offene Krone, und die Umschrift ist: MARIA CR. D. G. PR. TR. MOL. VAL. AR. AR. AV. D. B. CO. TI. Hieraus erhellet genugsam, da\xDF sowohl das siebenb\xFCrgische Wappen, als der Titel: Partium Regni Hungariae Dominus, von h\xF6herem Alter sey, als bisher geglaubt worden. Gleiches erweiset eines von den Siegeln, dessen sich Christiernens Gemahl, Sigmond Bathori, bedienet. Es f\xFChret die Umschrift: SIG. D. G. TRA. MOL. VAL. TRA. ET. SAC.

ROM. IMP. PRIN. PAR. REG. HU. DOM. SIC. COM. Das \xFCbrige gleichet dem Chritiernischen Siegel vollkommen, au\xDFer, da\xDF im Brustschild des doppelten Adlers, blos das Bathorische Geschlechtswappen vorkommt; und im Wallachischen, \xFCber dem Adler Sonne und Mond, und auf dem Baum ein Raab mit einem Ringe. Welches letztere, ohne Zweifel auch auf Christiernens Siegel seyn mag, und nur auf meinem Original nicht deutlich ausgedr\xFCckt worden. Ich sage nicht ohne Ursach, eines von Sigismunds Siegeln; denn er hat auch andere gebraucht. In kleinern f\xFChret er blos sein Geschlechtswappen, und in einem gro\xDFen, das ich noch gesehen, den doppelten Adler, unter einer offenen Krone, mit dem goldenen Vlie\xDF umgeben, und im Brustschild, das Bathorische Wappen. Die Umschrift ist: SIGISMUNDUS BATOREUS D. G, TRANSIL. ATQ. SAC. ROM. 1MP. PRINC. Vom ungl\xFCcklichen Kardinalen und F\xFCrsten Andreas Bathori, habe ich keine Siegel gesehen, aber aus seinen Urkunden erhellet, da\xDF er sich auch Partium Regni Hungariae Dominum geschrieben. — Eines mu\xDF ich noch anmerken: H\xFCbners Staats- und Zeitungslexicon, ist oft mermehrt und verbessert gedruckt worden, und doch hei\xDFt es drainnen, noch alle Zeit: Drey wei\xDFe Elephantenz\xE4hne im bleuen Feld, sind das Wappen von Siebenb\xFCrgen. Mich wundert sehr, da\xDF die Verbesserer dieses W\xF6rter-

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buchs, hier immer schlummern. Denn wer siehet nicht, da\xDF hier das Bathorische Geschlechtswappen, dem ganzen Lande zugeeignet werde? Einigen sind es Drachenz\xE4hne, andern Wolfsklauen, hier hei\xDFen sie gar Elephantenz\xE4hne. F\xFChrt nun unser vaterl\xE4ndisches Wappen, gleich keine Elephantenz\xE4hne; so findet man doch dergleichen, wie auch andere Gebeine dieses Thieres, in unserm Lande, nur h\xE4lt sie das gemeine Vorurtheil f\xFCr Riesengebeine. Vor etlichen Jahren, wurde bey Bolgatsche, ein ganzer Kinnbacken mit etlichen Z\xE4hnen ausgegraben, wovon einer in der Schulbibliothek zu Hermanstadt aufbewahret wird. Bey Fuschet, einem wallachischen Dorf, waschen starke Regeng\xFCsse, aus dem Fu\xDF eines Berges, nicht selten Elephantengebeine, zerbrochene Geschirre, griechische und r\xF6mische M\xFCnzen heraus. Von daselbst gefundenen M\xFCnzen, habe ich Dyrrachische von r\xF6mischen Geschlechtern, und von Trajan gesehen. Bey den Knochen, war es mir etwas merkw\xFCrdiges, da\xDF sie noch voller Mark waren. Diese waren wei\xDF und m\xFCrbe; wie ein gebrannter Kalkstein. Schade! da\xDF unsere Umst\xE4nde nicht allezeit, zu unsern W\xFCnschen stimmen. Wie gerne m\xF6chte ich diesen Berg sehen! Sollte er seinen Ursprung nicht einer gro\xDFen, daselbst gehaltenen Schlacht zu danken haben? Auch der Name des Dorfs, scheinet mir so etwas zu verrathen. Ich w\xFCnsche aus Liebe zur Kenntni\xDF der Vorwelt,

da\xDF sie, mein Freund, in Entdeckungen gl\xFCcklicher seyn m\xF6gen, als ich, und verbleibe ec. ec.

T. S **.

Von dem heutigen Zustande, sonderbaren Sitten und Lebensart, wie auch von denen \xFCbrigen Eigenschaften und Umst\xE4nden der Zigeuner in Ungarn.

Vorbericht.

Die Sitten, die Lebensart und der Hauptcarakter eines Vokes, sind die Gegenst\xE4nde, worauf wir vern\xFCnftiger Weise vorz\xFCglich zu sehen haben, wenn wir uns von demselben einen Begrif machen, und die Frage entscheiden wollen, ob dasselbe einem Staate n\xFCtzlich sey oder nicht? Nachdem nun das Geschlecht der Zigeuner, wie einem jedweden bekannt, in unserem Vaterlande, aus vielen hunderten Familien bestehet, und folglich, einen nicht unbetr\xE4chtlichen Haufen ausmachet; so ist nun auch leicht zu erachten, da\xDF es nicht unn\xFCtzlich sey, sowohl die nat\xFCrlichen F\xE4higkeiten und guten Eigenschaften, als auch die eingewurzelten \xFCblen Neigungen und Laster desselben zu kennen, und sich \xFCberhaupt dieses V\xF6lkchen von der guten und schlechten Seite vorzustellen. Wenn dieses geschiehet, so befindet man sich dann

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erst im Stande zu bestimmen, ob eine Verbesserung dabey n\xF6thig und auch m\xF6glich sey oder nicht, und wie man in einem solchen Falle, dem Nachtheil und dem Schaden eines ganzen Landes abhelfen und vorbeugen k\xF6nne? Nun haben zwar, bereits in den abgewichenen Zeiten, manche Schriftsteller sich auch hier in diesem St\xFCcke hervorgethan und M\xFChe gegeben, nicht allein den Ursprung und das rohe Vaterland der Zigeuner zu suchen, sondern auch die schlechten Sitten, dieses niedertr\xE4chtigen und beynahe in allen Gegenden Europens ausgebreiteten und herumstreichenden Volkes zu beschreiben *); nichts destoweniger aber ist solches meist von Ausl\xE4ndern geschehen, die ihr Augenmerk nicht sowohl, auf unsere Landeszigeuner besonders, als

*) Wir k\xF6nnten hier eine ganze Reihe von derrgleichen Art Schriftstellern anf\xFChren, die entweder ganz besonders, oder auch nur gelegentlich geschrieben haben: es wird aber hinl\xE4nglich seyn, nur einige davon nahmhaft zu machen, als: Ahasveri Fritschii, besondere Abhandlung oder Diatribe Historico Politica de Zingarorum origine, vita ac moribus. Jenae * 16.0. Jac Thomasii dissert. de Cingaris. Bre\xDFlauische Sammlung. Nerets Heydentempel. (ameraris Hor. subseciv. Micraelii Hist. Ecclesiast. Wagners Einleitung zu der Staats- und Weltgescheichte u. andre mehr.

vielmehr nur \xFCberhaupt, auf die allgemeine Beschaffenheit dieser Menschen, und auf diejenigen Ausschweifungen, durch welche sie dazumal ihre Unart verrriethen, gerichtet haben m\xF6gen. Wir k\xF6nnen es zwar nicht leugnen, sondern gestehen es gerne, da\xDF die Zigeuner etwas an sich haben, welches ihren allgemeinen Charakter ausmachet, und worinnen sie sich einander sehr \xE4nlich sind; dem ungeachtet aber pflegen sie sich auch in manchen St\xFCcken, nach der Beschaffenheit und Umst\xE4nden des Landes, darinnen sie sich aufhalten, aus zu bilden, und sowohl in Ansehung des Gewerbes und der Kleidung, als auch in einigen Gewohnheiten von einander zu unterscheiden. Wir d\xE4rfen nur blo\xDF die Siebenb\xFCrger und hungarischen Zigeuner gegen einander halten; so werden wir zwischen diesen und jenen, einen gewaltigen Unterschied bemerken k\xF6nnen *).

* ) Der Herr Ritter und Bergrath von Born, schreibet in seinen Briefen, S. 134. Folgendes: "Man mu\xDF die Siebenb\xFCrgischen Zigeuner keinesweges mit denen in Ungarn vergleichen, die ein mu\xDFiges faules Volk sind, da im Gegentheil diese alle sich zu besch\xE4ftigen und zu nahren wissen."

(Die Fortsetzung wird folgen.)
Topic revision: r3 - 11 Sep 2012, KatalinBlasko
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