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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, XX. St\xFCck -
V. Jahrgang, XXII. St\xFCck >
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V. Jahrgang, XXI. St\xFCck, den 24. May 1775.
I. Geschichte.
Beschlu\xDF des Versuchs einer Untersuchung, von den verschiedenen Religionen, zu welchen sich die Ungarn, und die unter ihnen gewesene Einwohner, bekannt haben.
Die Juden scheinen auch nicht sp\xE4ter nach Ungarn gekommen zu seyn, als die Anh\xE4nger des Mahomed. Der K\xF6nig Kolomann trachtete nicht nur diese, sondern auch jene jene zum christlichen Glauben zu bringen*) Da\xDF er aber nicht viel mag
*) Colomanni Decret. Lib. I. cap. 74. Nullus judaus christianum mancipium emere ve vendere audeat aut in suo servitio tenere si atur. Nunc v ro ti infra datis sibi inducis non vendat, .... Caput 70 Agriculturam autem, si quis ..... (Judaorum) habet pagani, hanc manci, iis exornet, Possesiones quidem
ausgerichtet haben, ist daraus zu schliessen, weil die Juden, unter Andreas dem II. in Ungarn sehr m\xE4chtig gewesen sind, und die vornehmsten Ehrenstellen bekleidet haben **).
Judaei, qui possunt, emere, habeant sed ipsi, nusquam, nisi ubi sedes episcopalis remanere sinantur. Noch mehreres wurde in Ansehung ihrer in Decr. II. Colomanni cap. 1.2. und 3. verordnet. Der heilige Ladislaus hat schon ein Gesetz wider sie bekannt gemacht. S. Ladisalai Decr. Libr. I. cap 10.
**) Andreas der IIte setzte sie \xFCber das M\xFCnz- und Salzwesen in den ungarischen Staaten Bey Raynald in annalib. zum 1231. Jahre ist sein zweytes Decret anzutreffen, darinne er sich folgendermassen verdinlich machet. Monetae & salibus & aliis publicis officiis Judaei & Saraceni non praeficiantur. Im Jahre 1233. wurde dieses Versprechen von Seiten des K\xF6nigs erneuert. Bey Reynald in annalib zum 1235. Jahre allwo sich der K\xF6nig gegen den p\xE4bstlichen Legatum folgendermassen erkl\xE4ret. Judeos, Saracenos, Ismaelitae de cetero non praeficiemus, nostrae camerae monetae, salibus, collectis, vel aliquibus publicis officiis, nec allociabimus eos.
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Au\xDFer dem, da\xDF sie in diesem gesegneten K\xF6nigreiche ansehnliche G\xFCter in Besitz hatten
*). Und obgleich Ludwig der Ite, selbige kurz vor seinem Tode aus seinen ungarischen Staaten vertrieben hatte
**), so fanden sie doch Mittel und Wege nach seinem Ableben, unter der Regierung des Kaisers und K\xF6nigs Sigmunds und den folgenden, nach Ungarn wieder zur\xFCck zu kommen, und sich bis auf dem heutigen Tag darinn zu erhalten.
*** ). Sie leben bey uns, wie in vielen anderen Staaten vom Handel, und werden in vielen St\xE4dten nicht geduldet. Die Krone und das Publikum hat nicht viel Nutzen von ihnen; indeme der sogenannte
praefectis, nec in fraudem aliquid faciemus, propter quod ab ipfia opprimi possint Christiani & c.
***) Andreas in dem angef\xFChrten Decreto vom Jahre 1231. Possessiones extra (vielmehr intra regnum) non conferantur Judaeis & Saracenis & si aliquae sunt colatae vel venditae populo regni ad redimendum reddantur, vel simpliciter recipiantur.
****) Joan. Archidiacon de Kikulew in Ludovico Rege: bey Thurocz. p III. cap. 41.
*****) Wenn der K\xF6nig von Ungarn nach der Kr\xF6nung nach Ofen gekommen ist, so pflegte er die Freyheiten der Juden zu best\xE4ttighen. Bonfin Dec. III. Lib. IX. Einen merkw\xFCrdigen Freyheitsbrief, den sie von Bela IV. erhalten , und der nach der Zeit von vielen K\xF6nigen best\xE4tiget worden ist, findet man bey P. Steph. Kaprinay in hist. Diplomat, sub Math. I. rege Pag. I. S. 460. folg.
Census Tolerantiae, den sie j\xE4hrlich zu entrichten haben, nur wenig zu bedeuten hat. Ihren Gottesdienst halten sie in ihren Synagogen, welche sie aus Erlaubnis derjenigen Grundherrschaften, auf deren Grund und Boden sie wohnen, anzulegen und zu bauen pflegen.
B.
Fortsetzung des Versuchs, einer kurzen Geschichte der Buchdruckerey in dem K\xF6nigreiche Ungarn.
[S. XI. St\xFCck dieses Jahrg. N. 1.]
Nach der H\xE4lfte des XVI. Jahrhunderts, gewann inzwischen diese Kunst, in ihrer Aufnahme und Ausbreitung, nach und nach, dennoch einen gl\xFCcklichern Fortgang; so, da\xDF man in diesen Zeiten in allen Gegenden unsers geliebten Vaterlandes, Buchdruckereyen von ziemlich guter Verfassung gewahr wird: als zu Tyrnau Summarein, Neusohl, Papa, Freyst\xE4dtel, Leutschau, Bartfeld, Debretzin, und andern Orten mehr, deren bald weiter soll gedacht werden *). Wir wollen aber alles aufs
*) Seculo jam XVI. hei\xDFt es bey Wallaszky in Tentamine Hist. Litter, sub Matthia Corv. p. 96. (Neosolii, Also- Lindvae, Csepregini, Kereszturini, Sarvarini, Szicini, Tyrnaviae, Nemetujvarini, Uj Szigethini, Samariae, Rarboctini, prope arcem Detrek\xF6, Papae. Ujsolyni, Bartphae; Szculo XVII. Solnae, Polonii, Trenchi-
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k\xFCrzeste zusammen nehmen, und die vollst\xE4ndigere Ausf\xFChrung dieses Versuches, nach dem in unsern H\xE4nden befindlichen Stof, auf eine andere Zeit und Umst\xE4nde spahren, weil wir gewahr werden, da\xDF sie der Beschaffenheit dieser Bl\xE4tter nicht recht angemessen seyn werde.
Im Jahre 1579. ist zu Tyrnau, des ehemaligen ber\xFChmten Bischofs und k\xF6nigl. Neapoletanischen Gesandtens, an dem Hofe des K. Mathias Korvinus Peter Ranzanus Buch: Epitome rerum hungaricarum in 8vo gedruckt worden; und im Jahre 1584. kam daselbst, in Folio, die merkw\xFCrdige Sammlung der sogenandten Decretorum, des um das Vaterland so sehr verdienten Bischofs zu Neutra, Sacharias Moschozi heraus, wobey der Typus ungemein sch\xF6n, und die ganze Einrichtung des Werks, wie wir, nach einem vor uns liegenden Exemplar urtheilen k\xF6nnen, von solcher Beschaffenheit war, da\xDF man daraus, auf die schon damalige gute
Verfassung dieser Buchdruckerey, einen gegr\xFCndeten Schlu\xDF machen, und
nii, Galgoczini, Kesmarkini, Cassoviae Varadini, Puchovii, Saros - Patakini, & omnium nitidissimae, ut etiam cum Hollandicis certare de eregantia potuisset Leutschoviae, divertis poti, ut sunt f. ta litteratum in Hungaria, dissipatae v. cissitudinis. Utinam vero quispiam operam earum illustrandarum in se sumeret, &c. Wir denken diesen Wunsch, wie wir hievon jetzt nur eine kleine Probe geben, zu einer andern Zeit, mit m\xF6glichster Vollst\xE4ndigkeit zu erf\xFCllen.
ihren eigentlichen Anfang, auf einige Jahre weiter hinauszusetzen kann **).
Zu Neusohl war um diese Zeit auch schon eine wohl eingerichtete Buchdruckerey, welcher Christoph Scholtz vorgestanden, und so auch zu Derr\xF6ke und Rarbok in der Pre\xDFburger, und zu Tschepreg in der Oedenburger Gespannschaft, welche durch die edle Freygebigkeit einiger angesehener Magnaten, als derer von Nadaschdi, von Balascha, und anderer, waren angelegt und unterhalten worden, und aus welchen, um das Jahr 1584. verschiedene Schriften an das Licht getretten sind *).
Zu Galgocz oder Freyst\xE4dtel in der Neutrer Gespannschaft hat die Druckerpre\xDFe des Valentin Manschkovit, um diese Zeit auch verschiedene Werke in lateinischer und ungari-
**) Von dem Manzano sowohl, als den Moschoczi, wird Herr von Horanj in seinen schon an das Licht kommenden Werke ohnstreitig die beste Nachricht geben. Der Titel des letzten Werkes ist: Decreta, Constitutiones & Articuli Regum Inclyti Regni Ungariae. Tyrnaviae Anno Domini M. D. LXXXIII. recens impressa. Die neueren vermehrten Ausgaben sind bekannt. Vidc & Wallaszkium l. c. p. 47.
*) Zum Beweis f\xFChren wir nur dieses wenige an, Confessio Montanarum. Ciuit . excudit Novisolii, Christoph Scholtz, in edibus Greg. Linener, A. 15-8. mens. Majo De reliquis vid. Epistolam Gratul. Dan. Haynoczi ad Jo.Sipkovics Superintend. Halae Anno 1742. editam, in notis.
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scher Sprache geliefert **); und in den k\xF6niglichen oberungarischen St\xE4dten Leutschau und Bartfeld, wovon jene bekanntermassen in der Grafschaft Scharosch lieget, kam es mit dieser Kunst, theils durch \xF6ffentlichen und gemeinen Vorschub, theils durch besondere Privathbem\xFChungen, auch zu vieler n\xFCtzlichen Bewegung.
Das zu Leutschau um das Jahr 1586. schon eine Buchdruckerey gewesen, ist gewi\xDF, obgleich ihr eigentlicher Anfang und wer der Urheber davon gewesen, nicht bestimmet werden kann
*). So viel aber ist gewi\xDF, da\xDF die ber\xFChmte Buchdruckerey Breuer derer im folgenden mit mehreren soll gedacht werden, nicht die ersten waren, ob ihnen gleich der Ruhm, der bey dieser Buchdruckerey nach und
**) E. g. Paulli Kyrmzeri, Confess Fidei de vera aeterna Deitate Domini Jesu Christi &c. dedicata Magnif. Domino Emer.Forgats de G\xE9mes &c. & 1584. Galgocii, Typis Valentini Mantsckovit, in 8vo & multa alia.
***) Andreas Schmal in Centuria Litterae. Thurocz M. S. erz\xE4hlet von dem, wegen der griechischen und lateinischen Litteratur, ber\xFChmten Mathias Lochmannus, da\xDF er im Jahre 1586 zu Leutschau, wo er damals studierte, ein griechisches Gedicht habe wollen drucken lassen, das, wegen des noch mangelnden griechischen Typus nicht geschehen konnte. Welcher Umstand f\xFCr das Daseyn der Buchdruckerey daselbst zu dieser Zeit ein hinl\xE4nglicher Beweis ist.
nach erreichten Vollkommenheit, zugeeignet werden mu\xDF. Schultz und Kl\xF6\xDF, haben daselbst sicher vor den Breuern ihre Druckerpressen gehabt, und sind wahrscheinlicher Weise nachher, durch die Beeyferung der Breuer, verdrenget worden, so da\xDF sie sich endlich in andere Orte mit ihrer Kunst hingewendet, und dadurch die Schulze und Breuer in diesen Gegenden gleichsam die zwo Hauptbuchdruckerfamilien geworden sind. Doch m\xFCssen aller Wahrscheinlichkeit nach, auch schon vor Schulzen und Kl\xF6\xDFen, andre deren Namen noch unbekannt sind, daselbst vorgearbeitet haben. Und hieraus l\xE4sset sich das, was Bel in seinem Prodromus bey der Beschreibung der Stadt Leutschau p. 88. hievon anf\xFChret, berutheilen *).
(Die Fortsetzung folgt.)
*) Bel sagt am angezogenen Orte : Constantior longc ca laus est, qu m ei (scilicet Leutschoviae) Typographaeum peperit. Postequam einim mesioribus litteris Hungari an adiuevissent, primam fere Typographiam, in hac urbe, a Breveriana gente excitatam fuissc, copiofiores libri heic typis exscripti testantur &c.
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II. Vermischte Nachrichten.
Fortsetzung, von dem heutigen Zustande, sonderbaren Sitten und Lebensart, wie auch von denen \xFCbrigen Eigenschaften und Umst\xE4nden der Zigeuner in Ungarn.
Beschlu\xDF des Vorberichts.
Auch so gar selbst in unserem Lande, trift man sie in einem Komitate viel gesitteter und besser an, als in einem andern. Daher finden wir eben in denen, von ausl\xE4ndischen Schriftstellern, von ihnen verfa\xDFten Beschreibungen, manches, welches von unseren Landeszigeunern nicht kann gesagt, noch erwiesen werden, und vieles treffen wir hingegen wiederum in ihren Sitten und Gewohnheiten an, welches von diesen Schriftstellern im geringsten nicht ber\xFChrt worden ist, und auch nicht ber\xFChrt werden konnte: nachdem sie nicht unsere Zigeuner zum besondern Gegenstand hatten; sondern redeten entweder nur \xFCberhaupt und ganz allgemein von diesem Volke, oder sahen meist auf diejenigen, die sie dazumal vor ihren Augen gehabt haben. Der einzige Pruckmann, lie\xDF etwas weniges, von denen Zigeunern in Ungarn, in die Bre\xDFlauer Sammlungen einr\xFCcken: allein wie ware es ihm wohl m\xF6glich, ihm, als einem Ausl\xE4nder, der auf seiner Reise in Ungarn, andere Gesch\xE4fte vor sich hat-
te, und nur hie und da, einen Blick auf dieses Volk geworfen haben mag, oder eines und das andere aus Erzehlungen genommen hatte, alles davon genau zu erforschen? Und gesetzt, es w\xE4re auch dazumal solches geschehen, welche Ver\xE4nderungen konnte es nicht bis auf unsere Zeiten erlitten haben, sie dieser Schriftsteller unm\xF6glich zum voraus sehen noch errathen konnte?
Unsere einheinmische Geschichtschreiber, haben zwar in ihren Schriften, sowohl von dem Ursprunge dieses Volks ihre Muthma\xDFung ge\xE4u\xDFert, als auch manches von ihren Sitten, allein nur kurz und gelegentlich, als ein Nebending, ber\xFChrt und angebracht; keiner aber ist uns noch bis auf diese Stunde bekannt worden (wenn man einige kurze Aufs\xE4tze ausnimmt, die doch mehr zum Zeitvertreib und scherzweise, um dieses Volk l\xE4cherlich zu machen, und mehrentheils in Gedichten verfasset sind) *) der uns eine umst\xE4ndliche und aus
*) Man findet dergleichen Aufs\xE4tze sowohl in einigen ungarischen Kalendern angeh\xE4ngt, als auch besonders gedruckt. In dem Raberkalender vom Jahre 1768. ist eine Abhandlung unter dem Titel: Az Ujlakosok eredete, darinnen verschiedene Muthma\xDFungen von dem Ursprunge dieses Volks aus einigen Schriftstellern angef\xFChret werden. In eben einem solchen Kalender, vom Jahre 1769. findet man im Namen der Zigeuner, ein Klagelied \xFCber die neuen Verordnungen, die in Ansehung ihrer im Lande gemacht worden sind, unter dem Titel: Tziganyok v\xE9gs\xF6 roml\xE1sa, darinnen die
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f\xFChrliche Beschreibung, von allem dem, was die Zigeuner in Ungarn besonders angehet, geliefert h\xE4tte. Es mag dieses nicht von einer Unachtsamkeit oder Unwissenheit; sondern vielmehr aus einer Geringsch\xE4tzung und Verachtung gegen dieses elende Volk, oder auch daher r\xFChren; weil es hier jedermann vor Augen hat, und dasselbe ohnehin in unserem Lande, ohne da\xDF man es beschreiben darf, nach allen seinen Umst\xE4nden genugsam einem jedweden bekannt ist. Uns kann dieses zu einer Rechtfertigung bey unserem gegenw\xE4rtigen Vorhaben gereichen, und manche Einwendungen, die dagegen gemacht werden m\xF6chten, von uns v\xF6llig ablehnen, wenn wir sagen; da\xDF dergleichen Gr\xFCnde gar nicht hinreichend seyn k\xF6nnen, uns von einer solchen Unternehmung abzuhalten, als welche uns noch vielmehr dazu aufmuntern sollen. H\xE4tten sichs un-
Denkungsart dieses Volks, nicht uneben geschildert wird. Endlich hat man auch noch in ungarischer Sprache abgefa\xDFte Verse in 800 einen Bogen stark, ohne Benennung des Verfassers, ohne Jahrzahl, und ohne Bestimmung des Druckorts, unter dem Titel: Tziganyokrol valo historia. Hier ist weiter nichts zu finden, als die gemeine Muthma\xDFun von ihrem Ursprunge, einige Schilderungen ihres \xF6rtlichen Charakters, und die Beschreibung der feyerlichen Wahl und Best\xE4ttigung eines Obersten Wayda, die einstens bey Mischkocz im Borschoder Koimitat vorgegangen seyn soll. Im \xFCbrigen hat diese Schrift auch diesen Fehler mit andern ihres gleichen gemein, der sich immer leicht einfindet, wenn eine Geschichte in eine gebundene Rede eingeh\xFCllet wird.
sere Vorfahren mehr angelegen seyn lassen, nach diesem Volk zu fragen, so h\xE4tten sie entweder bey der ersten Ann\xE4herung dieses Volks, ein solch ungesittetes Gesindel von ihren Gr\xE4nzen ab - und in ihr eigenes Vaterland zur\xFCck gewiesen, oder auch durch genaues Nachforschen und Beschreibungen, uns in den Stand gesetzt, sowohl ihr Vaterland, als auch die Frage zu bestimmen und zu er\xF6rtern: ob sie ehedem besser und gesitteter gewesen sind, als zu unsern Zeiten, oder nicht?
Da wir nun diese Klagen \xFCber unsere Vorfahren f\xFChren, w\xE4re es denn nicht unverantwortlich, wenn wir durch unsere Nachl\xE4\xDFigkeit, der Nachkommenschaft, zu eben dergleichen Anla\xDF geben m\xF6chten, und nicht wenigstens das, welches wir noch von diesem Geschlechte zuverl\xE4\xDFig wissen, f\xFCr dieselbe aufzubehalten trachten m\xF6chten? Die Thaten und die schlechte Auff\xFChrung dieses Volks, wenn man sie an sich betrachtet, verdienen es wohl nicht aufgezeichnet zu werden: allein w\xFCrdiget man denn nur die Tugenden eines Andenkens? Die Beyspiele der Argen, k\xF6nnen ebenfalls bey einer rechten Anwendung lehrreich werden, und nicht allein die Aufmerksamen von der Abscheulichkeit des Lasters \xFCberf\xFChren, sondern auch dem zu einem unsterblichen Nachruhm gereichen, der ein verdorbenes Volk auszubessern und in so weit umzuschaffen wu\xDFte, da\xDF es sich nicht mehr \xE4nlich sey. Und
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gesetzt die ganze Verfassung und Beschaffenheit dieses Geschlechts w\xE4re uns, denen es itzt noch vor Augen ist,sehr wohl bekannt:so kann doch dieselbe Fremden unbekannt seyn. Und wie m\xF6glich ist es nicht, oder auch wohl sehr wahrscheinlich, da\xDF es nach Verlauf weniger Jahre, unsern Nachkommen lieb und angenehm seyn wird, von dem Charakter dieses Volks, den es zu unserer Zeit besitzt, Nachrichten zu finden?
Die weisen Anstalten unserer Allergn\xE4digsten und Allerhuldreichsten Landesbeherrscherinn, die bereits seit mehreren Jahren, von Ihrem hohen Throne, auch auf dieses elende Volk mit erbarmenden Augen herabsiehet, zielen offenbar dahin, aus ihnen Menschen zu bilden; Ihre Unterthanen und den Staat von einer Last zu befreyen, und ein Volk gemeinn\xFCtzig zu machen, welches in seiner bisherigen Zerstreuung und Unordnung zum Nachtheil des ganzen Landes und aller Inwohner ohne Gef\xFChl im Elend ungl\xFCcklich lebte. Diese weise und huldreiche Anstalten, die wir am Ende unserer Abhandlung, unsern geehrten Lesern vorzulegen gedenken, sind in Beziehung auf dieses Volk, so gelinde und leutselig getroffen, und in eine solche Ordnung eingeleitet, da\xDF es fast unm\xF6glich ist, den Entzweck dabey nicht zu erreichen. Was ist also bey so bewandten Umst\xE4nden anders zu erwarten, und zu hoffen, als da\xDF ein solch nie-
dertr\xE4chtig und ungl\xFCckliches Volk, sich einstens in seinen Nachkommen auf eine gewisse Art verlieren werde, und da\xDF diejenigen, deren Vorfahren und V\xE4ter in einem so gro\xDFen Verderben lagen, gute B\xFCrger und brauchbare Landeseinwohner werden k\xF6nnen.
Die\xDF war nun der eigentliche Trieb und Hauptbewegungsgrund, aus dem wir uns entschlossen haben, in diesen Bl\xE4ttern, die Sitten, die Lebensart, dann auch den gegenw\xE4rtigen Zustand der Zigeuner in Ungarn zu schildern, um sowohl der Nachwelt zu zeigen, was dieses gesegnete Land, f\xFCr ein sch\xE4dliches und unn\xFCtzes Gesindel mehrere Jahrhunderte hindurch, in seinem Schoo\xDFe ern\xE4hret, und erhalten habe; als auch haupts\xE4chlich und besonders die landesm\xFCtterliche F\xFCrsorge einer gro\xDFen Theresia auch dadurch zu verewigen, und den in so weit ausgebreitete Mittel Ihrer Regierung, auch in diesem St\xFCcke, f\xFCr die sp\xE4te Nachkommenschaft aufzubehalten. Wird die Nachwelt diese klugen und weisen Anstalten, wovon sie die Fr\xFCchte sehen wird, nicht einstens bewundern, und dar\xFCber erstaunen m\xFCssen? Wird nicht die sp\xE4tere Nachkommenschaft Ursachen genug finden, eine so gl\xFCckliche und huldreiche Monarchinn ehrfurchtsvoll zu verehren? Aber auch uns, die wir das Gl\xFCck haben, von Ihr beherrschet zu werden, und unter ihrer sanften und weisen Regierung zu leben, eben darum zu beneiden?
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Wir lesen in denen alten Geschichten von mancherley V\xF6lkern und Nationen, davon wir, au\xDFer dem blo\xDFen Namen, den sie dazumal f\xFChrten, sehr wenig mehr wissen; w\xE4re es aber nicht viel zutr\xE4glicher f\xFCr uns, wenn uns zugleich ihre Sitten, Sprache, und andere Eigenschaften umst\xE4ndlicher bekannt w\xE4ren, anstatt der Verw\xFCnschungen, die sie in der Welt angerichtet haben. Eben so billig k\xF6nnten unsere Nachkommen sich wider uns beklagen, wenn sie allenfalls in ihren Geschichts- und Jahrb\xFCchern f\xE4nden, da\xDF unter dem Namen der Zigeuner, ein Volk in diesem Lande Jahrhunderte hindurch lebte, welches endlich mit vieler M\xFChe und Sorgfalt zu rechte gebracht worden w\xE4re, und f\xE4nden doch von ihrer Ausgelassenheit und b\xF6sen Sitten — kein ordentliches Verzeichni\xDF?
Hieraus werden nun unsere geehrten Leser, sowohl die Absicht, als auch den Plan unserer vorgesetzten Abhandlung, mit leichter M\xFChe errathen k\xF6nnen. Was das letztere betrift, so ist eben unser Vorsatz nicht, eine allgemeine und ausf\xFChrliche Geschichte, von dem Ursprunge und Ver\xE4nderungen dieses Volks, bis auf unsere Zeiten herzusetzen; sondern unser Hauptaugenmerk soll dabey auf
den heutigen Zustand und Beschaffenheit der Zigeuner in Ungarn vorz\xFCglich gerichtet seyn. Bey jenen, was von diesem Volk allgemein und \xFCberhaupt gesagt werden k\xF6nnte, wollen wir kurz gehen, und nur dasjenige, welches der Zusammenhang der Sache fordert, anbringen; bey dem aber, was in diesem St\xFCck unser Vaterland besonders betrift, werden wir trachten, uns etwas ausf\xFChrlicher zu erkl\xE4ren. Vor allen Dingen indessen m\xFCssen wir unsere geehrten Leser und alle Liebhaber der Geschichte geb\xFChrend ersuchen, uns bey dieser Arbeit zu unterst\xFCtzen, und dieselbe, so viel m\xF6glich seyn wird, mit g\xFCtigen Nachtrachten und gegr\xFCndeten Beytr\xE4gen zu bereichern; als wof\xFCr von uns zur Dankbeflissenheit zum voraus verbinden. Wir k\xF6nnen dieses mit desto mehrerem Rechte von Ihnen erwarten, je bekannter es ist, da\xDF die eigentliche Absicht periodischer Schriften auch diesen Zweck habe: eine Materie auf die Bahn zu bringen, und einem jedweden Freund die Wahrheit, das Recht und die Freyheit zu \xFCberlassen, dieselbe bey seinen Einsichten und besitzenden Kenntni\xDFen, durch Beytr\xE4ge immer mehr und mehr zu erweitern und vollst\xE4ndiger zu machen.
(Die Fortsetzung wird folgen.)