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Bl\xE4ttern: < V. Jahrgang, XXX. St\xFCck - V. Jahrgang, XXXII. St\xFCck >



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V. Jahrgang, XXXI. St\xFCck, den 2. August 1775.

I. Naturgeschichte.

Fortsetzung der Beschreibung des Cementwassers, unterschiedlicher warmen B\xE4der und andrer Naturalien in den ungarischen Bergst\xE4dten.

Eben dieser Autor gedenket k\xFCrzlich nach diesem, des Berggr\xFCns oder der gr\xFCnen Farbe, welche in dem Herrngrund *) gesammlet wird, meldet

*) Eduard Brown ein Engl\xE4nder und Doktor der Medicin\xE4, hat in seinen merkw\xFCrdigen Reisen durch Europa, bey Herrngrund, von diesem Berggr\xFCn nichts gemeldet, dagegen aber von dem Cementwasser folgendes angemerket: Es sind auch daselbst zween Brunnen von Vitriolwasser, so das Eisen in Kupfer verwandeln, dieselben nennen sie das alte und neue Ciment. Die Brunnen liegen sehr tief in dem Bergwerk, und man l\xE4\xDFt das Eisen gemeiniglich vierzehn T\xE4ge in dem Wasser. Diese W\xE4sser sind \xFCberaus nutzbar, dieweil man sieht, da\xDF die schlimmste Art von Eisen, welches unbrauchbar ist, dadurch verkehret und verwandelt wird in

aber nicht auf was Weise solches geschiehet, dahero ich auch etwas davon berichten will. Es flie\xDFt n\xE4mlich aus dem Geb\xFCrg ein gr\xFCnes Wasser, welches erstlich im Rinnen gefasset, und aus diesen in etliche h\xF6lzerne viereckichte K\xE4sten, derer immer einer etwas tiefer, als der andere stehet, geleitet wird, bis es endlich seinen Ausflu\xDF mit anderm Wasser durch den Erdstollen nimmt; von diesem Wasser

die allerfeineste Gattung von Kupfer, welches die\xDFfalls vor dem anderen Kupfer den Raum hat, weil es geschmeidiger ist, auch sich besser handeln und leichter schmelzen l\xE4sset, und sich selber habe es geschmolzen, ohne Zuthun einiger andern Materie, auch ohne alle Schwierigkeit: da doch das Kupfererz durch so mancherley Feuer und Oefen gehen mu\xDF, ehe man etwas davon machen kann. Von dieser Art Kupfer nahm ich ein gutes Theil aus den alten Ciment, und sonderlich ein St\xFCck, da\xDF die Figur eines Herzens hatte, welches eilf oder zw\xF6lf Tage zuvor war hineingelegt worden, und hatte doch eben die vorige Figur behalten, wiewol es ehemals so vollkommenes Eisen gewesen, als es nunmehr das beste Kupfer war. Brown hat diese Nachrichten im Jahre 1671. in Ungarn selbst gesammelt.

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nun setzet und leget sich an die Rinnen, absonderlich an den Boden der K\xE4sten die gr\xFCne Farbe an, und wird zu gewisser Zeit herausgenommen; weil auch dergleichen Fabriken etliche in gemeldter Gruben sind, so bekommt man j\xE4hrlich eine ziemliche Quantit\xE4t von dieser gr\xFCnen Farbe, daher sie sehr wohlfeil sind, und nicht gar gro\xDFen Nutzen bringet. Man hat zwar versichert, solche zu schmelzen und Kupfer daraus zu machen, allein weil es kaum die Schmelzunkosten tr\xE4gt; so ist solches noch unterlassen worden. Der Vitriol, so, hin und wieder, an denen W\xE4nden und H\xF6lzern sich anleget, ist theils weis, theils dem gemeinen Kupferwasser \xE4nlich, doch beiderseits nicht so gut, als der gemeine Vitriol, und wird wenig zum Gebrauch gesammlet; au\xDFer diesem aber ist weiter nichts anmerkungsw\xFCrdiges mehr in dieser Gruben *), daher ich solche fahren

*) auch hier wollen wir aus dem Eduard Brown die gemachte Bemerkung vom Jahre 1671. anf\xFChren. Der Oberverwalter zu Herrengrund , sagt er, zeigte mir eine Karte oder einen Grundri\xDF von diesem Bergwerk, in welchemwir den meisten Theil dieses Tages zugebracht hatten: darinnen waren alle die Oerter, wo wir gewesen waren, gar artlich abgezeichnet, mit einem verj\xFCngten Maa\xDF, nach welchem man die L\xE4nge und Weite aller in diesem Bergwerk befindlichen G\xE4nge und Oerter abmessen konnte. Und war es wohl recht artlich anzusehen, wie diese unterirdische Stadt so gro\xDF und sch\xF6n abgebildet und gerissen war. Dann ich kann ihm ja keinen geringern Ramen geben, sintemalen mehr Zimmerwerk oder Behausungen darinnen zu finden, als in mancher andern. An Ausstreckung und

lassen, und nur noch einen kurzen Bericht von denen warmen B\xE4dern so in den Bergst\xE4dten liegen kommuniciren will. Gleich wie nun kein Land in Europa uns so viel warme B\xE4der und heilsame Wasser zeigen kann, als, das K\xF6nigreich Ungarn; also von selbigen mehrere in dem Districkt der Bergst\xE4dte anzutreffen, als in allen \xFCbrigen Oertern des ganzen Landes.

Man k\xF6nnte au\xDFer denen B\xE4dern, welche jetzt im Gebrauch sind, noch viel mehrere fast bey einer jeden Bergstadt aufrichten, wenn man nur wollte, nur hier bey Neusohl sind unterschiedliche Wiesen, auf welchen man warme Quellen antrift, die man gar leicht einfassen und B\xE4der daraus machen k\xF6nnte. Aber von denen, welche von langen Zeiten und jetzt im Ruf sind, etwas zu melden, so trift man gleich, anderhalb Meile Weges von hier gegen Altsohl zu, ein Bad an, welches insgemein das Ribarer Bad, von dem Dorf Ribar, das unten an dem Berge, darauf das Bad lieget, gebauet ist, genennet wird. Dieses ist erst vor 10. Jahren erfunden

L\xE4nge gehen sie den St\xE4dten weit bevor : so enthielten sich auch eine ansehnliche Menge von Einwohnern daselbst. Ihre Ordnung und Geschicklichkeit ist gleichfalls sehr zu verwundern. Ihre Ruhe wird nicht gest\xF6hret: wenn sie gearbeitet und ihre Speise zu sich genommen haben, erkennet man solches billig, und l\xE4sset sie wieder eine Stunde oder acht in einem Loch von einem Felsen ausruhen, nachdem n\xE4mlich die Zeit ist, so sie in der Arbeit zubringen.

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und angeleget worden, und zwar auf folgende Weise: es war n\xE4mlich vor diesem daselbst nichts, als eine Grube voll laulicht-schweflichten Wassers, darinnen die Bauernweiber ihren Flachs gebeizet, oder ger\xF6stet haben, wie dann dergleichen Gruben noch unweit davon und an andern Oertern angetroffen werden. Da nun einmal eine alte wassers\xFCchtige Frau ihren Flachs aus gedachter Grube herausnehmen und abwaschen wollte, und also fast den ganzen Tag in dem Wasser gestanden ist, hat sie gemerket, da\xDF ihr die F\xFC\xDFe, so weit sie in dem Wasser gewesen, abgeschwollen; dahero hat sie die folgenden T\xE4ge allzeit etliche Stunden mit dem ganzen Leib darein gebadet, und ist darauf in kurzer Zeit am ganzen Leib abgeschwollen und v\xF6llig wieder gesund worden. Dieses kam bald unter die Leute, absonderlich promulgirte diesen Effect gedachter Frau ihr Vater, brachte auch von unterschiedlichen daherum wohnenden Edelleuten und Innwohnern zu Neusohl so viel zuwegen, da\xDF sie solche Grube einfassen, und hernach dem Ursprung nachgraben lie\xDFen; da sie zwar etliche sehr hei\xDFe unergr\xFCndliche Quellen angetroffen; solche aber von denen gleich darbey gelegenen kalten Quellen auf keine Weise absondern konnten; dahero mu\xDFten sie selbe vermischt bleiben lassen, und in ein Spazium von zehen Schritten lang und sechsen breit neu fassen dessen Boden mi Brettern, dazwischen das Wasser mit einem impetu herausquellet, bedecket ist. Als auch ein Zu-

lauf vieler kranken und pre\xDFhaften Leute, hierauf erfolget, wurde ein Wirthshaus und ein anderes, darinnen die Badeg\xE4ste in unterschiedlichen Logimentern seyn konnten, gebauet, welches bis Dato unterhalten und immer vergr\xF6\xDFert wird. Es ist aber dieses Bad wegen etlicher vermischter kalter Quellen, wie oben gemeldet, nicht so warm, wie andere warme B\xE4der, sondern nur laulicht, vom Ansehen tr\xFCb und roth dunkelgelb eines s\xFC\xDFlichen sehr schweflichen Geschmacks und Geruchs, welcher wenn neblicht und feuchtes Wetter ist, und das Bad abgelassen wird, so stark ist, da\xDF fast kein Mensch darinnen bestehen kann, bies es wieder voll angelauffen. Seine Bestandtheile sind Schwefel, Vitriol, Eisenstein, Alaun, und ein wenig Arsenikum, daher schaffet dessen Gebrauch, in alten offenen Sch\xE4den und Geschwulsten, gro\xDFen Nutzen. Man hat auch erfahren, da\xDF es denen, die an Stein und Sand leyden, sehr dienlich sey. Ueber 2. Stunden kann man nicht wohl darinnen bleiben, weil es zu k\xFChl ist und die Haut sehr zusammen ziehet, und man mu\xDF sich darauf eine halbe Stunde in einer Wanne, darinne dieses Bad gew\xE4rmet wird, wider erw\xE4rmen. Ohngefehr 500. Schritt davon, gegen Mittag, quillet auf einer sch\xF6nen Wiesen ein Sauerbrunnen, der ziemlich guten Geschmack hat, doch etwas schweflich ist: funfzig Schritt davon gegen Mittag, auf eben dieser Wiesen. An einem wenig erhabenen H\xFCgel ist diejenige Kluft zu sehen

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\xFCber welche vor diesem kein Vogel fliegen konnte, der nicht gleich tod zur Erde niedergefallen w\xE4re. Ja man hat auch etliche todte K\xFChe, Haasen und ander Vieh, welches sich dazu genahet, dadbei liegen gefunden; welches dann auch die Ursache war, da\xDF die daherum wohnende Leute solche Kluft mit Steinen, Erden und vielem Holze versch\xFCtteten, damit ihr Vieh, das dorten weidete, keinen Schaden ferner leyden m\xF6chte, und siehet man anjetzo nuir noch ein Loch davon, dessen Gr\xF6\xDFe kaum einen Schuh in der Runde austr\xE4gt; aus diesem gehet ein subtiler Dampf heraus, und wenn man nahe dabey das Ohr auf die Erden leget, so h\xF6ret man wie einWasser unter der Erden mit gro\xDFem Ger\xE4usche und Gewalt flie\xDFet, kochet und rauschet, so da\xDF man vermeinet, man h\xF6re viel 100. Glocken zusammen l\xE4uten. Da es noch offen war, soll dessen Umfang etliche Schritte gewesen seyn, und hat man es auf keine Weise ergr\xFCnden k\xF6nnen.

Als ich vergangenen Sommer mit etlichen guten Freunden diese Kluft besahe, hielten wir ein Huhn an einem Strickchen \xFCber das Loch, da dann selbiges gar bald ersticket und todt war. Es l\xF6sete auch einer aus Curiosit\xE4t eine Pistole hinein, worauf das Loch stark und dick zu rauchen anfieng, auch etliche Stunden kontinuierte, weswegen ich auf die Gedanken kommen bin, dieser dem Vieh und vielleicht auch Menschen sch\xE4dliche

Dampf, so best\xE4ndig aus dem Loch gehet, m\xFCsse meistens aus einem Sulphure arsenicali bestehen, welcher auch durch das Pulver angez\xFCndet, einen so gro\xDFen und langen Rauch verursachet. Etliche B\xFCchsenschu\xDF weit davon, hat man von diesem Schwefel gegraben, und gemacht; es ist aber solcher Stollen nun aufgelassen.

(Die Fortsetzung folgt.)

II. Vermischte Nachrichten.

Siebenb\xFCrgische Briefe.

IV. Von dem traurigen Schicksal der Stadt Bistritz, im Jahre 1602.

Mein Freund!

Habe ich etwas tragisches gelesen: so ist es gewi\xDF auch das kriegerische Ungewitter, da\xDF sich im Jahre 1602, \xFCber die s\xE4chsische Stadt Bistritz, oder N\xF6sen, und deren Gebiethe gleich Wolkenbr\xFCchen ergo\xDF. Nicht ohne Schauer, nicht ohne mitleidige Tr\xE4nen, habe ich die Nachrichten lesen k\xF6nnen, die uns Stephan Decani, ein Pfarrer zu Bistritz, davon handschrifltich hinterlassen. Krieg, Pest, Hunger w\xFCteten mit gleicher Grausamkeit, und machten diese volkreiche Gegend zu einer traurigen Ein\xF6de. Wie weit gl\xFCckli-

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cher sind wir, mein Freund! unter dem sanften Zepter der gro\xDFen Theresia!

Femina, sed Princeps, in qua fortuna videre

Se probat, & caecae crimina falsa tulit:

Qua nihil in terris ad finem, solis ab ortu,

Clarius excepto Cesare, mundus habet.

Ovid.

Der kaiserliche Feldherr, Graf Basta, hielte sich mit seinem Kriegsheer in der ungarischen Gespannschaft Byhar, ganz stille auf. Deswegen verbreiteten die mi\xDFvergn\xFCgten Ungarn und und Zekler in Siebenb\xFCrgen, allerley solche Nachrichten von ihm aus. Nach einigen hatte Basta das F\xFCrstenthum verlassen, und w\xFCrde niemals kommen; nach andern war er gar gestorben. Mit solchen Gerichten suchten sie auch die Bistritzer zur Untreue, und zu einer Erkl\xE4rung f\xFCr den wiedergekommenen F\xFCrsten Sigismund Bathori, zu bewegen, droheten ihnen in gegenseitigem Fall noch ein traurigeres Schicksal, als Sch\xE4\xDFburg durch Georg Mako erfahren. Erschrocken \xFCber diese Drohungen, und ohne andere Nachrichten von dem kaiserlichen Feldherrn, thaten die Bistritzer aus Noth und Furcht einen Schritt, der sie in des \xE4u\xDFerste Verderben st\xFCrzte. Wie rief ihnen nicht jemand zu:

Illud vide, ne timendo magis timere cogare!

Sie schickten also Abgeordnete nach Medvisch, mit Stephan Czaki, wegen der Uebergabe zu handeln, und thaten es, nach erhaltenem tueren Schwur, da\xDF sie gegen alle Versuche der kaiserlichen V\xF6lker gesch\xFCtzet werden sollten. Sie erfuhren es! Czaki schickt sogleich den Hauptmann Szent Pali, mit zweihundert Zecklern ab, Bistritz zu besetzen. Kaum waren diese in der Stadt: so mu\xDFten die B\xFCrger 10,000. Gulden erlegen, welche dem Czaki nach Medvisch geschicket wurden, wohin auch Szent Pali eilete, und den Michael Vitez, als Befehlshaber zur\xFCcklies. Dieser lie\xDF sogleich die Vestungswerker und das Gesch\xFCtz besichtigen, und besetzte die Th\xFCrme mit seiner Mannschaft. Die B\xFCrgerschaft wurde durch die Pest t\xE4glich vermindert, welches die Besatzung, und den dahin gefl\xFCchteten ungarischen Adel bald so m\xE4chtig machte, da\xDF sie nur das unterlie\xDFen, was sie nicht thun wollten, Graf Basta h\xF6rte alles, und beschlo\xDF die ungetreue Stadt auf das empfindlichste zu z\xFCchtigen. Doch belagerte er sie nicht sogleich; sondern schickte nur dann und wann Rotten von Heiducken aus. Man sahe diese wohl, aber niemand wollte sie kennen, denn an Basta, gedachte kein Mensch mehr. Allein den 30ten Januarius erfuhren sie es, das Basta noch lebe, und ihnen nur gar zu nahe w\xE4re. Es war ein sehr volkreicher Marktag zu

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Bistritz. Wie aber die Bauern nach Hause reisen, werden sie von einer Rotte Heiducken \xFCberfallen, und welche nicht in die Stadt zur\xFCckfl\xFCchten konnten, alle niedergehauen. Bald folgeten mehrere Heiducken und Walloner breiteten sich auf die D\xF6rfer aus, wo sie auf das grausamste haus hielten. Gl\xFCcklich waren noch diejenigen, die niedergehauen wurden. Weh den Gefangenen! Sie dreheten ihnen so lange Stricke um die K\xF6pfe zusammen, da\xDF ihnen das Gehirn heraussprizte, sie henkten sie an F\xFC\xDFen und Achseln auf, sie folterten ihre Leiber mit gl\xFChenden Kohlen, da\xDF sie ihre verborgen G\xFCter entdecken m\xF6chten. Hier war kein Verschonen, keine Menschlichkeit! M\xE4nner, Frauenzimmer, Kinder, ja gar im Mutterleib, alles wurde ein Opfer der erbitterten Soldaten. Frauenzimmern schnitten sie die Br\xFCste auf, und bestreueten sie mit Salz, jungen Mannspersonen wurden die N\xE4bel ausgschnitten und an B\xE4ume genagelt, worauf die Ungl\xFCcklichen so lange um die B\xE4ume getrieben wurden, bis ihr ganzes Eingeweide umgewickelt war, und sie tod hinfielen. — Falle Vorhang, falle zu! viele fl\xFCchteten sich in die Gebirge, allein nur zu einem andern und langsamen Tod. Hunger und Frost, die izt ausserordentlich war, wurden ihre M\xF6rder. Der Verfasser schreibt: das Elend seye nicht auszusprechen, das damals zu Bistritz und in dessen Gebiethe gewesen. Wer sollte es ihm nicht glauben? —

Als die Besatzung der Stadt, ihre Belagerung gewi\xDF sahe, steckte sie zween Abend vor der Ankunft des Generals Basta, die Vorst\xE4dte in Brand, und was das Feuer verschonet hatte, wurde nachgehends abgebrochen, und in die Stadt zu Verst\xE4rkung der Vestungswerker gef\xFChret. Zugleich hielte ihr heftiges Feuer von Th\xFCrmen und Mauren die herumstreifenden Feinde ab, sich der Stadt zu n\xE4hern.

Den ersten Februar erschien Basta mit 40.000 Mann, wie man sagte, und lagerte sich bey Wallendorf. Bey seinem Vor\xFCberzug feuerte die Besatzung wider Willen der B\xFCrgerschaft, stark auf seine V\xF6lker. Dieses erbitterte ihn noch mehr. Sogleich schlos er die Stadt ein, und benahm ihr den folgenden Tag das Flu\xDFwasser, welches bald einen gro\xDFen Brodmangel verursachte. Darauf bescho\xDF er Bistriz bis den 22ten Hornung, aber ohne Vortheile. Nun lie\xDF er seine gro\xDFen St\xFCcke unbemerkt in der Nacht, von dem Berg Schiberreden \xFCber den zugefrornen Flu\xDF herabziehen, und nur einen Steinwurf weit von den Stadtmauren aufpflanzen. Feuer und Sturm entdeckten ihn. Das Fu\xDFvolk st\xFCrmete, und die Reiterey umgab die Stadt, um bey gl\xFCcklichem Erfolg die Fl\xFCchtigen niederzuhauen. Allein Basta fand einen so heftigen Widerstand, das zween St\xFCrme verlohren giengen. Zugleich brache das Eis des Flusses von der gro\xDFen Last ein, und viele seiner Kriegsv\xF6lker fanden da-

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rinnen ihren Tod. Doch war auch der Zustand der Stadt kl\xE4glich genug. Die Pest w\xFCtete besonders unter der B\xFCrgerschaft. Da sahe man M\xE4nner ihre Weiber, Weiber ihre M\xE4nner, Kinder ihre Eltern auf kleinen Schlitten und Karn nacket und mit in Schnee herabhangenden K\xF6pfen und F\xFCssen, zu Grabe f\xFChren. Auf dem Kirchhof, im Kloster und zwischen den Stadtmauren, war eine tiefe Grube gemacht, wohin diese traurige Schlachtopfer geworfen wurden. Die auf den Mauren und Th\xFCrnen umkamen, wurden in den Gassen hin und her kaum eine Spanne tief eingescharret. Als Basta den dritten Sturm veranstaltete, brachte ein Zigeuner einen Brief heimlich in die Stadt. Nach dessen Inhalt hatte F\xFCrst Sigismund Bathori aus Kronstadt den Bogatschi an den kaiserlichen Feldherrn abgeschickt, ihn zur Verschonung der ungl\xFCcklichen Stadt zu bewegen. Bogatschi w\xE4re bey den geschehenen St\xFCrmen schon angekommen gewesen, allein Basta h\xE4tte ihn nicht vor sich kommen lassen. Die verlohrnen St\xFCrme und die F\xFCrbitte der schwarzen Reiter h\xE4tten endlich den General bewogen, ihm Geh\xF6r zu geben. — Die B\xFCrgerschaft hofte also einen Waffenstillstand; allein sie betrog sich. Es war alles zum dritten Sturm ger\xFCstet, und Basta konnte, oder wollte ihn nicht verhindern. F\xFCnf Kanonen feuerten so gl\xFCcklich, da\xDF die Mauren drey Klafter weit einst\xFCrzten. Sogleich wurde Sturm

gelauffen, und h\xE4tten die kaiserlichen V\xF6lker mehr geeilet; so w\xE4re die Stadt gl\xFCcklich erobert worden. Denn solches panische Schr\xF6cken \xFCberfiel die Leute, die Erde zu Ausf\xFCllung der Bresche zutrugen, da\xDF sie halb tod dem Marktplatze zuliefen, die H\xE4nde \xFCber den Kopf zusammen schlugen, und j\xE4mmerlich schrien: Au weh! Der Feind ist in der Stadt. Es laufe, wer da laufen kann! Bald erf\xFCllte dieses Geschrey die ganze Stadt. Alles suchte sich zu verbergen. Es war um die Stadt geschehen! Allein die Herzhaftigkeit eines einzigen B\xFCrgers rettete sie noch. Pfaffenbruder, ein Eisenschmied, befand sich nicht weit von der Bresche. Dieser siehet einen feindlichen Soldaten auf der Mauer, der die Fahne aufstecket, und seinen Mitbr\xFCdern zuruft: herzu! herzu! die Stadt ist unser. — Er springt hinzu, hauet mit einer Helleparte den Soldaten herunter, ergreifet seine Fahne, und rufet seinen halbtodten Mitb\xFCrgern zu: kommet herzu, lieben B\xFCrger! kommet, Gott hat ein Zeichen seines Sieges an uns gethan, die Stadt ist wieder unser. Dieses machte den B\xFCrgern wieder Muth, sie versammelten sich nach und nach wieder, und f\xFClleten eilends die Bresche aus. Indessen feuerte die Besatzung so heftig auf die St\xFCrmenden, da\xDF sie sich nicht n\xE4her zu kommen wagten. Dieser abermals vergebliche Sturm bewegte den Basta, der Stadt eine g\xE4nzliche Zerst\xF6hrung zu drohen, aber zugleich auch, die

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Bitte des Bathorischen Abgesandten zu bewilligen, und nicht mehr zu st\xFCrmen. Die Bistrizer liessen Sonntags ihre Kanonen schweigen, und da Bogatschi auf Einwilligung des Basta in die Stadt kam, folgete der Rath seinem Begehren, und schlo\xDF mit dem kaiserlichen Feldherrn, wider willen der Besatzung und hingefl\xFCchteten Edelleute, einen Waffenstillstand auf sechs Tage. Basta begab sich nach seinem Hauptquartier zu Wallendorf, forderte aber von denen Bistrizern die Auslieferung ihres Konstablers, Michael Steinkellner, und das mit Drohung auch des Kindes in Mutterleib nicht zu verschonen. Der Verfasser schreibt: Er habe den Basta in sein St\xFCck geschossen, und es zersprengt. Dem Rath wurde die Wahl sehr schwer. Steinkellner hatte ihnen so wichtige Dienste geleistet, sollten sie nun so undankbar seyn, und ihn seinem Feind ausliefern? Er selbst befand sich in einem elenden Zustand. Von einer angez\xFCndeten Tonnen Pulvers auf einer Seite ganz verbrennt, lag er in einem Oehltuch eingen\xE4het. So lies er sich auf das Rathaus tra-

gen, sein Schicksal anzuh\xF6ren. Die alles bef\xFCrchtende Rathsherren wollten ihn gern retten, sahen aber kein Mittel vor sich. Sie sagten ihm: Wenn er sieben K\xF6pfe h\xE4tte, w\xFCrde er nicht einen zur\xFCckbringen. — Ich habe nur einen, erwiderte Steinkellner ganz ruhig, und auch den will ich wieder zur\xFCcke bringen. — Als er im kaiserlichen Lager anlangte, kam ihm Basta voller Zorn entgegen. Demselben bothe er seine Hand, Basta reichte ihm einen Finger. Steinkellner zog seine Hand zur\xFCck, und reichte sie ihm auf das neue, hierauf gab ihm Basta zween Finger. Da sagte Steinkellner: Euer Exzellenz wollen mir itzt nicht einmal ihre Hand anvertrauen, da sie mir doch in Italien drey Jahre, ihren ganzen Leib anvertraut, und wir aus einer Sch\xFCssel gespeiset haben. — Basta antwortete: warum er nicht br\xFCderlich mit ihm verfahren? — Euer Excellenz, erwiderte Steinkellner, sollten nicht als ein Feind, sondern auch als ein Burden gekommen seyn. — Endlich wurde Basta bes\xE4nftiget und begnadigte ihn.

(Die Fortsetzung wird folgen.)
Topic revision: r3 - 13 Sep 2012, KatalinBlasko
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