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Bl\xE4ttern: < Vorrede Jahrgang V. -
V. Jahrgang, II. St\xFCck >
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V. Jahrgang, I. St\xFCck, den 4. January 1775.
I. Wissenschaften.
M\xFCnzwissenschaft
Eine Denkmedaille, die bey der Kr\xF6nung Ferdinand des IIten, zum K\xF6nige in Ungarn, im Jahre 1618 zu Pre\xDFburg, ausgetheilt wurde.
I.Beschreibung der M\xFCnze
Auf der Hauptseite, erscheint das wohlgetroffene Brustbild des K\xF6niges, im Profil, geharnischt mit aufgesetzten Lorberkranz, im spanischen Kragen, und mit umgehangener Toisonkette. Eine aus den Wolken hervorragende Hand, die mit einem Bande umwunden ist, darauf des K\xF6niges Wahlspruch, Legitime certantibus stehet, h\xE4lt, vor dem Gesichte desselben, die heilige ungarische Krone. Die Umschrift hei\xDFt: FER.dinandus II. D. ei G. ratia, R.o. manorum I. mperator S.emper A.ugu-
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stus GE. rmaniae, H. ungariae, B.ohemiae REX. Auf der R\xFCckseite, stehet im innern Krei\xDF, in einer zierlichen Cartouche, das gedoppelte ungarische Wappen, um welches die Schrift. HUNGARIAE. Im \xE4usern Umkrei\xDF, sind neun Wappenschilde *) eben so vieler zu Ungarn geh\xF6riger Reiche, nebst ihren Namens Anfangsbuchstaben: D.almatiae, R. amae. S. erviae, G. allitiae L. odomeriae, C. umaniae, B. ulgariae. S. auch Monnoies en argent &c. pag. 105.
II. Historische Erkl\xE4rung.
Auch diese Denkm\xFCnze, hat mit derjenigen, welche wir im XLVIII. St. des vorigen Jahrgangs unseres Blattes, erl\xE4utert haben, gleiche Bewandtni\xDF. Sie ist bey einer \xE4nlichen Feyerlichkeit gepr\xE4gt, und unter die vornehmen Anwesenden, ausgetheilet worden. Es war solche, die Kr\xF6nung Ferdinand des zweyten, zum K\xF6nige von Ungarn, welche zu Pre\xDFburg, im Jahre 1618.
*) Alle die Wappenschilde, sind bey Erl\xE4uterung der Kr\xF6nungsm\xFCnze Mathias des IIten, im XLVIII. St. des IVten Jahrganges, von uns aufgekl\xE4rt worden. Nur das m\xFCssen wir noch anmerken: da\xDF wir in der unten beygef\xFCgten Note, irrig behauptet haben, Rama und Rascien w\xE4ren ein und dasselbe Reich. Nach n\xE4herer Untersuchung, finden wir, da\xDF es zwey verschiedene Reiche waren. Rama hingegen ist das n\xE4mliche Reich, mit Bosnien. Du Fresne, lllyricum vetus, & nov. p. 157. \xA7. XV. XVI. Timon, Imago novae Hung. p. 30. 113. 128. sequ. das XXX. St. des vorigen Jahrg. S. 236.
den ersten Julius. mit gew\xF6hnlichen Ceremonien, wie es bey ungarischen Kr\xF6nungen \xFCblich ist, aufs pr\xE4chtigste, vollzogen worden. Der Wahlspruch des K\xF6niges: legitime certantibus, d. i. nur der wird gekr\xF6net, der recht k\xE4mpfet, hat die besondere Vorstellung, auf der Bildseite veranla\xDFet, da n\xE4mlich, eine auis den Wolken herv\xFCrragende Hand, dem von der Vorsehung zur Krone bestimmten, und derselben vollkommen w\xFCrdigen Prinzen, die heilige ungarische Krone vorh\xE4lt. Wer die
Regierungsgeschichte Ferdinand des IIten, nur mit einem Blick \xFCbersieht, wird diesen Wahlspruch, vollkommen gegr\xFCndet finden. K\xF6nig Ferdinand, mu\xDFte vorher m\xE4chtige Feinde, und zahlreiche Kriegesheere besiegen, ehe er zum ruhigen Besitze, der ihm rechtm\xE4\xDFig zukommenden Kronen gelangen konnte. Khevenh\xFCller, Peter v. Reva, gleichzeitige Geschichtschreiber, und auch Belius, k\xF6nnen hievon nachgelesen werden.
Die Reversseite unserer Medaille, stellt den n\xE4mlichen Gegenstand vor, den wir bey der Kr\xF6nungsm\xFCnze des K\xF6niges Mathias II. im XLVIII. St. aus dem ungarischen Staatsrechte angemerkt haben. Wir meinen, die, den ungarischen K\xF6nigen, ganz eigene solenne Gewohnheit, bey ihren Kr\xF6nungen, die Wappenfahnen, der von ihnen nach und nach erworbenen L\xE4nder, vortragen zu lassen, zum gewissen Bewei\xDF, ihrer Gerechtsame, auf alle diese Provinzen. Folglich verdient
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dieser, f\xFCr die heilige ungarische Krone, so intere\xDFante Umstand, auch bey der vorliegenden Medaille, beschrieben zu werden; zum unwiederl\xE4glichen Zeugni\xDF, da\xDF, die apostolischen K\xF6nige von Ungarn, in allen besondern Epochen und Succe\xDFionen, ihre gerechten Anspr\xFCche, auf alle auf dem Revers unserer M\xFCnze, vorgestellten Reiche, behauptet, und feyerlichst der Welt vorgeleget haben. Wir haben drey Kr\xF6nungsm\xFCnzen, ungarischer K\xF6nige, aus dem durchlauchtigsten Erzhause von Oestreich, mit diesem Revers. Die eine von Mathias dem IIten, welche schon erl\xE4utert worden; die andere von Ferdinand dem IIten, die wir hier beschreiben; und die dritte von seinem Nachfolger Ferdinand dem IIten die wir auch noch erl\xE4utern wollen. Seit der Kr\xF6nung Mathias des IIten, sind selbst die hohen Namen der ungarischen Magnaten, von den Geschichtschreibern sorgf\xE4ltig aufgezeichnet worden, welche bey jedesmaliger Kr\xF6nung, die Wappenfahnen, aller, zur heiligen ungarischen Krone geh\xF6rigen Reiche, vorgetragen haben; wie dieses schon im XXX. St. des IVten Jahrganges unserer Anzeigen, S. 234. richtig angemerkt worden ist *). Bey der
*) Die Anmerkung dienet zum gewissen Beweise, da\xDF auch die \xF6streichischen K\xF6nigen von Ungarn, die Titel un Wappen, von Gallizien und Lodomerien, best\xE4ndig gebraucht; gerechte Anspruche, auf diese Reiche, bey einer Gelegenheit behauptet haben, die sehr feyerlich, und dazu, der Sache, davon wir reden, ungemein angemessen war. Herr von Palm, b\xFCrdet dem Verfasser der Staatsschrift, Recherches sur Halicz, & sur la Wlodzimirz, zu viel auf, wenn er, in seiner Abhandlung, von den Titeln, und Wappen, welche Mar. Theresia, als ap. K\xF6niginn von Ungarn f\xFChret. S. 13. von ihm sagt: er h\xE4tte dem Publiko vormalen wollen: als ob die K\xF6niginn von Ungarn, aus den allerdurchlauchtigsten Erzherzoglichen Hause die Titel und Wappen von Gallizien und Lodomerien, niemals gebraucht h\xE4tten. Da\xDF sagt der Verfasser nicht; und wie h\xE4tte er etwas solches zu sagen sich getrauet, da man ihm Beweise \xFCber Beweise, vom Gegentheil, aus schriftlichen Urkunden. Siegeln und M\xFCnzen, entgegen stellen kann; Er sagt nur so viel: „vom Friedrich dem dritten an, hat kein K\xF6nig vonUngarn, aus dem Hause Oestreich, jemals in einem Traktate mit Pohlen, diesen Titel gef\xFChret. Das zu widerlegen ist unsere Sache jezt nicht; genug wenn wir dargethan; da\xDF auch die Oestreichischen K\xF6nige von Ungarn, von je her, Titel und Wappen, von Gallizien, und Lodomerien gef\xFChret haben.
schon erl\xE4uterten Kr\xF6nungsmedaille Mathias des IIten, haben wir, nach Veranlassung der Reversseite derselben, die hohen Magnaten, welche bemeldete zehen Wappenfahnen, dem K\xF6nige vergetragen, angezeiget. Jezt wollen wir das n\xE4mliche, von der Kr\xF6nung Ferdinand des IIten, weil es eben der Revers unserer Medaille, so erfordert, auch thun. Der Graf von Khevenh\xFCller, hat als Augenzeige,
diese besondere Kr\xF6nungssolennit\xE4t, sehr richtig und ausf\xFChrlich beschrieben, so, da\xDF wir nun, nichts anders zu thun n\xF6thig haben, als nur das, im Auszuge
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herzusetzen, was wer von dieser Feyerlichkeit, in seinen Annalen, aufgezeichnet hat. Hier ist seine Erz\xE4hlung.
„ Um 7. Uhr Vormittag, seynd Ihro k\xF6nigl. Majest\xE4t, mit folgender Ordnung und Ceremonien, in die Domkirche geritten. Vorhero hat der Hofmarschall Berhard v. Herberstein, und Peter Revay, der zehen incorporirten K\xF6nigreiche Fahnen, nachgesezten St\xE4nden zu f\xFChren ausgetheilet: Des K\xF6nigreichs Ungarn hat getragen Niklas Graf von E\xDFterhazy; des Dalmamatischen, Paul Graf von Nadaschdy; des Croatischen, Georg Szetschy; des Sklavonischen, Christoph, Graf von Erd\xF6dy; des Ramischen, Emerich Graf von Thurso; des Servischen, Georg Graf von Zrinio; des Gallatischen (Gallizischen) Christoph Herr Banffy; des Lodomerischen, Sigismund Rakoczy; des Cumanischen, Caspar Graf von Illieshasi; des Bulgarischen hat Michael Karoly, gef\xFChret. Als man zu der Kirchen kommen, ist der Hofmarschall Bernhard Freyherr von Herberstein und Revay, h\xF6chstgedachter k\xF6nigl. Majest\xE4t, zur Porten entgegen, Sie bis zur Sakristey begleitend, den Erzherzog Maximilian aber, in sein, wie auch andere geistliche und weltliche Personen, in ihre dazu deputirte Sessiones gegangen; darauf mit Trompeten und Heerpauken geblasen, auch von unterschiedlichen Ch\xF6ren, bis ihre k\xF6nigl. Majest\xE4t in die Sakristey gekommen, ansehnlich musiciret worden. Peter Revay, und der Hofmarschall Herr von Herberstein, haben alsdann zwey Bisch\xF6fe, welche der Erzbischof v. Gran dazu verordnet, bis zur Sakristey gef\xFChret, die Ihre Majest\xE4t, bey der Porten, bis sie herausgegangen, erwartet, und einer zur Rechten, der andere zur Linken, und mit Ordnung und mit Tragung der k\xF6nigl. Kleinodien und Fahne, wie vorher gemeldet, bis zum gew\xF6hnlichen, zu dem Ende, am Chor aufgerichteten k\xF6niglichen Thron, begleitet, und ermeldete k\xF6nigl. Kleinodien, von umstehenden Bisch\xF6fen und Pr\xE4laten, von den St\xE4nden genommen; der Palatinus, mit f\xFCnf ungarischen Kavalieren, die der inkorporirten K\xF6nigreich Fahnen getrage, auf der Rechten, und Franz von Battyan Agazonum Magister, mit dem blossen Schwerdt, und andere f\xFCnf Fanhnen zur linken Seite des Throns, nach der Ordnung gestanden ic. ic. *)"
*) Franz Christoph v. Khevenhiller Annales Ferdinand IX. Theil, Blat. 16. u.f. Man sehe auch Peter v. Reva, de Monarchia & S. Corona Regni Hungariae Cent. VII. edit. Schawandt script. rerum Hung. To, II. pag. 811.
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II. Vermischte Nachrichten.
Aus der k\xF6nigl freyen Bergstadt Kremnitz in Niederungarn, sind uns folgende Nachrichten, die wir mit Dank aufnehmen, und hier willig einrucken, \xFCberschickt worden.
Da\xDF man mit entseelten K\xF6rpern nicht immer sogleich zum Begr\xE4bni\xDFe eilen sollte; indem solche, zuweilen uweilcn nur unserer Einbildung nach, tod sind; und da\xDF es in solchen F\xE4llen, oft n\xF6thig w\xE4re, da\xDF St. Paulus, den unmenschlichen Begrabern noch zuriefe: Machet kein Get\xFCmmel, den die Seele ist noch in ihm! oder auchr Christus selbst: Weichet, denn das M\xE4gdlein ist nicht tod, sondern es schl\xE4ft! davon k\xF6nnen zwo verschiedene Begebenheiten, die sich in dem abgewichenen 1774. Jahre, bey uns er\xE4ugnet haben, zu einer guten Lehre und Warnung dienen.
Die erste Begebenheit.
Den 3ten Jul. er\xE4ugnete sich gegen 6, Uhr Abends, in unserer Waldung ein abermaliger, doch, Gott Lob! nicht so schr\xF6cklicher Wolkenbruch, als derjenige vom 24ten Jun. gewesen. Bey der pl\xF6tzlichen Aufschwellung des Baches im Sohlergrunde, wollte ein f\xFCnfj\xE4hriger Knabe, mit Vater, Mutter und
Gro\xDFmutter, auf dem Heimwege, \xFCber einen Steeg des gedachten Baches gehen. Der Steeg brach unter ihren F\xFCssen; und augenblicklich waren alle mit einander im Wasser. Die Aeltern kamen zwar, theils durch Selbst- theils andrer Leute Hilfe aus demelben: der Knabe aber, welchem man nicht sogleich beyspringen konnte, wurde von der Fluth hingerissen, und in gute 500. Schritte, \xFCber Stock und Steine, fortgef\xFChret; bis man ihn endlich, nicht weit vom untern Stadtthore, aufgefangen und herausgezogen. Allem Ansehen nach, war er dahin und tod, wie ich denn selbst auch, wenn ich zugegen gewesen w\xE4re, in Betrachtung der so langen und gef\xE4hrlichen Strecke, die er \xFCber so viele gro\xDFe aus dem Bache sonst hoch empor ragende Steine getrieben wurde, nicht anders geurtheilet, und die, seinetwegen vorgenommenen Bem\xFChungen f\xFCr vergeblich gehalten h\xE4tte. Nichts destoweniger wurde er doch, durch Gottes- und gutherziger Leute Hilfe, wieder zum Leben, und seinen Aeltern, von welchen die Mutter und Gro\xDFmutter, so eben in der Frai\xDF oder schweren Noth da lagen, \xFCberbracht. Er erholte sich dergestalten zusehends wieder, da\xDF er nicht allein, noch an eben demselben Abend, Brodt begehrte; sondern auch vom dritten Tage darauf, mit seinen Aeltern, zu seinen Errettern hingieng, um sich zu bedanken. Zu seinem gro\xDFen Gl\xFCcke war es, da\xDF das Wasser damals, \xFCber die vielen aus dem Bache sonst, wie angemerkt, hoch
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empor ragenden gro\xDFen Steine viel h\xF6her gestiegen, und der arme in Gefahr gekommene Kleine, die oben bemerkte weite Strecke fortgeschwemmet worden, ohne an einen derselben zu sto\xDFen. Dieser Umstand trug viel zu seiner Erhaltung bey; sonst h\xE4tte derselbe sehr leicht am Haupte oder an einem andern Theile, bey dieser schnellen Flutt verletzet werden, und hierbey alle angewandte Bem\xFChungen fruchtlo\xDF ablaufen k\xF6nnen.
Die andere Begebenheit.
Den 1ten Nov. als am Allerheiligentage, Abends um 7. Uhr, verfiel ein 10. Tage zuvor, n\xE4mlich den 23. Okt. von einer, an der Wassersucht krank gelegenen Mutter gebohrnes, dem Vernehmen nach, nur Siebenmondenkind, ein Kn\xE4belein, in eine Ohnmacht, oder sehr tiefen Schlaf, oder in einen beyden \xE4nlichen unbenahmten Zustand, und wurde, da es von seiner Geburth an, immer kr\xE4nklich und schwach gewesen, von der Mutter und andern zugegen gewesenen Weibern, nach verschiedenen fruchtlosen R\xFCttelungen und andern Leben entdeckenden Versuchen, endlich f\xFCr tod erkl\xE4ret; hierauf in eine kalte Kammer hinausgetragen und in einer Truge eingesperret. Der Vater des Kindes kam von einer kurzen, damals unternommenen Reise, gegen, Mitternacht, nach Hause und fand kein Kind in der Stube. Auf geschehene Anfrage: wo das Kind sey? erhielt er die Antwort: Das arme ist tod, und liegt schon drau\xDFen in der Kammer in der Truhe. Er gieng hinaus, er\xF6ffnete die Truhe, fieng an das Kind zu klagen und zu beweinen; wor\xFCber dieses die Auglein er\xF6ffnete und auch zu weinen anfieng. Er
nahm dasselbe mit Freuden heraus; trugs wieder in die Stube, und \xFCbergabs der Mutter, mit einem ihr und den \xFCbrigen zugegen gewesenen Weibern gegebenen derben Verweise, da\xDF sie so unbarmherzig mit seinem Sohne gehandelt, und dessen Tod selbst bef\xF6rdern und beschleunigen wollen. Den 18. November starb die Mutter des Kindes, dieses aber lebet noch, und wird wohl, da es, besonders seit dem Tode der Mutter, sich nach und nach, je mehr und mehr erholet, noch auch die \xFCbrigen, von den Frauen, die es damals f\xFCr tod erkl\xE4ret, und auch zu beerdigen, bereits gedacht hatten, vielleicht noch \xFCberleben.