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Zeitschrift von und f\xFCr Ungern
Hrsg. von
Ludwig Schedius
Pest, Patzko, 1802
Band 1, Heft 1
II. B\xFCcher-Anzeigen
Text a) (S. 93-121)
a) Inl\xE4ndische Schriften
(P93)
Historia Regum Hungariae, cum notitiis praeviis ad cognoscendum veterem regni statum pertinentibus, opera & studio Georgii Pray, Abbatis B. M. V. de Tormova, & Cath. Eccl. M. Varad. Canonici conscripta, & in tres partes divisa. I. Pars, CLIV & 333. pag. (prater dedicat. & praef.) —
II. Pars, complectens res gestas ab anno MCCC. usque ad M.D.XXVI. 646. pag. —
III. Pars complectens res gestas ab anno M. D. XXVII. usque ad M. DCC. LXXX. 598. pag. Budae typis & sumtibus reg. Univers. Pestanae typographiae. 1801. 8. maj. — (Preis 6 fl.)
Dieses letzte Werk des verewigten
Pray geh\xF6rt unstreitig unter die merkw\xFCrdigsten literarischen Produkte, welche seit dem Anfange des gegenw\xE4rtigen Jahrhunderts in Ungern erschienen sind. Der verdienstvolle Greis endete damit, auf eine seiner w\xFCrdige Art, die Laufbahn eines k\xF6n. ungrischen Historiographen.
Als vor einigen Jahren die Nachricht unter das gelehrte Publikum kam, da\xDF Pray an einem solchem Werke arbeite, so wurde die allgemeine Aufmerksamkeit darauf un-
(P94)
gemein gespannt. Wie sollte man auch nicht von einem Manne, wie der Verf., etwas vorz\xFCgliches, meisterhaftes erwartet haben? Von ihm, der dazu einen h\xF6hern Auftrag hatte; dem so viele, Andern ganz unzug\xE4ngliche, Fundgruben zu Gebote standen; der seit mehr als vierzig Jahren sich mit einer besondern Liebe und Anstrengung diesem Fache der Wissenschaften gewidmet hatte, wo der neuen Entdeckungen noch so viele zu machen, der L\xFCcken so viele auszuf\xFCllen, der Fehler so viele zu verbessern waren; der seit langer Zeit die dazu erforderliche Ruhe und die beneidenswertheste Mu\xDFe geno\xDFen hatte, die je einem Gelehrten, besonders in Ungern, zu Theile geworden war? — Und nun erschien also dieses Werk, welches die Resultate eines l\xE4ngern Studiums, als bekanntlich Gibbon seiner Geschichte gewidmet hatte, die Resultate der mannigfaltigsten, und ausgebreitetesten historischen Untersuchungen, enthielt, und welches man also mit Recht f\xFCr die Quintessenz des Geistes, und der Gelehrsamkeit des ber\xFChmten Verf's. halten konnte. Mit welcher Begierde griff man daher nach dem dritten Theile, welcher seiner Natur nach, der interessanteste seyn mu\xDFte, und zuerst (im Jahre 1800 in einer besondern Auflage) ans Licht kam! Bey der au\xDFerordentlichen Verschiedenheit der Meinungen, und Grunds\xE4tze, die leider! in unserm Vaterlande herrscht, konnte jedoch dieses Buch, das so wichtige, und dem Interesse eines jeden Ungern so nahe liegende, Gegenst\xE4nde umfa\xDFt, unm\xF6glich einerley Wirkung \xFCberall hervorbringen. Jeder sah es durch seine Brille an, und sprach darnach sein Urtheil dar\xFCber aus! — So viel von den \xE4u\xDFern Umst\xE4nden, welche dieses. Buch merkw\xFCrdig machen. Das Innere desselben aber, was freylich den Kenner am meisten interessiert; die neuen Thatsachen, Combinationen, Ansichten, Aufschl\xFC\xDFe, u d. gl., womit durch den Verf. die Geschichte bereichert worden w\xE4re: seine Abweichungen von andern w\xFCrdigen Schriftstellern dieses Faches, z.B. von
Katona,
Palma,
Kaprinay,
(P95)
Wagner,
Cornides,
Horany,
Schl\xF6tzer,
Engel,
Gebhardi u.a.; seine Vorz\xFCge vor jenen; seine historische, Treue und Wahrheitsliebe; welchen Werth diese Arbeit habe, als Kunstwerk betrachtet, in Beziehung auf das Ideal, das dabey zum Grunde liegt, auf die Auswahl des Stoffes, auf die feine Behandlung desselben; — die\xDF Alles auseinander zu setzen, und zu w\xFCrdigen, geh\xF6rt eigentlich nicht hieher, sondern in eine Recension, dergleichen nach unserm, in der Einleitung dargelegten, Plane, diese Zeitschrift nicht vertr\xE4gt. Nur Einiges will Referent, zur schlichten Anzeige des Inhaltes, so gut es sich von einem historischen Werke thun l\xE4\xDFt, hierbeyf\xFCgen.
Den Zweck, welchen der Verf. mit dieser Arbeit erreichen wollte, giebt er selbst sehr naiv in der Vorrede, mit folgenden merkw\xFCrdigen Worten an: Historiam Hungariae, quam Statisticam vocant, parabam scribere, cum mihi vel invito alia sub manu exiit. Observari in ipso operis decursu, quam multa nobis, in hac actorum publicorum paucitate, ad hanc rite formandam, adhuc desint. Quare si eorum exspectationi, quorum iussu laborem susceperam, non respondi, veniam utique merebor.
Der Verf. beh\xE4lt im Ganzen. die n\xE4mliche Form, und dieselben Abtheilungen der ungrischen Geschichte bey, die alle seine n\xE4chsten Vorg\xE4nger gew\xE4hlt hatten. Zuerst werden die Begebenheiten der Ungern seit ihrer Auswanderung aus Asien, bis auf die Zeiten Stephans I. erz\xE4hlt; diesen Abschnitt nennt der Verf. notitiae praeviae. Dann folgt die Geschichte der K\xF6nige von Ungern im eigentlichen Verstande, welche nach der gew\xF6hnlichen Art in drey Perioden zerf\xE4llt, wovon jeder Theil des Buches eine begreift.
Die Notitiae praeviae, welche CLIV. S. f\xFCllen, und in drey Abschnitte getheilt sind,stellen den \xE4ltesten Zustand von Ungern, vor der Einf\xFChrung des K\xF6nigthums, dar, gleichsam eine Statistik jener Zeiten. In diesen
(P96)
ist die Gelehrsamkeit, der Flei\xDF, die Tendenz, und der eigenth\xFCmliche Geist des Verf.'s., wie mich d\xFCnkt, am sichtbarsten. Die vielen Fabeln, welche die alte Geschichte der Magyaren einst so sehr verunstaltet hatten, sind hier beseitigt; durch die m\xFChsamsten Vergleichungen fremder und einheimischer Denkmale, sind viele unbestimmte alte Sagen berichtigt, dunkle Angaben erl\xE4utert, und Zweifel gel\xF6st worden; wenn auch der Flei\xDF des Verf.'s noch manche Aehrenlese gestatten sollte, wie seine Bescheidenheit in der Vorrede selbst gesteht. Das Ansehen des
Anonymus, Notar's K\xF6nigs Bela ( des III. wie jetzt der Verf. glaubt, not. praev. p. XXIX.) wird gegen
Hofr. Schl\xF6tzer in Schutz genommen, so wie die
Chroniken von Thurotz und
Keza. (p. XXIX. -- XXXI. not. a.)
Die von einander abweichenden Erz\xE4hlungen des
Anonymus, und des
Constantinus Porphyrog. \xFCber das Einr\xFCcken der Magyaren nach
Pannonien, sucht
Pray dadurch zu vereinigen, da\xDF er annimmt, beyde redeten von einer andern Abtheilung der Magyaren; die des Anonymus nun w\xE4re \xFCber
Galizien, die des Constantinus aber \xFCber die
Moldau und
Walachey ins Land hereingekommen, wo sie sich dann um das Jahr 893 wieder vereinigt h\xE4tten. ( p. XXXVIII.)—
Die verschiedenen statistisch merkw\xFCrdigen Gegenst\xE4nde des alten Ungerns, werden immer erst so, wie sie urspr\xFCnglich eingerichtet waren, beschrieben und erl\xE4utert, dann meistentheils die Ver\xE4nderungen, welche sie bis auf unsere Zeiten erfahren haben, in den beigef\xFCgten Noten kurz erz\xE4hlt. So macht er es mit der Bestimmung des Umfanges von Ungern, der politischen Eintheilung des Landes, der civil- und milit\xE4r Administration, der Gerichtsform, der \xF6ffentlichen Eink\xFCnfte, der Verschiedenheit der Landeseinwohner nach ihrer b\xFCrgerlichen Rangordnung; mit der Darstellung der Einf\xFChrung, des Fortganges und der Schicksale der christlichen Religion in Ungern; mit der Schilderung jener Ver\xE4nderungen, die in der Regierungs-
(P97)
form des Reiches vorgegangen sind. Zu diesem letzten Abschnitte geh\xF6rte eigentlich das interessante Fragment, welches der Verf. aus einem Reglement
K. Ferdinands I., S. CXX. ff. mittheilt, nach welchem bereits eine \xE4hnliche ungrische Landesstelle, wie der unter
Carl VI. errichtete k. Statthalterbeyrath, gegr\xFCndet war.
Die gelehrten Streitigkeiten \xFCber die Aechtheit des Stiftungsbriefes der Benediktinerabtey zu Martinsberg sind nirgends ber\xFChrt; wohl aber diejenigen, welche \xFCber den von der griechischen oder r\xF6mischen Kirche herzuleitenden Ursprung der christlichen Religion in Ungern, so wie \xFCber den Ursprung der ungrischen Krone, und den Brief des
Pabstes Silvester II. an
K. Stephan u. d. gl. gef\xFChrt wurden.
Den Inhalt der folgenden Geschichte der K\xF6nige von Ungern, nach den drey Perioden, auszuheben, w\xE4re hier bey unserm beschr\xE4nkten Raume unm\xF6glich, und, da dieses Werk bald in aller H\xE4nde seyn wird, auch unn\xF6thig. Die Absicht unserer Anzeigen geht ohnedem nur dahin, unsere Leser mit den Producten unserer Literatur \xFCberhaupt bekannt zu machen, nicht aber ihnen in der genauern Einsicht und Beurtheilung derselben vorzugreiffen.
1) Oratio funebris in exequiis Reverendissimi ac Clarissimi Domini Georgii Pray Abbatis B.M.V. de Tormova &c. habita a Leopoldo L.B. a Schaffrath, Abbate B.M.V. de Ilda, Cathedr. Eccl. Vaciensis Canonico &c. dum regia Scientiarum Universitatis Pestiensis justa funebria, solenni ritu persolveret, die 26. Nov. 1801. – Pesthini, typ. M. Trattner. 24 pag.8. (Preis 10kr.)
2) F\xF6 Tisztelend\xF6 Pr\xE1y Gy\xF6rgy Magyar Orszag T\xF6rt\xE9netir\xF3j\xE1nak Eml\xE9kezete. (Andenken an den Hochw, Hrn. Georg Pray, Geschichtschreiber des K\xF6nigreichs Ungern) XXVI.
(P98)
Nov. MDCCCI.Pesth, mit Trattner. Schriften, I/4 Bogen.8.
Es ist gewi\xDF ein bemerkenswerther Umstand, der die Richtung unserer Literatur nicht wenig charakterisiert, da\xDF zum Andenken
dieses ber\xFChmten Gelehrten, von dem in unserer Zeitschrift schon so oft die Rede war, bisher nur obige zwey Schriften erschienen sind, da es ihm doch an Freunden, Anh\xE4ngern und Verehrern keinesweges mangelte. — Num. l. ist eine feyerliche Trauerrede, welche sein ehemaliger Sch\xFCler und vielj\xE4hriger Freund, der im Schul- und Erziehungsfache grau gewordene, verdienstvolle Hr. Abt und Domherr Baron
Schaffrath nicht nur schriftlich verfa\xDFt, sondern auch \xF6ffentlich in dem Saale der hiesigen Universit\xE4t vor einer ansehnlichen Versammlung, die er dazu einladen lie\xDF, gehalten hat. Der Zweck des Redners war, den Verewigten 1) als einen \xE4chten Priester, 2) als einen wahren Gelehrten zu schildern, und daraus den Verlust zu beweisen, den unser Vaterland und die Literatur wirklich durch seinen Tod erlitten hat. Nach einem kurzen, sehr lebhaften und von der Person des Redners hergenommenen Eingange, erz\xE4hlt er, auch als Redner, die Lebensgeschichte von Pray, nach ihren Hauptz\xFCgen, und geht dann zur Schilderung seines Charakters im Einzelnen \xFCber. Er zeigt, da\xDF sich Pray, als ein \xE4chter Priester, (integerrimus sacerdos) durch seine Fr\xF6mmigkeit, oder Liebe zu Gott, und durch seine Menschenliebe, auszeichnete: als wahrer Gelehrter aber zeigte er sich, durch Bescheidenheit, Munterkeit, und Bereitwilligkeit Andern in ihren Arbeiten beyzustehen, verbunden mit den ausgebreitetsten Kenntnissen, welche er in seinen mannigfaltigen Schriften darlegte, und welche von ganz Europa anerkannt, so wie von unsern K\xF6nigen gesch\xE4tzt und belohnt wurden.
Als eine Probe der Beredsamkeit des w\xFCrdigen Verfassers, der sich bey vielen \xE4hnlichen Gelegenheiten bereits ausgezeichnet hat, setzen wir noch den letzten Perioden
(P99)
hieher, welcher eine Apostrophe an den Verewigten enth\xE4lt. At TU quidem jam, intemerate Sacerdos, docissime Pray! in supremam Divorum Sedem illocatus, beatis mentibus infertus, virtutis & sapientiae fers mercedem, junctus mentibus sanctissimis, laurea perenni jam ibi, qua marcescibili hic dudum ornabare, redimitus, a nobis in perpetuum avulsus quidem, memoria tamen virtutis tuae & scientiae nunquam apud nos est interitura; quid aio? apud nos, nec aetates & saecula Ejus obliterabunt, aut extinguent; omni enim tempori, & serae posteritati veneranda erit doctissimi Prayi memoria, omnium versabitur manibus, omnibus in Tabulariis, Regiis Bibliothecis & Eruditorum aedibus, Tholo pene in omni, fulgebit Nomen, Laudes, Scientia, Doctrina, ut unicus Historiae Hungarae Pater, Fax, Lumen, Splendor, ornamentum nulla unquam vicissitudine interiturum.
Num. 2. ist ein ungrisches Gedicht, im elegischen Sylbenmaa\xDF, von Hrn.
Stephan Kults\xE1r, der unsern Literatoren bereits durch seinen Siegesgesang auf die
Eroberung Belgrad's im Jahre 1790, (
B\xE1r\xF3 Laudonnak N\xE1ndorfej\xE9rv\xE1ri Gy\xF6zedelme) und als Herausgeber der T\xFCrkischen Briefe, (
T\xF6r\xF6k orsz\xE1gi levelek 1794. 8.) bekannt ist. Die n\xE4chste Veranlassung dazu war die vorhergehende Rede, wodurch Hr. K. am 26. Nov., als Hr, Abt. Baron Schaffrath dieselbe \xF6ffentlich declamirte, so begeistert ward, da\xDF er sogleich diese, in einer edeln, reinen Sprache verfa\xDFten, aus vierzehn Distichen bestehenden, Verse niederschrieb. Der Hauptgedanke ist folgender: „Pray wird als Geschichtschreiber der Thaten des ungrischen Volkes unsterblich seyn. Einst wird noch einer unserer Enkel ihm ein Denkmal errichten, mit der Inschrift: Pr\xE1y Gy\xF6rgy \xE9rdeminek. Ki dits\xF6itette Haz\xE1j\xE1t, Azt feled\xE9keny hal\xE1l s\xEDrba nem ejti soha.“
(P100)
1) Systema anti-philosophicum de origine Civitatis. Authore Joanne Ad\xE1mj, AA. LL. & Phil. D. Historiae Statuum & Statisticae emeritu Professore Academiae Reg. Posoniensis. Posonii, Typis Joa. Nep. Schauff. 1801. 82 pag. 8 maj.
2) Adami Brezanoczy I.U.D. in Academia R. Poson. Juris Nat. Publ. univers. & gentium Profess. p.o. Vindiciae Systematis philosophici de Origine Civitatis, contra systema antiphilosophicum Joannis Ad\xE1mi &c. Posonii, typ. Fran. Jos. Patzko 1801. 64 pag. 8. maj.
Seitdem Hr.
Adami Alters und Schw\xE4che halber sein Lehramt niedergelegt hat, betritt er die Laufbahn des Schriftstellers, und beschenkt zum Beweise seiner fortw\xE4hrenden Wirksamkeit, nach dem Maa\xDFe seiner Kr\xE4fte, das Publikum mit mehreren kleinen Schriften. So gab er im Jahre 1800 ein
Fragmentum Statisticae Graecorum de disciplina civium heraus, und im verflossenen Jahre erhielten wir das vorliegende Werkchen Nro. i. Zu diesem veranla\xDFte ihn die Vergleichung der als Motto auch angef\xFChrten Stellen, aus
Martini’s posit. Jur. civ. und aus
Cumberland de LL. Patriarch., wovon jene den Ursprung der Staaten philosophisch, diese aber historisch angiebt. Der Verfasser ficht nun die von den meisten Staatsrechtslehrern bisher angenommene, und auch von dem Freyherrn von Martini in seine positiones de Jure Civitatis, welche in den Schulen der \xF6streichischen Erblande meist befolgt werden, aufgestellte Meynung an: „ da\xDF der Ursprung der Staaten in dem Bed\xFCrfni\xDF innerer und \xE4u\xDFerer Sicherheit feinen Grund habe, wodurch die Menschen bewogen wurden, in Gesellschaft zu treten, und (stillschweigend oder ausdr\xFCcklich) einen Vertrag miteinander einzugehen, nach welchem sie die Pflicht \xFCbernahmen, sich
(P101)
gegenseitig zur Erreichung jenes Endzweckes (der Sicherheit) beyzustehen, den sie f\xFCr sich einzeln zu erreichen nicht vermochten." Die Gr\xFCnde, womit Hr. Adami diesen Satz (den er das systema philosophicum de origine civitatis nennt) bestreitet, sind folgende.
1) Dieser Satz ist ein blo\xDFer Vernunftschlu\xDF (oder, wie der Verf. sagt, systema seu theoria); der Ursprung der Staaten aber ein Factum, welches also nur durch historische Zeugnisse, nicht durch Vernunftschl\xFCsse erh\xE4rtet werden d\xFCrfte. (\xA7. 3.)
2) Diese Meinung setzt f\xE4lschlich den Mangel an Sicherheit vor dem Ursprunge der b\xFCrgerlichen Gesellschaft voraus. Derselbe kann aber nicht vorausgesetzt werden, weder als Axiom, noch als Postulat, noch als Erfahrung. — Als Axiom nicht, sonst m\xFC\xDFte man genau angeben k\xF6nnen, wenn dieser Mangel entstanden w\xE4re, und aus welchen Ursachen? Die\xDF k\xF6nne man ja aber nicht! — Als Postulat, und als Erfahrung auch nicht; (H. A. fa\xDFt beydes zusammen S. 15.) denn die Sicherheit wird gest\xF6rt, entweder durch die Herrschaft der Leidenschaften, oder durch vermehrte Noth, crescens indigentia) diese mag nun nat\xFCrlich, oder k\xFCnstlich, (wie es, nach dem Verf. heut zu Tage der Fall ist) seyn. Keine von beyden Quellen der Unsicherheit aber konnte gleich nach der S\xFCndfluth statt haben. Die Leidenschaften n\xE4mlich, welche die Sicherheit st\xF6ren, sind: Herrschsucht, und Habsucht. Die erstere konnte damals nicht pr\xE4dominiren, indem nur wenige Menschen waren, und unter der nat\xFCrlichen Regierung der Patriarchen konnten durch die Auctorit\xE4t derselben diejenigen leicht unterdr\xFCckt werden, die sich \xFCber andere erheben wollten. — Die Habsucht konnte damals noch weniger herrschen, weil man nur solche Sachen hatte, die zur Befriedigung der nat\xFCrlichen Bed\xFCrfnisse geh\xF6rten, und die hatte man im Ueberflu\xDF, also war auch keine Noth da; alles, was Luxus betrifft, war unbekannt. — Zum Beweise davon f\xFChrt er die
(P102)
Scythen an, welche viele Jahrhunderte nach der S\xFCndfluth, dem
Iustinus (hist. II. 2.) zu Folge, ohne jene Leidenschaften lebten. — ( \xA7. 4.)
3) Aber wenn auch Mangel an Sicherheit vor dem Ursprung der Staaten vorhanden gewesen w\xE4re, so gab es ja andere Mittel, demselben abzuhelfen, als durch eine Regierung ( per imperium). Dergleichen Mittel w\xE4ren gewesen: der rechte Gebrauch der Vernunft, und des Willens; die Auswanderung, wovon man bey den Scythen, und zur Zeit der V\xF6lkerwanderung Gebrauch machte; der Widerstand mit seiner Familie, oder mit seinen Nachbaren, mit denen man sich zur Zeit der Gefahr verbunden h\xE4tte, wie die Wilden heut zu Tage noch thun. (\xA7. 5.)
4) Auch im Staate ist keine gr\xF6\xDFere Sicherheit. Keine \xE4u\xDFere; weil ein gr\xF6\xDFerer, m\xE4chtigerer Staat dieselbe st\xF6ren kann: keine innere; weil diese nur durch das, Gesetz, und die executive Gewalt erhalten wird, diese beyden aber durch eine gr\xF6\xDFere Frechheit und Macht oft eines Einzigen umgesto\xDFen werden k\xF6nnen. (\xA7.6.)
5) und 6) Bey jenem Satz wird vorausgesetzt, da\xDF die ersten V\xF6lker zerstreut, frey, und von einander unabh\xE4ngig lebten, einander unbekannt waren, und nur zuf\xE4llig sich trafen (\xA7. 7 u. 8), was aber alles sowohl der h. Schrift, als der profanen Geschichte widerstreitet. Denn beyde lehren, da\xDF von der S\xFCndfluth bis zur Sprachverwirrung, ungef\xE4hr 140 Jahre verflossen, w\xE4hrend welcher, nach Cumberlands Rechnung, mit Noah und seinen S\xF6hnen, wohlan 30,000 Menschen zusammen gelebt haben; da\xDF die Vertheilung der V\xF6lker nach den Sprachen und Verwandtschaften, durch die Patriarchen geschah, wo also kein Streit entstehen konnte; da\xDF jedes Volk in seinen ihm angewiesenen Gr\xE4nzen so lange bleiben mu\xDFte, bis es einem der Patriarchen gefiel, Colonieen aus demselben weiter wegzuf\xFChren; da\xDF, zur Vermeidung aller Verwirrung, jeder Gemeine der Familien - \xC4elteste vorgesetzt wurde, der sie durch sein nat\xFCrliches Ansehen regierte;
(P103)
da\xDF endlich diese Aeltesten und ihre Nachfolger, K\xF6nige hei\xDFen, welche die ersten K\xF6nigreiche gr\xFCndeten. (\xA7. 10)
Nachdem der Verf. auf diese Art die Unzul\xE4nglichkeit der philosophischen Theorie dargethan zu haben glaubt, so stellt er seine Meinung, die er f\xFCr die wahre h\xE4lt, auf, welche dahinaus geht, da\xDF die erste Gr\xFCndung der Staaten von den Patriarchen, Noe, Sem, Cham, und Iaphet herr\xFChre, welche die zu ihrer Zeit, theils wegen der Volksmenge, theils wegen der Sprachverwirrung, nicht mehr zusammen bestehenden Hausv\xE4ter, Colonieenweise in bestimmte Gegenden, die sie ihnen zu Wohnpl\xE4tzen anwiesen, aussandten, und jeder Colonie den \xE4ltesten Hansvatter als Chef an die Spitze stellten. (\xA7. 14.) Die erste Regierungsform war daher die monarchische (S. 15). Diese Theorie, (welche hier das systema historicum oder antiphilosophicum de orig. civit. hei\xDFt,) hat nun auch das f\xFCr sich, wie der Verf. sagt, da\xDF man daraus gleich die ersten K\xF6nige, die ersten Reiche, ihre Lage, und Gr\xE4nzen; die Ursache, den Ursprung, und den Zweck der Mehrheit jener Reiche, die Ausdehnung, und das Fundament ihrer Macht, ersehe; da\xDF man daraus weit leichter, und nat\xFCrlicher die Majest\xE4tsrechte herleiten k\xF6nne, weil dieselben n\xE4mlich alle schon von den Patriarchen ausge\xFCbt wurden, und also auf der patriarchalischen, oder v\xE4terlichen Gewalt, welche sich auf das g\xF6ttliche Gesetz gr\xFCndet, beruhen, und auf diese Art einleuchtend wird, da\xDF alle Macht von Gott sey. (\xA7. 17) Es w\xE4re auch schicklicher, f\xE4hrt der Verf. fort, da\xDF die F\xFCrsten als Patriarchen und V\xE4ter angesehen w\xFCrden, und nicht als Herren, die \xFCber Sclaven gebieten; auch zeige schon der Titel, Bruder und Vetter, womit sich die F\xFCrsten einander von jeher benennen, an, da\xDF sie Verwandte w\xE4ren, was sie auch, von Noe und seinen S\xF6hnen aus, sind. — ( \xA7. 18)
Noch sucht der Verf. einige Einw\xFCrfe gegen seinen Satz zu widerlegen (\xA7. 19—20), aber der Raum verbietet uns, ihm weiter zu folgen. Nur mu\xDF Ref. noch
(P104)
anzeigen, da\xDF der Verf. im 22. \xA7. f. den letzten Sto\xDF dem philosophischen System dadurch beizubringen sucht, da\xDF er vermuthet, es w\xE4re damals erdacht worden, cum jura regnantium successive contrahebantur, subditorum augebantur, cum pronior via sternebatur ad licentiam & ipsius conscientiae libertatem. Diese Vermuthung gr\xFCndet er darauf, a) weil jenes philosophische System von
Hugo Grotius, der ein Anh\xE4nger
Calvins, und von
Puffendorf, der ein Anh\xE4nger
Luthers war, zuerst behauptet worden sey; hae religiones in suo systemate religionario omne jam aequalitatem instituerunt, cum hierarchiam omnem sustulerunt. (Ob dies wohl historisch und logisch richtig sey, \xFCberlassen wir Andern zu beurteilen.) Utraque religio libertate conscientiae suas reformationes tuita est. (\xA7. 23.)
b) Weil vom Jahre 1619 an, wo Grotius sein
Jus belli & pacis schrieb, bis 1662, wo Puffendorf sein
Natur- und V\xF6lkerrecht verfa\xDFte, ganz Europa in politischer und religi\xF6ser G\xE4hrung war, wo in Belgien, England, Deutschland, B\xF6hmen, Pohlen, Ungern, alles Freyheit suchte, seine Herren verfolgte u.s.w. (\xA7. 24.)
c) Weil daraus die Folge entstand, da\xDF alle neueren V\xF6lker bey ihren Revolutionen, sich darauf beriefen, z.B. die \xF6streichischen Niederlande, Frankreich u.s.w. Der Verf. meint also, fundatores harum doctrinarum (d. i. der Grunds\xE4tze der Gleichheit und Freyheit bey den revolution\xE4ren V\xF6lkern) religiones secuti sunt, quae ad majorem libertatem viam sternunt, -- voluerunt respublicas & quidem democraticas, ut laxioribus civibus bene sit. -- cet.
Gegen diese Schrift des Hrn. A., deren Inhalt Ref. getreu angegeben hat, \xFCbernahm nun Hr. Brezanoczy, als \xF6ffentl. Lehrer des allgemeinen Staatsrechtes an der k. Akademie zu Pre\xDFburg, in dem Werkchen Nro. 2. die Vertheidigung der angefochtenen philosophischen Theorie
(P105)
von dem Ursprunge der Staaten. In der Vorrede zeigt er, da\xDF die von Hrn. A. angef\xFChrten Stellen, aus Martini und Cumberland, einander gar nicht widersprechen, wie Hr. A. glaubt. Denn aus dem ganzen Zusammenhange derselben, (woraus sie Hr. A. herausgerissen hat) erhellet, da\xDF Martini deswegen, weil die Geschichte von dem Urspr\xFCnge der Staaten nichts meldet, zu Vernunftschl\xFCssen seine Zuflucht genommen habe, nach welchen er denselben aus einem Vertrage herleitet; und da\xDF Cumberland selbst zugebe, mehrere Staaten k\xF6nnten in den alten Zeiten durch Vertrage entstanden seyn, nur weil die Geschichte nichts davon melde, so m\xFCsse der Historiker hier\xFCber lieber schweigen, als blo\xDFen Muthma\xDFungen nachh\xE4ngen. (Nach des Ref. Meinung hat Freyh. Martini den staatsrechtlichen Gesichtspunkt der oft erw\xE4hnten Frage scharfsinniger aufgefa\xDFt. Er sagt: Est praetera alius finis operis, propter quem agere debemus, alius finis operantis, ob quem agimus; illum Philosophus, hunc Historicus considerat. Wird n\xE4mlich die Frage vom Ursprung der Staaten in dem allgemeinen Staatsrecht aufgeworfen, so ist ihr Sinn folgender: „aus welchen Principien mu\xDF man die Idee eines Staates ableiten, um darnach zu bestimmen, wie er seyn soll?" Eine ganz andere Bedeutung aber hat jene Frage im positiven Staatsrechte, oder in der Geschichte, wo man eigentlich nur wissen will, wie dieser oder jener Staat wirklich entstanden sey, oder wie die ersten Staaten \xFCberhaupt sich wirklich gebildet haben ? — Eben so hat die Frage: „ welches ist der Ursprung der Ehen" einen ganz andern Sinn im Naturrecht, (n\xE4mlich: „nach welchen Principien entstehet die Idee der ehelichen Gesellschaft, und wie mu\xDF sie darnach beschaffen seyn"? und einen ganz andern Sinn wieder in der Geschichte, oder heutigen Erfahrung, wo man nur darnach fragt: „wie bildeten sich wirklich einst die ersten Ehen, oder wie entstehen sie gew\xF6hnlich heut zu Tage?"—
(P106)
Daraus also, da\xDF H. A. den Gesichtspunkt der Frage nicht geh\xF6rig aufgefa\xDFt hat, entstanden alle Schwierigkeiten, welche er der philosophischen Theorie zur Last legt, und die mit jener Unterscheidung auf einmal gel\xF6st sind. Indessen will Ref. doch auch, dem Plane der Zeitschrift gem\xE4\xDF, den Inhalt der Antwort des Hrn. B. anzeigen.)--
Hr. Prof. Brezanoczy sagt gleich Anfangs, die philosophische Meinung von dem Ursprung der Staaten w\xE4re deswegen der historischen vorzuziehen, weil nur aus jener die Ursache, die Art, und der Zweck des Staates, dann aus dem Zwecke die Rechte und Pflichten der Regenten und Unterthanen, ersehen werden k\xF6nnen. — Dann geht der Verf. zur Beantwortung der Gr\xFCnde \xFCber, womit H.A. die philosophische Theorie bestreitet, und die ich oben angef\xFChrt habe. So erwiedert Hr. Br.
Ad 1) Der Ursprung der Staaten wird (im allg. Staatsrecht) nicht als ein factum betrachtet, sondern als eine veritas, quae fieri potuit, imo debuit, si tam hominum, quam civitatis naturam philosophice examinemus. ( Ref. w\xFCrde gesagt haben: „als eine Idee, die zuerst begr\xFCndet werden mu\xDF, um daraus den Zweck, und die Natur des Staates herzuleiten.") Folglich mu\xDF sie allerdings durch Vernunftschl\xFCsse erh\xE4rtet werden.
Ad 2) Der Mangel an Sicherheit vor dem Urspr\xFCnge der Staaten erhellt aus der Natur des Menschen; einige n\xE4mlich besitzen so wenig Einsicht, da\xDF sie gar nichts B\xF6ses zu thun glauben, wenn sie Andere beleidigen; andere achten weder auf Gerechtigkeit, noch Billigkeit; andere gebrauchen das Recht des St\xE4rkern; andere folgen blo\xDF ihrem Kopfe, oder ihren Leidenschaften, die desto heftiger sind, je geringer die sittliche Kultur bey ihnen ist. --Da\xDF man nicht angeben kann, wann das zuerst anfing so zu geschehen, k\xFCmmert den Publicisten nicht; das ist Sache des Historikers. — Da\xDF die Patriarchen alle Ruhest\xF6rungen unterdr\xFCckt haben sollen, war nicht m\xF6glich, da sie selbst von einander unabh\xE4ngig waren, und die
(P107)
Untergebenen des einen, die Herrschaft des andern Patriarchen nicht anerkannten. — Was die Scythen betrifft, so waren ja die schon im Staate; sie beweisen also mehr wider Hrn. A.
Ad 3) Die von Hrn. A. angegebenen Mittel auch au\xDFer dem Staate Sicherheit zu erhalten, sind a) „der rechte Gebrauch der Vernunft." Der ist nicht m\xF6glich, weil die meisten Menschen nur nach sinnlichen Eindr\xFCcken handeln, b) „Die Auswanderung." Diese ver\xE4ndert die Leidenschaften der Menschen nicht, und setzt neuen Gefahren bey den Nachbarn, Fremden u. s. w. aus. c) „Der Widerstand." Kann man nicht bey allem Widerstand todtgeschlagen, oder \xFCberwunden werden? K\xF6nnen nicht die Nachbarn die gebetene Hilfe verweigern? u.s.w.
Ad 4) Im Staate ist auch keine gr\xF6\xDFere Sicherheit , sagt Hr. A., und zwar warum? Weil nicht die allergr\xF6\xDFte ist. Die Unrichtigkeit dieses Schlusses ist offenbar.
Ad 5) & 6) Die von H. A. angef\xFChrten Folgerungen aus der H. Schrift und der Profangeschichte beweisen nicht, da\xDF nicht vor der S\xFCndfluth schon Staaten gewesen w\xE4ren, vor welchen die Menschen zerstreut und unabh\xE4ngig lebten; ja sie beweisen vielmehr, da\xDF auch nach der S\xFCndfluth die V\xF6lker vertheilt, also zerstreut, und unter verschiedenen H\xE4uptern, also unabh\xE4ngig von einander waren; da\xDF zwischen den Hausv\xE4tern gewi\xDF Collisionen entstehen mu\xDFten, denen nicht anders, als durch gesellschaftliche Verbindung mit andern, ( durch den Staat) abgeholfen werden konnte.
Gegen die historische Meinung des Hrn. A. vom Ursprung der Staaten, wendet Hr. Br. ein, da\xDF nach der h. Schrift weder Noe, noch seine S\xF6hne Colonieen ausschickten, denen sie Pl\xE4tze h\xE4tten anweisen k\xF6nnen, sed divisit eos, (Noemum ejusque filios) dominus ex illo loco in universas terras. Gen. XI. —
Wie h\xE4tte auch bey der Sprachverwirrung Noe
(P108)
das thun k\xF6nnen; es hatte ihn ja kein Mensch verstanden! —
Nun f\xE4hrt Hr. Br. weiter fort, zu zeigen, da\xDF die Schwierigkeiten, die Hr. A. der philosophischen Theorie vorwirft, leicht zu l\xF6sen seyen, da\xDF aus dieser Theorie die Majest\xE4tsrechte weit leichter und consequenter fl\xF6\xDFen, da\xDF der Beweis von der Schicklichkeit keinen Grund habe u.s.w.
Was die Vermuthung des Hrn. A. wegen der Erfindung dieser philosophischen Theorie, wie er sie nennet, betrifft, so erweiset Hr. Br., da\xDF nicht Grotius und Puffendorf dieselbe zuerst gelehrt haben, sondern schon
Plato,
Aristoteles,
Cicero sie aufgestellt hatten. — Da\xDF aber Grotius und Puffendorf Protestanten waren, trage so wenig zur Sache bey, als da\xDF Plato, Aristoteles und Cicero Heiden waren. Und Grotius und Puffendorf pr\xE4gen einstimmig den Satz ein: Animal vere politicum, id est, bonum civem illum dicimus, qui jussis Imperantium promte paret, qui ad bonum publicum omnibus viribus connititur, ac post illud privatum bonum lubenter habet. Puff. de off. hom. II.5.)
Da\xDF aber die neueren Revolution\xE4rs sich auf diese Theorie berufen, kann derselben eben so wenig zum Vorwurf gereichen, als der h. Schrift, da\xDF aus ihr so viele Ruhest\xF6rer, Schw\xE4rmer, und B\xF6sewichte Gift zu saugen wu\xDFten.
Unsere Leser werden hoffentlich verzeihen, da\xDF Ref. bey der blo\xDFen Anzeige dieser kleinen Schriften so weitl\xE4uftig war. Aber da dieselben schwerlich in vieler H\xE4nde kommen k\xF6nnen, so m\xFCssen sie wenigstens hiedurch bekannter werden; und \xFCberhaupt sind dergleichen philosophische Disputen f\xFCr die Literatur in vielen R\xFCcksichten so interessant, da\xDF sie alle Aufmerksamkeit verdienen.
(P109)
Plantae rariores Hungariae indigenae, descriptionibus & iconibus illustratae. Decas I-VIII. (80 Seiten Text, und 80 Kupfertafeln, in Folio).
Jeder unbefangene und mit einigen naturhistorischen Kenntnissen ausger\xFCstete Leser, mu\xDF das gegenw\xE4rtige Werk als das herrlichste Denkmal einer edeln, vern\xFCnftig angewandten Liberalit\xE4t, eines gr\xFCndlichen, und auf praktischen Nutzen abzielenden Studiums der Pflanzenkunde, so wie des ausdauerndsten Flei\xDFes und einer musterhaften Verwendung von Seite der Herausgeber hochsch\xE4tzen: aber zugleich mu\xDF es jeder Unger, als eine vortreffliche Sammlung von Belegen des unersch\xF6pflichen Reichthumes an Natursch\xE4tzen, die unser Vaterland besitzt, mit patriotischer Freude aufnehmen. Es geh\xF6rt nicht in den Umfang einer blo\xDFen Anzeige, durch Vergleichung mit andern naturhistorischen Schriften \xFCber Ungern, z.B. von Clusius, Marsigli, u.d.gl. zu untersuchen, ob wir wohl bisher ein Werk in Ungern aufzuweisen haben, wodurch sowohl die Kenntni\xDF der nat\xFCrlichen Beschaffenheit dieses Landes, als auch zugleich die Naturgeschichte \xFCberhaupt, so sehr bereichert worden w\xE4re, als durch das vorliegende. So viel aber darf Ref. k\xFChn behaupten, da\xDF die beyden sch\xE4tzbaren Herausgeber dieses Werkes, Hr.
Graf Franz v. Waldstein, und Hr.
Paul Kitaibel, auf den Dank jedes gebildeten Ungern, so wie eines jeden wahren Freundes der Naturwissenschaften \xFCberhaupt, sicher rechnen d\xFCrfen.
Der Druck, welcher zu Wien besorgt wird, ist rein und elegant, die Kupfertafeln sind so vortrefflich gestochen und illuminirt, da\xDF sie den Wiener K\xFCnstlern gewi\xDF Ehre machen. Noch kennt Ref. die Druckerey und die K\xFCnstler nicht, welche sich hiebey auszeichnen, indem das Titelblatt und die Vorrede des ersten Bandes, nur mit der zehnten Decade, welche nach dem Plane der Verfasser, diesen Band schlie\xDFen soll, ausgegeben wird. — Die erste Decade kam im November 1799 heraus, und so,
(P110)
wie es in der Ank\xFCndigung versprochen ward, erschienen j\xE4hrlich vier Decaden, wovon wir die achte im November vorigen Jahres erhalten haben. Die Absicht der Herausgeber war nicht, alle in Ungern wild wachsende Pflanzen darzustellen, sondern mit sorgf\xE4ltiger Auswahl nur diejenigen, die entweder ganz unbekannt, oder noch nicht hinl\xE4nglich bekannt sind. Ihr Hauptaugenmerk war dann auf genaue und so viel m\xF6glich richtige Beschreibung und Abbildung derselben, gerichtet, so wie auf die Angabe ihrer Stand\xF6rter und Bl\xFCthezeit in Ungern, auf die Anf\xFChrung ihrer Trivialnamen in den verschiedenen bey uns \xFCblichen Sprachen, und auf die Anzeige des \xF6konomischen, technischen und medicinischen Gebrauches der aufgef\xFChrten Gew\xE4chse.
Um einigerma\xDFen unsern Lesern eine Uebersicht des Inhaltes zu geben, wollen wir die in den acht vor uns liegenden Heften dargestellten Pflanzen, folgenderma\xDFen rubriciren.
a) Bisher noch ganz unbekannte, und hier zuerst beschriebene Gew\xE4chse sind: Lactuca sagittata (tab. 1), Achillea lingulata (2), Lepidium crassifolium (4), Scabiosa longifolia (5), Alyssum murale (6), Symphytum cordatum (7), Vinca herbacea (9), Ranunculus crenatus (10), Scabiosa banatica (12), Scabiosa corniculata (13), Phyteuma canescens (14), Allium atropurpureum (17), Saxifraga hieracifolia (18), Crepis rigida (19), Peucedanum arenarium (20), Glycyrrhiza glandulifera (21), Cerastium anomalum (22), Senecio vernalis (24), Trifolium macrorrhizum (26), Trifolium angulatum (27), Aster canus (30), Kitaibela vitifolia (31), ein neues Geschlecht, so wie auch Waldsteinia Geoides, (77), (so hatte diese beyden der ber\xFChmte Botaniker Willdenow in Berlin benennt); Beta trigyna (35), Trifolium pallidum (36), Dianthus collinus (38), Plantago tenuiflora (39), Glypsophila arenaria (41), Trifolium dentatum (42),
(P111)
Ranunculus polyphyllus (45), Astragalus eriocephalus (46), Alcea pallida (47), Lactuca stricta (48), Plantago arenaria (51), Carduus nitidus (52), Scabiosa canescens (53), Euphorbia lucida (54), Iris arenaria (57), Crataegus nigra (61), Camphorosma ovata (63), Campanula lingulata (64), Achillea crithmifolia (66), Polygonum arenarium (67), Allium setaceum (68), Crepis hieracioides (70), Thymus montanus (71), Artemisia monogyna (75), Salsola arenaria (78). --
b) Bisher zwar unbekannte, aber doch schon vor der Ausgabe dieses Werkes im Indice horti botanici Pesthienis, und daraus in Ehrhardts Beytr\xE4gen angezeigte sind: Silene longiflora, Cardus radiatus, Brassica elongata, Silene dichotoma, Achillea ochroleuca, Crepis hispida, Trifolium diffusum, Cucubalus multiflorus, Turritis patula, Digitalis lanata. -- Die Euphorbia salicifolia, eine bis auf unsere Zeiten unbekannt gebliebene Pflanze, ist vor wenigen Jahren durch Host in der Synopsis plant. Austriac. bekannt gemacht worden. — Das Peucedanum sibiricum ward erst in den letzten Jahren in Sibirien aufgefunden. Die Artemisia scoparia kannte zwar schon Clusius vor 200 Jahren, sogar unter dem noch itzt \xFCblichen ungrischen Trivialnamen Sepr\xF6f\xFC; aber sie ward bisher von den \xFCbrigen Botanikern \xFCbersehen.
c) Solche, die schon theils von Linn\xE9, theils von andern Botanikern aufgef\xFChrt wurden, aber selten, und bey uns nicht vermuthet worden sind. Unter diesen sind die merkw\xFCrdigsten die Tilia alba, (die wei\xDFe Linde, fej\xE9r oder \xE9des h\xE1rsfa), und die Nymphaea Lotus; theils ihres \xF6konomischen Nutzens wegen, theils weil bisher Niemand geglaubt hatte, da\xDF sie in Europa anzutreffen seyen. Die wei\xDFe Linde hielt man f\xFCr einen nur Amerika eigenen Baum, und die Nym. Lot. hatte man bisher nur in den hei\xDFesten Gegenden der Welt gefunden; in Europa sah man sie selbst in G\xE4rten noch nie lebendig.
(P112)
Aus der Uebersicht des Inhaltes erhellt das Verdienst dieses Werkes zur Gen\xFCge. M\xF6chten doch recht viele unserer Mitb\xFCrger dasselbe geh\xF6rig sch\xE4tzen, und eine Unternehmung bef\xF6rdern helfen, die unserm Vaterlande zu wahrer Ehre, und den Wissenschaften selbst zum gro\xDFen Nutzen gereicht!
1) Festivum Syncharma, quod tribus successive splendidissimis dignitatibus -- nuper admodum ex singulari regia gratia aucto atque exornato Excelentissimo ac Ill. D. Com. Francisco Sz\xE9ch\xE9nyi de S\xE1rv\xE1ri Fels\xF6-Vid\xE9k cet. cecinit nuncupavitque Michael Tertina in R. Academiae M. Varadinensis Archigymnasio Humaniorum Literarum Professor p. o. Mense Martio Anno MDCCC. - Cassoviae ex typogr. Ellingeriana 1801. 42 pag. 4.
2) Sancti Basilii Magni cet. Oratio ad scholasticam adolescentiam, de singulari classicorum auctorum lectionis utilitate. Ex versione latina olim Romae vulgata. Cassoviae, typ. Ellingerianis 1801. 40 pag. 8.
Der ungemein flei\xDFige Verfasser des Gedichtes Num. 1. hat seinen feurigen Eifer f\xFCr die Literatur schon durch mehrere Proben an den Tag gelegt. Einige Zeit nahm er an der Abfassung und Herausgabe der in den Jahren 1790 — 92 zu Ofen in lateinischer Sprache, unter der Aufschrift: Ephemerides polit. literariae, erschienenen Zeitung Antheil; manche Aufs\xE4tze von ihm enth\xE4lt auch der Merkur von Ungern, herausgegeben von
Kovachich. Als \xF6ffentlicher Lehrer zu Gro\xDFwardein fing er an ein Werk auszuarbeiten, welches die Biographieen der Dichter Ungerns, theils in metrischer, theils in ungebundener Rede enthalten, und den Titel: Templum honoris vatibus Hungariae sacrum f\xFChren soll. Nach seinem Plane, den
(P113)
er im Jahre 1794 \xF6ffentlich ank\xFCndigte, sollte dasselbe ein Seitenst\xFCck zu Weszprimi's Biographieen ber\xFChmter Aerzte von Ungern und Siebenb\xFCrgen, und zu Haner's Adversarien \xFCber die historischen Schriftsteller von Ungern und Siebenb\xFCrgen seyn. Noch ist dieses Buch nicht erschienen, aber als Vorl\xE4ufer davon gab der Verf. im Jahre 1799 heraus: Simonis Faba Pannonii Trenchiniensis, Canonici Strigoniensis Carmina, edita per
Mich. Tertina Eperienensem. Cassoviae. 222 pag. 8. Denn das obenerw\xE4hnte Werk sollte auch zugleich eine Anthologie der besten lateinischen Gedichte von ungrischen Verfassern enthalten.
Im verflossenen Jahre lie\xDF dieser th\xE4tige Literator die kleinen Schriften drucken, deren Titel wir oben angegeben haben. Num. 1. ist ein Gl\xFCckwunsch, in lat. Poesie, an Seine Erzellenz den Grafen Franz Sz\xE9ch\xE9nyi, (den beynahe alle Gelehrten Ungerns bisher als einen der gr\xF6\xDFten M\xE4cenaten verehrten) als derselbe von Sr.Majest\xE4t im Jahre 1798 zum Obergespann des l\xF6bl. Schimegher Comitats, im Jahre 1799 aber zum Beysitzer des Septemvirats (des h\xF6chsten Appellationsgerichts in Ungern), und zum Oberstk\xE4mmerer des K\xF6nigreichs Ungern (Cubiculariorum Regalium Magister) ernannt ward. Das von S. 5-19 flie\xDFende, mit vieler Gelehrsamkeit durchwebte, und tausendf\xE4ltige W\xFCnsche enthaltende Gedicht, wird von S. 20-42 mit vielen, wirklich literarisch merkw\xFCrdigen Anmerkungen erl\xE4utert. Am Ende sind noch einige Verse ad juventutis patriae principem Illustr. D. Comitem Ludovicum Sz\xE9ch\xE9nyi &c. beygef\xFCgt, dem er als Neujahrsgeschenk das oben erw\xE4hnte festivum syncharma \xFCberschickte.
Num. 2. ist ein neuer Abdruck der bekannten Rede des h. Basilius, nach einer alten lateinischen Uebersetzung, \xFCber den Nutzen des Lesens alter klassischer Auctoren. Es ist ein sehr gl\xFCcklicher Gedanke gewesen, bey uns, wo das verst\xE4ndige Lesen der alten Classiker, welches doch die Grundlage aller Bildung ausmacht, immer
(P114)
mehr vernachl\xE4\xDFigt wird, auch durch die Auctorit\xE4t eines Kirchenvaters zu empfehlen. Die Fa\xDFlichkeit der Gr\xFCnde, welche hier vorgebracht werden, verbunden mit einem leichten, klaren Stile, macht sie auch f\xFCr Sch\xFCler, der untern Classen sehr brauchbar. Sie ist von dem Herausgeber, Hrn. Prof. Tertina, dem jungen Grafen Paul Sz\xE9ch\xE9nyi, durch ein vorangeschicktes Gedicht, gewidmet.
Francisci Klohammer Cler. Reg. Schol. Piar. AA. LL. & Ph. D. in Reg. Acad. Zagrab. Matheseos purae & adplicatae, Architecturae civilis & Hydrotechnicae Professoris p. o. Theoria Aequationum primi & secundi gradus conscripta ac pluribus exemplis illustrata. Zagrabiae, typ. Novoszelianis. 1801. 122 pag. 8.
Die Absicht des Verfassers, der bisher vor dem literarischen Publikum nur als lateinischer Dichter noch erschienen ist, war bey der Herausgabe dieser Schrift, blo\xDF die Erleichterung des ersten Unterrichts in der Algebra. Mit musterhafter Bescheidenheit gesteht er selbst, aus den gr\xF6\xDFern Werken unserer gesch\xE4tztesten Mathematiker, eines Vega, Unterberger, Metzburg, Metz, -- Mako, Horwath, Dugonits, Rausch, gesch\xF6pft zu haben. Sein Verdienst w\xE4re nur, da\xDF er alles nach der, Anf\xE4ngern ungemein verst\xE4ndlichen, Methode des Hrn. Abt Rausch vorzutragen, so wie vorz\xFCglich durch viele gew\xE4hlte Bepspiele zu erl\xE4utern, gesucht habe. Das Buch zerf\xE4llt in zwey Theile, wovon der erste von S. 1-103. die Gleichungen vom ersten Grade, der andere von S. 103-122, die vom zweyten Grade enth\xE4lt. Der erste Theil besteht aus 5 Kapiteln; das erste handelt von den Gleichungen \xFCberhaupt: das zweyte von der Reduction der Gleichungen; das dritte von der Aufl\xF6sung der Gleichungen vom ersten Grad, mit zwey unbekannten Gr\xF6\xDFen; das vierte von der Aufl\xF6sung solcher Gleichungen mit drey unbekannten
(P115)
Gr\xF6\xDFen; das f\xFCnfte von der Aufl\xF6sung unbestimmter Probleme, worin zwey oder drey unbekannte Gr\xF6\xDFen vorkommen. — Der zweyte Theil besch\xE4ftigt sich mit den Gleichungen vom zweyten Grad, und enth\xE4lt XII ausgesuchte Probleme zur Uebung f\xFCr Anf\xE4nger. Der Stil ist deutlich, und so viel m\xF6glich rein. Die Kosten des Drucks hat mit besonderer Freygebigkeit der Hr. Graf Alexander Erd\xF6dy dargeboten, wie man aus der an denselben gerichteten Dedication ersehen kann.
Lazari Somssich de S\xE1rd Carmina. s. l. & a. 1 Bogen. 4.
Es sind zwey lateinische Gedichte, womit der Herr Verfasser dem allgemein verehrten Helden, Erzherzog Karl, nach seiner Genesung aus zweymaliger gef\xE4hrlicher Krankheit im M\xE4rz und May 1801, auch seine Theilnahme bezeigen wollte. Daher hat er auch jedem die Ueberschrift gegeben, Soterion. Reinheit der Sprache, flie\xDFender Versbau, und Reichthum an sch\xF6nen Bildern, bezeichnen auch diese Gedichte des Hrn. von Somssich. Man sehe nur gleich die ersten Strophen!
Erepta qualis fluctibus Adriae
Navis furentis robore providi,
Docta & gubernatoris arte
Littora iamiam aditura gaudet;
At mox procellarum inter adhuc minas
Ictu ruentem dum subito ducem
Videt, tremit, pallet timendo
Omnia, paene salutis exspes.
Audetque caelos vix tacita prece
Orare, grandi caeca periculo
Stupensque. Talis visae magnae
Nuper erat facies Viennae.
(P116)
Dennoch m\xF6chte Referent das Dichtertalent des geistreichen Verf.'s nicht nach diesen gedruckten Proben allein beurtheilen, da mehrere Freunde desselben weit vorz\xFCglichere fr\xFChere Gedichte von ihm handschriftlich besitzen, die ganz den liberalen, edlen, und urbanen Geist athmen, den die venusinische Muse ihm aus Dankbarkeit, f\xFCr die leidenschaftliche Huldigung, womit er sie verehrt, eingehaucht hat. Es w\xE4re zu w\xFCnschen, da\xDF sich der Verfasser entschl\xF6sse, dieselben der Welt mitzutheilen, und sich dadurch selbst, bey seinem herannahenden Alter, ein seiner w\xFCrdiges Monument zu setzen.
Carmina quaedam Joannis Nicolai R\xE9vai, Dioec. Jaurin. Presb. secular. artis delineat. archit. & humanior. Professoris emeriti. Accesserunt amicorum judicia recentiora. Sopronii, typ. Ant. Siefs. 1801. 48 pag. 8. (Preis 10 kr.)
Die Zueignung dieser neuesten lateinischen Producte des als gl\xFCcklichen Dichter gesch\xE4tzten Verf.'s, welche an seine Freunde in Lapidarstil gerichtet ist, zeigt die Veranlassung zur Herausgabe dieses Werkchens an. Herr R\xE9vai hatte eine schwere Krankheit gl\xFCcklich \xFCberstanden; die Freude, welche seine Genesung bey den Freunden desselben erregte, die G\xFCte, womit sie ihn wetteifernd zu sich einluden, dann aufnahmen, pflegten, und zur Wiederherstellung seiner v\xF6lligen Gesundheit alles beyzutragen sich bem\xFChten, weckte das reinste Gef\xFChl des Dankes in dem Verf., welches sich nun durch diese Gedichte \xE4u\xDFerte. Aus dieser \xE4chtpoetischen Quelle fl\xF6ssen nun die sch\xF6nen Elegieen an die zwey w\xFCrdigen Pr\xE4laten, den Bischof von Siebenb\xFCrgen, Joseph Martonsi, und den Probst von R\xE1t\xF3th Mich\xE4el Paintner, so wie das carmen phaleucium an den Professor des bisch\xF6flichen Lyceums zu Raab Joseph Tumpacher, die alle der lateinischen Muse des Verf.'s, deren Producte schon unter dem Titel: Joan. Nicolai R\xE9vai Latina (Jau-
(P117)
rini. 1792, 194 S.8.) mit vielem Beyfall aufgenommen wurden, nicht unw\xFCrdig sind. Ueberhaupt geh\xF6ren die meisten Elegieen dieses unsers Landsmannes unter die gelungensten Versuche der neuern lateinischen Poesie. Wie ganz im Geiste der Alten, wie \xE4cht dichterisch ist die Elegie auf den Tod des Kaiser Leopold II! Wie wahr der Affect des bittern Schmerzens, ausgedr\xFCckt, der den gef\xFChlvollen Unterthan bey der unerwarteten Nachricht von dem pl\xF6tzlichen Todesfalle dieses gro\xDFen Monarchen, ergreiffen mu\xDFte! (Latina, pag. 133)
Quis te furtivam temerarius exciit error?
Impia mors, ausu proh! nimis atra tuo.
Ne lacrimis inhibere suis te dira minantem
Promta forent, quae nunc saucia regna gemunt:
Scilicet hoc id erat, cur non praevisa venires,
Nec solitas faceres gentibus ante minas.
Insidiis brevibus, ne quid nocitura puteris,
Heu! quanta subito caede cruenta tumes! &c.
Au\xDFer den erw\xE4hnten Gedichten, f\xFCgte Hr. R. in dem vorliegenden Werkchen noch ein Trauergedicht auf den im September 1800 erfolgten Tod des kais. Hofr. und Bibliothekars Denis bey, welches auch dem Hrn. Probst Paintner, als einem der vertrautesten Freunde jenes Gelehrten, zugeeignet ist, und worin die Eigenschaften und Verdienste des Verstorbenen sch\xF6n auseinander gesetzt werden. Aus den diesem Gedichte beygef\xFCgten Noten lernen wir auch die literarische Neuigkeit, da\xDF der w\xFCrdige Probst Paintner bereits ein sch\xE4tzbares, und auch f\xFCr die ungrische Literatur wichtiges Werk, zum Druck bereit liegen habe. unter folgendem Titel: Bibliotheca Scriptorum Societatis Jesu, olim Provinciae Austriacae, quae complexa est Hungariam, Croatiam, Slavoniam, Austriam, Transilvaniam, Styriam, Carinthiam, Carnioliam, Comitatum Go-
(P118)
ritiae, Istriam Austriacam, ac ad annum MDCXIX Bohemiam quoque, Moraviam & Silesiam. Ab anno MDLIV ad annum MDCCC. Dieses Werk enth\xE4lt die Anzeige von mehr als 1400 Schriftstellern, unter denen \xFCber 500 Ungern, Siebenb\xFCrger und Kroaten sind, von denen im Jahre 1800 noch 70 lebten.
Noch ist beygef\xFCgt ein ungrisches Gedicht \xFCber das neue Jahrhundert, an das auch eine deutsche \xDCbersetzung angeschlossen ist; beyde dem Bischof von Siebenb\xFCrgen gewidmet. Am Ende sind noch kleine Gedichte einiger Freunde an Hrn. R\xE9vay, unter denen sich das Epigramm vom Hrn. Probst Paintner durch eine lebhafte Einbildungskraft, seinen Witz, und \xE4sthetische Einheit, so vorz\xFCglich auszeichnet, da\xDF ich mich nicht enthalten kann, meine Leser darauf aufmerksam zu machen.
Stravit R\xE9vaium manas per viscera tabes,
Exanguem, & fractum membra labore gravi:
jamque, diu varia nil proficiente medela,
Intendere feras ultima fata minas.
Ille lyram increpuit vel languens blanda sonantem,
Carmen ut extremum concinat albus olor.
Mors stupuit: retulitque pedem suffusa pudore;
Excidit ut saeva falx nocitura manu.
Nunc veteres reparat vitiato in pectore vires
Herbis ipse Pater promptus Apollo suis.
Geographie und Geschichte des K\xF6nigreichs Ungern, f\xFCr Kinder. Vierte, vermehrte und fortgesetzte Auflage. Pre\xDFburg, bey Andr. Schwaiger Buchh\xE4ndler. 1800. (Mit einem Kupferstich, welcher die ungrische Krone vorstellt) 184 S. (Preis 30 kr.)
(P119)
Obgleich die Jahrzahl 1800 auf dem Titel steht, so ist dieses Buch doch nur erst in dem n\xE4chst verflossenen Jahre herausgekommen, wie schon die S. 177 vorkommenden Artikel des L\xFCneviller Friedens vom 9. Febr. 1801 bezeugen, und geh\xF6rt daher unter diejenigen, die wir anzuzeigen haben. Es ist eigentlich
das von dem verstorb. Windisch zum Gebrauche f\xFCr Kinder verfertigte Schulbuch, welches unter dem n\xE4mlichen Titel im Jahre 1785 schon zum drittenmale im Verlage des ehemaligen Buchh\xE4ndlers L\xF6we in Pre\xDFburg erschienen war. Nun hat das Verlagsrecht davon Hr. Schwaiger in Pre\xDFburg \xFCbernommen; er ersuchte daher Hrn. Georg Belnay, Professor der ungrischen Geschichte an der k\xF6nigli. Akademie in Pre\xDFburg dasselbe zu berichtigen, zu vermehren, und fortzusetzen, damit er eine neue Auflage besorgen k\xF6nnte.
Hr. Professor Belnay, dem wir bereits mehrere Schriften in dem historischen Fache verdanken, suchte nun in dem geographischen Abschnitte des Buches nur dasjenige zu verbessern, was ihm als Hauptfehler der vorigen Ausgaben auffiel. Z.B. statt 2790 □ Meilen, und 3,170,000 Einwohner, welche, nach den vorigen Ausgaben, Ungern haben sollte, setzte H. B. 3721 □ Meilen, und 6,350,000 Einwohner. (Hr. B. hat die Anzahl der Einwohner von Ungern nach der Conscription vom Jahre 1785 angegeben, und nicht nach der letzten vom Jahre 1787.) Windisch hatte die Zahl der katholischen Bisch\xF6fe in Ungern nicht bestimmt angegeben; Hr. B. setzt sie auf sechszehn. (Es sind aber nur 15 in Ungern, ohne den Nebenl\xE4ndern; s. oben S. 68). Die Contribution ist nun auch richtiger angegeben, als vorher. Zu den Beschreibungen von Pre\xDFburg, und Pesth sind hier die neuen Ver\xE4nderungen und Versch\xF6nerungen dieser St\xE4dte hinzugekommen. Au\xDFerdem ist in der Geographie von Ungern wenig ver\xE4ndert worden. Daher k\xF6mmt noch die Vodrogher, und Sarander Gespannschaft vor; Sch\xFCmegh und Ke\xDFthely wer-
(P120)
den in das Schimegher Comitat versetzt, und von dem letztern, in unsern Zeiten durch das Georgikon und andere vortreffliche Anstalten des verehrungsw\xFCrdigen Grafen Georg v. Festetits so ber\xFChmt gewordenen Orte, wird nichts weiter gesagt, als da\xDF er ein Marktflecken w\xE4re, der vor dem T\xFCrkenkriege in sehr guten Umst\xE4nden war. Zinkendorf im Oedenburger Comitate ist gar nicht genannt; und doch mu\xDF es durch seine Merkw\xFCrdigkeiten, die Graf Franz v. Sz\xE9ch\xE9nyi demselben in den neuern Zeiten verlieh, gewi\xDF jedem Knaben bemerkenswerther seyn, als Forchtenstein, und Tschorna, wie sie hier beschrieben werden. Auch die Sarander, Krasiner und mittlere Solnoker Gespannschaft, nebst dem K\xF6warer Bezirke, die doch, wie es S. 55 hei\xDFt, im 17. Jahrhundert an Siebenb\xFCrgen gekommen sind, werden hier, wie in den vorigen Auflagen, als ungrische Comitate aufgef\xFChrt, u. d. gl.
Der historische Abschnitt des Buches ist um volle 80 Seiten vermehrt worden. Von S. 104 an, wo die n\xE4chst vorhergehende Ausgabe, mit der Erz\xE4hlung der ersten Regierungsjahre Josephs II. endigte , setzte Hr. Prof. B. die neuere Geschichte von Ungern bis zum 9. Febr. 1801 fort. Die Geschichte Franz II. nimmt volle 71 Seiten ein. (Bey dem Domherrn Katona, in seiner drey B\xE4nde ausmachenden Epitome rerum Hungaricarum cet. f\xFCllt dieselbe bis zum Jahre 1797 nur 27 Seiten.) Der franz\xF6sisch - \xF6streichische Krieg wird sehr umst\xE4ndlich, nach guten Quellen beschrieben; vielleicht f\xFCr Kinder zu weitl\xE4uftig und zu unverst\xE4ndlich.- Nach dem Gesagten glaubt Ref., da\xDF eine neue Umarbeitung, oder vielmehr eine durchaus originelle Bearbeitung der Geographie und Geschichte von Ungern f\xFCr Kinder, welche schon seit einiger Zeit von einem andern Verf. im Werke ist, auch neben dieser vierten Austage bestehen k\xF6nne. Gelegentlich kann Ref. hiebey anzeigen, da\xDF jene neue Bearbeitung nur dadurch verz\xF6gert wird,
(P121)
weil von den bessern Quellen, aus denen dabey gesch\xF6pft werden soll, noch einige uner\xF6ffnet sind.
Az oltalmaz\xF3 himl\xF6r\xF6l. Irta a’ Kom\xE1romi N\xE9p’ meg-vil\xE0gosit\xE1s\xE1ra k\xFCl\xF6n\xF6ssen Nagy S\xE1muel, az orv. Tudom. Doctora, a’ Jenai Mineralog. Tud\xF3s T\xE1rsas\xE1g’ v\xF3lt Secret\xE1riussa. most levelez\xF6 tagja, ugyan a’ Jenai Orvosok Tud\xF3s T\xE1rsas\xE1g\xE1nak, a’ Westf\xE1liai Term\xE9szet visg\xE1lo Pruszszus Kir. T\xE1rsas\xE1gn. \xE9s a’ Gothai ’s Altenburgi erd\xF6ket mivel\xF6 Tud. T\xE1rs. levelez\xF6 Tagja. (Von den Schutzbl\xE4ttern, Zur Aufkl\xE4rung des gemeinen Volkes von Komorn besonders geschrieben von Samuel Nagy, Doctor der Arzneyk. u. s. w. Kontorn, bey Weinm\xFCllers Wittwe 1801. 1 Bog. 8.
Hier begn\xFCgen wir uns nur den Titel dieser n\xFCtzlichen Volksschrift, und ihre Erscheinung anzuzeigen. In einem der n\xE4chsten Hefte werden wir bem\xFCht seyn, alles was uns \xFCber die Geschichte der Kuhpocken in Ungern bekannt geworden ist, genauer unsern Lesern darzulegen.